Nationale Kundgebung zum 50. Jahrestag des tibetischen Volksaufstandes am 10. März 1959 — Über 1000 Menschen an der Gedenkveranstaltung in Bern

n ein­drück­li­chem Marsch führte der Gedenk­zug 50 mit Tibet­flag­gen bedeckte Särge zuerst vor die Bot­schaft Chi­nas und anschlies­send durch die Stadt Bern vor das Bun­des­haus. Dass die natio­nale Kund­ge­bung zum Geden­ken an den Volks­auf­stand in Lhasa dank einer Aus­nah­me­be­wil­li­gung der Stadt­ber­ner Regie­rung auf dem Bun­des­platz statt­fin­den konnte, gab ihr die not­wen­dige Würde  und poli­ti­sches Gewicht. Dies unter­stütz­ten zusätz­lich die anwe­sen­den Mit­glie­der der Par­la­men­ta­ri­schen Gruppe für Tibet mit ihren berüh­ren­den Wor­ten an die Kundgebungsteilnehmer.

Video der Kund­ge­bung

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Pro­gramm 10. März Gedenktag

Medi­en­info zum 10. März 2009

Liste der Interviewpartner

Facts­heet 50 Jahre Widerstand

Tibet-Petition “Zeit zu han­deln!”  Unter­schrif­ten­bo­gen zum Ausdrucken

• Seit 60 Jah­ren ist Tibet durch die Volks­re­pu­blik China rechts­wid­rig besetzt.

• 50 Jahre sind es her, dass Seine Hei­lig­keit der Dalai Lama und mit ihm Tau­sende von Tibe­tern ihre Hei­mat ver­las­sen mussten.

Das tibe­ti­sche Volk in Tibet ist sei­ner grund­le­gen­den Frei­hei­ten beraubt. Tibe­ti­sche Bür­ger wer­den als Men­schen zwei­ter Klasse behan­delt. Die chi­ne­si­sche Repres­sion dau­ert unver­min­dert an. Tibe­ter in Tibet sind auf­grund der geziel­ten Sini­sie­rungs­po­li­tik der chi­ne­si­schen Regie­rung zu einer Min­der­heit im eige­nen Land gewor­den. Die Tibe­ter fürch­ten um ihr eth­ni­sches und kul­tu­rel­les Über­le­ben auf eige­nem Boden.

“Bitte unter­stüt­zen Sie die Orga­ni­sa­tion der natio­na­len Soli­da­ri­täts­kund­ge­bung in Bern mit einer Spende. Für Ihr Enga­ge­ment dan­ken wir Ihnen ganz herzlich.”

Die Ver­an­stal­tung wurde getra­gen von den vier gros­sen Tibe­t­or­ga­ni­sa­tio­nen der Schweiz:

• Tibe­ter Gemein­schaft Schweiz & Liech­ten­stein TGSL

• Gesell­schaft Schweizerisch-Tibetische Freund­schaft GSTF

• Ver­ein Tibe­ter Jugend in Europa VTJE

• Tibe­ti­sche Frau­en­or­ga­ni­sa­tion in der Schweiz TFOS

Anspra­che­text des Prä­si­den­ten der GSTF

Liebe Tibet Freunde, Liebe Landsleute,

Im Namen der Gesell­schaft Schweizerisch-Tibetischen Freund­schaft begrüße ich Sie alle herz­lich und möchte unsere tiefe Soli­da­ri­tät mit dem Tibe­ti­schen Volk bekunden.

Die GSTF ver­ur­teilt aufs schärfste die völ­ker­rechts­wid­rige Beset­zung Tibets durch die Volks­re­pu­blik China und die fort­ge­setzte Unter­jo­chung des Tibe­ti­schen Volkes.

Diese Tibet­po­li­tik der chi­ne­si­schen Füh­rung in Peking hat in 50 Jah­ren die Tibe­ter in der eige­nen Hei­mat zu Men­schen zwei­ter Klasse degra­diert und die tibe­ti­sche Kul­tur nahezu aus­ge­löscht. Heute herrscht im besetz­ten Tibet Kriegs­recht­zu­stand trotz der voll­mun­di­gen Ver­spre­chun­gen vor den Olym­pi­schen Spie­len. Kriegs­rechts­zu­stand in Tibet bedeu­tet in jedem Augen­blick der Will­kür des Mili­tärs oder Poli­zei aus­ge­setzt zu sein.

