Widmer-Schlumpf setzt sich für tibetischen Filmer Dhondup Wangchen ein: Leserbrief
Von TB | 5. November 2009 | Kategorie: Schweiz | 2 commentsNeue Zürcher Zeitung, 02.11. 09 -
Erfreut und dankbar stellen wir fest, dass Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf den Mut hatte, trotz Wirtschaftsinteressen in der VR China, heikle Fragen offen anzusprechen. Sie zeigte sich couragiert und hat damit bewiesen, dass es durchaus möglich ist, die chinesische Regierung auf bestehende Missstände aufmerksam zu machen und trotzdem Handelsbeziehungen zu pflegen.
Traurige Tatsache ist, dass weiterhin hunderte von anderen tibetischen Häftlingen in chinesischen Gefängnissen darben, namenlos und ohne Schutz. Das wird auch so bleiben, solange das chinesische Regime freie Meinungsäusserungen verbietet und jegliches Abweichen von der Doktrin mit drastischen Massnahmen verfolgt.
Wir setzen unsere Hoffnung auf weitere engagierte Politiker aller Nationen, die bei ihren Besuchen in China vermehrt das Tibetproblem ansprechen und wir zählen auf die Entwicklung der chinesischen Gesellschaft und Regierung in Richtung von westlichem Demokratieverständnis.
Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft
Dr. Tashe Thaktsang, Präsident
Neue Zürcher Zeitung, 27.10.09 von Peter A. Fischer -
Gespräche zur Zusammenarbeit mit China im Justizbereich
Justizministerin Widmer-Schlumpf hat sich in Peking für den verschwundenen tibetischen Filmemacher Dhondup Wangchen eingesetzt. Die Schweiz möchte im Justizbereich enger mit China zusammenarbeiten. Doch sollte Angeklagten Recht gewährt werden.
Die Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz– und Polizeidepartements, Eveline Widmer-Schlumpf, hat ihre Treffen in Peking mit dem in China für öffentliche Sicherheit zuständigen Staatsrat Meng Jianzhu und der chinesischen Justizministerin Wu Aiying nicht nur zur Erörterung technischer Fragen genutzt, sondern sich dabei auch für den inhaftierten und seit über einem Jahr verschwundenen tibetischen Filmemacher Dhondup Wangchen eingesetzt. Er wurde verhaftet und ist seither verschwunden; er hat Verwandte in Zürich
Sie habe ihre Sorge ausgedrückt und um Auskunft darüber gebeten, wo der Tibeter, dessen Cousin in der Schweiz lebt, festgehalten wird und wie die chinesischen Behörden diesem rechtliches Gehör verschaffen, erklärte Widmer-Schlumpf auf Nachfrage am Dienstagmorgen in Peking vor der Presse. Ihr sei eine baldige Antwort zugesichert worden.
Verhaftet und verschwunden
Dhondup Wangchens bisheriges Schicksal illustriert eindrücklich, wie weit rechtsstaatliche Theorie und Praxis in China zumindest in manchen Gebieten und in politisch heiklen Fällen immer noch auseinanderklaffen können. Wie auch Widmer-Schlumpf betonte, hat China in den letzten Jahren bei der Gesetzgebung grosse Fortschritte gemacht und auch im Prozessrecht neue, moderne Gesetzte in Kraft gesetzt. Diese sehen vor, dass eine Verhaftung gerichtlich sanktioniert und Verwandte rasch informiert werden müssen, und dass zudem ein Verhafteter Anspruch auf rechtliches Gehör und den Beizug eines Anwalts seiner Wahl hat, mit dem er sich frei unterhalten kann. Auch garantieren in China Verfassung und Gesetze im Prinzip die freie Meinungsäusserung. Die chinesische Führung bekennt sich zu den Regeln, doch deren korrekte Anwendung ist oft nicht gewährleistet.
