Dalai Lama im Weissen Haus: Ein bisschen Besuch bei Obama

Der Spie­gel, 18.2.10, von Gre­gor Peter Schmit -

US-Präsident Barack Obama trifft den Dalai Lama im stil­len Käm­mer­lein: Bei der Visite des Tibe­ters mühte sich das Weisse Haus um Dis­kre­tion, um die Chi­ne­sen nicht zu ver­är­gern — mit über­schau­ba­rem Erfolg.

Es gibt Besu­cher im Wei­ßen Haus, die soll die ganze Welt sehen. Es gibt Besu­cher, deren Anwe­sen­heit die Öffent­lich­keit mög­lichst nicht bemer­ken soll. Und dann gibt es Besu­cher, die soll man sehen, doch ja nicht zu sehr.

Der gütig bli­ckende Mann, der nach sei­ner Visite in der US-Machtzentrale zu Repor­tern spricht, gehört zur drit­ten Kate­go­rie: Der Dalai Lama, 74, spi­ri­tu­el­les Ober­haupt der Tibe­ter. 1950 besetz­ten die Chi­ne­sen seine Hei­mat, neun Jahre spä­ter floh er ins Exil nach Indien. Seit­her kämpft er für seine Rück­kehr, für tibe­ti­sche Rechte. Peking sieht ihn als Ter­ro­ris­ten an, jede aus­län­di­sche Ein­mi­schung im roh­stoff­rei­chen Tibet emp­fin­den die chi­ne­si­schen Macht­ha­ber als feind­li­che Attacke.

US-Präsidenten unter­stüt­zen seit Jah­ren das Anlie­gen des Dalai Lama, sie äußern Besorg­nis über die Men­schen­rechts­lage in Tibet. Aber sie wis­sen auch, wie emp­find­lich das mäch­tige China auf jede diplo­ma­ti­sche Höf­lich­keit für den tibe­ti­schen Reli­gi­ons­füh­rer reagiert.

Das weiß natür­lich auch Barack Obama. Seit Wochen droht ihm Peking, er solle bloß nicht den Dalai Lama emp­fan­gen, sonst werde sich das Ver­hält­nis mit Washing­ton wei­ter ver­schlech­tern. Der Prä­si­dent emp­fängt ihn den­noch am Don­ners­tag, 45 Minu­ten lang. Sie spre­chen, so berich­tet der Tibe­ter, über die För­de­rung von Frie­den in der Welt, über reli­giöse Har­mo­nie, über die Lage in Tibet. Obama zeige daran “ech­tes Inter­esse”, sagt der Dalai Lama nach dem Treffen.

Der US-Präsident sagt — gar nichts. Er tritt nicht mit sei­nem Gast auf, bloß eine schrift­li­che Stel­lung­nahme ver­öf­fent­licht das Weiße Haus. Obama habe Unter­stüt­zung für Tibets “ein­zig­ar­tige reli­giöse, kul­tu­relle und sprach­li­che Iden­ti­tät” signa­li­siert, heißt es knapp.

Kame­ras durf­ten das Tref­fen nicht doku­men­tie­ren, wie sonst üblich bei hoch­ran­gi­gen Besu­chern des Prä­si­den­ten. Nur ein Foto ver­öf­fent­li­chen Oba­mas Pres­se­be­ra­ter, es zeigt die bei­den Her­ren nicht im Oval Office, son­dern dem “Map Room”, einem weni­ger reprä­sen­ta­ti­ven Saal. Das Weiße Haus macht auch klar, dass der Tibe­ter nicht etwa als Staats­ober­haupt emp­fan­gen wurde, son­dern als inter­na­tio­nal aner­kannte Per­sön­lich­keit mit einem kla­ren Anlie­gen. Immer­hin darf der Dalai Lama spä­ter noch Außen­mi­nis­te­rin Hil­lary Clin­ton treffen.

