China verbietet private Internetseiten: Bislang härtester Schritt zur Internetzensur – Auch Portale und deren Nutzer im Visier
Von TB | 22. Dezember 2009 | Kategorie: News | 1 Kommentar »Financial Times Deutschland, 16.12.09, von Kathrin Hille -
Privatpersonen können in China keine Internetadressen mehr registrieren lassen. Seit Montag muss jeder, der in China einen Namen für eine Internetseite erwerben möchte, ein Unternehmenssiegel und einen Gewerbeschein vorlegen. Das teilte die zuständige Behörde China Internet Network Information Center (CNNIC) mit. Anbieter von Internetzugängen reagierten bereits auf die Anordnung und teilten mit, sie würden ihren Kundenstamm auf betrügerische oder „schädliche“ Websites von Privatpersonen überprüfen.
Der Bann privater Internetseiten ist der bisher drastischte Schritt der kommunistischen Führung in Peking, um Informationen im Internet zu kontrollieren. Dem Land droht nun eine Massenabwanderung von persönlichen Homepages. Peking versucht bereits mit zahlreichen anderen Maßnahmen, unerwünschte Internet– und Medieninhalte von China fernzuhalten. Von offizieller Seite heißt es, die neue Vorschrift sei Teil der Bemühungen, die Ausbreitung pornographischer Inhalte einzudämmen. Blogger und Internetaktivisten dagegen werten die Vorschrift als Versuch, das Internet stärker zu zensieren. „Setzen sie das wirklich um, müssen wir unsere Websites außerhalb Chinas registrieren lassen“, sagte ein Blogger.
Bislang setzt Peking bei der Internetzensur auf eine umfassende Überwachung der Behörden und auch auf die Selbstzensur von Internetportalen. Das rasche Wachstum von Netzwerken mit ihrer Flut an nutzergenerierten Inhalten stellt dieses System auf eine Belastungsprobe. Die chinesischen Behörden haben dieses Jahr bereits Internetseiten wie Youtube, Facebook und Twitter gesperrt sowie einige ähnliche, chinesische Anbieter. Vergangene Woche schloss die staatliche Behörde für Radio, Film und Fernsehen mehrere Videoportale. Den Schritt begründete sie damit, dass die hochgeladenen Videos anstößig seien und Urheberrechte verletzten. In derselben Woche teilte die Regierung mit, landesweit seien mehr als 3000 Personen festgenommen worden wegen des Verdachts, pornografische Inhalte ins Internet gestellt zu haben.
Dass Privatpersonen einen eigenen Domainnamen besitzen, war schon immer eine rechtliche Grauzone in China. „Die Regierung hat die Registrierung von Domainnamen durch Privatpersonen niemals geöffnet. In der Vergangenheit gab es einfach ein paar Schlupflöcher“, sagte der chinesische Internetexperte Yue Hong. „CNNIC hat die Richtlinien jetzt verschärft.“
Schätzungen zufolge machen Privatpersonen die Mehrheit aller registrierten Internetadressen in dem Land aus. China veröffentlicht jedoch keine nach Besitzern unterteilten Statistiken dazu. CNNIC zufolge existierten dort im Juni dieses Jahres 16,3 Millionen Internetadressen, 80 Prozent davon mit der chinesischen Endung „.cn“.




“Der Bann privater Internetseiten ist der bisher drastischste Schritt der kommunistischen Führung in Peking”
Die sind alles, aber bestimmt nicht kommunistisch…
Ersetzt das besser durch diktatorische Führung. Ich denke das trifft es besser…