Laut den Angaben des Vereins Filmen für Tibet und der Kampagne für Meinungsfreiheit in Tibet und China hat der inzwischen 35-jährige Tibeter Dhondup Wangchen zwischen Oktober 2007 und März 2008 zusammen mit einem Mönch weite Teile von Tibet bereist und dabei mit einer Videokamera über 100 Interviews mit Tibetern aufgezeichnet, die trotz drohender Verfolgung vor laufender Kamera offen über ihre alltägliche Situation, erfahrene Unterdrückung und Diskriminierung berichteten und zu den damals bevorstehenden Olympischen Spielen Stellung nahmen.
Auslieferungen in rechtsfreien Raum?
Wie Widmer-Schlumpf am Dienstag in Peking ausführte, arbeitet die Schweiz in Justiz– und Rechtsfragen seit längerem mit den chinesischen Behörden zusammen. Unter anderem finanziert die Eidgenossenschaft ein Programm, das im Jugendstrafvollzug Wege aufzeigen will, jugendliche Straftäter während ihrer Inhaftierung auf ein «Leben danach» vorzubereiten und ihnen unter anderem durch Schulung eine bessere Chance zu geben, sich nach der Entlassung wieder in einem normalen Leben zurechtzufinden.
Die Schweiz möchte bei der Bekämpfung des internationalen Menschenhandels – vor allem mit Kindern und jungen Frauen – enger mit chinesischen Behörden zusammenarbeiten und die Abläufe vereinfachen. Das gilt offenbar auch für die Identifikation von möglicherweise aus China stammenden Flüchtlingen sowie bei der Rechtshilfe. China ist an einer vertieften Zusammenarbeit vor allem im wirtschaftlichen und Umweltbereich und laut offiziellen Angaben auch an einer verstärkten Kooperation in der Terrorismusbekämpfung interessiert.
Solange allerdings die Umsetzung elementarer Prozess-Rechte in der Praxis nicht gewährleistet ist, wirkt eine engere Zusammenarbeit, zumindest wenn sie zu einer Auslieferung von in China gesuchten Personen führen sollte, zumindest problematisch. Widmer-Schlumpf hielt dazu nur fest, die Schweiz wolle keine Hilfe bieten, wo kein auch in der Schweiz strafbarer Tatbestand gegeben oder nicht sichergestellt sei, dass die Personen in China ihr Recht erhielten.
Rechte von Angeklagten
Laut der Bundesrätin kann die Schweiz in der Zusammenarbeit mit China im Justiz– und Polizeibereich immer wieder Themen ansprechen, muss sich aber auch der Grenzen des Möglichen bewusst sein. Es ginge ihr darum, ihren Gesprächspartnern aufzuzeigen, wie in der Schweiz Justizfragen angepackt würden, unter Einhaltung der individuellen (Menschen-)Rechte. Ihre Gesprächspartner hätten sich durchaus interessiert gezeigt. Die Schweiz könne aber nicht den Anspruch erheben, dass andere Länder wie China ihre Ansichten teilen und es gleich machen müssten, sagte Widmer-Schlumpf. Staatsrat Meng hat die Bundesrätin offenbar eingeladen, die Gespräche in einem Jahr in Peking fortzuführen.
Bundesrätin in China: Ein Mann hofft auf Widmer-Schlumpf
20min.ch, 26.10.09, von Katharina Bracher -
Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf hat am Freitag ihre Chinareise angetreten. Sie will auch über die Menschenrechte sprechen. Der tibetische Filmemacher Dhondup Wangchen setzt darauf all seine Hoffnungen. Doch Schweizer Bundesräte erwiesen sich auf vergangenen Chinamissionen eher als Leisetreter.
Dhondup Wangchen erhofft sich mehr vom Besuch der Schweizer Justizministerin als ein paar Erinnerungsfotos mit chinesischen Funktionären. Der 35-jährige Autodidakt drehte 2007 einen Film über die bevorstehenden Olympischen Spiele. Er reiste durch Tibet und befragte die dortige Bevölkerung über das Grossereignis. Die Chinesen hatten keine Freude. Noch bevor der Film im Sommer 2008 seine Premiere in Zürich feierte, verschwand Dhondup. Seither sitzt er im Gefangenenlager in China. Mehrere westliche Länder — darunter die USA und die Schweiz — haben bereits diplomatische Anfragen zum Fall Wangchen nach China geschickt. Doch Peking schweigt eisern. Jetzt setzt Wangcheng auf seinen Cousin Gyaljong Tsetrin und Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf. «Wir hoffen darauf, dass die Bundesrätin den Fall bei ihrem Besuch anspricht.»
