<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> <rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/" xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/" ><channel><title>tibetfocus.com &#187; Dalai Lama</title> <atom:link href="http://tibetfocus.com/category/dalai_lama/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://tibetfocus.com</link> <description></description> <lastBuildDate>Tue, 27 Jul 2010 14:29:21 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=abc</generator> <item><title>NDTV-Gespräch (engl.) und Medienspiegel zum 75. Geburtstag S.H. des Dalai Lamas am 6. Juli</title><link>http://tibetfocus.com/2010/07/05/ein-wortgewandter-ohne-macht-der-dalai-lama-begeht-am-6-juli-seinen-75-geburtstag/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/07/05/ein-wortgewandter-ohne-macht-der-dalai-lama-begeht-am-6-juli-seinen-75-geburtstag/#comments</comments> <pubDate>Mon, 05 Jul 2010 20:33:58 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Dalai Lama]]></category> <category><![CDATA[Facebook]]></category> <category><![CDATA[Franz Alt]]></category> <category><![CDATA[Mitgefühl]]></category> <category><![CDATA[Tibet]]></category> <category><![CDATA[Tibeter]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=6031</guid> <description><![CDATA[NDTV — Gespräch anlässlich des 75. Geburtstags S. H. des Dalai Lama in Dharamsala (56 Min., engl.) Tausende Tibeter feiern 75. Geburtstag des Dalai Lama, China unterbindet Feierlichkeiten Freie Presse, 6.7.10 Tausende Tibeter haben den 75. Geburtstag des Dalai Lama gefeiert. 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Geburtstags S. H. des Dalai Lama in Dharamsala (56 Min., engl.)</h3><h3></h3><h3>Tausende Tibeter feiern 75. Geburtstag des Dalai Lama, China unterbindet Feierlichkeiten</h3><p>Freie Presse, 6.7.10</p><p>Tausende Tibeter haben den 75. Geburtstag des Dalai Lama gefeiert. Bei einer Feier in seinem indischen Exil in Dharamsala bedauerte das geistliche Oberhaupt der Tibeter, dass seine Anhänger in Tibet wegen der Unterdrückung durch China seinen Ehrentag nicht feiern dürften. Obwohl der 75-Jährige mit seinem charakteristischen Lächeln zwar gesundheitlich fit schien, hält die Debatte um seinen Nachfolger an.</p><p>Gut aufgelegt wandte sich der Dalai Lama in seinem Tempel in McLeod Ganj nahe Dharamsala an rund 5000 Anhänger, die dem strömenden Regen trotzten. Mit Blick auf eine Bilderwand, die Fotos aus seinem Leben zeigte, sagte der Friedensnobelpreisträger: “Wenn ich diese Bilder und diese Entwicklung sehe, dann weiß ich, dass ich mein Leben nicht verschwendet habe.”</p><p>Der Dalai Lama setzt sich für eine Lösung der Tibet-Frage ein. Sein Ziel ist nicht die Unabhängigkeit der unter chinesischer Herrschaft stehenden Himalaya-Region, sondern eine begrenzte Autonomie. China wirft ihm aber vor, unter dem Deckmantel der Religion die Abspaltung Tibets zu betreiben.</p><p>Auch im benachbarten Nepal, das die chinesische Politik gegenüber Tibet unterstützt, versuchten die Behörden, Feierlichkeiten zum 75. Geburtstag des geistlichen Oberhaupts der Tibeter zu verhindern. In der Hauptstadt Kathmandu nahm die Polizei rund 200 tibetische Flüchtlinge vorübergehend fest.</p><p>Der Dalai Lama wurde am 6. Juli 1935 unter dem bürgerlichen Namen Lhamo Dhondrub als Sohn armer Bauern geboren und bereits als Vierjähriger als Inkarnation des Dalai Lama entdeckt. Als China 1959 einen Aufstand der Tibeter blutig niederschlug, floh er nach Dharamsala, das bis heute die tibetische Exilregierung beherbergt. In den vergangenen Jahren ließ sein teils angeschlagener Gesundheitszustand immer wieder die Nachfolgefrage aufkommen. Sie ist bisher ungeklärt.