20. Jahrestag der Studentenproteste in China: Tausende demonstrieren in Hongkong

Das Jour­nal (A), 1.6.09,

Die Gedenk­ver­an­stal­tun­gen an die Nie­der­schla­gung der Stu­den­ten­pro­teste vor 20 Jah­ren auf dem Tiananmen-Platz in Chi­nas Haupt­stadt Peking haben sich am Wochen­ende weit­ge­hend auf Hong­kong beschränkt.

Rund 5000 Demons­tran­ten zogen nach Anga­ben der Orga­ni­sa­to­ren am Sonn­tag durch die Stra­ßen der ehe­ma­li­gen bri­ti­schen Kron­ko­lo­nie, dar­un­ter auch der heute in den USA im Exil lebende eins­tige Stu­den­ten­füh­rer Xiong Yan.

“Hong­kong ist zum Gewis­sen Chi­nas gewor­den”, sagte der Hong­kon­ger Abge­ord­nete Lee Cheuk Yan, einer der Orga­ni­sa­to­ren der all­jähr­li­chen Gedenk­mär­sche. Von Hong­kong gehe Druck auf die Regie­rung in Peking aus, “ihre Feh­ler ein­zu­ge­ste­hen”. Ex-Studentenführer Xiong zeigte sich “sehr über­rascht”, dass ihm in die­sem Jahr — erst­mals seit 17 Jah­ren — die Ein­reise nach Hong­kong gestat­tet wurde. “Ich hoffe, künf­tig nicht nur nach Hong­kong, son­dern auch nach Peking rei­sen zu kön­nen”, sagte Xiong.

Ande­ren Ex-Studentenführern wur­den die Ein­reise ver­wei­gert. Der däni­sche Bild­hauer Jens Gal­schiot, der sich den Pro­tes­ten in Hong­kong anschlie­ßen wollte, wurde fünf Stun­den fest­ge­hal­ten und dann nach Zürich abge­scho­ben. Gal­schi­ots Skulp­tur “Schand­säule” erin­nert an der Uni­ver­si­tät Hong­kong an die Toten vom Tiananmen-Platz.

Schandsäule Hongkong

In der Nacht zum 4. Juni 1989 roll­ten Pan­zer auf den Platz des Himm­li­schen Frie­dens, auf dem sich seit dem 17. April eine Demokratie-Bewegung ent­wi­ckelt hatte. Nach Anga­ben west­li­cher Beob­ach­ter wur­den damals 50.000 Sol­da­ten mobi­li­siert. Die Stadt­ver­wal­tung von Peking sprach nach dem Ein­satz von 241 Toten, Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen gehen von bis zu meh­re­ren tau­send Toten aus. Der katho­li­sche Kar­di­nal Joseph Zen for­derte am Mon­tag, die kom­mu­nis­ti­sche Füh­rung in Peking müsse die Ereig­nisse von 1989 neu bewer­ten — “das wäre zum Vor­teil der gan­zen Nation”.

Zwi­schen Peking und der Regie­rung in Kopen­ha­gen gab es neue Span­nun­gen, weil der Dalai Lama vom däni­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Lars Loekke Ras­mus­sen emp­fan­gen wurde. Ras­mus­sen habe trotz zahl­rei­cher Ermah­nun­gen Chi­nas dar­auf bestan­den, das geist­li­che Ober­haupt der Tibe­ter zu tref­fen, der Dalai Lama sei für “sepa­ra­tis­ti­sche Akti­vi­tä­ten” nach Däne­mark gereist, kri­ti­sierte der chi­ne­si­sche Außen­amts­spre­cher Qin Gang. Das Tref­fen ver­stoße zutiefst gegen Chi­nas Inter­es­sen und belaste die bila­te­ra­len Bezie­hun­gen. Der Dalai Lama wurde am Sonn­tag bei sei­ner Wei­ter­reise Rich­tung Island von hun­der­ten Anhän­gern bejubelt.

Der Tiananmen-Platz ist so groß wie 88 Fuß­ball­fel­der und wird strengs­tens über­wacht. Beim Mor­gen­grauen zieht eine Flag­gen­ein­heit bewaff­ne­ter Poli­zis­ten jeweils die chi­ne­si­sche Flagge auf. Die Zere­mo­nie wird in der Regel von hun­der­ten oder tau­sen­den Schau­lus­ti­gen ver­folgt. Auf dem Höhe­punkt der Demo­kra­tie­be­we­gung vor 20 Jah­ren ver­sam­mel­ten sich Hun­dert­tau­sende auf dem Platz. Neben dem Mau­so­leum von Mao Tse-tung wurde eine Replik der Frei­heits­sta­tue errich­tet, die am Mor­gen des 4. Juni von einem Pan­zer­fahr­zeug nie­der­ge­ris­sen wurde.

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