Widmer-Schlumpf will Menschenrechtslage ansprechen
Widmer-Schlumpf ist gestern ins Reich der Mitte geflogen. Sie besucht den Rohbau des Schweizer Expo-Pavillons und trifft sich mit ranghohen Politikern Chinas. Dabei will sie auch den «Dialog über die Menschenrechte fortführen», wie das Departement Widmer-Schlumpf gegenüber 20 Minuten Online bestätigte. Ob dies auch das Thema Wangchen betrifft, wollte das Departement nicht sagen.
Die Aufnahme von tibetischen Flüchtlingen hat in der Schweiz allerdings eine lange Tradition. Bereits vor der grossen Flüchtlingswelle in den 1960er Jahren hat die Schweiz auf Initiative von Privatleuten zahlreiche tibetische Waisen in die Eidgenossenschaft geholt. Kein anderes Land hat so viele Tibeter aufgenommen. Cousin Gyaljong, als politischer Aktivist von den Chinesen einst selber gefangen genommen und enteignet, ehe ihm die Schweiz Asyl gewährte, setzt nicht zuletzt deshalb grosse Hoffnung in die Schweiz.
Fehr: Schweizer Kritik an China zunehmend verstummt
Ein Blick in die Vergangenheit lässt Beobachter allerdings zweifeln. «Die Schweiz ist nicht überdurchschnittlich mutig, was den Umgang mit der chinesischen Regierung angeht», sagt Mario Fehr. Er ist Präsident der Parlamentarischen Gruppe für Tibet und Mitglied der aussenpolitischen Kommission. In letzterer Funktion habe er zu oft erlebt, dass Schweizer Regierungsmitglieder von ihrer China-Reise zurückkommen und keine konkreten Ergebnisse aus dem angekündigten Menschenrechtsdialog vorweisen können. Für Fehr ist klar, wo der Schuh drückt: «Seit Aussicht auf ein Freihandelsabkommen mit China besteht, ist die schweizerische Kritik an der Menschenrechtslage in Tibet und in China zunehmend verstummt.»
Der Eklat in Bern von 1999 hat ebenfalls nicht zu einer Annäherung in der Menschenrechtsfrage beigetragen. Damals organisierten die Exil-Tibeter während dem Besuch des chinesischen Ministerpräsident Jang Zemin eine Demonstration vor dem Bundeshaus. Zemin drohte mit der sofortigen Abreise aus der Schweiz. Das Klima zwischen der Schweiz und China war darauf nicht nur in der Tibet-Frage frostig. Erste Annäherungsversuche in den Jahren danach konzentrierten sich darauf, die wirtschaftlichen Bande zwischen den beiden Ländern zu festigen. Lange getraute man sich auf China-Mission kaum mehr, das Reizwort Menschenrechte in den Mund zu nehmen.
Schwierige Situation nach dem Eklat in Bern 1999
2006 schliesslich reiste Micheline Calmy-Rey als erste Schweizer Aussenministerin seit 1993 nach China. Die Bilanz: Eine strahlende Bundesrätin an der Seite ihres Amtskollegen und die Versicherung, sich «ausführlich über die Menschenrechtslage unterhalten» zu haben. Ihr nächster Satz, der Menschenrechtsdialog sei eine Politik der «kleinen Schritte», versprach aber nicht viel. Wenig später hielt auch Kollege Couchepin den Ball Flach: «Mit Rügen erreicht man in diesem Dialog mit China gar nichts, sondern eher das Gegenteil», entgegnete er den Kritikern der Olympischen Spiele in Peking.
