<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> <rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/" xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/" ><channel><title>tibetfocus.com &#187; China</title> <atom:link href="http://tibetfocus.com/category/china/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://tibetfocus.com</link> <description></description> <lastBuildDate>Mon, 06 Feb 2012 21:06:19 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=</generator> <item><title>Ein Schreckgespenst für Peking — Das Interesse am tibetischen Buddhismus im Reich der Mitte</title><link>http://tibetfocus.com/2012/01/26/ein-schreckgespenst-fur-peking-das-interesse-am-tibetischen-buddhismus-im-reich-der-mitte/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2012/01/26/ein-schreckgespenst-fur-peking-das-interesse-am-tibetischen-buddhismus-im-reich-der-mitte/#comments</comments> <pubDate>Thu, 26 Jan 2012 21:28:34 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[China]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=8290</guid> <description><![CDATA[Deutschlandradio, 25.1.12, von Ingrid Norbu - Während die chinesische Regierung in Peking mit allen Mitteln die Religion in Tibet unterdrückt und den Einfluss des Dalai Lama zu ignorieren versucht, stößt der tibetische Buddhismus neuerdings vor allem in Singapur und sogar in der Volksrepublik China auf ein zunehmendes Interesse. Aus einem Lautsprecher ertönt religiöser Gesang. Gläubige [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Deutschlandradio, 25.1.12, von Ingrid Norbu -</p><p>Während die chinesische Regierung in Peking mit allen Mitteln die Religion in Tibet unterdrückt und den Einfluss des Dalai Lama zu ignorieren versucht, stößt der tibetische Buddhismus neuerdings vor allem in Singapur und sogar in der Volksrepublik China auf ein zunehmendes Interesse.</p><p>Aus einem Lautsprecher ertönt religiöser Gesang. Gläubige mit Bündeln von Räucherstäbchen bitten Gottheiten um einen guten Geschäftsabschluss oder das Bestehen einer Prüfung. In einem Käfig warten kleine Vögel darauf, gegen eine Spende freigelassen zu werden, um wenig später wieder an den sicheren Futterplatz zurückzufliegen. Rauch steht über einem tonnenförmigen Ofen, in dem nach chinesischer Tradition wertloses Scheingeld verbrannt wird, damit die Ahnen das Familienvermögen schützen. Bunt und laut geht es zu in einem chinesischen Tempel, dessen geschwungene Dächer Drachen schmücken. Mahayana-Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus bilden zusammen das komplexe System der traditionellen chinesischen Religion. Doch viele der Jüngeren wenden sich von den Glaubensformen ihrer Eltern ab und anderen Richtungen zu, beispielsweise dem tibetischen Buddhismus. Aileen Kho ist 41 Jahre alt. Sie arbeitet für eine Agentur, die Arbeitskräfte für die expandierende Wirtschaft Singapurs anwirbt.</p><p>“Ich komme aus einer chinesischen Familie, die stets an Festtagen in den Mahayana Tempel zum Beten gegangen ist, um den Segen der Götter zu erlangen, bis ich den tibetischen Buddhismus entdeckte. Durch ihn machte ich die völlig neue Erfahrung, dass man Buddhismus aktiv praktizieren kann. Warum interessiert mich ausgerechnet der tibetische Buddhismus? Weil nur diese Richtung gewissermaßen garantiert, dass man Erleuchtung innerhalb einer Lebensspanne erreichen kann, natürlich nur soweit man die richtige Praxis vermittelt bekommt. Das war für mich der Pluspunkt.”</p><p>Tibetische Mönche aus dem indischen Exil sind regelmäßig zu Gast im Gaden Shartse Dro-Phen Ling Tempel in Singapur. Flackerndes Kerzenlicht erleuchtet Buddhafiguren aus glänzendem Messing, die auf dem Altar stehen. An der Wand hängt neben den Fotos hoher Geistlicher des tibetischen Buddhismus, auch das des Dalai Lama. Jamie Looi:</p><p>“Ein oder zweimal im Jahr besucht unser höchster Lehrer dieses Zentrum, aber wir versuchen auch andere Rinpoches aus Indien, aus Dharamsala, nach Singapur einzuladen. Wir organisieren große Events. Etwa 2000 Menschen besuchen dann für drei Tage die Unterweisungen eines hohen Lamas. Zu normalen Zeiten treffen wir uns dreimal in der Woche im buddhistischen Zentrum und befassen uns mit verschiedenen Themen, wie Meditation, dem Pfad der Befreiung, der Leerheit, in ganz unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen. Wir organisieren aber auch Pilgerreisen nach Indien. Durch diese Aktivitäten sind wir das ganze Jahr über beschäftigt.”</p><p>Viele jüngere Chinesen in Singapur haben die Verbindung zu China verloren und verstehen weder Mandarin noch Kantonesisch. Den Sutras in den chinesischen Mahayana Tempeln könnten sie nicht folgen. Die aus Indien kommenden tibetischen Lehrer unterrichten in Englisch. Michael Tan, 44 Jahre alt, Makler und Versicherungsvertreter, kommt das sehr entgegen. Die tibetisch-buddhistische Praxis habe sein Leben verändert, sagt Michael Tan.</p><p>“Früher wurde ich schnell wütend und brauchte lange, bis ich wieder normal reagieren konnte. Nun muss ich immer daran denken, dass ich mein Karma durch solche Aktionen negativ beeinflussen werde. Deshalb versuche ich ganz bewusst, solche Regungen zu unterdrücken.”</p><p>Jamie Looi fügt hinzu:</p><p>“Der Dharma vervollständigt unser Leben in vielen Bereichen, denn sonst wären wir wie all die anderen Menschen hier. Die denken nicht darüber nach, was nach dem Tode geschieht. Sie arbeiten, essen, aber spüren keine tieferen Bedürfnisse darüber hinaus. So fühlt man sich leer. Der Dharma dagegen hilft mir, Mitgefühl mit andern zu empfingen. Wir glauben, dass alles was wir tun, sei es Beten, Singen, das Darbieten von Opfergaben oder der Rückzug in Klausur, sich positiv auf ein nächstes Leben auswirkt und wir so allmählich die höchste Stufe, die er Erleuchtung erreichen können.”</p><p>Da Singapurs Politiker und Wirtschaftsgrößen gute Kontakte zu Peking pflegen, geraten die Anhänger der tibetischen Richtung des Buddhismus gelegentlich in Widerstreit mit ihrer Stadtstaatsregierung. Aileen Kho:</p><p>“Wir jüngeren Singapurer versuchen Politik und Religion zu trennen. Wir ignorieren, wie das Thema Dalai Lama in China behandelt wird. Einerseits stammen unsere Eltern und Großeltern von dort. Andererseits wollen wir nicht, dass unser Glaube und unsere Gefühle gegenüber der tibetischen Religion beeinträchtigt werden. Aber im letzten Jahr hat unser Außenminister China und Tibet besucht und dort den von China ernannten Panchen Lama getroffen. Das hat vielen Mitgliedern unseres tibetisch-buddhistischen Zirkels in Singapur nicht gefallen und jemand hat dem Außenminister einen Brief geschrieben, weil er nicht sensibel genug mit diesem Thema umgegangen ist. Wir hier glauben an Wiedergeburten, die von hohen Lamas anerkannt werden. Wir glauben an den Dalai Lama. Die chinesische Regierung hat mit den Panchen Lama einen hohen Titelträger eingesetzt, der nicht anerkannt ist. Wir hier in Singapur glauben, dass eine enge Lehrer-Schüler-Beziehung alle hohen Lamas verbindet. Der Glaube an Titelträger, die von Politikern einfach ernannt werden, würde unser Karma negativ beeinflussen und das hätte Folgen für unser nächstes Leben. Deshalb sind wir sehr darauf bedacht, die wahren Lehrer zu finden, die von den Tibetern anerkannt sind und ihre Linie zurück bis zu Sakayamuni Buddha führen können.”</p><p>Nicht nur in Singapur, auch bei Chinesen in der Volksrepublik selbst wächst das Interesse am tibetischen Buddhismus. Diese Art der Linientreue ist der kommunistischen Führung in Peking ein Dorn im Auge, weil sie im intensiven religiösen Leben ihrer Bürger eine Art Konkurrenz wittert, zumal deren großzügige Spenden die Klosterkassen in Tibet füllen, mit dem Bumerangeffekt, dass sich Mönche in Tibet weiteren Repressionen der Regierung ausgesetzt sehen. Auch die wohlhabenden Chinesen aus Singapur tragen nicht unerheblich zum Reichtum der tibetischen Exilklöster bei. Jamie Looi:</p><p>“Alle Spenden unserer Mitglieder sind freiwillig. Steht beispielsweise eine Renovierung oder ein Neubau an, sind unsere Sponsoren großzügig und mit Leidenschaft dabei, weil sie wissen, dass unser buddhistisches Zentrum mit seinen Aktivitäten helfen wird, vielen Menschen den Dharma nahe zu bringen.”