Kloster Ragya in Golog von Sicherheitskräften abgeriegelt — massive Restriktionen
Von TB | 23. März 2009 | Kategorie: Tibet | Kommentare deaktivierttchrd.org, Pressemitteilung, 24. März 2009
Kloster Ragya in Golog von Sicherheitskräften abgeriegelt — massive Restriktionen
Das Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) erfuhr von mehreren Quellen aus Tibet, daß über das Kloster Ragya Restriktionen in bisher noch nicht erlebtem Maße verhängt wurden. Vor wenigen Tagen waren 93 Mönche und zwei Laien im Zusammenhang mit dem Hissen der verbotenen tibetischen Nationalflagge auf dem Dach des Klosters verhaftet worden.
Das TCHRD hörte von neuen Informationsqellen, daß in den Dörfern Ragya und Gartse, TAP Golog, Provinz Qinghai, drei verschiedene Pamphlete verbreitet und an Mauern angebracht worden seien. Eine der markantesten Botschaften darauf lautete: „Es ist besser für Tibet und sein Volk zu sterben als sich durch die Geldgeschenke der chinesischen Regierung betrügen zu lassen“. In diesem Jahr weigerten sich die Tibeter in vielen Teilen des Landes, besonders in Kardze, als Ausdruck ihrer Trauer um jene Tibeter, die bei der brutalen Niederschlagung der friedlichen Protestaktionen 2008 getötet wurden, das Neujahrsfest in gewohnter Weise zu feiern. Daraufhin verlockte die chinesische Regierung die Tibeter mit finanziellen Belohnungen, Neujahr festlich zu begehen.
Weiter geht aus den Quellen hervor, daß Tashi Sangpo, der sich am 21. März das Leben nahm, auf seine Festnahme am 10. März hin in einem dortigen Haftzentrum schweren Schlägen,unmenschlicher Folter und quälenden Verhören unterzogen wurde. Diese fortgesetzten Verhöre unter Folter blieben schließlich nicht ohne Folgen für Tashi Sangpos Gemütszustand, was ihn vermutlich dazu brachte, sich in den Fluß zu stürzen. Die anderen festgenommenen Mönche werden derzeit in dem Haftzentrum zermürbenden Verhören und Mißhandlungen ausgesetzt.
Am späten Nachmittag des 21. März 2009, kurz nachdem sich die Nachricht über Tashi Sangpos Tod verbreitet hatte, stürmten die Mönche von Ragya in das Gebäude des örtlichen Public Security Bureau (PSB). Dabei bemächtigten sie sich der tibetischen Nationalflagge, die die PSB-Polizisten zuvor von dem Dach ihres Klosters entfernt hatten, und gaben sie dem jüngern Bruder von Tashi Sangpo. Mit dieser Flagge in der Hand demonstrierten er und die Mönche von Ragya zusammen mit anderen Tibetern auf den Straßen und vor den Verwaltungsgebäuden von Ragya und riefen Parolen.
Nach einigen Stunden traf der höchstrangige Funktionär der Präfektur Golog, der Chef des Büros für Öffentliche Sicherheit (PSB) und der Bewaffneten Volkspolizei (PAP) von Golog am Ort des Geschehens ein. Ohne sich von der bedrohlichen Anwesenheit der PSB und PAP Kräfte einschüchtern zu lassen, protestierten die Tibeter weiter, schwenkten die verbotene tibetische Nationalflagge und riefen „Hört auf damit, das unschuldige tibetische Volk zu ermorden!“.
Tashi Sangpo, der Sohn von Dolma Kyap (Vater) und Phagdron (Mutter), wurde im Dorf Gartse im Bezirk Kaba Sumdho, TAP Tsolho, Provinz Qinghai, geboren. In frühen Jahren kam er in das Kloster Ragya, wo er die Kunst des Rezitierens der heiligen Schriften, die Ausführung von Riten und Zeremonien lernte. Später widmete er dem Studium des Vinaya, das er dieses Jahr abschloß.
Die Lage im Kloster Ragya und den umliegenden Gebieten ist sehr düster und unberechenbar. Ein riesiges Aufgebot an PSB und PAP Sicherheitskräften haben das Kloster eingeschlossen und vollkommen abgeriegelt. Die Telefon-, Mobilfunk– und Postverbindungen wurden abgebrochen, so daß kaum mehr Informationen an die Außenwelt durchdringen.
