Allgemein Dalai Lama Schweiz

Ehemalige Pflegekinder fordern Entschuldigung von CH Filmemacher

Die NZZ hat in ihrer Ausgabe vom Mittwoch, 11. September 2013 einen Artikel über die Aktion tibetische Pflegekinder veröffentlicht. Der Hauptartikel mit der Überschrift “Der Dalai Lama im Zwielicht:  Die tibetischen «Waisenkinder», die keine Waisen waren” enthält eine Reihe von Aussagen, die nicht von Fakten gestützt sind. Es ist bedauerlich, dass fehlende Sorgfalt bei der Recherche und der ungebremste Wunsch eine brisante Schlagzeile zu liefern, eine kritische und ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema verhindert haben.

Wir, die Unterschreibenden, wollen mit unserer Darstellung, dazu beitragen, dass die Öffentlichkeit korrekt informiert wird.

Zakay Reichlin, Tseten Allemann, Dorjee Phuntsok, Rinchen Reichlin, Yeshi Sigfried, Jamyang Reichlin (ehemalige Pflegekinder)

Treffen der Pflegekinder mit S. H. dem Dalai Lama

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Die NZZ hat in der letzten Woche eine Artikelserie über die Pflegekinderaktion veröffentlicht. Der Hauptartikel mit der Überschrift “Der Dalai Lama im Zwielicht:  Die tibetischen «Waisenkinder», die keine Waisen waren” enthält eine Reihe von Aussagen, die nicht von Fakten gestützt sind. Es ist bedauerlich, dass fehlende Sorgfalt bei der Recherche und der ungebremste Wunsch eine brisante Schlagzeile zu liefern, eine kritische und ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema verhindert haben.

Die nachfolgenden Bemerkungen dienen zur Klarstellung der gröbsten Fehler im Bericht.

Das Kinderheim in Dharamsala war zu jener Zeit ein einfaches Haus, eigentlich ein Schlafsaal mit Kajüten-Betten, wo fünf bis sieben Kinder auf einer Matratze schliefen. Essen gab es oft nicht genug. Und es kamen immer mehr und mehr Kinder. Viele der Kinder litten an Krankheiten. Tuberkulose, Ekzeme aller Art, Mittelohrenentzündungen, schlecht heilende Wunden, Bandwurm etc. gehörten zum Alltag. Die sanitären Bedingungen waren unvorstellbar primitiv und mitverursachten eine enorm hohe Kindersterblichkeit. Ueli Meier und Marcel Gyr können sich das nicht vorstellen.

Unter diesen Bedingungen haben der Dalai Lama und die anderen tibetischen Verantwortlichen Lösungen gesucht, um die Not der Kinder und ihrer Eltern zu lindern.  Es begann damit, dass man Kinderheime aufbaute und die Ernährungssituation zu verbessern versuchte. Erst nach Jahren gelang es auch den letzten Tibetern, die im indischen Strassenbau arbeiten mussten, eine feste Bleibe zu finden.

Trotz dieser Not herrschte ein Optimismus und eine Hoffnung unter den Tibetern, dass mit einer besseren Ausbildung für diese Kinder, es den Tibetern gelingen könnte, die “Rückständigkeit” zu überwinden. In ganz Asien und in der dritten Welt herrschte damals die Vorstellung, dass dies in erster Linie mit moderner Bildung zu bewerkstelligen sei. Diese Vorstellung herrschte auch unter den damaligen tibetischen Verantwortungsträgern.

Wir wurden also in die Schweiz geschickt. Zum einen um der Not zu entfliehen und zum anderen eine solide Ausbildung zu erhalten. Wer die Bilder von uns damals  – Kinder die unter Bandwürmern, Läusen und Unterernährung litten – sehen würde, müsste sehen, wie die eigentliche Ausgangslage gewesen ist. Das mit Elitenbildung gleichzusetzen ist absurd.

Es gibt einen Briefwechsel zwischen dem Dalai Lama und Charles Aeschimann, der auch dem Filmemacher und der NZZ zur Verfügung gestanden hätte, der klar zeigt, dass man beim elterlichen Hintergrund der Kinder absolut transparent vorgegangen ist. In diesen Listen war dargestellt, wer von den Kindern Eltern besass und wer nicht.