</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2012/01/26/ein-schreckgespenst-fur-peking-das-interesse-am-tibetischen-buddhismus-im-reich-der-mitte/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Streit über Menschenrechte — China beklagt Arroganz des Westens</title><link>http://tibetfocus.com/2011/08/27/streit-uber-menschenrechte-china-beklagt-arroganz-des-westens/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2011/08/27/streit-uber-menschenrechte-china-beklagt-arroganz-des-westens/#comments</comments> <pubDate>Sat, 27 Aug 2011 21:45:30 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[China]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=7724</guid> <description><![CDATA[Spiegel, 21.8.11 - Die USA und Europa sind hoch verschuldet, China strotzt vor Kraft — trotzdem fühlen sich die Funktionäre der Volksrepublik nicht ernst genommen. Im SPIEGEL rechnet Pekings Vize-Außenministerin nun ab: Der Westen sei hochnäsig und nicht vertrauenswürdig. “Demokratie bringt kein Essen auf den Tisch.” Hamburg — Das Verhältnis des Westens zu China ist [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Spiegel, 21.8.11 -<br /> Die USA und Europa sind hoch verschuldet, China strotzt vor Kraft — trotzdem fühlen sich die Funktionäre der Volksrepublik nicht ernst genommen. Im SPIEGEL rechnet Pekings Vize-Außenministerin nun ab: Der Westen sei hochnäsig und nicht vertrauenswürdig. “Demokratie bringt kein Essen auf den Tisch.”</p><p>Hamburg — Das Verhältnis des Westens zu China ist angespannt, das hat sich in der Finanzkrise immer wieder gezeigt. Die Regierung in Peking fürchtet um ihre Milliarden, die sie den USA geliehen hat, Washington wiederum wirft der Volksrepublik eine egoistische Währungspolitik vor. Nun beklagt sich die chinesische Vize-Außenministerin Fu Ying im SPIEGEL über die Herablassung, die der Westen China entgegenbringe.</p><p>“Der Westen ist hochnäsig”, sagt Fu. Europäer und Amerikaner neigten dazu, “die alte Schablone des Kalten Krieges auf China anzulegen. Das verwundert China sehr.”</p><p>Der Blick Europas und der USA sei einseitig auf die Frage der Menschenrechte verengt und negativ, sagte die 58-jährige Fu. Der Westen müsse akzeptieren, dass es noch andere politische Systeme gebe als Demokratie westlichen Zuschnitts: “Demokratie allein bringt eben noch kein Essen auf den Tisch.” Auf die Frage nach dem Schicksal des über 80 Tage lang inhaftierten oppositionellen Künstlers Ai Weiwei sagt sie: “Für Sie existieren Menschenrechte nur im Zusammenhang mit Einzelpersonen, die staatszerrüttend wirken oder Gesetze brechen.”</p><p>Fu hält den westlichen Regierungen Fehlverhalten vor: “Warum geben sie mehr Geld aus, als sie haben? Warum geben sie Versprechen, die sie nicht einlösen können?” Sie räumt ein, dass eine Ausdehnung der Finanzkrise in Europa oder den USA auch China treffen würde: “Wir sitzen in einem Boot. Wir sind wirklich besorgt, wenn die westlichen Wirtschaften in Schwierigkeiten sind. Deshalb sind es gute Nachrichten, dass Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy das Heft in die Hand nehmen wollen.”</p><p>“China hat nicht die Absicht, die Welt zu regieren”</p><p>China verfüge zwar seit kurzem über einen Flugzeugträger, habe aber “nicht die Absicht, die USA herauszufordern”, und betrachte sie nicht als Bedrohung: “China hat nicht die Absicht, die Welt zu regieren.” Wichtiger noch als die militärische Aufrüstung sei Peking die Bekämpfung der Armut. “Die Generation meiner Tochter hat als erste keinen Hunger mehr erlebt, das ist ein unglaublicher Fortschritt.”</p><p>Wie sehr die Meinungen des Westens und Chinas bei der Menschenrechtsfrage auseinander gehen, zeigte sich am Sonntag erneut. Bei einem Treffen mit Hunderten Studenten in der südwestchinesischen Stadt Chengdu hat US-Vizepräsident Joe Biden die Führung des Landes zum Dialog mit Oppositionellen aufgerufen. China sollte “den Austausch zwischen Bürgern, Studenten und der Regierung wertschätzen”, sagte Biden in der Universität der Provinz Sichuan, deren Hauptstadt Chengdu ist. Schwierigkeiten verschlimmerten sich, wenn es keine Freiheit gebe, warnte der Vizepräsident.</p><p>Er schnitt damit erstmals seit seinem Eintreffen in der Volksrepublik vor fünf Tagen öffentlich Menschenrechtsfragen an. Intern jedoch, bei seinen Treffen mit Vertretern der chinesischen Führung in den vergangenen Tagen, soll er die Thematik nach Angaben aus US-Regierungskreisen bereits offensiver zur Sprache gebracht haben.</p><p>Aus Furcht, die Proteste der arabischen Welt könnten nach China überschwappen, hatte Peking die Unterdrückung von Regierungskritikern in den vergangenen Monaten zusehends verschärft. Dutzende Schriftsteller, Anwälte und Menschenrechtsaktivisten wurden seither festgenommen, unter Hausarrest gestellt, verschleppt oder anderweitig bedrängt.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2011/08/27/streit-uber-menschenrechte-china-beklagt-arroganz-des-westens/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Unruhen in China: Wut — so heiss wie ein Vulkan</title><link>http://tibetfocus.com/2011/06/20/unruhen-in-china-wut-so-heiss-wie-ein-vulkan/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2011/06/20/unruhen-in-china-wut-so-heiss-wie-ein-vulkan/#comments</comments> <pubDate>Mon, 20 Jun 2011 15:59:15 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[China]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=7466</guid> <description><![CDATA[Süddeutsche Zeitung, 18.6.11, Kommentar von Henrik Bork - Bomben explodieren in Banken und vor Regierungsgebäuden, Polizeiwagen gehen in Flammen auf: Die Proteste in China betreffen lokale Ungerechtigkeiten, aber die Wütenden verbindet ein gefährliches Gefühl. Die kommunistische Führung sitzt auf einem Vulkan, der deutlich zu rumoren begonnen hat. In China hat ein heisser Sommer begonnen. Autobomben [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Süddeutsche Zeitung, 18.6.11, Kommentar von Henrik Bork -<br /> Bomben explodieren in Banken und vor Regierungsgebäuden, Polizeiwagen gehen in Flammen auf: Die Proteste in China betreffen lokale Ungerechtigkeiten, aber die Wütenden verbindet ein gefährliches Gefühl. Die kommunistische Führung sitzt auf einem Vulkan, der deutlich zu rumoren begonnen hat.</p><p>In China hat ein heisser Sommer begonnen. Autobomben explodieren vor Regierungsgebäuden in der Küstenprovinz Fujian. Eine selbstgebastelte Benzinbombe geht in einer Bank in Gansu hoch. Ganz Tibet ist für Ausländer vorübergehend gesperrt worden — wegen anhaltender Unruhen. In der Inneren Mongolei rebellieren die Mongolen. Und selbst in der reichen Südprovinz Guangdong gehen Polizeiwagen in Flammen auf.</p><p>Die Suche nach einem Muster, das all diese geographisch versprengten Unruheherde verbindet, führt zunächst ins Leere. Mal ist es die Wut über die Enteignungen eines Gebäudes (Fujian), über eine Entlassung (Gansu), die Zerstörung von Weideland durch Kohleförderung (Innere Mongolei) oder über einen Akt von Polizeibrutalität gegenüber einer schwangeren Wanderarbeiterin (Guangdong), die als Auslöser für diesen oder jenen örtlichen Flächenbrand dienen. Oberflächlich betrachtet hat das eine nichts mit dem anderen zu tun, und die Protestbewegungen sind auch nicht vernetzt.</p><p>Und doch gibt es Merkmale, die all diese lokalen Proteste miteinander verbinden, die so etwas wie einen gemeinsamen Nenner erkennen lassen. Immer wieder wird die Gewalt von Menschen begangen, die sich ungerecht behandelt fühlen; die weit und breit keine zivilgesellschaftlichen, legalen Wege zur Schlichtung ihrer Konflikte sehen. Egal ob in Fujian ein Eigentümer mehr Entschädigung für sein abgerissenes Gebäude verlangt, in Gansu ein Bankangestellter seine Entlassung anfechten will, Hirten in der Mongolei den Mord an einem Protestler geahndet sehen wollen — überall entdecken die Menschen, dass sie ohne Parteikontakte oder Geld in diesem neuen China zu Bürgern zweiter Klasse geworden sind.