Service zum tibetfocus – Magazin 108
Von TB | 20. Juni 2010 | Kategorie: Schweiz | Kommentare deaktiviertWir bieten Ihnen unseren Service zum tibetfocus – Magazin 108 mit Themen-Links und der Diskussionsplattform:
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12 Interview // «Wir müssen uns fragen: Wo ist denn das Zentrum? Wer ist das Zentrum?»
Nationalfonds-Studie 58 auf www.nfp58.ch
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“Ein politisches Erdbeben“
tf108, von Chompel Balok
Ein Erdbeben ist eigentlich eine Naturkatastrophe und im Vordergrund sollte gerade in Katastrophenfällen eine möglichst rasche und effektive Soforthilfe zur Rettung von Menschenleben stehen. Aber Chinas Führungsriege zeigt auch in diesem Fall wieder einmal wenig Menschlichkeit und belegt, dass ihre Handlungen sogar bei Naturkatastrophen von ihren politischen Ängsten getrieben sind. Es ist die Angst, dass die Weltöffentlichkeit ein weiteres Mal auf die eklatanten Missstände in Bezug auf die Menschenrechtssituation in Tibet aufmerksam wird. Es ist die Angst davor, dass die Tibeterinnen und Tibeter ihrem Leid und ihrer Verzweiflung in Form von öffentlichen Protesten Ausdruck verleihen und dass sich die Bilder der historischen Proteste im Olympia-Jahr 2008 wiederholen. Und es ist die Angst davor, dass die Folgen des Naturereignisses Fragen zur Verantwortlichkeit der lokalen chinesischen Behörden aufwerfen, zum Beispiel zur Korruption und damit zusammenhängenden Baumängeln oder zu einem fehlenden Erdbeben-Notfallplan. Chinesische Helfer, die erst einige Tage nach der Katastrophe eintreffen und sich dann zuerst noch an die Höhe akklimatisieren müssen, zeugen jedenfalls nicht von einer wirksamen Erdbebenvorsorge vor Ort.
Deshalb waren die höchsten Parteiführer Chinas in der so genannten Unruheregion sehr schnell zugegen und inszenierten medial ihre Präsenz und ihr Mitleid. Eine aufrichtige und erfolgreiche Bewältigung des Erdbebens hätte möglicherweise eine Chance für eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen Chinesen und Tibetern geboten. Diese Chance wurde vertan, weil die politische Führung in ihrem Misstrauen gefangen ist und dabei unter anderem die ausländischen Hilfsangebote sowohl von Regierung– als auch Nicht-Regierunsgorganistaionen strikt ablehnte. Sie schränkte die Berichterstattung in Kyegundo massiv ein und liess lediglich die staatlichen Medien zu. Und schliesslich ignorierte sie den innersten Wunsch des Dalai Lama, endlich in seine Heimat zurückzukehren, um seinem Volk in dieser schwierigen Stunde echtes Mitgefühl und Trost zu spenden.
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