Weitere Festnahmen und explosive Lage in Osttibet

Radio Free Asia, 18. Juni 2009

Tibe­ti­sche Quel­len berich­ten über eska­lie­rende Span­nun­gen im Osten der Auto­no­men Region Tibet (TAR). Einem chi­ne­si­schen Poli­zei­spre­cher zufolge wur­den bei einer Raz­zia fünf Per­so­nen fest­ge­nom­men und zu Haft­stra­fen verurteilt.

„Die Tibe­ter sind die­ser Tage sehr unver­schämt und aggres­siv. Wir hat­ten keine andere Wahl als ein­schnei­dende Maß­nah­men gegen die Demons­tran­ten zu ergrei­fen“, sagte ein Poli­zei­spre­cher der Prä­fek­tur Chamdo in einem Telefon-Gespräch. „Wir muß­ten ein­fach gegen die tibe­ti­schen Demons­tran­ten im Bezirk Jomda (chin. Jiangda) hart vorgehen.“

Wei­ter sagte der Mann, der nicht genannt wer­den wollte, diese Woche seien fünf Tibe­ter zu 2 — 2½ Jah­ren schwe­rer Zwangs­ar­beit ver­ur­teilt wor­den, weil sie einen Dorf­vor­ste­her ver­prü­gelt hät­ten. „Viele Tibe­ter haben örtli­che Behör­den­ver­tre­ter kör­per­lich ange­grif­fen, aber diese fünf gehö­ren zu den erns­tes­ten Fällen.“

Auch Tibe­ter, die ursprüng­lich aus der Gegend von Jomda stam­men, jetzt aber in Dha­ram­sala leben, berich­te­ten über stei­gende Span­nun­gen und Zusam­men­stösse in ihrer Hei­mat. Sie beru­fen sich auf Kon­takte mit Ein­woh­nern von Jomda.

Seit dem Auf­stand vom ver­gan­ge­nen Jahr, der sich von der tibe­ti­schen Haupt­stadt Lhasa aus rasend schnell in die benach­bar­ten Pro­vin­zen aus­brei­tete, haben die chi­ne­si­schen Behör­den ihre Sicher­heits– und Über­wa­chungs­maß­nah­men in allen tibe­ti­schen Gebie­ten mas­siv ver­stärkt. Es ist seit­her sehr schwie­rig gewor­den, Infor­ma­tio­nen aus ers­ter Hand zu erlangen.

Den Aus­sa­gen eines Sam­ten genann­ten Man­nes zufolge ver­such­ten die Behör­den in sechs Klös­tern in Jomda die Durch­füh­rung der „Patrio­ti­schen Umer­zie­hung“ zu erzwin­gen. In einem davon, dem Klos­ter Nyedo, ver­haf­te­ten sie drei Mön­che und einen Gehil­fen und setz­ten sie im örtli­chen Haft­zen­trum fest.

Die Namen der fest­ge­nom­men Mön­che wer­den als Lore Tse­ten, 32, Dud­jom, 23, und Cho­ekyi Nyima, 32, ange­ge­ben. Hun­derte Tibe­ter aus neun Dör­fern hät­ten sich vor dem Haft­zen­trum ver­sam­melt und ihre Frei­las­sung gefor­dert, fügte er hinzu. Dar­auf­hin seien Hun­derte von Sicher­heits­kräf­ten mit Trä­nen­gas gegen die Menge vor­ge­gan­gen, wodurch zahl­rei­che Demons­tran­ten ohn­mäch­tig gewor­den und ins Kran­ken­haus gebracht wor­den seien.

„Ein Tibe­ter namens Kal­sang, der frü­her in der chi­ne­si­schen Armee gedient hatte und gut Man­da­rin sprach, ging auf die Poli­zis­ten zu, um sie zu bit­ten, das Ver­sprü­hen des gif­ti­gen Gases ein­zu­stel­len. Als Ant­wort schlu­gen sie ihn zusam­men.“ Spä­ter am Tag hät­ten dann tibe­ti­sche Respekts­per­so­nen bei den chi­ne­si­schen Behör­den die Frei­las­sung der Mön­che erwirkt.

Indes­sen haben viele Mön­che ihre Klös­ter ver­las­sen, um sich der “Patrio­ti­schen Umer­zie­hung“ zu ent­zie­hen, weil sie dabei ihr Ober­haupt, den Dalai Lama, und die tibe­ti­sche Regierung-im-Exil beschimp­fen müs­sen, sagte Samten.

Ein ande­rer in Jomda gebür­ti­ger Tibe­ter mit Namen Dorje gab an, man habe den Klös­tern eine Frist bis zum 18. Juni gesetzt, um sich der „Patrio­ti­schen Umer­zie­hung“ zu fügen und den Dalai Lama und die Exil­re­gie­rung vor lau­fen­der Kamera zu ver­ur­tei­len. Ansons­ten drohe ihnen die Schlie­ßung. „Wenn sie sich nicht fügen, wer­den alle Klös­ter in der Gegend geschlos­sen und die Mön­che ver­haf­tet und weg­ge­schafft“, sagte er.

Am 5. Januar 2009 ver­lau­tete aus tibe­ti­schen und chi­ne­si­schen Quel­len, in einem Regie­rungs­ge­bäude in Jomda sei es zu einer Explo­sion gekom­men, bei der meh­rere Häu­ser und Autos, aber keine Per­so­nen zu Scha­den kamen.

Tibet ist weit­ge­hend von der Außen­welt abge­rie­gelt, seit es im letz­ten Jahr zu anfangs fried­li­chen Demons­tra­tio­nen in der Haupt­stadt Lhasa kam, die spä­ter in Kra­walle aus­ar­te­ten und bei denen min­des­tens 22 Per­so­nen ums Leben kamen.

Die Pro­teste brei­te­ten sich in die drei benach­bar­ten Pro­vin­zen aus, wor­auf­hin China seine Mili­tär­prä­senz dras­tisch ver­schärfte. Der tibe­ti­schen Regierung-im-Exil zufolge star­ben min­des­tens 220 Tibe­ter und etwa 7.000 wur­den bei den dar­auf­fol­gen­den Polizei-Razzien verhaftet.

Über­set­zung: Irina Raba, Adel­heid Dön­ges, Revi­sion: Ange­lika Mensching

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