Dass in der Notlage der frühen 60er der Dalai Lama eine Lösung suchte und mit Charles Aeschimann die Pflegekinder Aktion ins Leben rief zeugt für mich von Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft. Auch dass die Pflegeeltern einen Vertrag unterschreiben mussten, um ein Kind zu bekommen zeugt von Weitsicht und Sorgfalt. Wir finden es beschämend, dass Charles Aeschimann und der Dalai Lama, die in einer Notlage halfen, nun als Kinderhändler dargestellt werden.

Marcel Gyr, schreibt über die „Pflegekinderaktion von Charles Aeschimann so, wie wenn die Bemühungen des Industriellen aus Olten auf der ganzen Linie eine sehr fragwürdige und nur auf persönliche Vorteile bedachte Aktion gewesen wäre und als ob die ganze Aktion eine unmenschliche Seite gehabt hätte. Um seine Aussage „Den Eltern entrissen“ zu unterstreichen bezieht er sich auf das vom Zürcher Filmemacher Ueli Meier „Tibi und seine Mütter“ dokumentierte Einzelschicksal. Darin wird das Schicksal eines solchen Pflegekindes in der Person vom 57-jährigen Tibi Lhundub Tsering gezeigt. Er war, so die Darstelllung im Film, 1963 seiner tibetischen Mutter, scheinbar ohne deren Wissen und Einverständnis entrissen worden.

Tatsache ist aber, dass wir, die wir damals in diesen Kinderheimen lebten, von unseren Familien ohnehin getrennt waren. Unsere Eltern haben uns in dieser Zeit in diese Kinderheime gebracht, weil sie, die vorwiegend im indischen Strassenbau arbeiteten, mit ihrer Arbeit die Familie nicht versorgen konnten.

In der Diskussion zum Artikel erinnerte sich ein ehemaliges Pflegekind: «Ich habe damals als Kind verstanden, dass ich in der Schweiz eine Chance erhalte, eine Ausbildung zu erhalten. Es war mir und meiner Familie klar, dass ich in Indien diese Möglichkeit nicht erhalte. Mein Vater hat mich bis zu meiner Abreise begleitet. Deshalb ist es für mich als Betroffener unerklärlich, wenn verallgemeinert behauptet wird, dass die Kinder von „Den Eltern entrissen“ wurden.»

Deshalb fragen wir uns, was man mit solchen tendenziösen Untertiteln wie „Ein privates Pflegekinder-Abkommen zwischen einem Schweizer Industriellen und dem Dalai Lama wirft lange Schatten“, bezwecken will. Warum, fragen wir uns, wird nach teils über 50 Jahren eine Sache, die hauptsächlich uns ehemaligen Pflegekinder und Pflegeeltern etwas angeht, von Medienschaffenden auf diese unsorgfältige Art und Weise aufgegriffen und aufgebauscht.

Man könnte nach diesem NZZ-Bericht den Eindruck erhalten, dass die Verantwortlichen der Aktion wie auch die inzwischen erwachsenen Pflegekinder sich nie kritisch und aktiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt haben.

Es ist ein Versäumnis des Artikels, dass das Treffen der Pflegekinder mit dem Dalai Lama in 2005 in Zürich im Bericht nicht erwähnt wird. An diesem Treffen wurde mit dem Dalai Lama und anschliessend mit seiner Schwester (Leiterin des Kinderheims) die Frage sehr offen erörtert, aus welchen Gründen die Aktion lanciert wurde, weshalb die Aktion gestoppt wurde und was getan werden kann, wie die ehemaligen Pflegekinder am besten am Leben der tibetischen Gemeinschaft teilhaben können. Gemeinsam mit unseren Pflegeeltern gab es ausserdem in den davor liegenden Jahrzehnten einige Gelegenheiten, mit dem Dalai Lama unsere Geschichte zu thematisieren.

