Google ändert Anti-Zensur-Strategie zur Rettung seiner Lizenz

Focus-online, 29.6.10, Clau­dia Fri­ckel -
Der Such­ma­schi­nen­be­trei­ber Google stoppt die direkte Umlei­tung von chi­ne­si­schen Such­an­fra­gen nach Hong­kong. Das Unter­neh­men will so seine Lizenz in China retten.

Im März kehrte der Inter­netriese Google zu den Guten zurück. Der Kon­zern, der den Leit­spruch „Sei nicht böse“ zum Motto erho­ben hat, ver­wei­gerte sich der staat­li­chen Zen­sur in China – und lei­tete seine chi­ne­si­sche Seite auf Hong­kong um. Die Folge: Such­er­geb­nisse wur­den unge­fil­tert ange­zeigt. Bis dahin hatte die Regie­rung Google – und andere Such­ma­schi­nen­be­trei­ber – gezwun­gen, bestimmte Begriffe zu zensieren.

Wenn chi­ne­si­sche Inter­net­nut­zer Begriffe wie Tibet, Dalai Lama oder das Mas­sa­ker auf dem Platz des Himm­li­schen Frie­dens such­ten, lie­ferte die Seite keine Ergeb­nisse. Für das Ende der Zen­sur und die Umlei­tung ern­tete das Unter­neh­men viel Lob, auch von Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen wie Amnesty Inter­na­tio­nal. Aller­dings hatte nicht nur die Zen­sur der chi­ne­si­schen Behör­den den Such­ma­schi­nen­be­trei­ber zu sei­ner welt­weit auf­se­hen­er­re­gen­den Aktion bewegt: Dem Zen­sur­stopp des Kon­zerns war ein Streit um Hacker­an­griffe aus China auf die Google-Dienste vorausgegangen.

Link statt Umleitung

Drei Monate spä­ter been­det Google nun sein Vor­ge­hen wie­der. „In den nächs­ten Tagen wer­den wir die Umlei­tung abschal­ten“, teilt der Kon­zern in sei­nem offi­zi­el­len Blog mit. Statt­des­sen lan­den die User wie­der auf der chi­ne­si­schen Google-Seite. Aller­dings fin­det sich dort, pro­mi­nent unter dem Such­feld plat­ziert, künf­tig ein Link zur unzen­sier­ten Hongkong-Seite.

Das US-Unternehmen begrün­det den Schritt mit Druck aus China. Die Regie­rung habe gedroht, Google die Geschäfts­li­zenz in dem Land ganz zu ent­zie­hen, wenn die Umlei­tung beste­hen bleibt. „Andern­falls hät­ten wir eine kom­mer­zi­elle Seite wie Google nicht fort­füh­ren kön­nen“, schreibt Chef-Justiziar David Drum­mond im Blog: „Google wäre in China ganz ver­schwun­den.“ Denn Google hat durch­aus ein wirt­schaft­li­ches Inter­esse an einer Prä­senz in China: Das Boom-Land ist einer der größ­ten Märkte der Welt – auch im Internet.

Der Kon­zern ver­spricht, dass wei­ter­hin Such­er­geb­nisse auf der chi­ne­si­schen Seite nicht zen­siert wür­den. „Wir blei­ben unse­rer Ver­pflich­tung treu“, schreibt Drummond.

Nur Suche nach Musik

Wie das kon­kret aus­se­hen soll, erklärt Google-Sprecher Kay Ober­beck gegen­über FOCUS Online. „Über Google​.cn kann man nur in Diens­ten suchen, die nicht zen­siert wer­den müs­sen.“ Als Bei­spiele nennt er die Musik­su­che oder den Über­set­zungs­dienst. Eine nor­male Web-Suche sei aber dort nicht mög­lich – son­dern aus­schließ­lich über die unzen­sierte Hongkong-Seite. „Das ist zwar ein Klick mehr für die Nut­zer, aber wir hal­ten fest an unse­rer Ent­schei­dung, Ergeb­nisse nicht zu zen­sie­ren“, meint Ober­beck. China hat nach sei­ner Aus­sage auf Googles Idee bis­her noch nicht reagiert.

Viele chi­ne­si­sche Sur­fer hät­ten den Kon­zern gebe­ten, Google​.cn wei­ter­be­ste­hen zu las­sen, sagt der Spre­cher. Das Unter­neh­men will nicht den Ein­druck ent­ste­hen las­sen, es kni­cke gegen­über den chi­ne­si­schen Behör­den ein. „Darum geht es über­haupt nicht“, so Ober­beck. Er zitiert einen chi­ne­si­schen Blog­ger, der geschrie­ben hatte: „Die welt­größte Inter­net­such­ma­schine zu schlie­ßen würde bedeu­ten, das Tor zur Welt zu schließen.“

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