</p><p>Die Kommunistische Führung, wenngleich gut eingeigelt hinter den hohen Mauern ihrer Pekinger Parteizentrale, ist inzwischen erkennbar besorgt über die Zunahme des zivilen Ungehorsams draussen im Lande. Das “Management der Gesellschaft” (shehui guanli) war denn auch der Fokus von gleich drei hochrangigen Parteitreffen in jüngster Zeit: auf einer Studiensitzung des Politbüros im vergangenen November, auf einem Symposium für führende Provinzkader im Februar und im Mai bei einem Treffen des Politbüros zum Thema “Innovationen für das Regieren”.</p><p>Selbst in der sonst zahmen Parteipresse werden nun Töne laut, die ein Abrücken von der stets gleichen Reaktion, dem Schwingen der Polizeiknüppel, fordern. So kommentiert die Online-Ausgabe des Magazins Caixin, die chinesische Gesellschaft sei angesichts ihrer sozialen Widersprüche “an einer Wegkreuzung angelangt, und die Führung weiss das”. Und auch eine Lösung wird in dem bemerkenswert mutigen Artikel vorgeschlagen. “Die Herrschaft des Gesetzes — anders als Herrschen mit Hilfe des Gesetzes — ist nicht mit der Idee der Herrschaft durch eine Handvoll von Führern zu vereinbaren.” So schreibt Caixin.</p><p>Deutlicher kann in einem der chinesischen Zensur unterstehenden Blatt eigentlich nicht mehr gesagt werden, dass all die Bomben, Strassenkämpfe und Demonstrationen in den chinesischen Provinzen letztlich systembedingt sind. China bräuchte dringend eine unabhängige Justiz. Es bräuchte Richter, die nicht von denselben Parteibonzen ausgewählt und bezahlt werden, deren Landnahme oder gierige Kohleförderung sie dann gegen die Bürger zweiter Klasse verteidigen. Es bräuchte Staatsanwälte, die Unrecht ohne Rücksicht auf die Parteiposten und die guten Beziehungen der Verdächtigen verfolgen dürfen.</p><p>Kurzum, China bräuchte die Einsicht seiner herrschenden kommunistischen Kaderklasse, dass ein allzu unverschämtes Ausbeuten der natürlichen Ressourcen oder ein allzu rabiates Überführen von Gemeinbesitz auf private Bankkonten in Übersee zu einer Explosion eines Vulkans führen könnte — der in diesem Sommer schon sehr deutlich zu rumoren begonnen hat.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2011/06/20/unruhen-in-china-wut-so-heiss-wie-ein-vulkan/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>1</slash:comments> </item> <item><title>China riegelt Innere Mongolei nach mehrtägigen Protesten ab</title><link>http://tibetfocus.com/2011/06/02/china-riegelt-innere-mongolei-nach-mehrtagigen-protesten-ab/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2011/06/02/china-riegelt-innere-mongolei-nach-mehrtagigen-protesten-ab/#comments</comments> <pubDate>Thu, 02 Jun 2011 11:27:17 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[China]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=7359</guid> <description><![CDATA[Financial Times Deutschland, 30.5.11 - Nach mehrtägigen Protesten hat China Teile der rohstoffreichen Inneren Mongolei abgeriegelt. Nachdem am Freitag schon Abschnitte der Autonomonen Region an der Grenze zu Russland und der Mongolei Bewohnern zufolge unter Kriegsrecht gestellt wurden, blockierten gestern Hunderte Sicherheitskräfte zentrale Plätze der Hauptstadt Hohhot. Zuvor war im Internet für Montag zu einem [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Financial Times Deutschland, 30.5.11 -<br /> Nach mehrtägigen Protesten hat China Teile der rohstoffreichen Inneren Mongolei abgeriegelt. Nachdem am Freitag schon Abschnitte der Autonomonen Region an der Grenze zu Russland und der Mongolei Bewohnern zufolge unter Kriegsrecht gestellt wurden, blockierten gestern Hunderte Sicherheitskräfte zentrale Plätze der Hauptstadt Hohhot. Zuvor war im Internet für Montag zu einem Massenprotest ethnischer Mongolen aufgerufen worden.</p><p>Weder die Regierung in Hohhot noch deren Propaganda-Behörde waren zunächst zu erreichen. In den sechs Tagen zuvor war es zu kleineren Demonstrationen der mongolischen Bevölkerung gekommen. Auslöser der Proteste war der Tod eines mongolischen Hirten bei einem Autounfall mit Fahrerflucht.</p><p><strong>Peking besänftigt Mongolen</strong>: Sicherheitskräfte verhindern neue Proteste // Regierung geht auf Demonstranten zu</p><p>Financial Times, 31.5.11, von Georg Fahrion, Berlin</p><p>Mit einer Mischung aus Repression und Zugeständnissen versucht Chinas Regierung, Proteste in der Inneren Mongolei in den Griff zu bekommen. In mehreren Städten des autonomen Gebiets verhinderte gestern ein Großaufgebot von Sicherheitskräften neue Demonstrationen, nachdem ethnische Mongolen schon in der vergangenen Woche auf die Straße gegangen waren. Die Nachrichtenagentur AP zitierte einen Augenzeugen, dem zufolge paramilitärisch Einheiten Studenten am Protest in der Gebietshauptstadt Hohhot gehindert hätten.</p><p>Gleichzeitig forderte die Gebietsregierung lokale Stellen auf, den Klagen der Bevölkerkung nachzugehen. Ein Han-Chinese, der einen Mongolen mit einem Gabelstapler überfahren und so die Proteste angefacht hatte, werde unter Mordanklage vor Gericht gestellt, berichtete Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.</p><p>Die Zentralregierung in Peking reagiert derzeit äußerst nervös, weil sie eine Revolution wie in den arabischen Ländern fürchtet. Zudem rufen die Vorgänge Erinnerungen wach an die Aufstände in den autonomen Gebieten Tibet 2008 und Xinjiang 2009, als Tibeter beziehungsweise Uiguren sich gegen die Übermacht der zugezogenen Han-Chinesen erhoben. Anders als damals scheint es Peking diesmal aber zu gelingen, den Aufstand einzugrenzen, bevor er außer Kontrolle gerät.</p><p>Auslöser des Aufruhrs war der Tod eines mongolischen Hirten am 10. Mai. Er hatte sich einem Kohlelaster in den Weg gestellt und wurde überrollt, als er gegen die Zerstörung von Weideland durch die Bergbaukonzerne protestierte. Die Proteste nahmen an Fahrt auf, nachdem fünf Tage später ein weiterer Mongole bei einer Demonstration gegen eine Kohlegrube mit Bergleuten aneinander geriet und von dem Gabelstapler überfahren wurde. Die Innere Mongolei ist der wichtigste Kohleproduzent des Landes; auch viele andere Rohstoffe werden dort gefördert. So liegt etwa die weltgrößte Mine für seltene Erden, Bayan Obo, in dem Gebiet. Die Umweltzerstörung durch den Bergbau gefährdet die traditionelle Lebensweise der Mongolen.</p><p>Bei dem Protest geht es also um die wirtschaftlichen Lebensgrundlagen aber auch um die Identität der Mongolen – viele der Han-Chinesen, die etwa zwei Drittel der Bevölkerung ausmachen, sind erst nach 1949 zugewandert. Dass der Konflikt bisher nicht eskaliert ist, könnte auch daran liegen, dass viele Mongolen besser assimiliert sind als etwa Tibeter oder Uiguren.</p><p>Allein darauf will man sich in Peking allerdings nicht verlassen: Die Internetzensur greift bereits. Auf den beliebtesten Microblogging-Websites funktioniert der Suchbegriff „Innere Mongolei“ nicht mehr. Auch das soziale Netzwerk Renren verhindert, dass Nutzer Nachrichten posten, die diesen Begriff enthalten.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2011/06/02/china-riegelt-innere-mongolei-nach-mehrtagigen-protesten-ab/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Tibets Kultur unerwünscht:  Tibetische Kulturwebseite in China gesperrt.</title><link>http://tibetfocus.com/2011/03/25/tibets-kultur-unerwunscht-tibetische-kulturwebseite-in-china-gesperrt/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2011/03/25/tibets-kultur-unerwunscht-tibetische-kulturwebseite-in-china-gesperrt/#comments</comments> <pubDate>Thu, 24 Mar 2011 23:20:50 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[China]]></category> <category><![CDATA[Internet]]></category> <category><![CDATA[Zensur]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=7129</guid> <description><![CDATA[Epoch Times Deutschland, 23.3.11, Matthew Robertson - Eine sehr bekannte Webseite über tibetische Kultur ist in China gesperrt worden, obwohl die Betreiber immer versucht haben, die Zensoren nicht herauszufordern. TibetCul, eine Abkürzung von Tibetan Cultural Net, wurde von einer Gemeinschaft von etwa 80.000 Tibetern und Chinesen besucht, die an tibetischer Kultur interessiert sind. Zwei Brüder, [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Epoch Times Deutschland, 23.3.11, Matthew Robertson -</p><p>Eine sehr bekannte Webseite über tibetische Kultur ist in China gesperrt worden, obwohl die Betreiber immer versucht haben, die Zensoren nicht herauszufordern.