Es ist klar, dass wir Schicksalsschläge zu bewältigen hatten:  Es betrifft den Einmarsch der Chinesen nach Tibet und die nachfolgende Flucht, die Trennung von unseren Eltern, die Ungewissheit, warum wir nicht mit den eigenen Eltern sind oder die erste Zeit in der Schweiz. Wir haben uns seit unserer Jugendzeit aktiv mit diesen Problemen auseinandergesetzt.  Wir empfinden es herablassend, dass man uns jegliche Kritikfähigkeit abspricht, nur weil wir keine “Entschuldigung” vom Dalai Lama im Sinne von Ueli Meier fordern.

Herr Ueli Meier hat am diesjährigen Treffen der ehemaligen Pflegekinder teilgenommen. Es ist doch einigermassen irritierend, weshalb er nicht den Mut aufgebracht hat, mit uns Pflegekindern über seine Meinung (Entschuldigungsforderung) zu diskutieren. Ueli Meier entwertet mit seinen unbegründeten Aussagen seinen eigenen Film und hinterlässt nun ein schales Gefühl.  Im Gegensatz zu Herrn Gyr sind wir auch nicht der Meinung, dass es Ueli Meier gelungen ist, ein “dunkles Kapitel Zeitgeschichte” zu beleuchten. Es drängt sich die Frage auf, ob da nicht jemand versucht, mit der Brechstange die Werbetrommel für seine DVD Edition zu puschen.

Charles Aeschimann hat mit seiner Initiative Hilfe geleistet, als Hilfe notwendig war. Herrn Aeschimann, der sich nicht mehr wehren kann, oder dem Dalai Lama, einen “Handel” zu unterstellen, grenzt an Verleumdung. Deshalb meinen wir, dass im Grunde genommen Ueli Meier gegenüber dem Dalai Lama, der Familie Aeschimann und den ehemaligen Pflegekindern eine Entschuldigung aussprechen müsste.

 

Stellungnahme zum Interview mit Migmar Raith:

„Ich kann die zwei Welten in Einklang bringen“ NZZ vom 12. September 2013

Ich möchte eine Erklärung zur Entstehung dieses.  Interviews geben. Dieses Interview basiert auf zwei Telefongesprächen im Juni und Juli, welche beide je eine Stunde gedauert haben. Im August hatte ich den Journalisten persönlich zu einem Gespräch in Zürich getroffen. Er konnte mir nie den Zeitpunkt des Erscheinens des Interviews voraussagen. So habe ich bis zum Erscheinen des Interviews vom Journalisten nichts mehr gehört und konnte die Endfassung des Interviews nicht gegenlesen.

Es war nie mein eigener Gedanke und überhaupt meine Absicht von SHDL eine Entschuldigung in dieser Sache der Pflegekinder-Aktion zu verlangen.

Ich habe dem Journalisten von der Privataudienz SHDL mit den Pflegekindern und den Schweizer Pflegeeltern 2005 in Oerlikon erzählt, bei der SHDL sich für die Anliegen der ehemaligen Pflegekinder Zeit genommen hat und auf kritische Fragen eingegangen ist und persönliche Erklärungen abgegeben hat. Darüber hat der Journalistin seinem Artikel leider überhaupt nicht berichtet.

Leserbrief von Migmar Raith

Mit grossem Erstaunen habe ich das Interview mit mir in der NZZ vom 12. September gelesen. Ich möchte hier festzuhalten, dass das Interview keine Autorisierung von mir erhalten hat.

Die tendenziöse Aufmachung und die Formulierungen im Schlussteil des Interviews entsprechen nicht meinen Gedanken. Es liegt mir nichts ferneres, als vom Dalai Lama eine Entschuldigung, in welcher Form auch immer, für die Tibeter-Pflegekinderaktion von 1961-1964 zu verlangen. Eine solche Forderung wurde im Artikel «Eine Entschuldigung des Dalai Lama wäre enorm wichtig» in der NZZ vom 11. September 2013 vom aussenstehenden Filmemacher Ueli Meier kundgetan.

