Tibet in der Fragestunde im Nationalrat vom 9. März 2009
Von TB | 24. März 2009 | Kategorie: Schweiz | Kommentare deaktiviertFrage von Maya Graf
Am 10. März 2009 findet der 50. Jahrestag des tibetischen Volksaufstandes gegen die völkerrechtswidrige Besetzung von Tibet durch die Volksrepublik China statt. Seit nunmehr 50 Jahren wehren sich die tibetische Bevölkerung und die tibetische Exilregierung gewaltlos gegen die chinesischen Machthaber und für eine echte Autonomie Tibets (Memorandum). Der Dalai Lama wird im August zum wiederholten Male in die Schweiz kommen.
Ist der Bundesrat bereit, den Dalai Lama nach so vielen Jahren offiziell zu empfangen?
Link zur Parlamentarischen Gruppe für Tibet
Antwort von Calmy-Rey Micheline, conseillère fédérale:
Les visites du dalaï-lama sont régulièrement l’occasion pour les autorités fédérales d’avoir un échange avec cette autorité spirituelle, lauréate du Prix Nobel de la paix. Cela a été le cas par le passé en 1991, 1995, 2001 et 2005.
A ce jour, le Conseil fédéral n’a reçu aucune sollicitation relative à une éventuelle rencontre à l’occasion du prochain séjour en Suisse du dalaï-lama en août prochain.
Frage von Mario Fehr
Tibet keine Erwähnung wert?
Seit 1991 führt die Schweiz einen Menschenrechtsdialog mit China. Dessen ungeachtet verschlimmert sich die Situation in Tibet laufend. Beim jüngsten Besuch des chinesischen Premierministers war Tibet für den Bundesrat offenbar keine Erwähnung wert, obwohl er in der Antwort auf die Interpellation 06.3455 festgehalten hatte, dass er „die Menschenrechtslage in Tibet regelmässig im Rahmen von bilateralen Kontakten“ thematisiere.
1. Wieso hat es der Bundesrat versäumt, beim Besuch des chinesischen Premierministers das Thema Tibet zur Sprache zu bringen?
2. Versteht der Bundesrat, dass weite Teile der Schweizer Bevölkerung dies als Kniefall vor China interpretieren?
Antwort von Calmy-Rey Micheline, conseillère fédérale:
Le thème des droits humains figurait comme il se doit à l’ordre du jour de la rencontre avec le premier ministre chinois Wen Jiabao et de sa délégation le 27 janvier dernier. Dans son introduction, le président de la Confédération a fait référence au dialogue sino-suisse sur les droits de l’homme, inauguré en 1991. Puis j’ai explicitement évoqué les défis auxquels la République populaire de Chine se devait de répondre dans le domaine des droits humains, en mentionnant spécifiquement les droits civils et politiques.
J’ai ensuite tenu à rappeler que, selon la Suisse, un dialogue constructif assorti des programmes en cours était le meilleur moyen de promouvoir et de faire avancer la cause des droits humains. Ensuite de quoi le premier ministre chinois s’est aussi clairement engagé à poursuivre le dialogue bilatéral sur les droits de l’homme.
Pour la Suisse, le dialogue sur les droits de l’homme reste le cadre privilégié dans lequel on peut aborder en profondeur les thèmes de première importance que sont les droits des minorités et la question du Tibet.
Fehr Mario ( ZH): Der Bundesratssprecher hat nach dieser Begegnung mit dem chinesischen Premierminister auch gesagt, dass der Bundesrat die Situation der Menschenrechte in China nur in einer sehr allgemeinen Form angesprochen habe. Er hat, wie Sie heute, auch gesagt, dass Tibet nicht spezifisch angesprochen wurde. Sie aber haben — und damit meine ich den gesamten Bundesrat — in der Vergangenheit bei der Beantwortung von parlamentarischen Vorstössen immer wieder betont, dass Sie Tibet bei jeder sich bietenden Gelegenheit aufs Tapet bringen wollen. Meine Frage lautet deshalb wie folgt: Ist der Bundesrat bereit, inskünftig bei Begegnungen mit hohen chinesischen Funktionären — insbesondere mit dem Premierminister, mit dem Ministerpräsidenten, mit verantwortlichen Ministern — das Thema Tibet explizit zur Sprache zu bringen, so wie er das in der Vergangenheit eben bei der Beantwortung von verschiedenen Anfragen und Interpellationen zugesichert hat?
Calmy-Rey Micheline, conseillère fédérale: La Suisse prête une attention toute particulière à la situation au Tibet et au respect des libertés fondamentales et aborde régulièrement cette problématique avec les autorités chinoises. Cela ne se passe pas uniquement dans le cadre du dialogue sur les droits de l’homme entre la Suisse et la Chine, mais aussi lors de rencontres avec mes collègues ministres des affaires étrangères notamment.
En outre, lors de l’examen périodique universel de la Chine au Conseil des droits de l’homme, la Suisse a explicitement fait part de sa préoccupation concernant les droits des minorités, en particulier au Tibet et au Xinjiang. Et la Suisse a financé la restauration — vous le savez très certainement — d’un temple à Lhassa afin de contribuer à la préservation du patrimoine culturel tibétain. Finalement, à de nombreuses reprises, des membres du Conseil fédéral ont reçu le dalaï-lama en Suisse en qualité de chef spirituel de la communauté bouddhiste tibétaine.
Frage von Fabio Pedrina
Ein unbequemer tibetisch-schweizerischer Film
Das Rohmaterial zu Dhondup Wangchens Film “Leaving Fear Behind” (“Die Angst überwinden”) wurde im März 2008 in die Schweiz geschmuggelt. Der tibetische Film wurde in der Schweiz fertig gestellt und ist somit auch eine schweizerische Produktion.
