Südafrika — Streit um Dalai Lama: Friedenskonferenz abgesagt (Mit Petition)
Von TB | 23. März 2009 | Kategorie: Menschenrechte, Welt | Kommentare deaktiviertDie Welt, 24.3.09
Aus Protest gegen die ablehnende Haltung der südafrikanischen Regierung gegenüber dem Dalai Lama haben die Organisatoren einer Friedenskonferenz die Veranstaltung im Kap-Staat abgesagt.
Das ursprünglich für diesen Freitag angesetzte Treffen sollte im Gastland der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 die einigende Kraft des Sports bei der Überwindung von Ausländerfeindlichkeit und Rassismus demonstrieren. Sie sei nun auf unbestimmt Zeit verschoben. China, das nach Ansicht von Beobachtern hinter der Absage steht, lobte die südafrikanische Regierung am Dienstag für ihr Verhalten.
Außenamtssprecher Qin Gang erklärte: «China widersetzt sich mit Bestimmtheit jedem Land, das offiziell Kontakt mit dem Dalai Lama aufnimmt oder seine sezessionistischen Aktivitäten unterstützt oder ihnen eine Plattform liefert.» Sein Land klatsche dagegen Ländern Beifall, die sich der neben der Anerkennung der Ein-China-Politik der «Unabhängigkeit Tibets widersetzen». Wörtlich meinte er: «Das wahre Gesicht des Dalai Lama als ein Sezessionist und Heuchler wird von mehr und mehr Ländern und Völkern dieser Welt anerkannt.»
Die Haltung der Regierung am Kap hatte weltweit Empörung und Ablehnung ausgelöst sowie zu Konferenz-Absagen und vereinzelten Boykott-Aufrufe geführt. Die nationale Lobbygruppe «Freunde Tibets» hatte die Fußballteams aus Norwegen und Südafrika aufgefordert, ihr Benefiz-Spiel am Samstag im neuen WM-Stadion in Rustenburg aus Protest zu streichen. Am Vortag hatten die Friedensnobelpreisträger Frederick Willem de Klerk sowie Erzbischof Desmond Tutu und das norwegische Nobelkomitee ihre Beteiligung abgesagt.
Im eigenen Lande sprachen Kommentatoren von einem Ausverkauf der Werte, für die das demokratische Südafrika steht. Obwohl die Regierung behauptete, sie habe ihre Entscheidung ohne Druck von außen getroffen, hatte ein Mitarbeiter der chinesischen Botschaft eine Einflussnahme seiner Regierung zugegeben. Der Kap-Staat stellt rund 21 Prozent des chinesischen Handels auf dem Kontinent.
Der Enkel von Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela, Mandla Mandela, erklärte als Mitglied des Organisationsausschusses: «Die Verweigerung eines Visums für den Dalai Lama durch die Regierung befleckt wirklich unsere Demokratie-Bemühungen.» Es sei unfair, wenn die Regierung wenige Tage vor Konferenzbeginn das Visum verweigere, da sie schon seit November 2008 darüber informiert gewesen sei. Die Regierung hatte das Visum mit der Begründung verweigert, dass eine Teilnahme des im Exil lebenden geistlichen Oberhaupts der Tibeter nicht im Interesse des Staates sei. Sein Besuch lenke nur vom Weltinteresse an Südafrikas WM-Vorbereitungen ab.
Die Presse (A), 25.3.09: Südafrika: China sorgt für Image-Desaster
Pretoria ließ Dalai Lama nicht ins Land – Großkonferenz geplatzt.
JOHANNESBURG (Reuters, red.). Eine Ende dieser Woche geplante Konferenz in Südafrika als Vorbereitung zur Fußball-WM 2010 endete mit einem Image-Desaster für die Regierung in Pretoria. Zu der Konferenz war neben anderen Friedensnobelpreisträgern auch der Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter, geladen. Doch dann verweigerte ihm Südafrikas Regierung ein Einreisevisum. Daraufhin hagelte es Proteste und Boykottaufrufe – und am Dienstag sagten die Organisatoren die Konferenz ab.
Die für Freitag und Samstag in Johannesburg geplante Konferenz sollte mit Beteiligung des Dalai Lama sowie der südafrikanischen Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela, Frederik Willem de Klerk und Desmond Tutu die Frage erörtern, was Fußball zur Überwindung von Rassismus und Fremdenhass beitragen könne. Doch plötzlich war der südafrikanischen Regierung der Tibeter nicht mehr willkommen. Begründung des Präsidentensprechers Thabo Masebe: „Ein Besuch des Dalai Lama würde nur die Aufmerksamkeit weg von Südafrika hin zu Tibet-Fragen lenken.“
Ein weltweiter Aufschrei war die Folge. „Ich bin bekümmert und erschüttert“, erklärte Erzbischof Tutu, „schamlos haben wir uns dem chinesischen Druck gebeugt.“ Geir Lundestad vom norwegischen Nobelkomitee sagte: „Es ist enttäuschend, dass Südafrika, dem von der Welt so viel Solidarität entgegengebracht wurde, diese Solidarität nicht anderen weitergeben will.“
Tutu, de Klerk und das Nobelkomitee sagten ihre Teilnahme an der Konferenz ab. Auch die Hollywood-Stars Charlize Theron und Morgan Freeman wurden zum Boykott aufgefordert. Nun zog das Organisationskomitee die Notbremse: lieber keine Konferenz als eine ohne Prominenz.
