Chinas Wasserreservoir: Tibets Flüsse im Würgegriff der Dämme

Epoch Times, 23.3.10 -
Der heim­li­che Ver­such des kana­di­schen Doku­men­tar­fil­mers Michael Buck­ley, die Eisen­bahn­li­nie von China nach Tibet zu erkun­den, wurde unter­bro­chen, als er ent­deckte, dass Tibets Flüsse von zahl­rei­chen Damm­bau­pro­jek­ten gera­dezu erwürgt wurden.

„Ich war schon viele Male in Tibet und ich habe diese Dämme nie gese­hen. Sie lie­gen ver­steckt an Schluch­ten, die man von der Straße aus nicht sehen kann“, erklärte Buck­ley der Presse, nach­dem er sei­nen Doku­men­tar­film „Meltdown in Tibet“ (Zusam­men­bruch in Tibet) in Bang­kok vor­ge­führt hatte.

Als er im Jahr 2005 mit einer Gruppe von Tou­ris­ten im Kajak über die tibe­ti­schen Flüsse fuhr, stieß Buck­ley auf neu errich­tete Dämme, die gebaut wur­den, um China mit Was­ser und mit durch Was­ser erzeug­ter elek­tri­scher Ener­gie zu versorgen.

„Nur die [west­li­chen] Leute, die Kajak fah­ren, wis­sen etwas über sie; denn nur sie sind auf sie gesto­ßen. Sie fah­ren den Fluss hin­un­ter und plötz­lich taucht ein rie­si­ger Damm vor ihnen auf“, sagte er.

„Wenn du einen Fluss töten willst, dann geht das am bes­ten mit dem Bau von Däm­men“, erklärte Buckley.

Zu den Flüs­sen, die in Tibet ent­sprin­gen und die er für sei­nen 40-minütigen Doku­men­tar­be­richt erkun­det hat, gehört auch der Fluss Sal­ween, der auch durch China, Burma und Thai­land fließt und in das Anda­ma­ni­sche Meer mündet.

Der tibe­ti­sche Name des Flus­ses ist Gyalmo Ngul­chu – in etwa über­setzt als „Die Köni­gin des Sil­ber­was­sers“ wird im Text des Films erklärt.

„Trotz weit ver­brei­te­ter Pro­teste aus China selbst und aus Nach­bar­staa­ten in Asien, fah­ren chi­ne­si­sche Inge­nieure damit fort, Pläne für 13 große Dämme am Sal­ween zu ent­wi­ckeln. Einige Dämme befin­den sich schon im Bau – einer von ihnen mit der Höhe eines 60-stöckigen Gebäudes.“

Buck­ley erkun­dete auch einen Fluss, den die Tibe­ter unter dem Namen Dri Chu oder auch Yak-Fluss ken­nen – er heißt spä­ter Jang­tse, einer von Chi­nas berühm­tes­ten Flüs­sen – und der, wie auch der Gelbe Fluss, das Meer nun nicht mehr erreicht.

„Am Ober­lauf des Jangtse-Flusses – an der Kante des tibe­ti­schen Pla­teaus – sind drei große Dämme im Ent­ste­hen und fünf wei­tere sind geplant“, ist im Film zu hören.

Alles in allem fand er durch seine Recher­chen her­aus, dass 31 große Dämme in Pla­nung sind und in der Region der Drei Par­al­le­len Flüsse gebaut wer­den sol­len. Zu ihnen gehö­ren der obere Jang­tse, der obere Mekong und der Salween.

Maos Maxime

Buck­ley bemerkte, dass 60 Pro­zent der kom­mu­nis­ti­schen chi­ne­si­schen Füh­rer­schaft (ein­schließ­lich des der­zei­ti­gen Füh­rers Hu Jin­tao) in Inge­nieur­wis­sen­schaf­ten aus­ge­bil­det wur­den. Viele von ihnen haben in Damm­bau­ge­sell­schaf­ten inves­tiert und in die Finan­zie­rung von inter­na­tio­na­len Dammbauprojekten.

Obwohl China der erfolg­reichste Damm­bauer der Welt ist, sagte er, tun die kom­mu­nis­ti­schen Behör­den in ihrer Pla­nung nur sehr wenig, wenn es um die Beur­tei­lung der Aus­wir­kun­gen auf die Umwelt geht.

„In den 1950er Jah­ren war Maos Maxime, dass die Men­schen die Natur erobern kön­nen und er hat einige sehr bizarre Pro­jekte durch­ge­führt, die bewei­sen soll­ten, dass man in die Natur ein­grei­fen und gewin­nen kann. In vie­len Fäl­len haben sie ver­lo­ren“, erklärte Buckley.

„Maos Maxime geis­tert heute noch umher – dass näm­lich die Chi­ne­sen in die Natur ein­grei­fen und gewin­nen kön­nen. Das durch­zieht die chi­ne­si­sche Men­ta­li­tät der letz­ten 50 Jahre.“

Chi­nas eige­nes Fluss­sys­tem ist durch unkon­trol­lierte Indus­tria­li­sie­rung der­ar­tig ver­wüs­tet wor­den, dass 70 Pro­zent der natio­na­len Was­ser­vor­räte nicht mehr trink­bar sind und kein Tier mehr im Was­ser leben kann, sagte er.