Diplo­ma­ti­sche Vor­sicht und harte Haltung

Der­lei diplo­ma­ti­sche Vor­sicht ist nichts Neues in Washing­ton. Auch Ex-Präsident Bill Clin­ton dekla­rierte seine Tref­fen mit dem Tibe­ter als pri­vate Ter­mine, er kam auf einen Plausch vor­bei, wenn die­ser von Vize Al Gore oder Gat­tin Hil­lary emp­fan­gen wurde. George W. Bush betonte stets, den Dalai Lama nicht als Poli­ti­ker, son­dern als reli­giö­ses Ober­haupt will­kom­men zu heißen.

Obama ver­sucht nun einen ähnli­chen Spa­gat. Der Prä­si­dent will mit dem Tref­fen Kri­ti­ker in sei­ner eige­nen Par­tei besänf­ti­gen, die ihm Kom­pro­misse in Men­schen­rechts­fra­gen vor­hal­ten — gerade im Ver­hält­nis mit China.

Außer­dem signa­li­siert er so, dass der Kuschel­kurs mit Peking aus sei­nem ers­ten Amts­jahr end­gül­tig vor­bei ist. Vori­gen Herbst ver­wei­gerte Obama dem Dalai Lama noch einen Ter­min, weil er die chi­ne­si­sche Füh­rung nicht kurz vor sei­ner Reise nach Asien ver­är­gern wollte. Seine Top-Berater tra­fen ihre chi­ne­si­schen Kol­le­gen häu­fi­ger als irgend­eine US-Regierung zuvor. Sie woll­ten unter ande­rem deren Beden­ken über das US-Haushaltsdefizit und den Dollar-Kurs aus­räu­men, immer­hin hält China mehr als eine Bil­lion Dol­lar in US-Staatsanleihen.

Raue Phase der China-USA-Beziehungen

Doch nun ist die Bezie­hung in eine raue Phase ein­ge­tre­ten, sagt Experte Ken­neth Lie­ber­thal von der Broo­kings Insti­tu­tion. Der Emp­fang des Dalai Lama ist genauso Aus­druck davon wie US-Waffenlieferungen an Tai­wan, das China als abtrün­nige Pro­vinz ansieht.

Zu groß ist der Frust in Oba­mas Team, weil die kom­mu­nis­ti­schen Macht­ha­ber trotz US-Annäherungsversuchen wenig Koope­ra­ti­ons­be­reit­schaft bei der Lösung von glo­ba­len Pro­ble­men zei­gen. Auf dem Welt­kli­ma­gip­fel in Kopen­ha­gen brüs­kier­ten chi­ne­si­sche Ver­tre­ter die US-Delegation ebenso wie bei Uno-Verhandlungen über das ira­ni­sche Atom­pro­gramm. Zugleich ergin­gen sie sich aus US-Sicht in Tri­umph­ge­schrei über ihre schnel­lere Bewäl­ti­gung der Weltfinanzkrise.

In den USA ist der­zeit die Nei­gung groß, Wirt­schafts­kon­flikte zu beto­nen — das kommt bei den Wäh­lern daheim gut an, schließ­lich ste­hen im Novem­ber Kon­gress­wah­len an. Obama hat China gerade unver­hoh­len auf­ge­for­dert, es müsse end­lich seine Wäh­rung auf­wer­ten, um sich nicht wei­ter Export­vor­teile zu verschaffen.

Seit Mona­ten empö­ren sich chi­ne­si­sche Diplo­ma­ten laut­stark selbst über Klei­nig­kei­ten — wie Rou­ti­ne­fra­gen in einem Bericht des Pen­ta­gon über Chi­nas mili­tä­ri­sche Ambi­tio­nen. Selbst Sank­tio­nen gegen US-Firmen, die an den Waf­fen­lie­fe­run­gen an Tai­wan betei­ligt waren, will China nicht mehr aus­schlie­ßen. Den Dia­log über mut­maß­li­che Hacker­an­griffe aus dem Land auf Inter­net­kon­zerne wie Google ver­wei­gert es.