</p><p>“Wir müssen auf den Tag vorbereitet sein und das bedeutet, dass wir eine starke Regierung im Exil brauchen und ein gutes Bildungssystem für die junge Generation”, sagte der Vorsitzende des Tibetischen Jugendkongresses, Tsewang Rigzin. Der Dalai Lama selbst glaubt aber auch an ein langes Leben. “Es gibt eine etwa 200 Jahre alte Prophezeiung. Die besagt, dass der Dalai Lama, der Tibet verlassen müsste, 113 Jahre alt wird”, sagte er der “Bild”-Zeitung. Darin gestand er auch, nachts gelegentlich von Frauen zu träumen. “Aber ich erinnere mich dann auch im Traum immer daran, dass ich ein Mönch bin.”</p><h3>Ein Wortgewandter ohne Macht: Der Dalai Lama begeht am 6. Juli seinen 75. Geburtstag</h3><p>Südwest-Presse, 3.7.10, von Klemens Ludwig -<br /> Tausende suchen seine Nähe, seinen Rat. Bei seiner eigenen Mission, der Verbesserung der Lebensumstände für die Tibeter, sind dem Dalai Lama jedoch die Hände gebunden. Kommende Woche wird er 75.</p><p>Wenn der Dalai Lama am 6. Juli seinen 75. Geburtstag begeht, wird überall auf der Welt gefeiert, ausgelassen in den Exilgemeinden der Tibeter; verstohlen in Tibet selbst, wo jedes Bekenntnis zu dem exilierten Oberhaupt Gefängnis und Folter nach sich zieht. Die weltweite Popularität des Dalai Lama hat schon lange Kultcharakter erreicht, Prominente aus aller Welt suchen seine Nähe. Jeder möchte etwas von seinem Lächeln, seinem Humor und seinen Weisheiten abbekommen, und so erfüllt sich in dieser Zeit das Vermächtnis seines Namens: “Lehrer des Weltenmeeres”. So haben ihn die Mongolen vor über 500 Jahren genannt. Er gilt als erleuchtetes Wesen, das stets aufs Neue freiwillig wiedergeboren wird, um der Menschheit zu dienen.</p><p>Der jetzige 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso war zwei Jahre alt, als hohe Äbte ihn entdeckten. Anschließend durchlief er eine Klosterausbildung, wurde aber parallel dazu mit 15 Jahren als politisches Oberhaupt eingesetzt. Die Bürde war schwer, wie er sich erinnert: “Als ich die Verantwortung übernahm, war ich ohne jede Erfahrung, wie man mit der Welt umgeht oder wie eine moderne Verwaltung aussieht. Selbst mit unserer eigenen traditionellen Weise zu regieren hatte ich keine Erfahrung.”</p><p>Hinter dem Humor gerät häufig in Vergessenheit, welche Tragödie das Leben des Dalai Lama bestimmt: Mit 24 Jahren musste er auf der Flucht vor der chinesischen Volksbefreiungsarmee seine Heimat verlassen. Heute sehen sich die Tibeter an den Rand der kulturellen Vernichtung gedrängt. Die politischen Ereignisse haben den Dalai Lama zu einer Figur der Weltpolitik gemacht, zu einem Symbol des gewaltfreien Widerstands gegen die mächtige chinesische Herrschaft.</p><p>Die jedoch zeigt sich unbeeindruckt. Seit dem tibetischen Volksaufstand vom Frühjahr 2008 hat sich die Repression noch verschärft; mehr Chinesen denn je siedeln nach Tibet und machen die Einheimischen zur Minderheit im eigenen Land. Dem steht der Dalai Lama machtlos gegenüber. “Seit 1959 bin ich ein Staatenloser, ein Flüchtling und den größten Teil meines Lebens habe ich außerhalb von Tibet als Flüchtling verbracht. Aber das Schlimmste in all den Jahren waren die Nachrichten aus Tibet, fast alles waren traurige Nachrichten.”</p><p>Die Strategie des Dalai Lama ist kompromisslos-gewaltfrei. Häufig wird er mit Mahatma Gandhi verglichen, doch ihre Vorgehensweise unterscheidet sich; der Dalai Lama lehnt selbst Hungerstreiks ab, denn das sei Gewalt gegen sich selbst.