Tibet-Information der GSTF vom 9. März 2010

Nepal: Har­ter Kurs gegen tibe­ti­sche Flücht­linge, Ver­haf­tung des Reprä­sen­tan­ten des Dalai Lama

Die Regie­rung von Nepal ändert ihre bis­he­rige Pra­xis gegen­über tibe­ti­schen Flücht­lin­gen und sen­det diese über die Grenze nach Tibet zurück. Die Flücht­linge müs­sen dort mit Haft und Miss­hand­lun­gen rech­nen [vergl. Tibet-Information vom 5. Januar 2004; UM].

In einer Anwei­sung der nepa­li­schen Regie­rung an die loka­len Ver­wal­tungs­be­hör­den in den nörd­li­chen Grenz­be­zir­ken zu Tibet sind diese zu ver­stärk­ter Wach­sam­keit gegen­über tibe­ti­schen Flücht­lin­gen auf­ge­ru­fen, die ille­gal die Grenze über­que­ren. Auf­ge­grif­fene Flücht­linge sol­len sofort wie­der über die offi­zi­el­len Grenz­über­gänge an die chi­ne­si­schen Behör­den über­ge­ben wer­den. Die neue Richt­li­nie been­det damit die bis­he­rige inof­fi­zi­elle Abspra­che mit dem UN-Hilfswerk für Flücht­linge, dass auf­ge­grif­fe­nen Flücht­lin­gen den Tran­sit via UNHCR-Lager in Kath­mandu nach Indien ermög­lichte. Die Ände­rung erfolgte offen­bar unter star­kem chi­ne­si­schen Druck auf die nepa­li­sche Regie­rung. Chi­ne­si­sche Regie­rungs­kreise hat­ten sich besorgt über den ange­stie­ge­nen Flücht­lings­strom nach Nepal gezeigt.

Um Demons­tra­tio­nen zum 10. März, dem Jah­res­tag des tibe­ti­schen Volks­auf­stan­des zu ver­hin­dern, wurde Thin­ley Gyatso, der Reprä­sen­tant des Dalai Lama in Kath­mandu, ver­haf­tet. Die Exil­ti­be­ter in Kath­mandu befürch­ten noch wei­tere Verhaftungen.

Die chi­ne­si­sche Regie­rung will nächs­ten Dalai Lama ernennen

In einer regie­rungs­of­fi­zi­el­len Stel­lung­nahme zu die­sem Thema beharrte der frü­here Gou­ver­neur der Auto­no­men Region Tibet (TAR) und jet­zige Dele­gierte des Natio­na­len Volks­kon­gres­ses, Jampa Phunt­sog, auf der Aus­wahl und Geneh­mi­gung des nächs­ten Dalai Lama durch die Zen­tral­re­gieurng in Bei­jing. Die neue Inkar­na­tion nach dem Tode des gegen­wär­ti­gen Dalai Lama benö­tige die Aner­ken­nung durch die Regie­rung, ansons­ten sei der Nach­fol­ger „ille­gi­tim“. „Im Moment gibt es kei­nen Grund, die Nach­folge aus­führ­lich zu dis­ku­tie­ren,“ fügte Jampa Phunt­sog hinzu. „Der jetz­tige Dalai Lama lebt noch. War­ten wir, bis er tot ist, dann kön­nen wir dar­über reden.“

Der Dalai Lama hatte wie­der­holt gesagt, dass es in der Ent­schei­dung des tibe­ti­schen Vol­kes stehe, ob es einen 15. Dalai Lama gebe. Wenn die Tibe­ter der Mei­nung seien, dass diese Insti­tu­tion nicht mehr rele­vant sei, dann könne man sie auch pro­blem­los been­den. Alter­na­tiv könne der nächste Dalai Lama bereits zu sei­nen Leb­zei­ten ernannt, demo­kra­tisch gewählt, oder im Exil wie­der­ge­bo­ren wer­den. „Offen­bar haben die Chi­ne­sen mit die­ser Insti­tu­tion mehr Pro­bleme als wir,“ fügte er hinzu.

Ein sel­te­ner Hin­weis auf den Pan­chen Lama

In der glei­chen Medi­en­kon­fe­renz machte der neue Gou­ver­neur der TAR, Padma Cho­eling, eine Bemer­kung über den Auf­ent­halts­ort des Pan­chen Lama. Gen­dun Cho­eky Nyima war als fünf­jäh­ri­ger Junge 1995 vom Dalai Lama als Inkar­na­tion aner­kannt wor­den, ver­schwand aber wenige Tage spä­ter mit sei­ner Fami­lie spur­los. China hatte sich nur sehr sel­ten kon­kret zu sei­nem Auf­ent­halts­ort und sei­nem Wohl­er­ge­hen geäus­sert. Meist wur­den aus­län­di­sche Dele­ga­tio­nen und Medi­en­ver­tre­ter mit der ste­reo­ty­pen Mit­tei­lung abge­wie­sen, ihm gehe es gut, und er wün­sche keine Störung.

Padma Cho­eling sagte gegen­über den Medien, dass Gen­dun Cho­eky Nyima mit sei­ner Fami­lie an „einem ent­le­ge­nen Ort in Tibet ein glück­li­ches Leben“ führe. Der Dalai Lama hätte kein Recht gehabt, ihn als Inkar­na­tion anzu­er­ken­nen, und so sei der Junge „ein Opfer“ die­ser fal­schen Praxis.

China hatte einen ande­ren Jun­gen, Gyalt­sen Norbu, als Inkar­na­tion des Pan­chen Lama instal­liert, der aber von den meis­ten Tibe­tern nicht respek­tiert wird. Kürz­lich wurde Gyalt­sen Norbu zum Vize­prä­si­den­ten der chi­ne­si­schen Bud­dhis­ti­schen Union ernannt und in ein Bera­ter­gre­mium der Regie­rung beru­fen. Wie­der­holt hatte Gyalt­sen Norbu bei offi­zi­el­len Auf­trit­ten die kom­mu­nis­ti­sche Herr­schaft über Tibet gepriesen.

Quel­len: Asian Times; Tri­bune of India; AFP; Asso­ciate Press

Zusam­men­ge­stellt für die GSTF von Dr. Uwe Meya

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