Schweiz: Herrscher über Tibet: Wen Jiabao auf Arbeitsbesuch in der Schweiz

Besuch des chi­ne­si­schen Pre­miers: Schweiz muss Posi­tion zur Min­der­hei­ten­po­li­tik Chi­nas beziehen

Bern, 26. Januar 2008

Ver­schie­dene Mit­glie­der des Bun­des­ra­tes emp­fan­gen mor­gen Diens­tag den chi­ne­si­schen Pre­mier­mi­nis­ter Wen Jia­bao. Die Gesell­schaft für bedrohte Völ­ker (GfbV) for­dert den Bun­des­rat auf, im Gespräch unbe­dingt die Besorg­nis erre­gende Situa­tion der tibe­ti­schen und uigu­ri­schen Min­der­hei­ten anzu­spre­chen. Ver­schie­dene Jah­res­tage im Jahr 2009 geben zu Befürch­tun­gen Anlass, China könnte aus Angst vor Unru­hen die Repres­sion gegen­über Min­der­hei­ten und Regime­kri­ti­kern in die­sem Jahr noch­mals verstärken.

2008 hat sich gezeigt: die Hoff­nun­gen und Ver­spre­chun­gen betref­fend eine Ver­bes­se­rung der Men­schen­rechts­lage in China im Zuge der olym­pi­schen Spiele waren nicht gerecht­fer­tigt. Ganz im Gegen­teil: Bereits mit dem mas­si­ven und bru­ta­len Vor­ge­hen der chi­ne­si­schen Füh­rung gegen die tibe­ti­schen Pro­test­ak­tio­nen im März 2008 wurde deut­lich, dass das Regime nur mit Gewalt auf interne Kri­tik zu rea­gie­ren weiss. Bei der blu­ti­gen Nie­der­schla­gung der Pro­teste waren 219 Tibe­ter getö­tet, 1’294 Men­schen ver­letzt und rund 5’600 Tibe­ter fest­ge­nom­men wor­den. Im Ver­laufe des Jah­res mehr­ten sich die Mel­dun­gen über zahl­lose wei­tere Repres­si­ons­mass­nah­men, ins­be­son­dere gegen Ange­hö­rige der tibe­ti­schen und uigu­ri­schen Min­der­hei­ten. So lies­sen die chi­ne­si­schen Behör­den Ende Dezem­ber 2008 ver­lau­ten, in den ers­ten elf Mona­ten des Jah­res 2008 seien 1‘295 Uigu­ren wegen “Gefähr­dung der Sicher­heit des Staa­tes” oder ver­bo­te­ner reli­giö­ser Akti­vi­tä­ten fest­ge­nom­men worden.

Und die Ver­fol­gung hält an: Im Januar 2009 sind bereits meh­rere tibe­ti­sche Mön­che fest­ge­nom­men oder zu Haft­stra­fen ver­ur­teilt wor­den. Chi­nas Behör­den haben nicht nur die Über­wa­chung bud­dhis­ti­scher Klös­ter wei­ter ver­schärft, son­dern auch ange­ord­net, dass reli­giöse Fei­er­tage von den Non­nen und Mön­chen vor dem tra­di­tio­nel­len Kalen­der­ter­min gefei­ert wer­den. So soll jeder öffent­li­che Pro­test unter­bun­den wer­den. Dies alles zeigt, dass die chi­ne­si­sche Füh­rung wei­ter­hin auf bru­tale Unter­drü­ckung statt offe­nen Dia­log setzt.

2009: Jah­res­tage las­sen wei­tere Repres­si­ons­mass­nah­men befürchten

2009 ste­hen wei­tere Ereig­nisse bevor, wel­che die inter­na­tio­nale Auf­merk­sam­keit erneut auf die men­schen­recht­lich äusserst bedenk­li­che Situa­tion in China len­ken dürf­ten: Im März jährt sich die gewalt­same Unter­drü­ckung der Pro­teste in Tibet, gleich­zei­tig steht der 50-jährige Gedenk­tag der Nie­der­schla­gung des tibe­ti­schen Auf­stan­des an. Auf den 20. Gedenk­tag zum Tiananmen-Massaker am 4. Juni fol­gen am 1. Okto­ber die Fei­er­lich­kei­ten zum 60. Geburts­tag der Volks­re­pu­blik. Aus­ein­an­der­set­zun­gen sind vor­pro­gram­miert, und es ist zu befürch­ten, dass der chi­ne­si­sche Staat wie­derum mit aller Härte selbst gegen legi­time Kri­tik vor­ge­hen wird.

Die Schwei­ze­ri­sche Bun­des­re­gie­rung hat es letz­tes Jahr ver­säumt, im Zusam­men­hang mit den Olym­pi­schen Spie­len deut­li­che und gerecht­fer­tigte Men­schen­rechts­kri­tik an China zu äussern. Die GfbV for­dert den Bun­des­rat des­halb auf, sich anläss­lich des mor­gi­gen Tref­fens mit dem chi­ne­si­schen Pre­mier­mi­nis­ters Wen Jia­bao mit Nach­druck für die Ein­hal­tung der Men­schen­rechte vor Ort ein­zu­set­zen und sei­ner Besorg­nis über eine unver­hält­nis­mäs­sige Unter­drü­ckung der zu erwar­ten­den Pro­teste, ins­be­son­dere in Tibet, auszudrücken.

GESELLSCHAFT FÜR BEDROHTE VÖLKER — SCHWEIZ

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