</p><p>TibetCul, eine Abkürzung von Tibetan Cultural Net, wurde von einer Gemeinschaft von etwa 80.000 Tibetern und Chinesen besucht, die an tibetischer Kultur interessiert sind. Zwei Brüder, Wangchuk Tseten und Tesewang Norbu, gründeten sie im Jahr 2003 in Lanzhou, der Hauptstadt der Provinz Gansu, in Nord-West China.</p><p>Am 16. März schrieben die Betreiber auf ihrem „Sina microblog“, dass sie plötzlich keinen Zugang mehr zu ihrer Webseite hätten.</p><p>Später teilte ihnen ihr Service Provider mit, dass „höhere Behörden“ die Sperrung angeordnet hätten, aber dass die „spezifischen Gründe“ dafür „vertraulich“ seien.</p><p>Die Brüder betreiben auch eine Webseite über Reisen in Tibet und eine tibetische Enzyklopädie. Diese Seite wurde nicht gesperrt, aber man befahl ihnen, einen neuen Antrag zu stellen, um sie weiterhin zu betreiben. „Möge uns doch irgendjemand erklären, ob das eine vernünftige rechtmäßige Forderung ist?!“ Das schrieb Tseten auf seinem Blog.</p><p>Die Sperrung ist ein harter Schlag für die kleine Gemeinschaft, die sich ein wenig Einblick in die Kultur durch den Gebrauch des Internets erkämpft hatte.</p><p>Dechen Pemba, ein bekannter Blogger tibetischer Angelegenheiten mit Sitz in London, nannte es „einen unermesslichen Verlust für tibetische Netzbürger“.</p><p>In einer E-Mail an „The Epoch Times“ erklärte Pemba, dass die tibetischen Nutzer „zweifelsohne bezüglich der Nutzung des Internets immer desillusionierter werden.“ Die Menschen seien daran gewöhnt, dass ihre Post verspätet kommt oder dass Webseiten vorübergehend geschlossen werden, aber dieses Ereignis sei anders. „Eine komplette Sperrung würde für einige Blogger das Ende von sieben Jahren Zufriedenheit bedeuten.“</p><p>„TibetCul war eine einmalige Plattform für tibetische Netzbürger, sich auszutauschen und sich als vereint zu empfinden“, sagt Pemba. Diese Sperrung wirft sie auf die homogenen Medienkanäle wie Sina und QQ zurück, die sich nicht um die Tibeter kümmern und unter stärkerer Propagandakontrolle zentraler Behörden stehen.</p><p>Der Bericht über die Sperrung in „Sina post“ löste eine Flut von Kommentaren aus, die von Chemba in einer Pdf-Datei festgehalten wurden. In einem davon heißt es: „Unterdrückung von Kultur wird die Loyalität untergraben.“</p><p>Die Herausgeber waren sich der potentiell sensiblen Natur ihrer unabhängigen Unternehmung bewusst, obwohl sie politische Debatten untersagten und sich nicht zu sehr profilierten.</p><p>TibetCul verbreitete Nachrichten, setzte Blogs ins Internet und zeigte Ausschnitte aus der tibetischen Musik, Literatur, Filmen, Reisen und hatte Kontakt zu Tibetern aus Übersee, zu denen auch sehr bekannte gehörten. Rockgruppen, Dichter, Künstler und Filmregisseure unterhielten Blogs auf der Webseite. Eine elektronische Tafel für Tagesberichte brachte die Debatten des Tages – wobei man niemals der KPCh auf die Füße trat.</p><p>Dieses Prinzip wurde im Mai 2010 nach einem Erdbeben in der tibetischen Region Yushu verdeutlicht. Tibetische Internetnutzer waren wütend über die Berichte mangelhafter Rettungsversuche durch das Militär. Die Administratoren warnten die Internetnutzer davor, irgendetwas zu äußern, was als politische Aussage gewertet werden könnte.</p><p>Sie riefen dazu auf, „die Gesetze der Volksrepublik China“ zu respektieren und erklärten, dass sie die Nutzer ausschließen würden, die diese Regeln missachteten.</p><p>Der Grund für die jetzige Sperrung ist unklar. Der Monat März ist als sensible Zeit für die Tibeter bekannt, weil es der Monat ist, in dem sich der Jahrestag der Unruhen aus dem Jahr 2008 wiederholt. Das war am 14. März. Aber keine anderen Ereignisse sind dieser Sperrung vorausgegangen.</p><p>Die „Epoch Times“ konnte nicht herausfinden, ob es ein Teil einer allgemeinen härteren Restriktion für Redefreiheit für die Tibeter ist.</p><p>Zhen Yun, ein Veteran im Umgehen von Chinas Zensur, erklärte kürzlich in einem Interview, das von der „China Digital Times“ übersetzt wurde, dass Forderungen, Webseiten zu schließen, immer dann schnellstens erfüllt werden, wenn hochrangige Beamte involviert sind.</p><p>„Das ist kein Spiel, wenn die gewaltige Wut einiger Führer geweckt ist“, sagte er. „Wenn der Befehl eines mächtigen Führers erfolgt, geht er durch alle Ränge nach unten durch und alle anvisierten Prozesse verschwinden wie Rauch im Wind.“</p><p>Webseiten, die so ins Zielfeld geraten, „sterben sofort“, sagte er.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2011/03/25/tibets-kultur-unerwunscht-tibetische-kulturwebseite-in-china-gesperrt/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Soziale Netzwerke sind China ein Dorn im Auge</title><link>http://tibetfocus.com/2011/02/15/soziale-netzwerke-sind-china-ein-dorn-im-auge/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2011/02/15/soziale-netzwerke-sind-china-ein-dorn-im-auge/#comments</comments> <pubDate>Tue, 15 Feb 2011 15:48:09 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[China]]></category> <category><![CDATA[Internet]]></category> <category><![CDATA[Zensur]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=6953</guid> <description><![CDATA[Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.2.11, von Christian Geinitz - Ausländische Internetunternehmen sind in China kaum vertreten oder haben bereits die Segel gestrichen. Denn das Beispiel Ägyptens zeigt: Facebook und Co bieten eine Art virtueller Meinungs– und Versammlungsfreiheit. Internetnutzer in China brauchen viel Geduld und ein dickes Fell. An manchen Tagen setzt das Überwachungssystem der Regierung die [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.2.11, von Christian Geinitz -<br /> Ausländische Internetunternehmen sind in China kaum vertreten oder haben bereits die Segel gestrichen. Denn das Beispiel Ägyptens zeigt: Facebook und Co bieten eine Art virtueller Meinungs– und Versammlungsfreiheit.</p><p>Internetnutzer in China brauchen viel Geduld und ein dickes Fell. An manchen Tagen setzt das Überwachungssystem der Regierung die Verbindungsgeschwindigkeit stark herab, viele Einträge sind gar nicht zu erreichen, da sie der Onlinepolizei ein Dorn im Auge sind. Dazu gehören Seiten über Tibet, das Massaker auf dem Tiananmen-Platz von 1989 oder über den inhaftierten Dissidenten und Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo. Doch auch vermeintlich harmlose Auftritte fallen der Zensur zum Opfer: der Kurzmitteilungsdienst Twitter etwa, die Videoplattform Youtube oder soziale Netzwerke wie Facebook.</p><p>Gerade die Massenaustauschdienste sind Peking suspekt, da sie als kaum kontrollierbar gelten. Die kommunistische Führung erlebte während der Aufstände im Iran im vergangenen Jahr und jetzt in der arabischen Welt, wie wirksam sich über Twitter oder Facebook Großproteste organisieren sowie Text– und Bildinformationen in alle Welt verbreiten lassen. Deshalb halte man den Daumen auf solchen Foren, heißt es in China, lasse nur inländische Anbieter zu und gewähre selbst diesen nur so viel Freiheit, wie gerade nötig.</p><p>„Eine Art virtuelle Versammlungsfreiheit“</p><p>„Facebook und die anderen bieten eine Art virtueller Meinungs– und Versammlungsfreiheit, letztlich sind das politische Organisationsformen“, heißt es aus der Unternehmensleitung eines chinesischen Anbieters für Soziale Medien. „In dieser Form wird es sie bei uns leider nie geben.“ Chinesische Unternehmen böten zwar auch solche Plattformen an, etwa den Twitter-ähnlichen Mikroblog Sina Weibo. Sie würden aber zensiert und vermieden jede Form der Massenorganisation oder –artikulation. Die bestehenden sozialen Netzwerke müssten „herumlavieren“ und seien oft nicht mehr als Chatrooms, Spieltreffs oder Börsen für den Online-Handel.