Aus die­sem Grund fin­den heute in vie­len Län­dern Soli­da­ri­täts­be­kun­dun­gen für das Tibe­ti­sche Volk statt.

Nicht, weil wir gegen China oder das Chi­ne­si­sche Volk sind. Son­dern weil diese Tibet­po­li­tik der Pekin­ger Füh­rung ele­men­tare Men­schen­rechte dem Tibe­ti­schen Volk vor­ent­hält und seine Kul­tur an den Rand des Unter­gan­ges gebracht hat.

Dage­gen erhe­ben wir uns. Und mit uns viele , viele Men­schen weltweit.

Es geht hier um die Exis­tenz eines gan­zen Volkes.

Die GSTF for­dert die Chi­ne­si­sche Füh­rung auf unver­züg­lich ernst­haf­ten Dia­log mit der Tibe­ti­schen Regie­rung auf­zu­neh­men auf der Grund­lage des Memo­ran­dums der Tibe­ti­schen Regie­rung. Die­ses Memo­ran­dum hat nicht die Spal­tung Chi­nas zum Ziel son­dern Frie­den und Frei­heit für das Tibet­sche Volk im Ver­bund mit der Volks­re­pu­blik China.

Ein sol­ches Model würde zu dem die Ein­heit und Sta­bi­li­tät der Region gewähr­leis­ten, die sich China selbst wünscht.

Tibet bleibt nach wie vor ein Prüf­stein für die Auf­rich­tig­keit all­fäl­li­ger chi­ne­si­scher Absichts­er­klä­run­gen zur Ver­bes­se­rung der Menschenrechtspraxis.

Damit die Chi­ne­si­sche Füh­rung dar­auf ein­geht, ist eine ein­deu­tige inter­na­tio­nale Hal­tung not­wen­dig, die auf Men­schen­rech­ten begrün­det ist und nicht auf wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen. Und hier ist jeder von uns gefor­dert, sei­nen eige­nen Bei­trag zuleis­ten sowohl als Ein­zel­ner als auch als Organisation.

Die GSTF, die sich auch als eine NGO ver­steht, for­dert die Schwei­zer Regie­rung wie­der­holt auf, end­lich S.H. den Dalai Lama zu emp­fan­gen und damit erneut offi­zi­ell dem gewalt­freien Kampf des Tibe­ti­schen Vol­kes beizustehen.

Schon ein­mal hat die Schwei­zer Regie­rung bezüg­lich Tibet gro­ßen Mut bewie­sen als sie vor 40 Jah­ren 1000 Tibe­tern Asyl und zugleich Glau­bens­frei­heit gewährt hat. Damit hat die Schwei­zer Regie­rung damals eine Vor­rei­ter­rolle in der inter­na­tio­na­len huma­ni­tä­ren Poli­tik übernommen.

Für diese Hilfe dan­ken wir Tibe­ter noch heute.

Im Gegen­zug haben wir Tibe­ter in der Schweiz durch unsere Schaf­fens­kraft aller­dings auch vie­les zurück­ge­ge­ben können.

Daher sollte China sogar im eige­nen Inter­esse zwei Dinge beherzigen.

Ers­tens. Wenn Tibe­ter in Tibet in Frei­heit leben und arbei­ten kön­nen, wer­den sie einen viel grö­ße­ren Bei­trag selbst für China leis­ten kön­nen als es in der aktu­el­len Situa­tion mög­lich ist.

Zwei­tens. Die chi­ne­si­sche Füh­rung in Peking muss zwin­gend S.H. den Dalai Lama genau so ach­ten wie Seine Hei­lig­keit von der übri­gen Welt geach­tet wird.

Liebe Tibet-Freunde. Las­sen Sie uns unsere Anstren­gun­gen ver­viel­fa­chen ange­sichts des Kriegs­zu­stan­des in Tibet.

Jeder Tag, an dem Tibe­ter in Tibet weni­ger benach­tei­ligt, bedroht, ver­haf­tet, gefol­tert und getö­tet wer­den, ist ein gewon­ne­ner Tag für Tibet.

Gemein­sam und nur gemein­sam kön­nen wir die­ses große Ziel erreichen.

Free Tibet. Lang lebe Seine Heiligkeit.

