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12 Inter­view // «Wir müs­sen uns fra­gen: Wo ist denn das Zen­trum? Wer ist das Zen­trum?»
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“Ein poli­ti­sches Erd­be­ben“
tf108, von Chom­pel Balok
Ein Erd­be­ben ist eigent­lich eine Natur­ka­ta­stro­phe und im Vor­der­grund sollte gerade in Kata­stro­phen­fäl­len eine mög­lichst rasche und effek­tive Sofort­hilfe zur Ret­tung von Men­schen­le­ben ste­hen. Aber Chi­nas Füh­rungs­riege zeigt auch in die­sem Fall wie­der ein­mal wenig Mensch­lich­keit und belegt, dass ihre Hand­lun­gen sogar bei Natur­ka­ta­stro­phen von ihren poli­ti­schen Ängs­ten getrie­ben sind. Es ist die Angst, dass die Welt­öf­fent­lich­keit ein wei­te­res Mal auf die ekla­tan­ten Miss­stände in Bezug auf die Men­schen­rechts­si­tua­tion in Tibet auf­merk­sam wird. Es ist die Angst davor, dass die Tibe­te­rin­nen und Tibe­ter ihrem Leid und ihrer Ver­zweif­lung in Form von öffent­li­chen Pro­tes­ten Aus­druck ver­lei­hen und dass sich die Bil­der der his­to­ri­schen Pro­teste im Olympia-Jahr 2008 wie­der­ho­len. Und es ist die Angst davor, dass die Fol­gen des Natur­er­eig­nis­ses Fra­gen zur Ver­ant­wort­lich­keit der loka­len chi­ne­si­schen Behör­den auf­wer­fen, zum Bei­spiel zur Kor­rup­tion und damit zusam­men­hän­gen­den Bau­män­geln oder zu einem feh­len­den Erdbeben-Notfallplan. Chi­ne­si­sche Hel­fer, die erst einige Tage nach der Kata­stro­phe ein­tref­fen und sich dann zuerst noch an die Höhe akkli­ma­ti­sie­ren müs­sen, zeu­gen jeden­falls nicht von einer wirk­sa­men Erd­be­ben­vor­sorge vor Ort.

Des­halb waren die höchs­ten Par­tei­füh­rer Chi­nas in der so genann­ten Unru­he­re­gion sehr schnell zuge­gen und insze­nier­ten medial ihre Prä­senz und ihr Mit­leid. Eine auf­rich­tige und erfolg­rei­che Bewäl­ti­gung des Erd­be­bens hätte mög­li­cher­weise eine Chance für eine Ver­bes­se­rung des Ver­hält­nis­ses zwi­schen Chi­ne­sen und Tibe­tern gebo­ten. Diese Chance wurde ver­tan, weil die poli­ti­sche Füh­rung in ihrem Miss­trauen gefan­gen ist und dabei unter ande­rem die aus­län­di­schen Hilfs­an­ge­bote sowohl von Regie­rung– als auch Nicht-Regierunsgorganistaionen strikt ablehnte. Sie schränkte die Bericht­er­stat­tung in Kye­gundo mas­siv ein und liess ledig­lich die staat­li­chen Medien zu. Und schliess­lich igno­rierte sie den inners­ten Wunsch des Dalai Lama, end­lich in seine Hei­mat zurück­zu­keh­ren, um sei­nem Volk in die­ser schwie­ri­gen Stunde ech­tes Mit­ge­fühl und Trost zu spenden.

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