[Tenzin Choeying, der Leiter von Students for a Free Tibet, Indien, fügt hinzu, die Berichte, die in den chinesischen Staatsmedien erscheinen, seien „infame Lügen, die die Aufmerksamkeit der internationalen Medien vom Tod eines unschuldigen Mönches infolge der Grausamkeit der Chinesen ablenken sollen… Ganz Tibet befindet sich im Belagerungszustand, Journalisten wird der Zugang zu tibetischen Gebieten verwehrt. Die Informationen, die die in Peking sitzenden Journalisten verbreiten, sind nichts als Lügen, die von den chinesischen Staatsmedien wie Xinhua ausspuckt werden, die behaupten, der tibetische Mönch habe sich ja gar nicht das Leben genommen.“
Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Mensching
tchrd.org, Pressemitteilung, 23. März 2009
Selbstmord eines Mönches durch Sprung in den Gelben Fluß — 93 Tibeter in Golog festgenommen
Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete, daß die chinesischen Behörden am 21. März 95 Tibeter festnahmen, die demonstrierten, nachdem sich ein tibetischer Mönch durch einen Sprung in den Machu (Gelber Fluß) das Leben genommen hatte.
Xinhua zufolge hätten die Behörden sechs Mönche verhaftet, während sich 89 bei der Polizeistation am Ort freiwillig gestellt hätten. Von den 95 Tibetern seien 93 Mönche und zwei Laien gewesen. Die Demonstranten hätten „Polizisten und Regierungspersonal angegriffen“. Tashi Sangpos Leiche sei noch nicht gefunden worden.
Wie das Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) aus diversen Quellen erfuhr, war es reine Verzweiflung und extreme Hoffnungslosigkeit, die den 28jährigen Mönch Tashi Sangpo aus der Gemeinde Gyulgho (chin. Lajong), Bezirk Machen, TAP Golog, Provinz Qinghai, dazu bewegten, in den Machu Fluß zu springen.
Den dem TCHRD zugegangenen Informationen zufolge wurde Tashi Sanpo seit dem 10. März 2009 in einer örtlichen Polizeistation festgehalten, nachdem Flugblätter politischen Inhalts und eine verbotene tibetische Nationalflagge in seinem Zimmer konfisziert worden waren. Am 21. März um etwa 15.00 h holte er sich Erlaubnis zu einem Toilettengang (Toiletten befinden sich in Tibet meist außerhalb von Gebäuden). Er rannte dann zum nahegelegenen Machu und sprang hinein.Kurze Zeit nach Tashi Sangpos Verzweiflungstat strömten mehrere Tausend Mönche und ortsansässige Tibeter zusammen und demonstrierten auf den Straßen von Ragya, vor der Polizeistation und den Verwaltungsgebäuden, sie riefen Parolen wie „Bod gyalo“ (Tibet sei Sieg) und weinten bitterlich. Einigen Quellen zufolge hätten sie auch „Unabhängigkeit für Tibet“ und „Lange lebe der Dalai Lama“ gerufen.
Das Kloster Ragya steht seit dem 10. März unter strenger Bewachung, als politische Schriften dort gefunden wurden und einige Mönche die chinesische Flagge vom Dach der Versammlungshalle herunterholten und statt ihrer eine tibetische Nationalflagge hißten.
Daraufhin wurden der Disziplinmeister des Klosters Ragya, Palden Gyatso, sowie vier weitere Mönche festgenommen. Die Lage im Kloster Ragya und den umliegenden Ortschaften ist sehr angespannt. Innerhalb kurzer Zeit trafen sieben Militärlastwagen voller Sicherheitskräften aus Xining, der Provinzhauptstadt von Qinghai, ein, um die aufgebrachte Menge unter Kontrolle zu bringen.
Gegenwärtig sind die Tibeter in Tibet nicht in der Lage, auch nur die grundlegendsten Menschenrechte, wie sie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgeschrieben sind, wahrzunehmen. Das TCHRD ersucht daher dringend die internationale Gemeinschaft, sofort Schritte zu unternehmen, um die Würde des tibetischen Volkes zu schützen.
[Free Tibet, London, erhielt weitere Informationen von einem in London lebenden Mönch des Klosters Ragya, der Kontakte zu der Gegend hat: Augenzeugen, die gerade auf einer Brücke über den Machu standen, sahen, wie der Körper Tashi Sangpos von der reißenden Strömung des Flusses weggetrieben wurden und verloren ihn kurz danach außer Augen. Seine Leiche wurde bisher nicht gefunden. Der jüngere Bruder von Sangpo traf um etwa 16 Uhr vor der Polizeistation ein, bei der schon viele Menschen zusammengelaufen waren. Die Menge der Tibeter sei größer gewesen als die Zahl der Sicherheitskräfte, die vorerst in der Polizeistation blieben. Die Demonstranten waren sehr aufgebracht, denn ihrer Ansicht nach war der Sprung in den Fluß der einzige Ausweg für Sangpo, um den fürchterlichen Schlägen und Mißhandlungen zu entgehen, die ihm in der Haft verabreicht wurden. Viele glauben, daß er Selbstmord beging, obwohl nicht sicher ist, ob das wirklich Sangpos Absicht war, als er in den Fluß sprang.]
Bilder von Tashi Sangpo und vom Kloster Ragya, siehe: www.tchrd.org oder
www.tibet.net
Übersetzung: Adelheid Dönges