</p><p>Der Verzicht auf jedwede Provokation und der Versuch, möglichst viele Menschen zu erreichen, lassen sich nur aus seinem Selbstverständnis als buddhistischer Mönch erklären. Als solcher ist er dem Wohlergehen aller verpflichtet, dem der Chinesen ebenso wie dem der Tibeter; dem der Nicht-Buddhisten wie dem der Buddhisten. Das ist gerade für junge Tibeter schwer nachzuvollziehen und politisch nicht immer klug. Für seine abendländischen Bewunderer liegt darin die Faszination.</p><p>Auch seine Forderungen sind moderat. Er verlangt längst nicht mehr die Unabhängigkeit, um Verhandlungen mit Peking zu ermöglichen. Bei einer echten Autonomie solle China die völkerrechtliche Souveränität über Tibet ausüben. Die chinesische Führung honoriert das Entgegenkommen nicht. Stereotyp erklärt sie, der Dalai Lama müsse Tibet als integralen Bestandteil Chinas anerkennen, bevor substantiellen Gespräche möglich seien.</p><p>Durch die ausbleibenden diplomatischen Erfolge wird die Autorität des Dalai Lama geschwächt. Der Tibetische Jugendkongress bekennt offen: “Er ist unsere religiöse, aber nicht unsere politische Leitfigur.” Die Aktivisten betrachten die Kompromissbereitschaft als Schwäche.</p><h3>Der Dalai Lama: Der natürlichste Mensch der Welt</h3><p>Würdigung  von Franz Alt zum 75. Geburtstag: »Mitgefühl ist die Basis«</p><p>Nürnberger Nachrichten, 5.7.10:<br /> »Mein Alltag sieht genauso aus wie der aller Mönche, Freiheitskämpfer, Politiker und Verwaltungsbeamten«, sagt der Dalai Lama und macht, was er am liebsten tut: er lacht lange und herzhaft. Er kann minutenlang lachen.</p><p>Einen normaleren und natürlicheren Menschen habe ich nie kennengelernt. Aber der Spiegel hat ihn in einer Titelgeschichte »Der Gott zum anfassen« genannt. Welch ein Missverständnis. Auch darüber kann er lange lachen. Richtig ist freilich, dass er weltweit als weisester und sympathischster Mensch auf Erden gilt. In Deutschland hat der Tibeter höhere Sympathiewerte als der Papst.</p><p>Auch für eine reife Persönlichkeit wie den Dalai Lama ist und war seine Kindheit prägend. Besonders eng war sein Verhältnis zu seiner Mutter. Eine starke Frau, die als Bäuerin in Feld und Haus arbeitete und 16 Schwangerschaften durchlebte. Ihr Sohn Lhamo Thongup, der spätere Dalai Lama, träumte schon mit zwei Jahren von einer Reise in Tibets Hauptstadt. »Ama, ich reite mit einem Pferd nach Lhasa« war eines seiner Lieblingssätze. Lhamo Thondup war das neunte Kind seiner Mutter. Sein Vater, Chökyang Tsering, war Bauer und Pferdehändler</p><p>Tief religiös</p><p>Seine Eltern waren — wie selbstverständlich in Tibet — tief religiös, und von ihnen lernte er die buddhistischen Rituale des Alltags: Die Gesten und Gebete vor dem Hausaltar, die Besuche in Klöstern, Achtung vor allem Lebendigem. Jeden Morgen zündete die Mutter Butterlampen an und betete vor dem Hausaltar mit ihren Kindern. Seine Mutter hat den späteren Dalai Lama viel mehr geprägt als der oft jähzornige Vater. Als ich ihn einmal fragte »Was ist Liebe?«, sagte er: »Das was ich von meiner Mutter gelernt habe.« In einem seiner Bücher schreibt der »Botschafter des Mitgefühls«, wie ihn die Tibeter gerne nennen: »Bei mir entstand das Mitgefühl durch meine Mutter. Wenn eine Mutter ihrem Kind das ganze Mitgefühl schenkt, kann es gar nicht genug davon bekommen. Mitgefühl ist die Basis von Gewaltlosigkeit.