Mario Fehr sieht das anders: «Wir könnten uns mehr Klarheit in unseren Beziehungen zu China erlauben», sagt er gegenüber 20 Minuten Online. Auch nach dem Eklat im Jahr 1999 hätten die Handelsbeziehungen mit China nicht unter der Affäre gelitten. Auch Gyaljong sagt. «Die Schweiz ist den Chinesen in vielerlei Hinsicht ein Vorbild. Sie geniesst grosse Glaubwürdigkeit.» Er glaubt darum nicht, dass die Schweiz zu wenig mächtig ist, um im internationalen Machtgefüge positiv auf die Menschenrechtslage in China einzuwirken: «Der Einfluss der Schweiz ergibt sich nicht aus ihrer Grösse, sondern aus ihrer langen Tradition der Demokratie», sagt der Tibeter. Er gibt die Hoffnung nicht auf, dass Eveline Widmer-Schlumpf in den nächsten Tagen ein Wort für seinen Cousin in Peking einlegen wird. Und Mario Fehr bricht trotz aller politischen Differenzen mit Eveline Widmer-Schlumpf eine Lanze für die Justizministerin: «Ich traue ihr zu, dass sie die desolate Menschenrechtslage anspricht. Sie ist mutig genug.»
Besuch von Bundesrätin Widmer-Schlumpf in China
Medienmitteilungen, EJPD, 20.10.2009
Bern. Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf, Vorsteherin des Eidg. Justiz– und Polizeidepartements (EJPD), wird vom 23. bis 27. Oktober 2009 China besuchen. In Peking wird sie mit dem Minister für öffentliche Sicherheit Meng Jianzhu sowie mit der Justizministerin Wu Aiying Gespräche führen. Bundesrätin Widmer-Schlumpf wird zudem das Richtfest des Schweizer Pavillons an der EXPO 2010 in Shanghai besuchen.
In Shanghai wird Bundesrätin Widmer-Schlumpf am 23. Oktober 2009 als Ehrengast am Richtfest des Schweizer Pavillons an der EXPO 2010 teilnehmen. Mit der planmässigen Fertigstellung des Stahlbaus ist ein wichtiger Bauabschnitt abgeschlossen. Die EXPO 2010 findet vom 1. Mai bis am 31. Oktober 2010 in Shanghai statt. Die Bundesrätin wird ausserdem den Stadtpräsidenten von Shanghai, Minister Han Zheng, treffen und mit Vertretern der schweizerischen Wirtschaftsgemeinschaft in Shanghai zusammen kommen.
Für den zweiten Teil des Besuchs wird Bundesrätin Widmer-Schlumpf nach Peking reisen, wo sie am 26. Oktober 2009 den chinesischen Minister für öffentliche Sicherheit Meng Jianzhu und die chinesische Justizministerin Wu Aiying zu Gesprächen trifft. Im Vordergrund der Gespräche stehen die bilateralen Beziehungen, insbesondere in den Bereichen Migration, Sicherheit und Strafvollzug sowie ein Austausch über aktuelle Entwicklungen im Justizbereich. Zudem steht ein Höflichkeitsbesuch bei Wang Qishan, Vizepremierminister Chinas, auf dem Programm.
Weitere Auskünfte
Philippe Piatti, Generalsekretariat EJPD, T +41 31 322 40 29




Alle, die in den letzten Monaten Unterschriften gesammelt haben und für die Freilassung von Dhondup Wangchen gekämpft haben, können sich sagen: Es lohnt sich! Ohne diesen Einsatz wäre der Fall von Dhondup Wangchen in die Versenkung gesunken.
Das sollte uns eine Ermunterung sein, auch für die anderen politischen Gefangenen uns einzusetzen.
Wangpo
“Auch garantieren in China Verfassung und Gesetze im Prinzip die freie Meinungsäusserung.”
ja und das seit 26 jahren… also vor dem tiananmen massaker! warum erkennt niemand dass china ihre eigenen gesetze bricht??? auch frau widmer-schlumpf sollte das erkennen und zur sprache bringen! neue gesetze einführen bringt wenig wenn sie nicht eingehalten werden…
freiheit für tibet und china!