</p><p>Ausländische Internetunternehmen sind in China kaum vertreten oder haben bereits die Segel gestrichen. Vor zwei Jahren gab AOL sein Pekinger Entwicklungsbüro auf. Zuvor hatte schon Ebay sein eigenständiges Geschäft eingestellt, Yahoo musste seine Aktivitäten in die übermächtige Alibaba-Gruppe einbringen. Weil sich der Suchmaschinenanbieter Google der Zwangsaufsicht der Behörden nicht länger beugen will, leitet er seit vergangenem Jahr seinen chinesischen Dienst nach Hongkong um. Den Weg in die Sonderverwaltungszone, in der freiere Regeln gelten, hat jetzt auch Facebook eingeschlagen, das größte Geflecht zur Kontaktpflege im Internet. In der vergangenen Woche eröffnete das Unternehmen ein Büro in der ehemaligen britischen Kronkolonie, von wo aus man die Märkte dort und in Taiwan bedienen will.</p><p>Seit 2010 hat Facebook Niederlassungen in Singapur und Hyderabad</p><p>Das Unternehmen unterstreiche damit sein Bekenntnis zu Asien, teilte Facebook mit, das 2010 neue Niederlassungen in Singapur und im indischen Hyderabad eröffnet hatte. Außerhalb des Heimatmarktes Amerika hat Facebook nirgendwo so viele Nutzer wie in Indonesien. Der Schritt nach Hongkong könnte „potentiell“ auch helfen, chinesische Werbekunden zu gewinnen, hieß es. „Wir haben aber derzeit keine Pläne, darüber zu verhandeln, ins chinesische Festland einzutreten“, sagte Facebook-Vizepräsident Blake Chandlee in Hongkong.</p><p>Über die China-Pläne des kalifornischen Internetunternehmens wird spekuliert, seit der Gründer und Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg im Dezember die Volksrepublik besuchte. Dort traf er sich mit dem Management der chinesischen Online-Schwergewichte Baidu und Sina. Baidu ist die größte Suchmaschine des Landes. Sina.com ist eines der wichtigsten Portale für Unterhaltung und Informationen in chinesischer Sprache. Chandlee sagte zwar, Zuckerbergs Visite in Peking habe „persönliche Gründe“ gehabt. Auffällig ist jedoch, dass Baidu seit dem Besuch offen über den Aufbau neuer Dienste für China spricht. Erst vor wenigen Tagen sagte der Chef und Gründer von Baidu, Robin Li, man wolle nicht nur die Video-Aktivitäten ausbauen, sondern denke auch daran, in das Geschäft mit sozialen Netzwerken einzusteigen.</p><p>Nur heimische Anbieter profitieren vom Wachstum</p><p>Facebook könne sich den Markt nur erschließen, wenn es mit bestehenden chinesischen Unternehmen kooperiere, sagte Eric Wen vom Hongkonger Finanzhaus Mirae Asset Securities der Agentur Bloomberg. „Bisher ist die Erfolgsbilanz ausländischer Internetunternehmen in China sehr, sehr ärmlich.“ Interessant ist der Markt allemal. Nach Angaben des China Internet Network Information Center gibt es in dem Land fast 460 Millionen Internetnutzer; das sind mehr als in Amerika und Japan zusammengenommen. Nach Erhebungen der Investmentgruppe Susquehanna International (SIG) betrugen die Werbeausgaben im chinesischen Internet 2010 rund 3,9 Milliarden Dollar. Sie wüchsen um mehr als 30 Prozent im Jahr und könnten bis 2014 fast 13 Milliarden Dollar erreichen. Bisher werden 12 Prozent davon in sozialen Netzwerken ausgegeben, hat SIG errechnet, doch dürfte sich der Anteil im genannten Zeitraum verdoppeln. Das wären dann fast 3,1 Milliarden Dollar.</p><p>Bisher profitieren nur heimische Anbieter von diesem Wachstum. Als größte soziale Netzwerke gelten Renren.com, Kaixin001 sowie Qzone von Chinas profitabelstem Internetkonzern Tencent. Tencent ist vor allem für seinen Kommunikationsdienst (Instant Messenger) QQ bekannt, doch sind bei Qzone nach Unternehmensangaben schon mehr als 480 Millionen Nutzer registriert; Facebook hat etwa 500 Millionen. Nach Informationen von Analysts International, einem Dienstleister für Informationstechnik, verzeichnet Renren 160 Millionen eingetragene Kunden, Kaixin001 bringe es auf mehr als 93 Millionen. Renren („Jedermann“), das ursprünglich Xiaonei („in der Schule“) hieß und ein reines Studentennetzwerk war, wurde 2006 von der Pekinger Technologieholding Oak Pacific Interactive übernommen. 2009 erwarb eine Investorengruppe um den japanischen Mobilfunkbetreiber Softbank 35 Prozent an Oak Pacific. Seitdem ist das Ausland zumindest über Finanzanteile an einem sozialen Netzwerk in China beteiligt.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2011/02/15/soziale-netzwerke-sind-china-ein-dorn-im-auge/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>US-Erkenntnisse: Wie Chinas innerster Machtzirkel tickt</title><link>http://tibetfocus.com/2010/12/07/us-erkenntnisse-wie-chinas-innerster-machtzirkel-tickt/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/12/07/us-erkenntnisse-wie-chinas-innerster-machtzirkel-tickt/#comments</comments> <pubDate>Tue, 07 Dec 2010 21:07:08 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[China]]></category> <category><![CDATA[Chinesische Regierung]]></category> <category><![CDATA[Hu Jintao]]></category> <category><![CDATA[Kommunistische Partei]]></category> <category><![CDATA[Propaganda]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=6704</guid> <description><![CDATA[Der Spiegel, 4.12.10 - Informanten erzählen US-Diplomaten erstaunliche Interna über Chinas Staatsspitze. Angeblich sind viele Kader eng mit der Wirtschaft verbandelt. Und überraschenderweise soll im Politbüro “wahre Demokratie” herrschen — autoritär gehe es nur bei einem Thema zu: Tibet. Gibt es im diktatorischen China einen Platz, an dem es demokratisch zugeht, wo gar diskutiert und [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Der Spiegel, 4.12.10 -<br /> Informanten erzählen US-Diplomaten erstaunliche Interna über Chinas Staatsspitze. Angeblich sind viele Kader eng mit der Wirtschaft verbandelt. Und überraschenderweise soll im Politbüro “wahre Demokratie” herrschen — autoritär gehe es nur bei einem Thema zu: Tibet.</p><p>Gibt es im diktatorischen China einen Platz, an dem es demokratisch zugeht, wo gar diskutiert und abgestimmt wird — und nicht nur befohlen oder dekretiert? Ein solcher Ort existiert, er soll dort liegen, wo man ihn am wenigsten vermutet: im Herzen von Chinas Macht.</p><p>Glaubt man Quellen der amerikanischen Diplomaten in Peking, so herrscht ausgerechnet im Politbüro, jenem geheimnisvollen Spitzengremium aus 24 Männern und einer Frau, “wahre Demokratie”.</p><p>Niemand weiß genau, wer was warum an Chinas Spitze beschließt, wer was denkt, wer sich mit wem verbündet und wer überhaupt etwas zu sagen hat. Öffentliche Debatten sind selten. Durch Gespräche mit Funktionären gelang es Experten der US-Botschaft jedoch, den innersten Kreis des bevölkerungsreichsten Landes der Welt etwas zu durchschauen.</p><p>Aus den Botschaftsdepeschen ergibt sich Verblüffendes: Kaum ein Beschluss, sei er noch so heikel, werde von Hu Jintao oder Wen Jiabao, den Granden der Kommunistischen Partei Chinas, autoritär gefällt. Die Spitzenfunktionäre entschieden meist im Kollektiv. Wenn es um die große politische Linie gehe, etwa um das Verhältnis zu Taiwan oder Nordkorea, würden sogar alle 25 Mitglieder des Politbüros einbezogen, spezielle Probleme entscheide der neunköpfige Ständige Ausschuss.</p><p>Der kenne keine Abstimmungen, berichten die Amerikaner nach Washington, es werde so lange konferiert und abgewogen, bis ein Konsens erreicht sei. Dabei habe “Hu Jintaos Stimme am meisten Gewicht”, zitieren die US-Diplomaten eine Quelle mit Zugang zum inneren Machtzirkel: “Es ist ein Konsenssystem, in dem Mitglieder das Recht haben, ein Veto einzulegen.”</p><p>So wollen die KP-Regenten wohl verhindern, dass einer von ihnen zu mächtig wird. Dieses Prinzip, so erfuhren die Amerikaner, gelte allerdings nicht für ein besonders heikles Thema: den Dalai Lama und Tibet. Hier halte Staats– und Parteichef Hu Jintao allein das Heft in der Hand, hier habe er “völlig” die Kontrolle.</p><p>Der Dalai Lama ist in seinen Augen ein Verräter und Separatist. Aufständische müssten hart bestraft oder umerzogen werden — so wie Hu es in seiner Zeit als KP-Chef auf dem Dach der Welt von 1988 bis 1992 selbst vorführte. Wer einen milderen Kurs fahren wolle, riskiere seine Karriere, hören die US-Diplomaten.