Tibet-Information der GSTF vom 28. Mai 2010
Von TB | 30. Mai 2010 | Kategorie: GSTF | Kommentare deaktiviertProtest gegen Zementfabrik: 15 Tibeter durch Polizeischüsse verwundet
Bei einem Protest gegen eine Zementfabrik im Nordosten Tibets im Ort Madang (heutige chinesische Provinz Gansu) eröffneten Sicherheitskräfte das Feuer auf eine Gruppe von etwa 200–300 Tibetern. Diese wollten eine Verbindungsstrasse instand setzen, die sich die „Amdo Cement Factory“ angeeignet hatte. Fünfzehn Tibeter wurden entweder durch Schüsse oder Misshandlungen durch die Sicherheitskräfte verletzt, einer davon schwer, und vier weitere wurden festgenommen.
Die 1985 gebaute Zementfabrik führte schon öfters zu Spannungen zwischen den chinesischen Besitzern und Kadern einerseits und der ortsansässigen tibetischen Bevölkerung andererseits. Die Tibeter sind wütend, weil weder die Geschäftsleitung der Fabrik noch die Behörden ihren Beschwerden über die Umweltverschmutzung Gehör verliehen. Die Fabrik entlässt Rauch und giftige Gase in die Luft, welche die ganze Umgebung verschmutzen.
Ein Anwohner bemerkte gegenüber Radio Free Asia: „Die Verschmutzung wird immer schlimmer. Besonders im Sommer müssen die Frauen bei der Feldarbeit Gesichtsmasken tragen. Sogar die Weizenfelder sind von Asche bedeckt, sie sind nicht mehr grün, sondern bieten einen grauen, trostlosen Anblick“. Die Tibeter ziehen keinen Nutzen aus der Fabrik. „Den Gewinn teilen die Kader unter sich. Für uns fiel kaum etwas ab. Wir sind sehr ärgerlich. In einigen Dörfern versiegen die Wasserquellen, so dass die Felder und Tiere leiden.“
Erfolglose Petition
Radio Free Asia zitiert einen Anwohner: „Die Dorfbewohner reichten seit Jahren immer wieder Beschwerden an die Bezirksverwaltung und andere Regierungsstellen ein, aber alles war umsonst. Sie üben entweder Druck aus oder nehmen die Beschwerdeführer fest und lassen sie irgendwo verschwinden“. Vor dem Protest hatten Bewohner eine Petition an das zuständige staatliche Büro für Umweltschutz und andere Staatsorgane gerichtet, deren Text ICT vorliegt und ins Englische übersetzt wurde. ICT hebt hervor, dass die Forderungen der Petition im Einklang mit existierenden Gesetzen stehen und sogar von der Kommunistischen Partei gern gesehene Standpunkte wie „harmonische Entwicklung“ und „wissenschaftliche Betrachtungsweise“ aufgreifen. Die Entschlossenheit, mit der die Forderungen in der Petition vorgetragen werden, mag mit zu dem Entscheid der Behörden beigetragen haben, jetzt mit Gewalt einzugreifen.
Protestaktion am 15. Mai
Den Anlass zur Protestaktion am 15. Mai lieferte offenbar die Blockade einer Verbindungsstrasse durch die Zementfabrik, die sich diese für eine Erweiterung ihres Geländes aneignete. Auf diesem Areal liegt auch ein buddhistisches Heiligtum, das durch voreifahrende Lastwagen beschädigt wurde. Am 15. Mai fanden sich dort etwa 200–300 Tibeter ein, um aus Protest die historische Strasse wieder auszubessern. Regierungskader sandten Sicherheitskräfte dorthin und forderten die Tibeter auf, innerhalb von 15 Minuten das Feld zu räumen, andernfalls würde Gewalt angewendet. Obwohl die Tibeter sich zum Weggehen anschickten, feuerten die Sicherheitskräfte erst mit Tränengas, dann mit scharfer Munition auf sie. Durch Misshandlungen und Schüsse wurden 15 Personen teils schwer verletzt.
Bilder des Protestes und des Polizeieinsatzes sowie eine vollständige englische Übersetzung der Petition sind hier zu finden.
Quellen: Radio Free Asia (adaptierte deutsche Übersetzung durch IGFM München), International Campaign for Tibet (ICT)
Zusammengestellt für die GSTF von Dr. Uwe Meya



