“Dritter Pol”: Russ gefährdet Himalaja-Gletscher

Wall Street Jour­nal, 16.12.09 -

Ein chinesisch-amerikanisches For­scher­team hat fest­ge­stellt, dass Russ­ab­la­ge­run­gen auf den Glet­schern im Hima­laya für das schnelle Abschmel­zen ver­ant­wort­lich sind. Die dunk­len Russ­ab­la­ge­run­gen, die auf die Schnee­de­cke fal­len, absor­bie­ren die ein­strah­lende Sonne und sor­gen für stär­kere Erwär­mung, berich­ten die Wis­sen­schaft­ler in der aktu­el­len Aus­gabe des PNAS-Magazins.

Die Tem­pe­ra­tu­ren am tibe­ti­schen Pla­teau — manch­mal auch das “dritte Polar­ge­biet der Erde” genannt — haben sich um 0,3 Grad Cel­sius pro Dekade inner­halb der ver­gan­ge­nen 30 Jahre erwärmt. Damit erwärmt sich diese Region dop­pelt so schnell wie der Rest der Welt. Neue Feld­stu­dien und quan­ti­ta­ti­ves Model­ling machen deut­lich, dass der Ein­fluss von Ruß den Treib­haus­ef­fekt sogar in den Schat­ten stellt.

Tibets Glet­scher schmel­zen rasant

“Tibets Glet­scher gehen rapide zurück”, so Stu­dien Co-Autor James Han­sen, Direk­tor am Nasa God­dard Insti­tute for Space Stu­dies (GISS) in New York City. “Der Russ trägt etwa zur Hälfte dazu bei, der Rest ent­fällt auf die Treib­haus­gase.” In den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren habe sich die rela­tive Russ­menge von 1975 ver­dop­pelt bis ver­drei­facht, berich­tet Junji Cao von der chi­ne­si­schen Aka­de­mie der Wissenschaften.

50 Pro­zent der Glet­scher Tibets sind zwi­schen 1950 und 1980 zurück­ge­gan­gen. Der Pro­zent­satz ist von Anfang des 21. Jahr­hun­derts auf 95 Pro­zent ange­stie­gen, erklärt Tan­dong Yao, Direk­tor des chi­ne­si­schen Insti­tute of Tibe­tan Pla­teau Rese­arch. “Einige der Glet­scher schrump­fen so schnell, dass bei Bei­be­hal­tung die­ses Trends, einige bis 2050 ver­schwun­den sein werden.”

Glo­ba­ler Trend des Gletscherschwunds

“Ein ähnli­ches Bild ken­nen wir auch von den Alpen­glet­schern”, meint Kli­ma­ex­perte Jur­rien West­er­hof von Green­peace im pressetext-Interview. “Wenn es im Mai oder Juni noch Schnee gibt, schützt das die Glet­scher.” Wenn hin­ge­gen der Glet­scher frei­liegt, dann schmelze das Eis ziem­lich schnell. Glet­scher an der nor­we­gi­schen West­küste schmel­zen des­we­gen nicht so schnell, weil die Nie­der­schläge dort stär­ker wurden.

“Russ hat den Vor­teil, dass er super­leicht ist und lange schwe­ben kann”, so West­er­hof. Russ aus China sei an der West­küste der USA mess­bar, erklärt West­er­hof. Ein Trans­port von meh­re­ren tau­send Kilo­me­tern sei also leicht möglich.

Die Stu­di­en­au­to­ren fürch­ten, dass das feh­lende Schmelz­was­ser, wenn die Glet­scher stark geschrumpft oder sogar ver­schwun­den sind, die gro­ßen Flüsse wie den Indus, den Gan­ges, den Brah­ma­pu­tra und den Gel­ben Fluss nicht mehr spei­sen. Das könnte schwer­wie­gende Aus­wir­kun­gen auf die Was­ser­ver­sor­gung haben. Dann wür­den die Flüsse nur noch von den Nie­der­schlä­gen Was­ser bekommen.

Arti­kel (engl.) zum Thema: Tibet and China: Cli­mate Cri­sis at the Earth’s Third Pole


Sehr emp­feh­lens­werte Web­seite zum Thema: www​.eco​bud​dhism​.org


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