</p><p>Bei ihren Entscheidungen ließen sich Chinas Führer, erfuhren die amerikanischen Diplomaten, ansonsten häufig von ihren eigenen Interessen leiten. Politbüromitglied ZhouYongkang, oberster Parteipolizist, sei zum Beispiel eng mit der staatlichen Ölindustrie verbandelt. Jia Qinglin, in Chinas Machthierarchie die Nummer vier, pflege gute Kontakte zu Pekings Bauindustrie. Hu Jintaos Schwiegersohn war Chef des großen Internetunternehmens sina.com. Und Wen Jiabaos Ehefrau soll, so eine Quelle, die Edelstein-Industrie kontrolliert haben.</p><p>Viele der 25 Bosse hätten zudem “enge Verbindungen” vor allem zu Immobilienmagnaten, die zum Teil selbst Funktionäre sind. Denn Parteiposten seien in der KP durchaus käuflich. Damit sich solche Investitionen schnell auszahlen, würden vor allem diese Kader zu Wirtschaftswachstum ohne Rücksicht auf Umwelt und Menschen drängen.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/12/07/us-erkenntnisse-wie-chinas-innerster-machtzirkel-tickt/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>China will offenbar den Handel mit Körperteilen von Tigern legalisieren</title><link>http://tibetfocus.com/2010/11/16/china-will-offenbar-den-handel-mit-korperteilen-von-tigern-legalisieren/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/11/16/china-will-offenbar-den-handel-mit-korperteilen-von-tigern-legalisieren/#comments</comments> <pubDate>Tue, 16 Nov 2010 21:03:28 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[China]]></category> <category><![CDATA[Tiger]]></category> <category><![CDATA[Umweltzerstörung]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=6657</guid> <description><![CDATA[NOG online, 12.11.10 - Nach Informationen der Artenschutzorganisation WWF (World Wildlife Fund) erwägt die chinesische Regierung, den seit 1993 in China verbotenen Handel mit Körperteilen von Tigern wieder frei zu geben. Nach Ansicht des WWF würde die Freigabe die Situation der vom Aussterben bedrohten Tiger-Populationen in Asien dramatisch verschärfen. “Die Pläne müssen unbedingt gestoppt werden. [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>NOG online, 12.11.10 -<br /> Nach Informationen der Artenschutzorganisation WWF (World Wildlife Fund) erwägt die chinesische Regierung, den seit 1993 in China verbotenen Handel mit Körperteilen von Tigern wieder frei zu geben. Nach Ansicht des WWF würde die Freigabe die Situation der vom Aussterben bedrohten Tiger-Populationen in Asien dramatisch verschärfen. “Die Pläne müssen unbedingt gestoppt werden. Die Zukunft des Tigers steht auf dem Spiel”, meint Volker Homes vom WWF.</p><p>Nur sechs der vormals neun Unterarten des Tigers leben nach Angaben des WWF noch. Ihr Bestand werde auf weniger als 5.000 Tiere geschätzt. In China werden Tiger offenbar in kommerziellen Einrichtungen gezüchtet. Ihre Körperteile wie Knochen, Zähne und Hoden galten in der traditionellen asiatischen Medizin lange als Heilmittel gegen Beschwerden wie Rheuma oder Asthma, schreibt die Artenschutzorganisation. Obwohl sie verboten seien, fänden Tigerarzneien immer noch Verwendung. Wichtigste Abnehmerländer für die illegalen Produkte seien Taiwan, Korea, China, Japan, Singapur und Malaysia. Im August habe der taiwanesische Zoll 140 Kilogramm Tigerknochen beschlagnahmt.</p><p>Ein neuer Markt für Produkte aus der chinesischen “Tiger-Zucht” würde wild lebende Tiger in ganz Asien neuer Verfolgung aussetzen, befürchtet der WWF. “Wilderer werden verstärkt Tiger schießen, um illegale Märkte zu beliefern”, befürchtet Volker Homes. Die Freigabe des Handels würde auch ein falsches Signal an die chinesischen Verbraucher senden. Leicht könne der Eindruck entstehen, es sei nichts dabei, Tigerprodukte zu kaufen.</p><p>Das chinesische Handelsverbot von 1993 hatte nach Auffassung des WWF einen großen Fortschritt gebracht. Die Nachfrage nach Tigerprodukten habe erfolgreich eingedämmt werden können. “Werden die aktuellen Pläne umgesetzt, wird die exzellente Arbeit der chinesischen Regierung zu Nichte gemacht”, so Homes. China habe sich bei Verstößen gegen den illegalen Tierhandel “durch hartes Vorgehen” zuletzt vorbildlich verhalten. Ein Rückschritt beim Tigerschutz mache da keinen Sinn. Vor allem nicht, weil es in der modernen asiatischen Medizin Alternativen zu Tigerheilmitteln gebe.</p><p>Sorge bereitet dem WWF auch der Markt für Tiger– und Leopardenfelle, der sich derzeit in Tibet entwickele. Jedes Jahr würden in der Region Hunderte Raubkatzen getötet, um die steigende Nachfrage zu befriedigen. Im August im Zentrum der tibetischen Hauptstadt Lhasa 23 Geschäfte gezählt worden, die Felle und Körperteile von Tigern und Leoparden verkauften. Die Artenschützer fordern die chinesischen Behörden in Tibet auf, die illegale Nachfrage nach Tiger– und Leopardenprodukten so schnell wie möglich einzudämmen und die Kontrollen entlang der Handelswege zu verschärfen.</p><p><a href="http://www.wwf.de/themen/artenschutz/medizin-aus-der-natur/tiere-in-der-medizin/" target="_self">WWF-Artikel über Tigermedizin</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/11/16/china-will-offenbar-den-handel-mit-korperteilen-von-tigern-legalisieren/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>2</slash:comments> </item> <item><title>Vergiftete Hilfe für Tibet</title><link>http://tibetfocus.com/2010/10/23/vergiftete-hilfe-fur-tibet/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/10/23/vergiftete-hilfe-fur-tibet/#comments</comments> <pubDate>Sat, 23 Oct 2010 21:44:34 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[China]]></category> <category><![CDATA[Chinesische Regierung]]></category> <category><![CDATA[Peking]]></category> <category><![CDATA[Tibet]]></category> <category><![CDATA[Tibeter]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=6559</guid> <description><![CDATA[Wirtschafts-Woche, 22.10.10, von Matthias Kamp (Peking) Die Regierung in Peking bemüht sich seit zehn Jahren, die Unruheregion Tibet durch Entwicklung und Wohlstand zu befrieden. Doch davon profitieren mehr zugereiste Chinesen als Tibeter. Scheinbar endlos erstreckt sich die Steppe am Rande des Städtchens Damxung im Osten Tibets. Auf den Wiesen haben ein paar Nomaden ihre Zelte [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Wirtschafts-Woche, 22.10.10, von Matthias Kamp (Peking)</p><p>Die Regierung in Peking bemüht sich seit zehn Jahren, die Unruheregion Tibet durch Entwicklung und Wohlstand zu befrieden. Doch davon profitieren mehr zugereiste Chinesen als Tibeter.</p><p>Scheinbar endlos erstreckt sich die Steppe am Rande des Städtchens Damxung im Osten Tibets. Auf den Wiesen haben ein paar Nomaden ihre Zelte aufgebaut, davor grasen Yaks, eine besonders robuste Rinderart. Zwischen den Zelten trocknet der aufgestapelte Dung der Tiere. Im kalten tibetischen Winter heizen die Hirten damit. Im Hintergrund erheben sich imposante Sechs– und Siebentausender mit ihren schneebedeckten Gipfeln. Smog und Dunst wie im Osten Chinas kennen die Menschen hier nicht.</p><p style="text-align: center;"><a rel="attachment wp-att-6562" href="http://tibetfocus.com/2010/10/23/vergiftete-hilfe-fur-tibet/5100tibetwasser/"><img class="alignleft size-medium wp-image-6563" title="5100Tibetwasser1" src="http://tibetfocus.com/wp-content/uploads/2010/10/5100Tibetwasser1-300x158.jpg" alt="Tibetwasser1" width="370" height="195" /><img class="size-medium wp-image-6562 aligncenter" title="5100Tibetwasser" src="http://tibetfocus.com/wp-content/uploads/2010/10/5100Tibetwasser-300x200.jpg" alt="Tibetwasser2" width="300" height="200" /></a></p><p>Inmitten dieser Bergidylle, rund drei Autostunden nördlich der Hauptstadt Lhasa, steht eine weiße Fabrikhalle. Ein Unternehmen aus Hongkong füllt hier Mineralwasser ab. Jiang Xiaohong, Direktor des Werks, führt die Besucher stolz über das Gelände. Modernste Abfüllanlagen des bayrischen Herstellers Krones haben die Hongkonger für ihre Fabrik in Tibet angeschafft. Eine Produktionslinie kostet rund zwölf Millionen Dollar, Jiangs Fabrik hat fünf davon. Insgesamt haben die Hongkonger rund 74 Millionen Dollar in die Fabrik in Damxung investiert.</p><p>Seit 2006 laufen die kleinen Flaschen mit dem Mineralwasser der Marke 5100 von den Bändern. Der Name steht für einen Gletscher in 5100 Meter Höhe, dessen Schmelzwasser die 150 Arbeiter des Werks aufbereiten und abfüllen. 