Peking rea­giert harsch auf den Emp­fang des Dalai Lama

Genug Kon­flikt­stoff also. Ande­rer­seits, und das macht den Spa­gat für Obama so schwie­rig, wol­len die Ame­ri­ka­ner Peking nicht wei­ter pro­vo­zie­ren. Zu wich­tig ist die Welt­macht als künf­ti­ger poli­ti­scher und wirt­schaft­li­cher Part­ner. Der Prä­si­dent trifft damit die Stim­mung der Ame­ri­ka­ner. Laut einer CNN-Umfrage sagen diese zwar ganz über­wie­gend, Tibet solle eigen­stän­dig sein. Doch sie sind gleich­zei­tig über­zeugt, eine gute Bezie­hung mit China sei wich­tig für die USA.

Die könnte aber wei­ter auf sich war­ten las­sen. Der­zeit ist das Ver­hält­nis zwi­schen Peking und Washing­ton bestimmt von klein­li­chem Nach­ha­ken. Das unter­strei­chen die ers­ten Reak­tio­nen aus China auf den Besuch des Dalai Lama. Das Außen­mi­nis­te­rium in Peking bestellte am Frei­tag den US-Botschafter ein, um förm­lich Pro­test gegen das Tref­fen ein­zu­le­gen. Chi­nas Regie­rung hielt Obama vor, sein Ver­hal­ten habe den US-chinesischen Bezie­hun­gen “ernst­haft geschadet”.

Das chi­ne­si­sche Außen­mi­nis­te­rium warf Oba­mas Regie­rung “eine schwer­wie­gende Ein­mi­schung in die inne­ren chi­ne­si­schen Ange­le­gen­hei­ten” vor. Damit habe der US-Präsident “das Gefühl des chi­ne­si­schen Volks ver­letzt” und den bei­der­sei­ti­gen Bezie­hun­gen “ernst­haft gescha­det”. Chi­ne­si­sche Mili­tärs emp­fin­gen demons­tra­tiv nicht den Flug­zeug­trä­ger “USS Nimitz” und rund 5000 US-Matrosen bei einem Besuch in Hong­kong, berich­tet die “South China Morning Post” — wie sonst üblich.

Auch Chi­nas Prä­si­dent Hu Jin­tao scheint zu schmol­len. Im April soll er nach Washing­ton kom­men, wenn Obama mehr als 40 Staats­män­ner aus aller Welt zu einem Gip­fel über die Sicher­heit von Atom­waf­fen gela­den hat. Nun aber heißt es, Hu könne den Ter­min absa­gen — als Vergeltungsmaßnahme.

Dalai Lama zu Besuch bei Obama: 45 Minu­ten für die Menschenrechte

Trotz hef­ti­ger Kri­tik aus China hat US-Präsident Obama den Dalai Lama im Wei­ßen Haus emp­fan­gen — aller­dings ohne Kame­ras und nur im “Kar­ten­zim­mer”. Das Ober­haupt der Tibe­ter zeigte sich den­noch “sehr glück­lich” über die Unter­stüt­zung aus Washington.

Washington/Peking — Barack Obama hat erneut bewie­sen, dass er die hohe Kunst der Diplo­ma­tie ver­steht: Zwar hat der US-Präsident am Don­ners­tag das Ober­haupt der Tibe­ter trotz Kri­tik aus China im Wei­ßen Haus getrof­fen. Aller­dings waren keine Kame­ras und Mikro­fone zuge­las­sen und es gab auch kei­nen gemein­sa­men Auf­tritt vor der Presse.

Dies gilt in Washing­ton als Geste Oba­mas, die chi­ne­si­sche Füh­rung nicht zusätz­lich zu ver­är­gern und die ohne­hin ange­spann­ten Bezie­hun­gen zu China nicht wei­ter zu ver­schlech­tern. “Für China zäh­len diese sym­bo­li­schen Details”, sagte der China-Experte Robert Bar­nett, Pro­fes­sor an der Colum­bia Uni­ver­si­tät in New York. “Für Tibet und die Tibe­ter ist nur wich­tig, dass sich die Bei­den treffen.”

