“Merci Schwiiz”, 8. April, 2010, mit dem Dalai Lama im Swissôtel, Zürich

Hier fin­den Sie einige Bil­der der Merci Schwiiz Ver­an­stal­tung

Dalai Lama will in Zürich an Kund­ge­bung teil­neh­men: Ober­haupt der Tibe­ter möchte für Schwei­zer Soli­da­ri­tät danken

21. März 2010, NZZ am Sonn­tag von Ste­fan Büh­ler -
Der Dalai Lama will sich an der Kund­ge­bung in Zürich für die Soli­da­ri­tät des Schwei­zer­volks mit Tibet bedan­ken. An der Kund­ge­bung ist aber auch Kri­tik am Bun­des­rat zu erwarten.

Es dürfte einer der Höhe­punkte sei­nes mehr­tä­gi­gen Besuchs in Zürich wer­den: Am Sams­tag, 10. April, will der Dalai Lama an einer Kund­ge­bung unter dem Titel «Die Schweiz für Tibet» auf­tre­ten. Dies bestä­tigt das Tibet-Büro in Genf, die offi­zi­elle Ver­tre­tung des Dalai Lama in Europa: «Seine Hei­lig­keit wird sich vor allem für die lang­jäh­rige Soli­da­ri­tät und Unter­stüt­zung für Tibet bedan­ken, die wir vom Schwei­zer­volk spü­ren», sagt Ten­zin D. Sewo, Mit­ar­bei­ter des Tibet-Büros.

Orga­ni­siert wird die Kund­ge­bung von der Gesell­schaft Schweizerisch-Tibetische Freund­schaft (GSTF), die bei der Stadt Zürich ein ent­spre­chen­des Kund­ge­bungs­ge­such ein­ge­reicht hat. Sie erwar­tet min­des­tens 3000 Teil­neh­mer. Es sei davon aus­zu­ge­hen, «dass die­ses Gesuch bewil­ligt wird», sagt Poli­zei­spre­cher Reto Casa­nova. Offen ist noch, wo genau die Ver­an­stal­tung statt­fin­den soll. Laut den Ver­an­stal­tern steht der Müns­ter­hof im Vor­der­grund, wo der Dalai Lama bereits 2005 auf­ge­tre­ten ist; in Frage kämen aber auch der Platz­spitz oder die Landiwiese.

Zwar sei die «Kund­ge­bung nicht in ers­ter Linie dafür gedacht, den Bun­des­rat zu tadeln», sagt Lucius Blatt­ner, Vize­prä­si­dent der GSTF. Viel­mehr solle die Bevöl­ke­rung die Gele­gen­heit für eine direkte Begeg­nung mit dem Dalai Lama erhal­ten. Die­ser tritt in den Tagen zuvor zwar mehr­mals auf, jedoch stets in mehr oder weni­ger geschlos­se­nem Rah­men: am 8. April im Rah­men des Fest­akts «50 Jahre Tibe­ter in der Schweiz – Merci Schwiiz», am 11. April im Hallenstadion.

Dass aber kein Bun­des­rats­mit­glied Zeit gefun­den hat, den Dalai Lama zu tref­fen, dürfte an der Kund­ge­bung sehr wohl zu Kri­tik an der Regie­rung füh­ren: «Das ist bedenk­lich und nur mit poli­ti­schem Druck aus Peking zu erklä­ren», sagt Blatt­ner. Und es passe zu den Äusse­run­gen von Miche­line Calmy-Rey von letz­tem Mon­tag: Dort sei die Aus­sen­mi­nis­te­rin «auf eigen­tüm­li­che Weise als Pres­se­spre­che­rin Chi­nas auf­ge­tre­ten», sagt er. Calmy-Rey erklärte in der Fra­ge­stunde des Natio­nal­rats, dass China sol­che Tref­fen als Ermu­ti­gung zum tibe­ti­schen Sepa­ra­tis­mus und folg­lich als Angriff auf seine Sou­ve­rä­ni­tät ver­stehe. Für Blatt­ner sind sol­che Äusse­run­gen nicht nur «inhalt­lich völ­lig falsch», son­dern auch «ein Zei­chen dafür, dass die tra­di­tio­nell starke Unter­stüt­zung der offi­zi­el­len Schweiz für die Sache der Tibe­ter am Schwin­den» sei – zumal der Bun­des­rat schon im Jahr 2009 eine Begeg­nung mit dem Dalai Lama ablehnte: «Offen­bar sind Kom­merz und wirt­schaft­li­cher Druck wichtiger.»

Zu Begeg­nun­gen des Dalai Lama mit Schwei­zer Poli­ti­kern wird es trotz allem kom­men. Zum einen wird die Zür­cher Regie­rungs­prä­si­den­tin Regine Aeppli am Fest­akt «Merci Schwiiz» teil­neh­men. Und im Anschluss daran trifft die par­tei­po­li­tisch breit abge­stützte par­la­men­ta­ri­sche Gruppe für Tibet mit dem Dalai Lama zusam­men, wie SP-Nationalrat Mario Fehr erklärt: «Dar­auf freuen wir uns sehr.»

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