5100 gilt als Premiummarke und wird im ganzen Land verkauft. Vor allem bei den wohlhabenden Chinesen im Osten des Landes findet das Edel-Wasser reißenden Absatz. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz des Herstellers auf umgerechnet 34 Millionen Dollar – ein Plus von 300 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „In diesem Jahr werden wir auch wieder kräftig zulegen“, sagt Direktor Jiang.</p><p>Geld für Strassen und Häuser</p><p>Geht es nach dem Willen der chinesischen Regierung, sieht es auch in anderen Teilen Tibets bald so aus wie in dem Städtchen Damxung. Denn Peking will die Provinz Tibet, die formal den Status einer autonomen Region hat, wirtschaftlich weiter entwickeln. Vor zehn Jahren startete Peking dazu eine sogenannte Go-West-Initiative. Denn bislang haben vor allem die Provinzen im Osten vom Boom der vergangenen Jahrzehnte profitiert.</p><p>Vor allem Tibet, das immer wieder von ethnischen Unruhen – zuletzt im März 2008 – erschüttert wird, gilt die besondere Aufmerksamkeit der Parteiführer. Zunehmender Wohlstand, so das Kalkül der Regierung, werde die Tibeter, die über religiöse Unterdrückung und soziale Ausgrenzung klagen, langfristig befrieden. Mehr als 41 Milliarden Dollar, erklärt Hao Peng, Tibets stellvertretender KP-Sekretär, hat die Zentralregierung darum in den vergangenen zehn Jahren nach Tibet gepumpt. Allein im vergangenen Jahr flossen rund drei Milliarden Dollar in die Region mit ihren 2,9 Millionen Einwohnern, gegenüber 2008 ein Plus von 31 Prozent. Einen großen Teil des Geldes hat die Regierung in den Aufbau der Infrastruktur auf dem Dach der Welt investiert.</p><p>Auf den ersten Blick können sich die Erfolge sehen lassen. Die Fahrt von Lhasa Richtung Norden geht über gut ausgebaute Straßen, links und rechts der Trasse glänzen nagelneue Hochspannungsmasten. Selbst die abgelegensten Dörfer sind inzwischen an das Stromnetz angeschlossen. Auf einer Seite der Straße verläuft die Bahnlinie, die seit 2006 Tibets Hauptstadt Lhasa mit dem Rest des Landes verbindet. Auch auf mehr als 5000 Meter Höhe zeigt das Mobiltelefon noch Empfang. Die meisten der Ortschaften haben eine Schule und ein Krankenhaus. In den vergangenen zehn Jahren erhielten mehr als 1,2 Millionen Tibeter Anschluss an eine Trinkwasserversorgung.</p><p>Überdurchschnittliches Wachstum</p><p>Auch der Wohnungsbau boomt. In Lhasa und Shigatse wachsen moderne Apartmenthochhäuser mit 20 und mehr Etagen in den Himmel. Auf den Landstraßen bewegen sich im Minutentakt Lkws, beladen mit Baumaschinen, Ziegelsteinen und Zement. Sie werden aus den Nachbarprovinzen Sichuan, Gansu und Qinghai in die unwirtliche Berggegend geschickt. Die größtenteils öffentlichen Investitionen schlagen sich inzwischen auch in den Statistiken nieder. Seit 2000 ist Tibets Wirtschaft um durchschnittlich 11,9 Prozent pro Jahr gewachsen, stärker als im Landesdurchschnitt. Die Wirtschaftsleistung der Region hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf 6,45 Milliarden Dollar verdreifacht. Das durchschnittliche Jahreseinkommen der tibetischen Bauern stieg in dieser Zeit von 177 auf 516 Dollar.</p><p>Doch trotz der erreichten Fortschritte hinkt Tibet dem Rest des Landes weit hinterher. Während die Wirtschaftsleistung pro Kopf im chinesischen Landesdurchschnitt im vergangenen Jahr bei rund 3700 Dollar lag, erwirtschaftet jeder Tibeter nur rund 2100 Dollar. „Unser Ziel ist es, das Einkommen der Bevölkerung in den nächsten Jahren auf den Landesdurchschnitt zu heben“, sagt der stellvertretende tibetische KP-Sekretär Hao.</p><p>Im Januar hat daher das KP-Zentralkomitee weitere Schritte zur Entwicklung der Region beschlossen – auch, um den nach wie vor schwelenden ethnischen Konflikt zwischen Tibetern und Han-Chinesen zu entschärfen. So will die Regierung Milliarden in den Aufbau der tibetischen Wirtschaft investieren. Den Schwerpunkt setzt Peking dabei auf den weiteren Ausbau der Infrastruktur, des Fremdenverkehrs und der Landwirtschaft sowie auf die Ausbeutung der Bodenschätze. Die Stabilität Tibets, verkündete Chinas Parteisekretär Hu Jintao, sei für Chinas Regierung neben der Verkleinerung der Kluft zwischen Arm und Reich und den Unruhen in der Region Xinjiang eine der drei großen Herausforderungen der kommenden Jahre.</p><p>Um Tibets Wirtschaft weiter voranzubringen, wollen die KP-Führer die Zahl der Touristen bis 2020 auf jährlich 20 Millionen vervierfachen. Dazu will die Regierung mehr Hotels bauen und Sehenswürdigkeiten restaurieren. In der Präfektur Nagqu soll in 4436 Meter Höhe für 264 Millionen Dollar ein ultramoderner Flughafen entstehen. Die Bauarbeiten für den „höchstgelegenen Airport der Welt“, so Peking, sollen noch dieses Jahr beginnen.</p><p>Besonderen Stellenwert hat für Peking aber der Abbau der Bodenschätze in der schwer zugänglichen Bergregion. Chinas großer Bergbaukonzern, die China National Gold Group, hat gerade mit dem Bau eines Bergwerks begonnen, das in vollem Betrieb einen täglichen Ausstoß von 15 000 Tonnen erreichen soll. In den Bergen und im Boden Tibets lagern mehr als 3000 Mineralien und Metalle, darunter Chinas größte Chrom– und Kupfervorkommen. In zehn Jahren, sagt ein tibetischer Regierungsvertreter, könne der Bergbau 30 Prozent zur Wirtschaftsleistung Tibets beisteuern. Zurzeit sind es etwa drei Prozent.</p><p>Zinsgünstige Kredite</p><p>Doch wichtiger noch, als für kräftiges Wachstum zu sorgen, wird es sein, eine gerechte Verteilung der Wohlstandszuwächse sicherzustellen. Denn bislang profitieren vor allem die größtenteils zugewanderten und besser ausgebildeten Han-Chinesen von dem wirtschaftlichen Aufschwung. Die meisten Tibeter dagegen gehen leer aus. Die Kluft zwischen den beiden Volksgruppen ist tiefer als je zuvor.</p><p>Kaum eine Autostunde außerhalb von Lhasa, in der malerischen Steppe, bestürmen Scharen bettelnder Kinder ausländische Touristen. Die Hosen und Jacken der Kleinen sind teils zerrissen, die Gesichter dreckverschmiert. Die tibetischen Kinder betteln nicht in erster Linie um Geld – schon ein Apfel oder ein trockenes Brötchen löst Freudestrahlen aus. Die Früchte der zehnjährigen Go-West-Initiative, so scheint es, sind längst noch nicht bei allen angekommen.</p><p>Wie sehr die eher spirituell orientierten Tibeter gegenüber den geschäftstüchtigen und pragmatischen Han-Chinesen ins Hintertreffen geraten sind, zeigt sich in dem Dorf Gaba vor den Toren Lhasas. Für 173 tibetische Bauernfamilien hat die Regierung hier moderne Häuser mit drei bis vier Zimmern gebaut. Um für die Häuser zahlen zu können, bekamen die Bewohner zinsgünstige Kredite von lokalen Banken. Doch statt wie früher Weizen anzubauen, verpachten die Tibeter ihr Land nun an zugewanderte Han-Chinesen – unter anderem, um die Darlehen tilgen zu können. Die Han-Chinesen bauen auf dem Land jetzt eine Vielzahl von Gemüse– und Obstsorten an.</p><p>Flucht in den Alkohol</p><p>Die Tibeter dagegen sitzen zu Hause. „Einige der Männer hier haben einen Job auf einer Baustelle gefunden, andere gehen in die Berge und sammeln seltene Steine, um sie dann zu verkaufen“, sagt Cang Juezhuo, die mit ihrem Mann in dem Dorf wohnt. Die meisten Dorfbewohner aber haben den ganzen Tag nichts zu tun und leben von dem, was nach Zahlung der Kreditraten von der Landpacht übrigbleibt. Die Han-Chinesen dagegen erwirtschaften mit dem Ackerland satte Profite. „Die schaffen drei Ernten pro Jahr“, sagt die Bewohnerin Cang, „wir kamen immer nur auf eine. Wir kennen die modernen Anbaumethoden einfach nicht.“ Manche Experten fürchten bereits, die Tibeter könnten eines Tages so enden wie die Indianer in Amerika oder die Ureinwohner in Australien: Die haben sich aus Langeweile am Ende in den Alkohol geflüchtet.</p><p>Kritiker bemängeln zudem, dass die meisten Jobs auf den Großbaustellen, in den Bergwerken und im Tourismus an Han-Chinesen gehen. „Die großen Baufirmen und Rohstoffkonzerne bringen mit dem Geld auch die Arbeiter nach Tibet mit“, sagt die Schriftstellerin Woeser, die wie viele Tibeter nur einen Namen trägt.