In Gesprächen mit Marcel Gyr habe ich darauf hingewiesen, dass der Dalai Lama mehrmals in der Vergangenheit mit ehemaligen tibetischen Pflegekindern zusammengekommen ist, und sich dabei stets Zeit genommen hat, um sich mit uns über die aktuelle Situation und unseren Schwierigkeiten auszutauschen. Diese Begegnungen haben uns ehemaligen Pflegekindern die Gelegenheit geboten, den Dalai Lama über die damaligen Umstände in Indien zu fragen, die zur Pflegekinderaktion geführt haben. Des Weiteren hat der Dalai Lama die Pflegekindergruppe immer wieder aufgemuntert, sich in die tibetische Exilgemeinschaft in der Schweiz zu integrieren, und gleichzeitig hat er auch sein Vertretungsbüro in Genf sowie andere tibetische Organisationen aufgefordert, den Kontakt zu uns zu pflegen.

Vor diesem Hintergrund kann ich nur zum Schluss kommen, dass das gedruckte Interview mit Absicht gewisse Aussagen zurechtbog und mir dabei Gedanken und Äusserungen in den Mund gelegt wurden, die keineswegs meiner Haltung entsprechen, jedoch die Entschuldigungsforderung von Ueli Meier zu unterstreichen versucht.

Mit freundlichen Grüssen

Migmar W. Raith, Basel

 

 

Jeder hat sein “Bündeli” zu tragen!

von Yangchen Büchli, ehemaliges “Aeschimann-Pflegekind”, Ex-Präsidentin der GSTF –

Die beiden ArAeschimann_Y_Büchi3tikel zu den sogenannten “Aeschimann-Pflegekindern” aus Tibet hat mich sehr aufgewühlt, da ich als Betroffene ein Teil dieser 158 Kinder war.

Nun aber zu den Themen der zwei Artikeln: Ich fühle mich heute weder als eine Art Verdingkind noch als ein “Kind der Landstrasse”, das in einem “dunklen Kapitel schweizerischer Zeitgeschichte” in die Schweiz gekommen ist. Dunkel war die Situation in Tibet und Indien damals für die tibetischen Kinder infolge der chinesischen Besetzung ihrer Heimat.

Dass unter diesen Umständen S.H. der Dalai Lama das Angebot des Schweizers Ch. Aeschimann als Chance zur Ausbildung für tibetische Kinder aus Kinderheimen Indiens wahrnahm, kann ihm sicher niemand ernsthaft, nach über 50 Jahren, vorwerfen. Natürlich wurden damals noch keine umfassenden sozialpädagogischen Massnahmen (Carlos…) ergriffen, um die ankommenden Kinder zu coachen. Diese Aufgabe wurde den Pflegefamilien überlassen. Dass die Schweizer Behörden bei der Auswahl dieser Familien Herrn Aeschimann freie Hand liessen, kann man heute natürlich nicht mehr nachvollziehen.

Wir Kinder mussten die für uns schockartig in unser kindliches Leben tretenden  schweizer Familien erst mal verdauen. Aber neben den tragischen Fällen von Suiziden in unserer Gruppe und einigen problematischen persönlichen Entwicklungen, haben die meisten Pflegekinder ihren Weg in der neuen Schweizer Kultur gefunden und sind heute als Lehrinnen, Ingenieure, Pflegefachleute, Künstler, Sozialpädagogen, Händler etc. selbstverantwotliche Schweizer Mitbürger geworden.

Die ursprüngliche Idee, als Experten wieder in die tibetische Exilgemeinde Indiens zurückzukehren, konnte nicht verwirklicht werden, da sie unrealistisch war. Aber ich persönlich habe während den letzten 40 Jahren einen intensiven Kontakt zu meinen tibetischen Eltern gepflegt und so trotz sprachlichen Hindernissen emotional einen Ausgleich gefunden. Als Fortsetzung meiner Biografie haben mein schweizer Ehepartner und ich zu unserem leiblichen Sohn ein tibetisches Mädchen adoptiert.

Ich frage mich immer wieder: Wo wären viele meiner tibetischen “Aeschimann-Freundinnen und Freunde” und ich geblieben, hätten wir die frühe Chance, durch die inititative Handlung Seiner Heiligkeit, in die Schweiz zu kommen, nicht erhalten?