Obama sagte dem Dalai Lama “seine nach­hal­tige Unter­stüt­zung beim Erhalt von Tibets ein­zig­ar­ti­ger reli­giö­ser, kul­tu­rel­ler und sprach­li­cher Iden­ti­tät” zu, hieß es am Don­ners­tag in einer acht­zei­li­gen schrift­li­chen Erklä­rung des Wei­ßen Hauses.

Der Prä­si­dent unter­stütze den Weg des Dia­logs und den Ansatz der Gewalt­lo­sig­keit, den der Dalai Lama im Ver­hält­nis mit China ein­ge­schla­gen habe.

Oba­mas Unter­stüt­zung gelte auch “dem Schutz der Men­schen­rechte für Tibe­ter in der Volks­re­pu­blik China”, hieß es in der Erklä­rung wei­ter. Der Dalai Lama sagte, er sei “sehr glück­lich” über die rund 45-minütige Begeg­nung. “Ich fühle mich sehr geehrt, den Prä­si­den­ten des größ­ten demo­kra­ti­schen Lan­des getrof­fen zu haben”, sagte der Tibe­ter nach dem Gespräch.

Mit­ar­bei­ter des Dalai Lama erklär­ten, das geis­tige Ober­haupt der Tibe­ter wollte Obama über die Lage in sei­ner Hei­mat und den Stand der Gesprä­che mit China infor­mie­ren. Der Dalai Lama lebt seit sei­ner Flucht aus Tibet 1959 im Nor­den Indi­ens im Exil. Er setzt sich für eine grö­ßere Auto­no­mie Tibets ein.

China ver­langte ver­geb­lich eine Absage des Treffens

Mit dem ver­trau­li­chen Tref­fen, das unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit statt­fand, hatte sich der US-Präsident über War­nun­gen aus Peking vor einer wei­te­ren Ver­schlech­te­rung des Ver­hält­nis­ses hin­weg­ge­setzt. Das Tref­fen fand daher auch nicht im Oval Office statt, son­dern im angren­zen­den “Kar­ten­zim­mer”. Aller­dings hat­ten auch frü­here Prä­si­den­ten den Tibe­ter nicht im Oval Office emp­fan­gen, wo die Gesprä­che mit Staats– und Regie­rungs­chefs stattfinden.

Das chi­ne­si­sche Außen­mi­nis­te­rium hatte vor dem Tref­fen ver­lau­ten las­sen, dass es Emp­fänge für den Dalai Lama im Aus­land “vehe­ment ablehnt” und mit Sank­tio­nen gegen ame­ri­ka­ni­sche Fir­men gedroht. Man werde “not­wen­dige Maß­nah­men” ergrei­fen, ließ Peking verlauten.

Die chi­ne­si­sche Regie­rung wirft dem im Exil leben­den geist­li­chen Ober­haupt der Tibe­ter vor, die Abspal­tung Tibets von China zu betrei­ben. Es betrach­tet Tref­fen von aus­län­di­schen Poli­ti­kern mit dem Lama als Ein­mi­schung in seine inne­ren Angelegenheiten.

Anschei­nend aus Pro­test gegen das Tref­fen zeigte China dem US– Flug­zeug­trä­ger “USS Nimitz” und rund 5000 US-Matrosen in Hong­kong die kalte Schul­ter. Ent­ge­gen sons­ti­gen Gepflo­gen­hei­ten woll­ten chi­ne­si­sche Mili­tärs dem Schiff kei­nen Besuch abstat­ten, berich­tete die “South China Morning Post” am Don­ners­tag. Der Flug­zeug­trä­ger und vier Begleit­schiffe waren kurz zuvor zu einem vier­tä­gi­gen Besuch eingetroffen.

