Parlament der Weltreligionen tagt in Melbourne

Evan​ge​lisch​.de, 5.12.09, von Eva Schatz -
Es ist die Zeit der gro­ßen inter­na­tio­na­len Kon­fe­ren­zen: In Kopen­ha­gen tritt am Mon­tag der Welt­kli­ma­gip­fel zusam­men, in Mel­bourne tagt gegen­wär­tig das Par­la­ment der Welt­re­li­gio­nen. Bei dem Tref­fen setzte sich der Dalai Lama für einen gemein­sa­men Kampf gegen die Umwelt­zer­stö­rung ein.

Das Minarett-Referendum in der Schweiz hat eines deut­lich gemacht: Inter­re­li­giö­ser Dia­log ist mehr als eine Beschäf­ti­gung für welt­fremde Aka­de­mi­ker. Wie Chris­ten und Mus­lime zusam­men leben kön­nen, ist ein wich­ti­ges Thema beim dies­jäh­ri­gen “Par­la­ment der Welt­re­li­gio­nen”, das bis Mitt­woch im aus­tra­li­schen Mel­bourne tagt.

Die Orga­ni­sa­to­ren der welt­weit größ­ten inter­re­li­giö­sen Ver­an­stal­tung spre­chen von rund 8.000 Teil­neh­mern aus 80 Län­dern, rund 30 ver­schie­dene Glau­bens­rich­tun­gen sind ver­tre­ten. Alle fünf Jahre wer­den nicht nur reli­giöse, son­dern auch andere glo­bale The­men wie Umwelt, Armut, Frau­en­rechte und sozia­ler Frie­den erör­tert. Das erste Par­la­ment der Welt­re­li­gio­nen ver­sam­melte sich im Jahr 1893 in Chi­cago. Die Reli­gi­ons­tref­fen fin­den alle fünf Jahre statt, zuletzt 2004 in Bar­ce­lona. Sie haben sich zur Auf­gabe gesetzt, die Ver­stän­di­gung zwi­schen Reli­gio­nen und geist­li­chen Gemein­schaf­ten zu för­dern, sowie deren Enga­ge­ment für eine Gerech­tig­keit, Frie­den und Umwelt zu fördern.

Dalai Lama wirbt für Klimaschutz

Bekann­tes­ter Teil­neh­mer in Mel­bourne ist der Dalai Lama. Das reli­giöse Ober­haupt der tibe­ti­schen Bud­dhis­ten benannte — pas­send zum Beginn des UN-Klimagipfels in Kopen­ha­gen — eine gemein­same Stra­te­gie gegen Umwelt­zer­stö­rung als eines der wich­tigs­ten Ziele. Der Dalai Lama wies dar­auf hin, dass der welt­weite Kli­ma­wan­del in Tibet am deut­lichs­ten zu spü­ren sei — die Tem­pe­ra­tu­ren stei­gen auf dem tibe­ti­schen Hoch­pla­teau mit dop­pel­ter Geschwin­dig­keit. Dort ent­sprin­gen die vier größ­ten Was­ser­adern Asi­ens. Damit ist der Erhalt des tibe­ti­schen Ökosys­tems für den gesam­ten Kon­ti­nent von größ­ter Bedeu­tung. Pas­send dazu lau­tet das dies­jäh­rige Motto der Tagung: “Einen him­mel­wei­ten Unter­schied machen: ein­an­der zuhö­ren, die Erde heilen”.

Kon­flikt­lö­sungs­stra­te­gien sind ein wei­te­rer Haupt­punkt des mit knapp 700 Ein­zel­ver­an­stal­tun­gen voll­ge­pack­ten Pro­gramms. Wie sich ein Zusam­men­le­ben in Har­mo­nie bewerk­stel­li­gen lässt, erör­tern Gäste aus sie­ben welt­wei­ten Kon­flikt­re­gio­nen, dar­un­ter Nah­ost, Afgha­nis­tan und Liberia.

Der Gene­ral­se­kre­tär des Reli­gi­ons­par­la­ments, der US-amerikanische refor­mierte Theo­loge Dirk Ficca, beschrieb die Ver­än­de­run­gen im Klei­nen als die wahre Erfolgs­ge­schichte des Par­la­ments: Schon bei den Vor­be­rei­tun­gen ergä­ben sich viele Gesprä­che zwi­schen ein­zel­nen Glau­bens­ge­mein­schaf­ten — “und eines der Haupt­ziele des Par­la­ments ist es her­aus­zu­fin­den, was wir gemein­sam tun und was wir nicht gemein­sam tun kön­nen.” Die all­mor­gend­li­chen Gebets­ver­an­stal­tun­gen fal­len wei­ter­hin in die letzt­ge­nannte Kate­go­rie und fin­den­nach Reli­gio­nen getrennt statt.

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