«</p><p>»Das Leid wird enden«</p><p>November 1989: Ich traf ihn zusammen mit Petra Kelly und Gert Bastian in der Freien Universität Berlin vor 2000 Studenten. Zuvor stand der Dalai Lama mit Bärbel Bohley und anderen Bürgerrechtlern der DDR auf der gerade geöffneten Berliner Mauer. »Als ich dort oben stand, reichte mir eine alte Frau wortlos eine brennende Kerze. Bewegt hielt ich sie empor. Einen kleinen Augenblick lang drohte die Flamme zu erlöschen, wurde dann aber wieder größer. Und während sich die Menschen um mich scharten und meine Hände berührten, betete ich, dass das Licht des Mitgefühls und des Bewusstseins die Welt erfüllen und die Finsternis der Angst und der Unterdrückung vertreiben möge.« Diesen Augenblick, so der Dalai Lama, werde er nie vergessen. Er habe ihn darin bestätigt, dass »auch das Leid, das mein Volk durch die Volksrepublik China erfährt, eines Tages enden wird.</p><p>Ihm gelingt, was Vertretern christlicher Religionen oft schwer fällt: Spiritualität und Wissenschaft, Emotionalität und Rationalität, Herz und Verstand zu vereinen. Er diskutiert auf Augenhöhe mit Vertretern moderner Wissenschaft und ist in Bezug auf alte buddhistische Rituale doch ein klassischer Traditionalist. Er löst scheinbare Gegensätze in seiner Person glaubhaft auf. Im abendländischen Denken gilt eher das »Entweder-Oder« – in den östlichen Weisheiten eher das »Sowohl-als-auch«. Und was sagt der Dali Lama zu diesen Widersprüchen? Erstens: Er lacht. Und zweitens: »Wir müssen voneinander lernen. Dann finden wir den Weg zur Einheit in der Vielfalt.«</p><p>Lauftraining mit Flip-Flops</p><p>Seit 50 Jahren lebt der Dalai Lama im nordindischen Dharamsala mit 20000 Tibetern im Exil. Er wohnt — mit Blick auf den Himalaya — in einem bescheidenen Haus. Der prominenteste Flüchtling der Welt wird von indischem Militär und seiner Leibwache beschützt. Jeden Morgen um halb vier Uhr steht er auf, um vier Stunden lang zu meditieren und in heiligen Schriften zu lesen. Er streift seine Flip-Flops über, meditiert über Texte und läuft 20 Minuten auf dem Laufband seines Fitness-Geräts. Wer ihn nach dem Sinn des Lebens fragt, bekommt zwei Worte zu hören: »Be happy – Sei glücklich«.</p><h3>Eine halbe Million Fans auf Facebook</h3><p>n-Post, 2.7.10<br /> Der Dalai Lama ist das geistige Oberhaupt der Tibeter – im Westen gilt er vielen als charismatisches Idol</p><p>(epd) Als einfacher Mönch möchte der 14. Dalai Lama gesehen werden. Doch Tendzin Gyatsho, der am 6. Juli 75 Jahre alt wird, ist alles andere: Er ist das spirituelle Oberhaupt der Tibeter, „seine Heiligkeit“ für buddhistische Anhänger weltweit.</p><p>Der Mann mit den kurzrasierten Haaren, bekleidet meist mit einer schlichten dunkelroten Robe und einer gelben Schärpe, gilt auch vielen Menschen im Westen als charismatisches Idol. Als aktiver Diplomat setzt der Dalai Lama sich für die Selbstbestimmung der Tibeter ein. 1989 erhielt er den Friedensnobelpreis. Das US-amerikanische TIME-Magazin zählte den Dalai Lama zweimal zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt. Er lebt tibetische Tradition und westliche Modernität, schreibt Kommentare über den Kurznachrichtendienst Twitter und hat knapp eine halbe Million Fans auf Facebook – weniger als Barack Obama, aber sehr viel mehr als der Papst.</p><p>Geboren wurde er am 6. Juli 1935 unter dem Namen Lhamo Thongup in Taktser in der chinesischen Provinz Qinghai, der einstigen tibetischen Region Amdo. Im Alter von zwei Jahren identifizierte er alle ihm gezeigten Gegenstände des 13. Dalai Lama korrekt und wurde als dessen Wiedergeburt bestimmt. Vier Jahre alt war der Junge, als er auch als weltlicher Herrscher in den Potala-Palast in Lhasa einzog. Im Oktober 1950 marschierten dann die Truppen der Volksrepublik China in Tibet ein. Aus Sorge vor chinesischen Entführungsversuchen floh der Dalai Lama im März 1959 nach Indien. Seitdem lebt er in der nordindischen Stadt Dharamsala, ebenfalls Sitz der tibetischen Exilregierung.