1. Sieht der Bundesrat eine Möglichkeit, Informationen über den derzeitigen Aufenthaltsort und den gesundheitlichen Zustand von Dhondup Wangchen zu beschaffen, beispielsweise über die für Kultur zuständigen Stellen des Bundes oder die schweizerische Botschaft in Peking?
2. Gab es bereits Fälle, in denen sich der Bund für den Schutz von ausländischen Künstlerinnen und Künstlern eingesetzt hat, die in engem Kontakt mit der Schweiz stehen?
3. Welche Schritte hat der Bund bis anhin im Fall Dhondup Wangchen unternommen?
Antwort von Calmy-Rey Micheline, conseillère fédérale:
L’ambassade de Suisse à Pékin suit de près l’actualité au Tibet malgré un accès à l’information fortement limité sur cette région autonome chinoise. Concernant le cas de Monsieur Dhondup Wangchen, il existe des informations non confirmées sur son lieu de détention supposé. Son état de santé et les charges qui pèsent sur lui demeurent néanmoins inconnus. En outre, le Département fédéral des affaires étrangères continue de suivre l’évolution de cette affaire.
La Suisse porte une grande attention aux cas individuels, comme celui de Dhondup Wangchen, qu’il s’agisse d’artistes ou d’autres personnes. Notre pays fait ainsi régulièrement part de ses préoccupations aux autorités chinoises en matière de droits humains, notamment dans le cadre de notre dialogue bilatéral sur les droits humains qui existe depuis 1991.
Frage von Oskar Freysinger
Das Sicherheitsaufgebot für den Empfang von Premierminister Wen Jiabao am 27. 1. 2009 war sehr gross. Es wurden neben der Kantonspolizei des Kantons Bern auch noch Polizeikräfte aus den Korps der Kantone Basel, Solothurn und Aargau miteinbezogen.
In diesem Zusammenhang möchten wir, dass der Bundesrat folgende Fragen beantwortet:
Wurden konkrete Sicherheitsforderungen seitens der chinesischen Gäste an den Bundesrat gestellt? Wie steht der Bundesrat zur Verhältnismässigkeit dieses Grossaufmarschs für 21 friedliche Demonstranten und auf welchen Betrag belaufen sich die Kosten für diesen Sicherheitsaufwand?
Antwort von Widmer-Schlumpf Eveline, Bundesrätin:
Im Vorfeld von Besuchen völkerrechtlich geschützter Personen finden regelmässig Kontakte mit den betroffenen diplomatischen Vertretungen in der Schweiz sowie mit Voraus-Sicherheitsdetachementen aus den jeweiligen Staaten statt. Dabei werden sicherheitsrelevante Massnahmen diskutiert.
Die Person von Wen Jiabao ist aufgrund seines politischen Amtes als Premierminister und der damit verbundenen Verantwortung stark gefährdet. Im letzten Jahr kam es in mehreren Ländern zu Protestaktionen gegen Vertreter und offizielle Einrichtungen Chinas. Bei einem offiziellen Besuch eines chinesischen Vizeministers in London im letzten November versuchten Demonstranten, den Konvoi zu blockieren, sie warfen Farbbeutel und schlugen gegen die Fensterscheiben des Fahrzeuges. Vor dem Hintergrund dieser Ereignisse und der Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Staatsbesuch von Jiang Zemin im Jahre 1999 musste während des Besuchs des Premierministers in Bern mit Aktionen gegen die leibliche Integrität und mit Verletzungen seiner Würde gerechnet werden. Neben der Gewährleistung der Sicherheit stand aus staatspolitischen Überlegungen insbesondere ein störungsfreier Besuch im Vordergrund.
In diesem Sinne hat der Bund die Durchführung der Sicherheitsmassnahmen eng mit der zuständigen Kantonspolizei abgesprochen. Die Verantwortung für die taktische und operative Umsetzung liegt indessen beim Kanton. Gemäss Aussage der Kantonspolizei Bern sei rechtsstaatlich und der Situation angepasst gehandelt worden. Die Öffentlichkeit sei im Vorfeld wiederholt auf die Einrichtung einer Sicherheitszone aufmerksam gemacht worden. Eine offizielle Anfrage an die Stadt zur Durchführung einer Demonstration sei nicht erfolgt.
Gemäss den einschlägigen rechtlichen Bestimmungen leistet der Bund an Kantone, die in grossem Ausmass Schutzaufgaben zugunsten des Bundes erfüllen müssen, eine Abgeltung, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Der Bund bezahlt dem Kanton Bern jährlich eine Pauschale von 4 Millionen Franken für Schutzmassnahmen auf dem Gebiet der Stadt Bern sowie einen aufwandbezogenen Betrag für Sicherheitsleistungen im übrigen Kantonsgebiet. Die Kosten für die Sicherheitsmassnahmen zugunsten von Premierminister Wen Jiabao sind in diesen Abgeltungen eingeschlossen. Die Kantonspolizei Bern zog für die Umsetzung des Sicherheitsdispositivs Unterstützung aus dem Polizeikonkordat Nordwestschweiz bei, die im Rahmen der ordentlichen Zusammenarbeit erfolgte und keine besonderen Kosten verursachte.
Freysinger Oskar (V, VS): Frau Bundesrätin, danke sehr für die Antworten. Ich hätte da noch eine Zusatzfrage, und zwar habe ich von wohlinformierten Kreisen erfahren, dass China sogar die Liste der an diesem Tag akkreditierten Journalisten mitbestimmt hat. Können Sie das bestätigen?
Widmer-Schlumpf Eveline, Bundesrätin: Ich kann das nicht bestätigen, weil ich das nicht weiss, aber ich kann Ihnen die Antwort nachliefern.