10. März 2009 , Dr. Tashe Thakt­sang, Prä­si­dent der GSTF

Pres­se­ar­ti­kel zur Veranstaltung

Kleine Zei­tung (CH), 10.3.09: Mit 50 Sär­gen zur chi­ne­si­schen Botschaft

Auf dem Ber­ner Bun­des­platz trot­zen rund 1000 Men­schen der Nässe und Kälte und geden­ken an einer Kund­ge­bung des tibe­ti­schen Volks­auf­stands vor 50 Jah­ren. Punkt 16 Uhr klin­gel­ten unzäh­lige Wecker und läu­te­ten so eine Peti­tion an die chi­ne­si­sche Regie­rung ein.

Meh­rere Schwei­zer Par­la­men­ta­rier unter­zeich­ne­ten die Peti­tion auf einem über­di­men­sio­na­len Unter­schrif­ten­bo­gen als erste. In der Peti­tion wird gefor­dert, dass die chi­ne­si­sche Regie­rung die Men­schen­rechte in Tibet ein­hält, aus­län­di­schen Jour­na­lis­ten die Ein­reise gestat­tet und dass China «einen kon­struk­ti­ven Bei­trag zur Lösung der Tibet­frage» leistet.

Einige der Bun­des­par­la­men­ta­rier spra­chen zu den Anwe­sen­den. Natio­nal­rat Mario Fehr (SP/ZH) bezeich­nete es als eine Schande, dass der Bun­des­rat die Tibet­frage beim Besuch des chi­ne­si­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Wen Jia­bao vor ein paar Wochen in Bern nicht zum Thema gemacht habe.

Auch Natio­nal­rä­tin Maya Graf (Grüne/BL) und Stän­de­rat Eugen David (SVP/SG) rie­fen den Bun­des­rat auf, sich künf­tig mehr für Tibet ein­zu­set­zen. Natio­nal­rat Oskar Frey­sin­ger (SVP/VS) wid­mete den Tibe­tern ein Gedicht.

Demo mit Ausnahmebewilligung

Dass wäh­rend einer Ses­sion eine Kund­ge­bung auf dem Bun­des­platz statt­fin­det, ist eine Aus­nahme. Das Poli­zei­in­spek­to­rat der Stadt Bern wollte sie denn auch gestützt auf das städ­ti­sche Kund­ge­bungs­re­gle­ment nicht bewil­li­gen, wie ein Behörde-Vertreter der Nach­rich­ten­agen­tur SDA am Diens­tag auf Anfrage sagte.

Doch hat der Ber­ner Gemein­de­rat das letzte Wort. Er bewil­ligte die Kund­ge­bung, weil Demons­tra­tio­nen nur «in der Regel» wäh­rend der Ses­sion ver­bo­ten seien, so Stadt­prä­si­dent Alex­an­der Tschäp­pät auf Anfrage. Es habe immer wie­der Aus­nah­men gegeben.

Der Gemein­de­rat sei der Auf­fas­sung, dass die Kund­ge­bung am Nach­mit­tag den Rats­be­trieb nicht störe und stets eine Abwä­gung vor­zu­neh­men sei zwi­schen den Inter­es­sen des Par­la­ments und der Meinungsäusserungsfreiheit.

Die tibe­ti­sche Gemein­schaft in der Schweiz sei hier­zu­lande stark ver­an­kert, und die Ereig­nisse beim Besuch des chi­ne­si­schen Minis­ter­prä­si­den­ten, als pro­tes­tie­rende Tibe­ter ver­haf­tet wur­den, habe nicht nur Freude aus­ge­löst. Dies sei aber nicht aus­schlag­ge­bend gewe­sen, sagte Tschäppät.

Ber­ner Zei­tung, 2.3.09:  Tibet-Demo auf dem Bun­des­platz bewilligt

Stadt­prä­si­dent Alex­an­der Tschäp­pät erteilt eine Aus­nah­me­be­wil­li­gung für eine Tibet-Kundgebung am 10. März auf dem Bun­des­platz.
Vier Tibet-Organisationen haben zur Kund­ge­bung auf­ge­ru­fen. Eigent­lich wäre eine sol­che wäh­rend der Ses­sion ver­bo­ten. Wie Tschäp­pät gegen­über der «NZZ am Sonn­tag» aber mit­teilte, erhal­ten die Orga­ni­sa­to­ren eine Aus­nah­me­be­wil­li­gung.
Die Demons­tra­tion fin­det andert­halb Monate nach dem besuch des chi­ne­si­schen Pre­miers Wen Jia­bao statt. Damals wurde eine Demons­tra­tion von Tibet-Aktivisten nicht bewilligt.

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