Service zum tibetfocus — Magazin 109

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Links zu Medi­en­fo­cus 11.8.10

(1) Videos der Kata­stro­phe bei BBC: „China lands­lide death toll jumps“

(2) Tse­ring Woe­ser hat ein Blog zu der Kata­stro­phe ein­ge­stellt:
woe​ser​.middle​-way​.net

zusam­men­ge­faßt auf Eng­lisch unter:
www​.flex​form​.de/​t​r​r​p​y​bgi

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“Zum Flie­gen braucht der Vogel zwei Flügel”

Demo­kra­ti­sie­rungs­pro­zess der Tibe­ter im Exil

Von Losang Mantö

Die „per­fekte“ Regie­rungs­form bzw. Demo­kra­tie gibt es nicht, weder in der östli­chen noch in der west­li­chen Hemi­sphäre. Die Prin­zi­pien der moder­nen Demo­kra­tie haben sich nach und nach ent­wi­ckelt und fol­gende Kern­ele­mente haben sich im 21. Jahr­hun­dert herauskristallisiert:

Ach­tung der Men­schen­rechte (Ver­fas­sung der Tibe­ter im Exil, Arti­kel 4, Arti­kel 6), Gleich­heit (Ver­fas­sung der Tibe­ter im Exil, Arti­kel 9), Rechts­staat­lich­keit und fai­res Ver­fah­ren (Ver­fas­sung der Tibe­ter im Exil, Arti­kel 6), Gewal­ten­tren­nung (Ver­fas­sung der Tibe­ter im Exil, Arti­kel 19, Exe­cu­tive; Arti­kel 36,Legislative; Arti­kel  62 Judi­ka­tive) , Freie und faire Wah­len (Ver­fas­sung der Tibe­ter im Exil, Arti­kel 11), Par­ti­zi­pa­tion (schlechte Betei­li­gung in der Tibe­ter­ge­mei­schaft, wird auch zu wenig geför­dert) und Poli­ti­scher Plu­ra­lis­mus (Ver­fas­sung der Tibe­ter im Exil, bis anhin nicht vorgesehen).

Das grund­le­gendste und wich­tigste Merk­mal der Demo­kra­tie sind freie Wah­len. Demo­kra­tie hängt vom Inter­esse und der akti­ven Teil­nahme (Par­ti­zi­pa­tion) ihrer Nutz­nies­ser ab. Bei jeder Wahl hat das Volk die Mög­lich­keit, sei­nen Wunsch nach Ände­run­gen, aber auch seine Befür­wor­tung der gegen­wär­ti­gen Poli­tik aus­zu­drü­cken und so an einem per­ma­nen­ten Ent­wick­lungs­pro­zess teilzunehmen.

Nur poli­ti­scher Plu­ra­lis­mus kann Struk­tu­ren sichern, die einer­seits fle­xi­bel genug sind, sich lau­fen­den Ände­run­gen von Bedürf­nis­sen anzu­pas­sen, und ande­rer­seits eine sichere Grund­lage demo­kra­ti­schen Regie­rens — somit auch den Über­le­bens­kampf des tibe­ti­schen Vol­kes — garan­tie­ren. In die­sem Sinne müsste der logi­sche nächste Schritt die Zulas­sung und För­de­rung des Auf­baus von säku­la­ren poli­ti­schen Par­teien sein. Die Jugend, als die Zukunft Tibets, hat bereits den ers­ten Schritt in diese Rich­tung getan, indem der Tibe­tan Youth Con­gress — wie­der ein­mal auf Anre­gung S.H. des 14. Dalai Lama — im Jahre 1994 die Natio­nal Demo­cra­tic Party of Tibet (NDPt) gegrün­det hat.

Die kom­men­den gleich­zei­tig statt­fin­den­den Wah­len des Kalon Tripa und der Par­la­men­ta­rier bie­ten uns nun eine noch nie da gewe­sene Gele­gen­heit, unse­rem Demo­kra­ti­sie­rungs­pro­zess eine neue Dimen­sion zu geben. Damit der eiserne (poli­ti­sche) Vogel abhe­ben kann, müs­sen wir end­lich begin­nen, beide Flü­gel (Exe­ku­tive und Legis­la­tive) opti­mal zu ergän­zen und flug­taug­lich zu machen. Des­halb ist es uner­läss­lich, dass wir diese kom­mende Gele­gen­heit nut­zen, um neue Gesich­ter und neues Blut in unser Regie­rungs­sys­tem zu wäh­len und damit der neuen Dimen­sion und der moder­nen Demo­kra­tie gerecht zu wer­den. Unsere Ver­tre­ter müs­sen Per­sön­lich­kei­ten sein, die unsere demo­kra­ti­sche Ver­fas­sung, bzw. unser demo­kra­ti­sches Sys­tem, nicht nur als „tscha-trim-rimpotsche“ auf dem Altar zu den ande­ren Göt­tern ein­rei­hen, son­dern sie in die Pra­xis umset­zen kön­nen und mit dem Volk für das Volk arbei­ten. All­wis­sende und Halb­göt­ter brau­chen wir vor­erst nicht mehr, son­dern Per­sön­lich­kei­ten, die die Sor­gen, Träume und Wün­sche des tibe­ti­schen Vol­kes in die­ser Welt­ge­mein­schaft ver­tre­ten kön­nen. Wir haben bes­ten­falls zwei Jahr­zehnte dafür zur Ver­fü­gung. Wenn nicht jetzt im Exil, solange S. H. der 14. Dalai Lama unter uns weilt, wann dann?

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