Keine zuneh­men­den Span­nun­gen zwi­schen China und den USA

China-Experten in Washing­ton sehen aller­dings unge­ach­tet der zuneh­men­den Span­nun­gen zwi­schen Peking und den USA keine dra­ma­ti­sche Zuspit­zung vor­aus. “Bei­den Sei­ten wol­len jeden ernst­haf­ten Bruch ver­mei­den”, meinte Robert Bar­nett von der Colum­bia Uni­ver­si­tät in New York. Aller­dings gebe sich Peking “immer selbst­be­wuss­ter auf der inter­na­tio­na­len Bühne” und dulde keine Ein­mi­schung in der Tibet– Frage.

Obama hatte sich noch im ver­gan­ge­nen Novem­ber gewei­gert, mit dem Dalai Lama wäh­rend des­sen USA-Aufenthalt zusam­men­zu­kom­men. Damals ging es ihm darum, kurz vor sei­ner Asien– und Chi­na­reise die Füh­rung in Peking nicht zu ver­är­gern. Seit Oba­mas Amts­be­ginn vor einem Jahr hatte Washing­ton die Kri­tik an der Men­schen­rechts­po­li­tik Chi­nas deut­lich gedämpft. Gemein­same Inter­es­sen wie das Vor­ge­hen gegen die Welt­wirt­schafts­krise und gegen den Kli­ma­wan­del hät­ten Vor­rang, hieß es in Washing­ton zur Begründung.

Trotz die­ses neuen “wei­chen Kur­ses” sind die Bezie­hun­gen zwi­schen den USA und China aller­dings in jüngs­ter Zeit erheb­lich abge­kühlt. Grund ist unter ande­rem eine US-Waffenlieferung von über sechs Mil­li­ar­den Dol­lar an Tai­wan, die Peking scharf kri­ti­siert. Außer­dem wirft Washing­ton China vor, seine Wäh­rung künst­lich nied­rig zuhal­ten, um so seine Exporte immer wei­ter zu stei­gern. Für Span­nun­gen sorgt zudem das Thema Internet-Freiheit in China.

lgr/AFP/dpa-AFX

Dalai Lama bei Obama: China fährt die Kral­len aus

Stutt­gar­ter Zei­tung, 16.2.10, von Bern­hard Bartsch
– In China hat am Sonn­tag das Jahr des Tigers ange­fan­gen — und poli­tisch beginnt es tat­säch­lich mit Fau­chen und aus­ge­fah­re­nen Kral­len, weil US-Präsident Barack Obama am Don­ners­tag den Dalai Lama im Wei­ßen Haus emp­fan­gen will. Seit Wochen machen Chi­nas Medien gegen die Begeg­nung mobil: Sie sehen in dem Tref­fen mit dem von Peking als Sepa­ra­tist gebrand­mark­ten Frie­dens­no­bel­preis­trä­ger den bis­he­ri­gen Höhe­punkt einer anti­chi­ne­si­schen Kon­fron­ta­ti­ons­stra­te­gie, die auch Waf­fen­lie­fe­run­gen an Tai­wan, Straf­zölle auf chi­ne­si­sche Waren und Vor­würfe gegen Chi­nas Wäh­rungs­po­li­tik umfasst.

Zu den Fei­er­ta­gen heizte der staat­li­che Pres­se­ap­pa­rat die Stim­mung noch ein­mal an. Regie­rungs­web­sei­ten ver­öf­fent­lich­ten erneut den Wort­laut einer sie­ben Tage zurück­lie­gen­den Pres­se­kon­fe­renz des für Tibet zustän­di­gen Par­tei­funk­tio­närs Zhu Wei­qun, der vor ernst­haf­ten Kon­se­quen­zen für die chinesisch-amerikanischen Bezie­hun­gen warnte. “Ver­trauen und Koope­ra­tion zwi­schen uns wer­den unver­meid­lich bedroht, wenn US-Führer sich für ein Tref­fen mit dem Dalai Lama ent­schei­den”, wird Zhu zitiert. Auch Außen­mi­nis­te­ri­ums­spre­cher Ma Zhaoxu ver­ab­schie­dete sich mit der Auf­for­de­rung in die Fei­er­tage, die USA müss­ten “ihre Ent­schei­dung zum Arran­ge­ment des Tref­fens unver­züg­lich rück­gän­gig machen”. In der Wochen­zeit­schrift “Liao­wang” ver­lang­ten rang­hohe Mili­tärs Sank­tio­nen gegen US-Firmen und eine Erhö­hung chi­ne­si­scher Militärausgaben.