Und nun noch ein letzter Punkt: Der Dalai Lama solle sich bei mir als Pflegekind entschuldigen für seine Bemühungen vor über 50 Jahren um meine Zukunft! Aber hallo! Müssen sich Eltern noch als Grosseltern für Entscheidungen die sie für ihre Kindern nach bestem Wissen und Gewissen getroffen haben, bei ihren erwachsenen Kindern entschuldigen?

Woher nimmt eigentlich Filmemacher Ueli Meier das Recht, quasi im Namen der “Aeschimann-Kinder” diese Forderung aufzustellen?
Und abgesehen davon: Im Rahmen seines Besuches in der Schweiz hat S.H. der Dalai Lama 2005 in Zürich eine Privataudienz für alle “Aeschimann-Pflegekinder” durchgeführt. Diese 3-stündige Begegnung war sehr berührend und emotional abgelaufen. Ich fühlte eine sehr warme und väterliche Nähe, die Seine Heiligkeit uns “tibetischen Pflegekindern” entgegenbrachte. Es sind dabei auch sehr viele Tränen geflossen. Die Worte Seiner Heiligkeit an diesem Treffen waren mehr wert als eine geforderte “Entschuldigung”, da Seine Heiligkeit mit ihnen seine Verantwortung für unser Schicksal ansprach und so zu uns eine direkte Verbindung entstehen liess. Der Repräsentant des Dalai Lama in Genf, erhielt den persönlichen Auftrag, sich unserer Gruppe zu widmen.

 

  1. Wangpo Tethong

    Liebe Tibetfocus-Redaktion.

    Vielen Dank für Veröffentlichung der Richtigstellung. Es hat mich schon geärgert, wie schlecht der NZZ-Artikel recherchiert war.

    Herzlichen Dank
    Wangpo

  2. Tsering Chozom Pomdatsang

    Liebe Tibetfocus Redaktion,

    Danke für Eure Richtigstellung des Artikels in der NZZ und danke Yangchen-la für deine offene und persönliche Darstellung. Es ist mir ja nicht gut vergangen aber trotzdem war diese Aktion von Herrn Aeschimann voll richtig.
    Es hat mich zu der Person gemacht wer ich heute bin und kann!

    Ich habe Charles Aeschimann ziemlich gut gekannt und er hat sich immer, wo und in welcher schwierigen Situationen ich war, immer so gut wie möglich persönlich um mich gekümmert mit einer Liebe und Grosszügigkeit die einem Vater nicht nachsteht.
    Also geht jede schlechte Nachrede von Herrn Aeschimann mir „falsch in den Hals“ wie man in Holland sagt.
    Zudem was erlaubt sich einer der gar nichts mit unserem Leben zu tun hatte sich anzumassen Kritik zu liefern über Herrn Aeschimann und dazu noch über SHDL?
    Unerhört!

    Leider habe ich zu spät erfahren dass ein Treffen war von SHDL und den Pflegekinder. Bedauere es sehr den ich wäre garantiert in die Schweiz eingeflogen…aber das ist ein Zusammenlauf der Umstände gewesen weil ich in vielen Ländern umgesiedelt bin und von mir keine korrekten Daten mehr vorhanden war. Ja that´s life…take it and move on.

    Aber ein Trost war es für mich, bei unserem letzten Treffen der Aeschimann Pflegekinder dabei zu sein. Ich hatte das Gefühl, jetzt meinen Zirkel rund gemacht zu haben und es hat mich „gerooted“. Zudem war es eine grosse Freude zu sehen, dass wir, die Mehrheit der Pflegekinder, es geschafft haben moderne gute Menschen zu werden und ein gutes Leben aufzubauen und hierbei geht sicher auch grossen Dank an jene, die uns das ermöglicht oder dazu beigetragen haben.
    Schon dies ist ein Beweis, dass damals richtig gehandelt wurde von den Entscheidungsträgern der Tibetischen Seite und den Pflegeeltern.
    Ich jedenfalls bejahe es noch immer vollmündig.

