Vor Jahrestag des Aufstands über 400 Festnahmen in Tibet

n-tv, 9.3.10 -
China ver­schärft vor dem Jah­res­tag des Volks­auf­stands der Tibe­ter von 1959 die Sicher­heits­maß­nah­men in Lhasa und nimmt mehr als 400 Men­schen fest — “um soziale Sta­bi­li­tät zu wah­ren und Ver­bre­chen zu ver­hin­dern”. Im Rah­men der Kam­pa­gne “Hart Durch­grei­fen” wer­den Woh­nun­gen und Hotels durchsucht.

Vor dem Jah­res­tag des Volks­auf­stands der Tibe­ter von 1959 am Mitt­woch sind die Sicher­heits­vor­keh­run­gen in Lhasa ver­schärft und 442 Men­schen fest­ge­nom­men wor­den. In der tibe­ti­schen Haupt­stadt patrouil­lie­ren zusätz­li­che Poli­zei­kräfte, “um soziale Sta­bi­li­tät zu wah­ren und Ver­bre­chen zu ver­hin­dern”, sagte Vize­po­li­zei­chef Ma nach Anga­ben der amt­li­chen Nach­rich­ten­agen­tur Xin­hua. Im Rah­men der Kam­pa­gne “Hart Durch­grei­fen” (Yanda) seien mehr als 4115 Woh­nun­gen durch­sucht und Raz­zien in 178 Hotels und mehr als 40 Ver­gnü­gungs­stät­ten vor­ge­nom­men wor­den, berich­tete die Stadt­re­gie­rung auf ihrer Webseite.

Von den 442 Fest­ge­nom­me­nen sind dem­nach sie­ben wegen Betrugs, Heh­le­rei oder Dieb­stahls von Motor­rä­dern ver­haf­tet wor­den. Die Kam­pa­gne rich­tet sich sowohl gegen Kri­mi­nelle als auch ver­mu­tete Unab­hän­gig­keits­kräfte, doch erwähnte die Stadt­re­gie­rung keine Vor­würfe wegen Sepa­ra­tis­mus. Vor zwei Jah­ren waren um den Jah­res­tag der Auf­stan­des blu­tige Aus­schrei­tun­gen in Lhasa aus­ge­bro­chen. Die Pro­teste hat­ten sich auf andere tibe­tisch bewohnte Gebiete aus­ge­brei­tet und die Vor­be­rei­tun­gen für die Olym­pi­schen Spiele 2008 in Peking überschattet.

Bewe­gungs­frei­heit eingeschränkt

Wie die Staats­agen­tur Xin­hua berich­tete, fühl­ten sich Augen­zeu­gen der dama­li­gen Unru­hen durch das sicht­bare zusätz­li­che Poli­zei­auf­ge­bot siche­rer. Bewoh­ner von Lhasa schil­der­ten, seit Tagen patrouil­lier­ten Sicher­heits­kräfte rund um die Uhr auf den Stra­ßen. “Die Poli­zei kon­trol­liert alle Tibe­ter von außer­halb der Haupt­stadt”, sagte ein Hotel­mit­ar­bei­ter am Telef­gon. Das in Indien ansäs­sige exil­ti­be­ti­sche Zen­trum für Demo­kra­tie und Men­schen­rechte (TCHRD) berich­tete, in Lhasa sei auch die Bewe­gungs­frei­heit der Mön­che in den drei gro­ßen Klös­tern Dre­pung, Gan­den und Sera ein­ge­schränkt worden.

Nach­bar­schafts­ko­mi­tees hät­ten Grup­pen gebil­det, um für soziale Ord­nung zu sor­gen und Tibe­ter auf­zu­grei­fen, die nicht in Lhasa gemel­det seien. Das exil­ti­be­ti­sche Zen­trum kri­ti­sierte, unter dem Vor­wand der Ver­bre­chens­be­kämp­fung und Wah­rung der Sta­bi­li­tät wür­den “grund­le­gende Men­schen­rechte der Tibe­ter durch will­kür­li­che Fest­nah­men, Ver­höre und Ein­schrän­kung der Bewe­gungs­frei­heit ver­letzt”. Die Behör­den benutz­ten die Kam­pa­gne, “um vor dem heik­len Jah­res­tag poli­tisch Anders­den­kende ein­zu­schüch­tern und zum Schwei­gen zu brin­gen”, beklagte das Zentrum.

Nach der Grün­dung der kom­mu­nis­ti­schen Volks­re­pu­blik 1949 war die chi­ne­si­sche Volks­be­frei­ungs­ar­mee 1950 in dem größ­ten Hoch­land der Erde ein­mar­schiert. Unter Druck gaben tibe­ti­sche Ver­tre­ter 1951 in einem Abkom­men ihre Unab­hän­gig­keit auf, beka­men aber weit­rei­chende Auto­no­mie­rechte zuge­stan­den. Da sich die chi­ne­si­sche Prä­senz in Tibet immer mehr zur Zwangs­herr­schaft ent­wi­ckelte, bra­chen wie­der­holt Unru­hen aus. Sie eska­lier­ten am 10. März 1959 in dem Volks­auf­stand der Tibe­ter, der blu­tig nie­der­ge­schla­gen wurde. In der Folge flüch­tete das Ober­haupt der Tibe­ter, der Dalai Lama, am 17. März 1959 ins Exil nach Indien.

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