</p><p>Viele Han-Chinesen kommen so nach Tibet, um dort dauerhaft zu leben. Die neue Bahnlinie zwischen Lhasa und dem Osten des Landes hat den Zustrom noch verstärkt. Peking versucht, das Problem herunterzuspielen, und spricht von „einzelnen Zuwanderern“. Doch in manchen Stadtteilen Lhasas und Shigatses wohnen inzwischen fast ausschließlich Han-Chinesen aus den Nachbarprovinzen Sichuan, Gansu und Qinghai. „Zum Geldverdienen ist Tibet prima“, sagt etwa ein Getränkehändler in der Innenstadt von Lhasa, der vor zwölf Jahren nach Tibet gekommen ist. In dem kleinen Laden an einer der Hauptstraßen der Stadt stapeln sich Paletten mit Cola, Eistee und Bier, aber auch teure chinesische Schnäpse hat der Chinese im Angebot.</p><p>Als die Sonne langsam hinter den mächtigen Sechstausendern verschwindet und der Kundenstrom dünner wird, setzt sich der Alte vor seinen Laden. „In dem Stadtteil hier sind rund die Hälfte der Bewohner Han-Chinesen“, erzählt der Händler. Fast alle betrieben Geschäfte, die Tibeter könnten das nicht. „Die haben einfach keine Kultur.“ Die Volksgruppen trennt nicht nur das, was sie im Geldbeutel haben, sondern auch, was in ihren Köpfen vorgeht. Hin und wieder komme es noch zu gewaltsamen Zwischenfällen zwischen Tibetern und Han-Chinesen, erzählt der Geschäftsmann aus der Nachbarprovinz Sichuan.</p><p>„Die Situation in Tibet ist stabil und harmonisch“, behauptet dagegen ein Regierungsvertreter in Peking. Trotzdem begegnen Tibet-Besuchern überall lange Militärkonvois. Manche der Verbände umfassen mehr als 100 Armee-Lkws. In Lhasa patrouilliert vor dem Jokhang-Tempel, der wichtigsten religiösen Stätte der Tibeter, zudem bewaffnete Polizei. Außerdem hat Peking in den Nachbarprovinzen Zivilisten rekrutiert, die in der Unruheregion als Spitzel arbeiten und jede Störung melden sollen. Jeder noch so kleine Widerstand soll im Keim erstickt werden. Von Harmonie kann keine Rede sein.</p><p>Lautsprecher-Propaganda</p><p>Doch nicht nur mit Armee, Polizei und Geheimdienst versucht die KP, in Tibet für Ruhe zu sorgen. Auch Propaganda und Verbote sollen den Widerstand der streng gläubigen Tibeter brechen. „Wir sind alle Chinesen. Alle 56 Nationalitäten des Landes stehen zusammen“, plärrt es aus großen Lautsprechern neben dem Potala-Palast in Lhasa, während einheimische Pilger vorbeiziehen. Tibetischen Staatsbediensteten untersagen die Behörden den Tempelbesuch gleich ganz. Die Eltern der Schriftstellerin Woeser etwa haben bis zu ihrem Ruhestand als Beamte gearbeitet. Wenn sie einen Tempel betreten, verfallen automatisch ihre Rentenansprüche.</p><p>Viele der tibetischen Mönche können Terror, Propaganda und Unterdrückung nicht mehr ertragen. Sie verlassen ihre Klöster; oft ziehen sie um in angrenzende Provinzen. „Doch dort finden sie meist kein neues Kloster, das sie aufnimmt“, sagt Woeser, die schätzt, dass seit den Rassenunruhen im März 2008 in vielen Klöstern rund zwei Drittel der Mönche gegangen sind. Im Drepung-Kloster außerhalb Lhasas etwa erzählt ein Mönch, von einst 2000 Mönchen seien heute noch 200 da.</p><p>Bildungsangebot</p><p>Um den ethnischen Konflikt langfristig zu entschärfen, setzt Tibets stellvertretender KP-Sekretär Hao vor allem auf bessere Bildung. In Shigatse, westlich von Lhasa, etwa hat die Stadt Shanghai eine moderne Schule für mehr als 1000 Schüler gebaut. Dort lernen hauptsächlich Tibeter unter anderem Chinesisch, um später bessere Jobchancen zu haben. Doch die wichtigste Lektion haben die Lehrer auf die Tafel ganz hinten im Klassenraum geschrieben. „Mit ganzem Herzen den 89. Geburtstag der Kommunistischen Partei feiern“, steht dort in großen Schriftzeichen unter dem Symbol von Hammer und Sichel.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/10/23/vergiftete-hilfe-fur-tibet/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo — Worte, die wie Schläge sind</title><link>http://tibetfocus.com/2010/10/09/friedensnobelpreis-fur-liu-xiaobo-worte-die-wie-schlage-sind/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/10/09/friedensnobelpreis-fur-liu-xiaobo-worte-die-wie-schlage-sind/#comments</comments> <pubDate>Sat, 09 Oct 2010 07:16:18 +0000</pubDate> <dc:creator>SG</dc:creator> <category><![CDATA[China]]></category> <category><![CDATA[Liu Xiabo]]></category> <category><![CDATA[Nobelpreis]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=6461</guid> <description><![CDATA[Von Alex Rühle, Süddeutsche Zeitung, 8.10.10: Die chinesische Literatur wird bis heute von der Zensurbehörde beobachtet, gegängelt und kontrolliert. Die Schriftsteller lässt man dabei oftmals unbehelligt — man beraubt sie stattdessen ihrer Kanäle. Es erscheinen 150 000 Bücher pro Jahr, es gibt zig Millionen chinesischer Seiten im Internet und so viele Blogs wie nirgends sonst auf [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Alex Rühle, Süddeutsche Zeitung, 8.10.10:</em></p><p><strong>Die chinesische Literatur wird bis heute von der Zensurbehörde beobachtet, gegängelt und kontrolliert. Die Schriftsteller lässt man dabei oftmals unbehelligt — man beraubt sie stattdessen ihrer Kanäle.</strong></p><p>Es erscheinen 150 000 Bücher pro Jahr, es gibt zig Millionen chinesischer Seiten im Internet und so viele Blogs wie nirgends sonst auf der Welt — auf den ersten Blick könnte man meinen, dass es in China keine Zensur mehr gibt. Und viele der Schriftsteller, die unbehelligt schreiben dürfen, führen ihre verlegten Bücher als Beweis dafür an, dass sie in China in der besten aller Welten leben.</p><p>Autoren, die aufbegehren, die es wagen über eines der “drei T” zu schreiben — Tibet, Taiwan, Tiananmen — oder versuchen, die riesigen blinden Flecken der Geschichte in den Blick zu nehmen, werden von diesen Schriftstellern oftmals rundheraus verleugnet. Die Leiterin des chinesischen PEN-Clubs behauptete bei einer Begegnung im vergangenen Sommer sogar, nie im Leben von Liu Xiaobo gehört zu haben. Das müsse ein Irrtum sein, sagte sie, einen Schriftsteller dieses Namens gebe es nicht.</p><p>Womit sie in gewisser Weise sogar recht hat: Offiziell gibt es diese Menschen und ihre Texte gar nicht. So wie Tsering Woeser, die Frau, die es wagt, über Tibet zu schreiben: Ihr Blog wurde geschlossen, ihre Texte sind verboten, sie durfte noch nie aus China ausreisen. Oder Liao Yiwu, der Autor und Straßenmusiker aus Sichuan, der sich selbst als “die Stimme der einfachen Leute” definiert. Und sein Schreiben als “Bewahren von Erinnerungen”; Erinnerungen, die die Regierung lieber getilgt wüsste: Seine mehr als 300 Texte, die jeweils ein ganzes Leben an den Rändern der chinesischen Gesellschaft kondensieren, zirkulieren nur in Raubkopien auf dem Schwarzmarkt. Schließlich spuken durch diese Texte die 30 bis 40 Millionen Menschen, die während des Großen Sprungs nach vorne verhungerten, die unglaublich destruktiven Kräfte der Kulturrevolution, kurzum all die düsteren Kapitel der jüngeren Geschichte, die kollektiv verschwiegen werden.</p><p>Liu Xiaobo und seine Mitstreiter schrieben in der Charta 08: “Wir sollten die Praxis beenden, Worte als Verbrechen anzusehen.” Wie sehr die chinesische Literatur bis heute beobachtet, gegängelt, kontrolliert wird, zeigt sich schon an der Tatsache, dass der ganze Betrieb der obersten Zensurbehörde untersteht. Andererseits wissen die Behörden auch, dass Verhaftungen und sichtbare Repressalien den Autoren oftmals Publicity einbringen (bestes Beispiel ist ja nun der frischgekürte Liu, der bis zum heutigen Tag nur wenigen Menschen bekannt gewesen sein dürfte). Weshalb man die Schriftsteller oftmals unbehelligt lässt.</p><p>Dafür werden stattdessen in aller Stille die Redakteure und Herausgeber bestraft, Medien und Verlage geschlossen. Was den effizienten Nebeneffekt hat, dass die Autoren keinerlei Kanäle mehr haben, wenn die Medien gehorchen. Genau aus diesem Grund bezeichnete Liu Xiaobo das Internet vor einigen Jahren mal als “Gottes Geschenk an China”. Seine Charta 08, der er den Nobelpreis zu verdanken hat, zirkuliert noch immer im Netz.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/10/09/friedensnobelpreis-fur-liu-xiaobo-worte-die-wie-schlage-sind/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>1</slash:comments> </item> </channel> </rss>
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