Präsident Mbeki ließ eiskalt lügen
Präsidentensprecher Masebe hatte geleugnet, dass die Verweigerung der Einreise für den Dalai Lama auf Druck Pekings hin erfolgte. Er wurde von Dai Bing, Sprecher der chinesischen Botschaft in Pretoria, prompt widerlegt: Selbstverständlich habe Peking darauf hingewiesen, dass ein Besuch des Dalai Lama den bilateralen Beziehungen sehr schaden könne. Und in Peking richtete Außenamtssprecher Qin Gang eine Warnung an jede Regierung, die „offizielle Kontakte mit dem Dalai Lama unterhält oder ihm eine Plattform für seine spalterischen Aktivitäten bietet“.
Allgemeine Zeitung Namibia, 24.3.09: Einreiseverbot für Dalai Lama
Südafrika verweigert geistlichem Oberhaupt der Tibeter Visum – Beobachter: Angst um Beziehungen zu China.
Ein Jahr vor der Fußball WM 2010 manövriert sich das Gastgeberland Südafrika international immer weiter ins Abseits. Nach der jahrelangen Unterstützung für Simbabwes Diktator Robert Mugabe hat die südafrikanische Regierung nun völlig überraschend dem Dalai Lama die Einreise verwehrt.
Kapstadt/Pretoria — Das geistliche Oberhaupt der Tibeter wollte am Freitag gemeinsam mit anderen Friedensnobelpreisträgern an einer von der südafrikanischen Fußballliga PSL organisierten Konferenz teilnehmen. Dabei sollte mit Blick auf die Fußball-WM in Südafrika im nächsten Jahr auch über den Beitrag des Sports zur Völkerverständigung und zur Überwindung des Rassismus diskutiert werden. Inzwischen hat das Büro des Dalai Lama bestätigt, dass dieser nun nicht mehr nach Südafrika kommen werde.
Ein Sprecher von Südafrikas Präsident Kgalema Motlanthe rechtfertigte das Einreiseverbot gestern damit, dass gegenwärtig „nicht der richtige Zeitpunkt für einen solchen Besuch“ sei. Offenbar möchte Südafrika seine sehr engen Beziehungen zu China nicht gefährden. Ein Mitglied der Regierung am Kap bestätigte dies gestern auch gegenüber der Wirtschaftszeitung „Business Day“. Südafrika werde nichts unternehmen, was seine guten Beziehungen zu Peking unterminiere. Die Kaprepublik ist der mit Abstand wichtigste Partner der Chinesen in Afrika und für etwa 20% deren Handels mit dem schwarzen Kontinent verantwortlich.
In der Zivilgesellschaft stieß das Einreiseverbot auf Empörung. Der Kapstädter Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu erklärte, dass er über das Einreiseverbot bestürzt sei. Er selbst werde unter den Umständen nicht an der Konferenz teilnahmen. Der Kirchenführer verurteilte das Verhalten des Afrikanischen Nationalkongress (ANC) als „schändlich“. Allerdings stehe es in Einklang mit Südafrikas verheerendem Auftritt im UN-Sicherheitsrat im letzten Jahr, sagte Tutu. Die Kaprepublik hatte damals mehrfach die Verurteilung von Unrechtregimen in Sudan, Simbabwe, Iran oder Burma verhindert und war stattdessen immer wieder hinter China eingeschwenkt. „Wir beugen uns schamlos dem Druck der Chinesen. Ich bin bestürzt und schäme mich für mein Land“ zürnte Tutu gestern in Kalifornien, wo er sich gerade aufhält.
Neben Tutu haben auch der frühere südafrikanische Präsident und Friedensnobelpreisträger Frederik Willem De Klerk und eine Reihe anderer geladener Preisträger erklärt, ihre Konferenzteilnahme unter den Umständen zu überdenken. Auch die südafrikanische Fußballliga PSL, die die Einladungen ausgesprochen hatte, zeigte sich verblüfft. „Es gab für die PSL keinen Grund, die Regierung im Voraus über die Einladungen zu informieren wie diese nun geltend macht. Wir haben nichts mit Politik am Hut“, sagte PSL-Chef Kjetil Siem.
Die Lage in Tibet ist derzeit angespannt. Am 10. März hatte sich die Niederschlagung des tibetischen Aufstands zum 50. Mal gejährt, in dessen Folge der Dalai Lama damals ins indische Exil geflohen war. Erst am Sonntag war es in China zu Auseinandersetzungen zwischen Tibetern und chinesischen Sicherheitskräften gekommen. Nach einem Angriff auf eine Polizeiwache in einem von vielen Tibetern bewohnten Gebiet im Nordwesten des Landes nahm die chinesische Polizei fast hundert tibetische Mönche fest. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, wurden bei den Ausschreitungen mehrere Menschen leicht verletzt.