Chi­nas Medien fol­gen Richt­li­nien der Propagandabehörden

Die als patriotisch-populistisch gel­tende Zei­tung “Huan­qiu Shi­bao” (“Glo­bal Times”) warf Obama kürz­lich vor, er wolle mit anti­chi­ne­si­schen Tönen aus dem Umfra­ge­tief kom­men. “Mit unnö­ti­gen Angrif­fen auf China die Fal­ken in den USA zufrie­den­stel­len zu wol­len, ist keine kluge Ent­schei­dung”, kom­men­tierte das Blatt unter der Über­schrift “Obama sollte sich nicht zu Nadel­sti­chen gegen China ver­lei­ten las­sen”. Das Weiße Haus unter­schätze, dass Chi­nas Öffent­lich­keit “von Ame­ri­kas Behin­de­rungs­spie­len und diplo­ma­ti­schen Manö­vern schon lange genug habe” und dass die Volks­re­pu­blik inzwi­schen so mäch­tig sei, dass sie einen Zusam­men­stoß mit den Ver­ei­nig­ten Staa­ten nicht scheue. In einem ande­ren Leit­ar­ti­kel for­mu­lierte die Zei­tung jedoch eine opti­mis­ti­schere Sicht: “Jedes Mal, wenn die Tem­pe­ra­tur steigt, sind beide Sei­ten schließ­lich doch wie­der von den poli­ti­schen Rea­li­tä­ten auf den Boden zurück­ge­holt wor­den.” Schließ­lich hät­ten beide Län­der zahl­rei­che gemein­same Inter­es­sen und seien auf ein­an­der angewiesen.

Mit ihren Kom­men­ta­ren fol­gen die Medien den von Pekings zen­tra­len Pro­pa­gan­d­a­be­hör­den aus­ge­ge­be­nen Argu­men­ta­ti­ons­richt­li­nien. In Inter­net­fo­ren geht es dage­gen leb­haf­ter zu. “Ame­rika — sei nicht so naiv zu glau­ben, du könn­test China spal­ten!”, schrieb ein Blog­ger auf der Seite China​.com. “Wenn du keine Angst vor unse­rer Rache hast, mach ruhig wei­ter Ärger.”

Washing­ton zeigt Peking die kalte Schul­ter: Der Dalai Lama wird am nächs­ten Don­ners­tag im Weis­sen Haus empfangen.

tages​an​zei​ger​.ch, von Fos­ter Klug, DDP -
Eine schwere Probe für die Bezie­hung zwi­schen den bei­den Grossmächten.

US-Präsident Barack Obama wird den Dalai Lama am 18. Februar im Weis­sen Haus emp­fan­gen. Dies teilte ein Regie­rungs­spre­cher am Don­ners­tag in Washing­ton mit. Das geist­li­che Ober­haupt der Tibe­ter hält sich am 17. und 18. Februar in der US-Hauptstadt auf. Obama wurde vie­ler­orts dazu gedrängt, bei die­ser Gele­gen­heit eine offi­zi­elle Ein­la­dung für den Dalai Lama aus­zu­spre­chen. China warnte die USA bereits zuvor, dass eine sol­che Begeg­nung die bei­der­sei­ti­gen Bezie­hun­gen beein­träch­ti­gen würde. Peking beschul­digt den Dalai Lama, die Unab­hän­gig­keit Tibets anzu­stre­ben, und erwar­tet von sei­nen Part­nern, ihn zu schneiden.