    Ich bitte euch für Nachsicht für meine grammatikalischen Fehler, denn bei mir sind jetzt einige Sprachen bissl vermischt.

    Ich wünsche Euch eine gute Zeit und auf Wiedersehen in der Schweiz oder in Wien,

    Tsering Chozom Pomdatsang

  3. Jorden Thinlay

    Tashi delek!

    Mit Bestürzung, Trauer und innerer Wut habe ich während des Besuches von der Schwester seiner Heiligkeit dem 14. Dalai Lama, vom 15.09.2013 in Jona, erfahren, was in der Schweiz durch die NZZ veröffentlicht wurde betreffend uns Dr. Aeschimann-Tibet-Pflegekinder.
    Ich bin einer der 14 Kinder, die am 13.08.1961 als erste Tibetische-Waisenkinder-Gruppe von der Schweiz aufgenommen wurde.
    Es war für uns alle, egal ob für unsere irgendwo lebenden oder verschollenen tibetischen Eltern, Verwandten, uns Flüchtlingskindern und nicht zuletzt für seine Heiligkeit dem 14. Dalai Lama, eine sehr schwierige Situation im Exilland Indien, das so ziemlich nichts zu bieten hatte, da es selber arm war und heute noch ist. Wie meine Landsleute und Pflegekinder-Freunde schon erwähnt haben, war es unter dem „Strich“ gesehen ein Geschenk des Himmels, dass wir zu den „Auserlesenen“-Kinder gehörten, in der Schweiz aufgenommen zu werden.
    Es waren schwierige und harte Zeiten für uns, jedoch auch für unsere Pflege-Eltern. Fremde Kultur, sprachliche Verständigungsschwierigkeiten und vorallem fast keine Möglichkeit, tibetische Landleute zu treffen. Wir waren zu dieser Zeit sehr verstreut in der Schweiz aufgenommen worden. Dr. Aeschimann war jedoch sehr bemüht, mit unseren Pflegeeltern regelmässige Treffen zu vereinbaren, sodass wir unsere Tibetische Kultur nicht vergessen und verlieren sollten.
    Heute im Jahre 2013 fühle ich mich immer noch als Tibet-Schweizer, der seine natürliche Entwicklung durchlaufen hat inklusive mehrjährigen Militärdienst. Ich bin stolz ein Schweizer Bürger zu sein, der im Ausland lebt. Bin stolz im Herzen ein Tibeter geblieben zu sein. Ich Bete und danke täglich seiner Heiligkeit dem 14. Dalai Lama, seinen Schwestern, Dr. Aeschimann und unseren Pflegeeltern, die es alle zusammen mir ermöglicht haben, nicht im Krieg sterben zu müssen.
    Ich schliesse nun ebenfalls Herr Marcel Gyr von der NZZ mit in mein Gebet, denn er kann nichts für seine Inkompetenz und Unreife. Entschuldigt die Journalisten, die nicht wissen, was sie tun und anrichten mit ihren Artikeln.

    In peace and love with all my compassion.
    Jorden Thinlay

  4. Karin Rüegg-Schlotthauber

    Als ich den Zeitungsartikel in der NZZ gelesen habe musste ich mich zuerst kneifen, ob ich träume oder so etwas Unwahres lese!!! Ich war als Gast beim letzten Treffen der Aeschimann-Kinder in Winterthur dabei. Es war für mich seit langem ein fröhlicher und geselliger Abend mit vielen guten Gesprächen. Keine Spur von Trauer oder „Nichtbewältigter“ Kindheit! Es gibt überall bei allen Menschengruppen Suizide, Trauer oder eine Nichtbewältigung der Vergangenheit. Dieses habe ich jedoch in KEINSTER Weise bei dem Treffen erlebt! Ich persönlich bin dankbar, diesen Abend mit so vielen positiven und aufgestellten Menschen erlebt zu haben! Danke Euch Allen nochmals… Somit entbehrt der Zeitungsartikel für mich jede Realität!