„Die Flüsse sind tot… Sie ver­su­chen auch gar nicht, die Qua­li­tät der Flüsse zu ver­bes­sern. Ihre Lösung lau­tet: „Lasst uns das Was­ser aus Tibet neh­men“, sagte Buck­ley. Er ent­deckte, dass der Trans­port des Was­sers aus dem tibe­ti­schen Hoch­land in den Nor­den Chi­nas durch ein rie­si­ges Netz­werk an Beton­lei­tun­gen erfolgt und Pläne für wei­tere lie­gen vor.

„In Chi­nas gro­ßem Traum von Beton­lei­tun­gen soll das reich­lich vor­han­dene Was­ser aus dem tibe­ti­schen Hoch­land in die Städte im Nor­den und Wes­ten Chi­nas gelei­tet wer­den, die unter Was­ser­man­gel lei­den und in denen 300 Mil­lio­nen Men­schen leben. Ein Umlei­tungs­pro­jekt die­ser Grö­ßen­ord­nung geht über alles hin­aus, was in der Was­ser­tech­nik jemals ver­sucht wurde.“

Die Elek­tri­zi­tät, die durch die Stau­dämme in Tibet erzeugt wird, so fügte er hinzu, sei nicht für die Tibe­ter bestimmt, son­dern für die chi­ne­si­sche Industrie.

Fluss­ab­wärts

Der Dza Chu oder Mekong ent­springt in den Ber­gen von Tibet und wird, wie der Film beschreibt, zu „einem brül­len­den Sturz­bach, wenn er durch die tie­fen Schluch­ten stürzt. Dabei fällt er zwi­schen Tibet und China über eine Stre­cke von 1 800 Kilo­me­tern um erstaun­li­che 4 500 Meter in die Tiefe, bevor er in Laos zah­mer wird.“

Buck­ley erklärte, dass die chi­ne­si­schen Damm­bau­ar­bei­ten am obe­ren Mekong den Lauf des Flus­ses dra­ma­tisch ver­än­dert und schlimme Aus­wir­kun­gen auf die strom­ab­wärts lie­gen­den Natio­nen haben – Burma, Kam­bo­dscha, Laos, Thai­land und Vietnam.

Umwelt­grup­pen außer­halb Chi­nas haben ihre Stimme erho­ben und in den vier chi­ne­si­schen Meg­a­däm­men am obe­ren Mekong die Ursa­che dafür gese­hen, warum der Was­ser­stand des berühm­ten Flus­ses der nied­rigste seit 50 Jah­ren ist.

Peking hat laut­stark die Beschul­di­gun­gen für das Sin­ken des Was­ser­stan­des zurück­ge­wie­sen und außen ste­hende Par­teien daran gehin­dert, auf seine Daten zurück­zu­grei­fen, wie viel Was­ser der Damm speichert.

Tibe­ti­sche Nomaden

Wäh­rend Buck­leys Doku­men­tar­film sich in ers­ter Linie mit dem chi­ne­si­schen Damm­bau befasst, greift er auch die Not­lage der tibe­ti­schen Noma­den auf.

„Ich tue die­ses, um der Pro­pa­ganda ent­ge­gen­zu­tre­ten, dass sie (die KPCh) etwas bewah­ren wolle. Das ist lächer­lich. Sie sagen, sie wol­len die Noma­den umsie­deln, weil sie das Grün­land bewah­ren wol­len und sie kom­men damit auch noch durch“, erklärte Buckley.

Viele die­ser Gegen­den, in denen die Noma­den mit ihren Yak­her­den leb­ten, sind von den chi­ne­si­schen Behör­den zu Natio­nal­parks erklärt worden.

„Das ist nur eine Tar­nung. Sie wol­len nicht, dass Men­schen hier leben. Die Noma­den wer­den aus ihrem Land ver­trie­ben, um den Weg für hydro­elek­tri­sche Kraft­werke und Berg­bau­pro­jekte frei zu machen“, sagte er.

Flüsse, wie auch Seen und Berge wer­den vom tibe­ti­schen Volk als hei­lig ange­se­hen, so wird es auch im Film erklärt.

„Die Fern­seh­pro­gramme des sozia­lis­ti­schen Para­die­ses rei­ten immer dar­auf herum, ’wie sehr sich das Leben der Noma­den ver­bes­sert hat’ und wie die Eisen­bahn­ver­bin­dung von China nach Tibet ein Segen für die Tibe­ter sein wird. [Im Fern­se­hen] gab es sin­gende Noma­den, die von allen Sei­ten her­ström­ten. Aber die Noma­den sin­gen nicht, sie sind nicht glück­lich in ihren Beton­be­hau­sun­gen der Wie­der­an­sied­lung“, erklärte Buckley.

„Die Noma­den sind das ver­ges­sene Volk Tibets. Nie­mand steht für sie auf. Sie wer­den weg­ge­trie­ben und wer­den ein­fach ver­schwin­den, und nie­mand tut etwas um das auf­zu­hal­ten, das ist eine tra­gi­sche Situation.“

Buck­ley erklärte, dass er seit 2005 dort filme, und die Situa­tion inner­halb Tibets sei schlim­mer gewor­den. Er sagte, dass die meis­ten von denen, die mit dem Film zu tun hat­ten, ihre Iden­ti­tät nicht preis­ge­ben woll­ten aus Angst vor Rück­wir­kun­gen durch die chi­ne­si­schen Behörden.

Von James Burke

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