Von Wolfgang Drechsler
Südafrikas Präsident brüskiert den Dalai Lama: Visum für Besuch einer Friedenskonferenz nach Druck Chinas abgelehnt
Der Standard (A), 22.3.09: Kontroverse um Dalai Lama Johannesburg — Eine politische Kontroverse um eine Einladung an den Dalai Lama überschattet eine geplante Konferenz des Gastgeberlandes der nächsten Fußball-Weltmeisterschaft, Südafrika. Dem im Exil lebenden geistlichen und weltlichen Oberhaupt der Tibeter ist nach Medienberichten unter chinesischem Druck ein Visum für Südafrika abgelehnt worden. Ein Mitarbeiter der chinesischen Botschaft in Südafrika, Dai Bing, bestätigte der Sonntagseitung “Sunday Independent”, seine Regierung habe die Südafrikaner in dem Zusammenhang vor einer Belastung der bilateralen Beziehungen gewarnt.
Friedenskonferenz Der Dalai Lama war nach den Berichten vom WM-Organisationskomitee zu einer zweitägigen Friedenskonferenz am kommenden Freitag nach Südafrika eingeladen worden. An der Konferenz sollen unter anderem auch der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu und der frühere Präsident Frederick Willem De Klerk teilnehmen. Obwohl die Organisatoren eine Einladung an den Dalai Lama bestätigten, wurde dies vom Außenministerium dementiert. “Es gibt keine Einladung”, sagte ein Ministeriumssprecher. Sowohl Tutu als auch De Klerk drohten für den Fall einer dauerhaften Visa-Verweigerung für den Dalai Lama mit einer Absage ihrer Teilnahme an der Konferenz. (APA/dpa) Süddeutsche Zeitung, 23.3.09: Südafrika stößt den Dalai Lama vor den Kopf Dalai Lama von Friedenskonferenz in Südafrika ausgeschlossen Der Dalai Lama darf nicht an einer hochrangigen Friedenskonferenz in Südafrika teilnehmen. Es sei nicht der richtige Zeitpunkt für einen solchen Besuch, erklärte ein Sprecher von Präsident Kgalema Motlanthe und verwies dabei auf die Bedeutung guter Beziehungen zu China. Die Entscheidung sei den Organisatoren der Konferenz schon im vergangenen Monat mitgeteilt worden. Bei dem Treffen soll mit Blick auf die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika im kommenden Jahr über den Beitrag des Sports zur Volkerverständigung und Überwindung des Rassismus diskutiert werden. Eingeladen sind dazu mehrere Nobelpreisträger. Der Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter, wurde für seinen gewaltlosen Kampf gegen China 1989 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Brief an Südafrikanische Botschaft verfassen:
S.E. Botschafter Konji Sebati
Botschafter der Republik Südafrika in der Schweiz
Sehr geehrter Herr Botschafter, Eure Exzellenz,
mit großer Bestürzung habe ich zur Kenntnis genommen, dass Ihr Land dem 14. Dalai Lama keine Einreisegenehmigung für die Teilnahme an einer Konferenz von Friedensnobelpreisträgern in Südafrika erteilen will. Berichten zufolge schließt die südafrikanische Regierung eine solche Visaerteilung überdies bis zur Fußballweltmeisterschaft 2010 aus. Die Konferenz ist dem Vernehmen nach inzwischen verschoben worden.
Ihr Land beugt sich damit dem Druck der chinesischen Regierung, die den Dalai Lama, der 1989 für sein friedliches Eintreten für eine Lösung in Tibet den Friedensnobelpreis erhalten hat, und die berechtigten Anliegen der Tibeter in der internationalen Öffentlichkeit ausgrenzen und an den Rand drängen will. Dies obwohl der Dalai Lama anerkanntermaßen für Frieden und Gerechtigkeit, nicht nur in seinem Land eintritt.
Erzbischof Desmond Tutu hat das Verhalten Ihrer Regierung als „schändlich“ bezeichnet und führte aus: „Wir beugen uns schamlos dem Druck der Chinesen. Ich bin bestürzt und schäme mich für mein Land“.
Mit dieser Entscheidung ist das Ansehen der Republik Südafrika in der Welt beschädigt worden. Ich bitte Sie daher dringend, sehr geehrter Herr Botschafter, darauf hinzuwirken, dass der Dalai Lama jetzt und in Zukunft in Ihr Land reisen kann. Sie setzen sich damit ein für friedlichen Wandel und Gerechtigkeit und somit für Werte, die für ihr eigenes Land in der jüngeren Geschichte so wichtig gewesen sind.
Mit freundlichem Gruss
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Richten Sie bitte Ihr Schreiben oder E-Mail an folgende Adressaten:
South African Embassy
Political Dept.
Alpenstrasse 29
Postfach
3006 Bern
031 350 13 13
Fax number+41 31 368 17 51 (Ambassador)