Oba­mas Ankün­di­gung kann Peking kaum über­rascht haben, zumal er sie vori­ges Jahr schon in Aus­sicht gestellt hatte. Alle US-Präsidenten der letz­ten zwei Jahr­zehnte haben den Dalai Lama getrof­fen; diese Begeg­nun­gen gel­ten als deut­li­ches Signal, dass Ame­rika die Men­schen­rechte hoch­hält. Der lächelnde Mönch erfreut sich in den USA gros­ser Unter­stüt­zung. Pro­mi­nente sind seine Freunde, Stu­den­ten strö­men in Scha­ren zu sei­nen Vor­trä­gen; ein­fluss­rei­che Poli­ti­ker wür­den eine noch­ma­lige Ver­schie­bung des Tref­fens als Ver­rat betrachten.

Reiz­thema Menschenrechte

Schon das letzte Jahr über musste sich Obama Vor­würfe anhö­ren, sei­ner Regie­rung liege wohl mehr daran, Chi­nas Unter­stüt­zung in den Atom­streits mit dem Iran und Nord­ko­rea sowie in Sachen Kli­ma­wan­del und Wirt­schafts­krise zu gewin­nen, als es wegen sei­ner Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen zur Brust zu neh­men. Ein Gross­teil der Kri­tik geht auf Äusse­run­gen von Aus­sen­mi­nis­te­rin Hil­lary Clin­ton bei einer China-Reise vori­ges Jahr zurück, dass Men­schen­rechts­fra­gen nicht der Ver­bes­se­rung der chinesisch-amerikanischen Bezie­hun­gen im Weg ste­hen soll­ten. Men­schen­recht­ler krei­den Obama über­dies an, sich bei sei­nem China-Besuch im Novem­ber nicht deut­lich genug geäus­sert zu haben. Erst einen Monat vor­her hatte er sich Ärger zuge­zo­gen, weil ein Tref­fen im Weis­sen Haus wäh­rend eines Washington-Besuchs des Dalai Lama abge­sagt wurde.

Es scheint sich bis­lang nicht gross gelohnt zu haben. Peking bleibt in wich­ti­gen Fra­gen unnach­gie­big, und Washing­ton zeigt sich zuneh­mend wil­lens, här­tere Sai­ten auf­zu­zie­hen. Im Sep­tem­ber ver­hängte Obama Zölle auf Rei­fen aus China, die den US-Markt über­rol­len. Damit brüs­kierte er zwar Peking und wurde des Pro­tek­tio­nis­mus gezie­hen. Bei­fall fand er dage­gen bei den ein­fluss­rei­chen US-Gewerkschaften, die die chi­ne­si­schen Rei­fen­im­porte für den Ver­lust tau­sen­der Arbeit­plätze ver­ant­wort­lich machen. In jüngs­ter Zeit kün­digte Washing­ton die mil­li­ar­den­schwe­ren Rüs­tungs­lie­fe­run­gen an Tai­wan an, Clin­ton for­derte Peking zur Unter­su­chung von Hacker-Angriffen auf und Obama stellte eine harte Hal­tung in einem Wäh­rungs­streit in Aussicht.

Platzt Jin­taos Besuch im April?

China wie­derum drohte US-Unternehmen zu bestra­fen, die mit Waf­fen­ge­schäf­ten mit Tai­wan zu tun haben, und setzte den Mili­tär­aus­tausch mit Washing­ton aus. Nun dürfte es sich auf den Besuch des Dalai Lama ein­schies­sen. Bleibt abzu­war­ten, ob des­halb ein even­tu­el­ler Besuch des chi­ne­si­schen Staats­prä­si­den­ten Hu Jin­tao in Washing­ton im April platzt. (Tages​an​zei​ger​.ch/​N​e​w​s​n​etz)

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6 Kommentare
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  1. Ein dickes Bravo an Barak Obama!!!