  5. tashi tsering

    Schade, dass der ausgezeichnete film von Ueli Meier mit den beiden mütter und tibi, die mit schonungsloser offen- und ehrlichkeit sich uns dem publikum preis gibt, mit diesem blickwürdigen artikel in der nzz einen dolken erhält. Es würde uns allen gut stehen, den film dessen autor ueli meier ist und den schreiberling von der nzz auseinanderzuhalten.

  6. Zürich 25. September 2013 –
    Stellungsnahme von Ueli Meier, Regisseur des Films «Tibi und seine Mütter»

    Im Zusammenhang mit der Berichterstattung in der NZZ zu der kürzlich veröffentlichten DVD-Edition meines gleichnamigen Kino-Dokumentarfilms «Tibi und seine Mütter» werden von fünf ehemaligen tibetischen Pflegekindern der privaten Pflegekind-Aktion des Dalai Lama und des Schweizer Industriellen Charles Aeschimann in einer Leserbriefaktion gegen mich die Vorwürfe der Anmassung sowie der willentlich verzerrten und falschen Darstellung der Tatsachen erhoben (NZZ 20.09.2013). Die Leserbriefe wurden bereits vorab am 18.09.2013 im Online-Magazin «tibetfocus» publiziert.

    Yangchen Büchli wirft mir in ihrem Leserbrief vor, ich würde mir in dem in der NZZ vom 11.09.2013 erschienenen Interview anmassen, im Namen der ehemaligen Pflegekinder an den Dalai Lama die Forderung einer Entschuldigung zu stellen. Gleichzeitig verlangt sie im Online Magazin «tibetfocus» zusammen mit den vier anderen Leserbriefschreibern, dass ich mich dafür beim Dalai Lama zu entschuldigen habe.

    Der von den Unterzeichnern erhobene Vorwurf an mich trifft nicht zu. Ich bitte, mich auf den Wortlaut meiner Interview-Antworten zu behaften.

    Auf die mir vom NZZ-Journalisten Marcel Gyr gestellte Frage, warum von den direktbetroffenen Pflegekindern keine Forderungen nach Wiedergutmachung bekannt geworden seien und wie ich mir dies erklären könne, antworte ich: «Für gläubige Tibeter ist das eine kaum denkbare Forderung. Seine Heiligkeit der Dalai Lama ist ihr lebender Gott, gleichsam Gottmensch. Ich bin aber überzeugt, dass es für manche der ehemaligen Pflegekinder enorm wichtig wäre, wenn sich der Dalai Lama an sie wenden würde – und ja, sich vielleicht auch bei ihnen entschuldigen würde.»

    Ich spreche von meiner ganz persönlichen Überzeugung – von einer im Namen der betroffenen Pflegekinder erhobenen Forderung einer Entschuldigung an den Dalai Lama ist von mir mit keinem Wort die Rede. Dass ich mit meiner Einschätzung, die durch die vielen, teilweise sehr emotionalen Reaktionen ehemaliger Pflegekinder auf meinen Film bestärkt wurde, nicht allein dastehe, zeigt das in der NZZ vom 12.09.2013 erschienene Gespräch mit dem ehemaligen Pflegekind und Präsidenten der Gesellschaft schweiz-tibetische Freundschaft GSTF und Migmar Raith, der in dem mit dem Journalisten Marcel Gyr geführten Interview sagt: «Ich kann gut verstehen, dass es Betroffene gibt, die das von Seiner Heiligkeit Dalai Lama wünschen. Eine Entschuldigung im Sinne einer Selbstkritik wäre meiner Meinung nach durchaus angebracht. Denn im Nachhinein sind wir ja alle gescheiter. Für viele ehemalige Pflegekinder, die sich mit ihrem Schicksal schwertun, könnten tröstende oder entschuldigende Worte eine Entlastung und eine Entspannung bedeuten.» (Warum sich Migmar Raith nun von seinen im NZZ-Interview gemachten Aussage distanziert, kann ich nur erahnen.)

