Jiabao-Besuch: Friedliche Tibet-Aktivisten abgeführt

Dieser "Sichtschutz" gefällt Chinesen: Die Macht der Gewohnheit im eigenen Land.

Die­ser “Sicht­schutz” gefällt Chi­ne­sen: Die Macht der Gewohn­heit im eige­nen Land.

Ber­ner Zei­tung 27.01.2009

Mit einem gros­sen Poli­zei­auf­ge­bot auf dem Bun­des­platz ist in Bern der offi­zi­elle Besuch des chi­ne­si­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Wen Jia­bao abge­si­chert wor­den. Dabei wur­den 21 fried­lich demons­trie­rende Tibet-Aktivisten in einer Blitz­ak­tion in Poli­zei­ge­wahr­sam genom­men. Der Erlebnisbericht.

13 Uhr: Lang­sam fah­ren Poli­zei und Mili­tär­au­tos auf. Sie sind voll­be­setzt mit Sicher­heits­be­am­ten. Ver­ein­zelt sind auch Tibe­ter aus­zu­ma­chen, die am Rande des Plat­zes zusam­men schwat­zen. Der in Kehr­satz lebende tibe­ti­sche Musi­ker Loten Nam­ling, ein lang­jäh­ri­ger Free-Tibet-Kämpfer, ist mit­ten unter ihnen und trägt eine Tibet-Fahne.

Die Besu­cher schei­nen Ver­spä­tung zu haben. Eigent­lich wollte die Poli­zei bereits um 13 Uhr den Bun­des­platz abge­sperrt haben.

13.30 Uhr: Dut­zende Beamte sind auf dem Platz in Bereit­schaft. Die Stim­mung ist ruhig. Der Platz leer. Ein­zelne «Gaf­fer» wun­dern sich über das grosse Sicher­heits­auf­ge­bot.

14 Uhr: Die Lage ist immer noch ruhig. Gespannt har­ren Poli­zei, Presse und einige Schau­lus­tige der Dinge, die da kom­men. Ein­zelne Grup­pen von Beamte in Kampf­mon­tur patrouil­lie­ren über den Bundesplatz.

14:30 Uhr: Die Poli­zei hat ihr Auf­ge­bot ver­stärkt. Es wird mit der Gruppe von pro-Tibet Demons­tran­ten an der Abschrän­kung ver­han­delt. Zuvor war ihnen ein Ulit­mat­um­ge­stellt wor­den, den Bun­des­platz bis 14.30 Uhr zu räu­men. Unter der Gruppe von etwa 30 Demons­tran­ten befin­den sich auch Fami­lien mit Kindern.

15:20 Uhr: Hek­ti­scher Moment auf dem Bun­des­platz: Nach Ver­strei­chen des Ulti­ma­tums für die tibe­ti­schen Demons­tran­ten wur­den Loten Nam­ling und andere Demons­tran­ten gewalt­sam durch die Poli­zei abge­führt wor­den. Nach der fried­li­chen Kund­ge­bung hall­ten die Free Tibet-Schreie der Tibe­ter um so schril­ler über den Bun­des­platz. Etli­che Zuschauer waren mit dem Vor­ge­hen der Poli­zei nicht zufrie­den und beglei­te­ten die Aktion mit Buhrufen.

15.45 Uhr: Die Lage hat sich wie­der etwas beru­higt. Aller­dings haben sich viel mehr Schau­lus­tige bei den Abschran­kun­gen aufgestellt.

16 Uhr: Trotz Ver­bot durch die Poli­zei skan­die­ren wei­tere Tibe­ter (rund 10 Frauen mit Kin­dern) aus vol­lem Hals für ihr Land. Die Sicher­heits­kräfte las­sen sie gewäh­ren. Aller­dings sind sie von rund 20 Beam­ten umzingelt.

16.20 Uhr: Die Poli­zei fährt mit Autos vor den Demons­tran­ten auf. Sie bauen einen soge­nann­ten Sicht­schutz. Damit soll ver­hin­dert wer­den, dass das Staats­ober­haupt aus China die Demons­trie­ren­den sich­tet. Ein­zelne Zuschauer machen Witze: «Ist das jetzt der faschis­ti­sche Schutz­wall» oder «Die Mauer muss nie­der.» Die meis­ten Leute aus der Bevöl­ke­rung brin­gen dem Sicht­schutz wenig Ver­ständ­nis entgegen.

16.30 Uhr: Der chi­ne­si­sche Minis­ter­prä­si­dent Wen Jia­bao ist mit einem von der Poli­zei gelei­te­ten Kon­voi fast unbe­merkt (Sicht­schutz) vor dem Bun­des­haus durch­ge­fah­ren. Der Abschluss bil­dete ein Kran­ken­wa­gen.
Verhaftung des tibetischen Sängers Loden NamlingBild­stre­cke zur Ver­haf­tung de

r Tibe­ter

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Ein Kommentar
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  1. Silm­ple like this,
    Absperr­git­ter haben die Mes­sage: Bis HIER !
    und da waren wir Junge, Alten und ganz Junge fried­lich
    und wur­den abge­führt und in Hand­schel­len abtrans­por­tiert
    (was ich ein biss­chen über­trie­ben fand).
    Doch lei­der ist es nur ein Traum, dass unsere Brü­der und Schwes­tern in Tibet mit so viel Respekt behan­delt wür­den wie wir…