  2. Das Pro­blem mit China wird sich in naher Zukunft von selbst lösen. Wenn man in der Geschichte zurück­blickt, sei es im Natio­nal­so­zia­lis­mus unter Hit­ler, im Kom­mu­nis­mus in Russ­land und DDR, in Rumä­nien u.s.w., haben sich Staa­ten mit extre­men Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen irgend­wann selbst auf­ge­löst.
    China ist im Moment noch auf dem Irr­weg eine Welt­macht zu wer­den, aber mit den Mit­teln der Men­schen­ver­ach­tung und sys­te­ma­ti­schen Gän­ge­lung der eige­nen Bevöl­ke­rung kann es nur eine welt­weite Ver­ach­tung ern­ten. Man kann dem Teu­fel noch soviel Geld in die Hand geben, er bleibt eben ein Teu­fel, obwohl er auch die Welt­macht besit­zen möchte. Men­schen, die an nichts ande­res glau­ben als an Geld, fehlt es an inne­ren Wer­ten.
    So wie der KP in China…

  3. Den Chi­ne­sen (chi­ne­si­sche Regie­rung) fehlt das MITGEFÜHL. Die wis­sen nicht, was das ist, sonst wür­den sie die Men­schen nicht so unterdrücken.

  4. ich traue grund­sätz­lich kei­nem poli­ti­ker aber hoffe, dass obama mich eines bes­se­ren belehrt.

    dass die KP unter­ge­hen wird, ist nur eine frage der zeit… also lasst es uns beschleu­ni­gen indem wir den unter­drück­ten chi­ne­sen unsere unter­stüt­zung anbie­ten! tibet wird nie­mals auto­no­mie, geschweige denn unab­hän­gig­keit errei­chen, wenn wir das unter­drückte volk nicht unter­stüt­zen. täg­lich treff ich aber auf tibe­ter, die das noch nicht erkannt haben.

    damit tibet frei wer­den kann, muss china frei sein (von der KP), also hel­fen wir!!

  5. Ein guter Arti­kel zur immer wie­der­keh­ren­den Droh­ge­bärde von China. Jedoch finde ich, dass China und USA wirt­schaft­lich so eng ver­wach­sen sind, dass beide sich bald wie­der in die Arme schlie­ßen werden.

    Eine öffent­li­che Dis­kus­sion um den Staats­emp­fang des Dalai Lamas durch Obama ist ent­brannt unter http://​www​.opinad​.org/​r​c​a​r​d​_​o​p​i​n​a​/​i​n​d​e​x​/32

    Danke, und wei­ter so!

  6. eini­ges zu den Kom­men­ta­ren: da ich selbst in der DDR groß gewor­den bin, kenne ich die Aus­wir­kun­gen der Unter­drü­ckung vor allem auf der geis­ti­gen und reli­giö­sen Ebene sehr gut, wobei das was in Tibet pas­siert wesent­lich schlim­mer ist. Geno­zid! Und der gewollte geis­tige und reli­giöse Tod der Tibe­ter. Und jeder Tag und jedes Jahr mehr, wo die Machen­schaf­ten der KP in Tibet und auch in der chi­ne­si­schen Bevöl­ke­rung wei­ter gehen, zer­stört nicht nur in Tibet und in der chi­ne­si­schen Bevöl­ke­rung die geis­ti­gen Errun­gen­schaf­ten, son­dern unsere gleich noch mit, weil wei­ter gekuscht und zuge­se­hen wird von so vie­len Staa­ten der Erde.
    Der chi­ne­si­schen Bevöl­ke­rung zu hel­fen freier zu wer­den und sich von der KP zu befreien, ist ein guter Ansatz. Aber der tibe­ti­schen Bevöl­ke­rung, dem Dalai Lama, den Mön­chen und Klös­tern muss mit noch höhe­rer Inten­si­tät gehol­fen wer­den, weil sie ver­kör­pern Ein­sich­ten und Werte, die uns welt­weit posi­tiv beeinflussen.