    Auch trifft – wie auch alle anderen von den Leserbriefschreibern erhobenen Vorwürfe –auch nicht zu, dass in meinem Film «Tibi und seine Mütter» die prekären Verhältnisse in der unter der Obhut des Dalai Lama stehenden und von seiner ältesten Schwester geleiteten «Nursery for Tibetan Refugee Children» in Dharamsala nicht gebührend erwähnt würden. Das Gegenteil ist wahr. In mehreren Szenen wird in dem Film von Zeitzeugen und in zitierten Dokumenten in aller Deutlichkeit auf diesen Umstand hingewiesen und in einer langen Sequenz schildert der Protagonist Tibi Lhundub Tsering eindrücklich seine Erinnerungen an die katastrophalen Lebensbedingungen im Kinderheim in Dharamsala. Tibis Schilderungen werden mit historischen Fotografien dokumentiert, die ich im Archiv des Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) sowie bei einem bereits zu dieser Zeit in der im Kinderheim in Dharamsala vom SRK betriebenen Krankenstation engagierten Schweizer Arzt gefunden habe.

    Dass damals schnelle Hilfe für diese Kinder dringend von Nöten war, ist unbestritten und ebenso, was die Ausbildung dieser Kinder betraf. Die entscheidende Frage ist, warum vom Dalai Lama und Charles Aeschimann die der privaten Pflegekind-Aktion zur Verfügung stehenden grossen finanziellen Mittel nicht für die eine um ein Mehrfaches schnellere und effizientere, vielen hundert Kindern zugute kommenden direkte Hilfe vor Ort eingesetzt wurden, sondern von den beiden Verantwortlichen eine kleine Anzahl vier bis siebenjährigen Kinder und in vielen Fällen ohne das Wissen geschweige denn der Einwilligung ihrer leiblichen Eltern, und zudem über den dem unendlich langen Zeitraum von 1961 bis1964 in jeweils kleinen Gruppen in die Schweiz transportiert und in völlig fremden Familien einer komplett fremden Kultur placiert wurden.

    Diese Fragen und viele andere bei meiner Filmarbeit aufgetauchten ungeklärten Fragen hätten wir im Hinblick der DVD-Edition meines Films unbedingt auch an den Zeitzeugen und Verantwortlichen Dalai Lama richten wollen. Wir haben im Vorfeld des Besuchs des Dalai Lama in der Schweiz im April dieses Jahres unser dringendes Anliegen mehrfach telefonisch, per E-Mail und als Brief an den Leiter des Tibet Bureau in Genf gerichtet. Dieser hat uns versichert, dass er unser Gesuch dem Dalai Lama persönlich unterbreiten werde. Trotz mehrfachem Nachsetzen beim Leiter des Tibet Bureau bekamen wir vom Dalai Lama keine Antworten auf unsere Fragen.

    Sowohl im Film «Tibi und seine Mütter» wie auch in der Dokumentation im Zusatzmaterial der gleichnamigen DVD-Edition haben wir uns mit Bedacht ausschliesslich nur an die gesicherten und belegbaren Fakten gehalten. Die in den Archiven gefundenen und von uns zitierten wichtigsten Dokumente haben wir im Sinne der Transparenz zudem im Booklet der DVD integral als Faksimile abgebildet.

    Es steht mir nicht zu und war auch nie meine Intention, über die aus heutiger Sicht undenkbare private Initiative des 14. Dalai Lama und des Kraftwerkdirektors Charles Aeschimann ein moralisches Urteil zu fällen. Ich habe das weder im Kino-Dokumentarfilm noch in der gleichnamigen DVD-Edition getan.
    
Allerdings bin ich als Filmregisseur zuerst und vor allem auch Chronist und Zeuge meiner Zeit, verpflichtet ihrer wahrhaftigen Darstellung und der Wahrheit – auch wenn diese manchmal für uns alle unangenehm ist und weh tut.

    Ich glaube fest – und das ist der innerste Antrieb meiner Arbeit – dass uns allen nur das Suchen und Akzeptieren der Wahrheit Erkenntnis verschaffen kann und uns hilft, unser Leben und uns selbst zu verstehen – und uns vielleicht beschützt, in der Vergangenheit begangene Fehler zu wiederholen damit vielen unschuldigen Menschen und insbesondere Kindern grosses Leid zu ersparen.

    Ueli Meier, Filmregisseur

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