</p><p>Als erster Dalai Lama bereist das amtierende Oberhaupt der Tibeter intensiv die westliche Welt. In seinen Vorträgen setzt er sich für eine weltweite Ethik ein, basierend auf Gewaltfreiheit und interreligiösem Dialog. Er stellt Mitgefühl, Vergebung, Toleranz, Zufriedenheit und Selbstdisziplin als menschliche Grundwerte in das Zentrum seiner Lehre.</p><h3>Dalai Lama wird 75: Roland Koch gratuliert seinem Freund</h3><p>Augsburger Allgemeine, 6.7.10:</p><p>Der 14. Dalai Lama und der 8. hessische Ministerpräsident, Roland Koch, kennen sich seit Jahrzehnten. Koch traf den Dalai Lama zum ersten Mal in den 80er Jahren, als er noch in der Jungen Union war. Roland Koch war und blieb von dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter fasziniert. Heute gratuliert er seinem Freund mit diesem Gastbeitrag in unserer Zeitung zum 75. Geburtstag.</p><p>Jeder Teilnehmer eines öffentlichen Auftritts des Dalai Lama ist nach seinen Reden tief beeindruckt von seiner Persönlichkeit, vor allem von seiner Offenheit und gelebten Bescheidenheit. Gerne denke ich an den mit 20 000 Menschen überfüllten Kurpark in Wiesbaden zurück — das war vor fünf Jahren. „Freunde für einen Freund“ — unter diesem Motto hatten wir damals seinen 70. Geburtstag in Hessen gefeiert. „Ruhe in dir selbst und Mitmenschlichkeit in Frieden“ — diese Botschaft kam bei den Menschen an. Heute vollendet Seine Heiligkeit sein 75. Lebensjahr.</p><p>Man gewinnt bei seinen Ansprachen einen fesselnden Eindruck von einem außergewöhnlichen Menschen und einem außergewöhnlichen Volk mit seiner besonderen Geschichte und Kultur.</p><p>Die Tibeter haben besondere Strukturen gefunden</p><p>Dabei geht es um das, was der Dalai Lama als religiöses Oberhaupt einer wesentlichen Strömung des Buddhismus repräsentiert. Es geht auch für viele, die sich mit dem tibetischen Volk befassen, um die Besonderheiten des Entwickelns einer Gesellschaft in Abgeschlossenheit. Die Tibeter haben sehr lange sehr allein gelebt. Und sie haben dabei besondere Strukturen gefunden. Manche Strukturen, die wir als Europäer für uns sicherlich nicht akzeptieren würden, weil sie mit ihrer Ausprägung eines Gottesstaates mit unserem heutigen Verständnis von Demokratie nicht zusammenpassen. Aber sie haben ihre Kultur, ihre Identität, ihre Medizin, ihren Weg als ein Millionenvolk in einer Weise gefunden, dass daraus ein sehr gläubiges Volk geworden ist. Fast keines dieser Elemente finden wir so irgendwo anders auf der Welt. Und schon gar nicht in dieser Kombination.</p><p>Darin liegt jenseits aller Fragen von Menschenrechten — aller Fragen der konstitutionellen, demokratischen, heutzutage durch die Weltgemeinschaft verfassten Ansprüche — die Faszination Tibets. Das schreibe ich als gläubiger Christ, der ich kein Anhänger des Buddhismus bin, aber großen Respekt vor jeder anderen Religion habe.</p><p>Der Dalai Lama hat es vor allem geschafft, einen Teil der Erfahrungen seines Volkes zum Allgemeingut der Menschen in einer Welt zu machen, einer Welt, in der viele nach Orientierung suchen und verunsichert sind. Er hat Millionen von Menschen neugierig auf das Schicksal seines Volkes gemacht. Nun ist der Kampf für das Selbstbestimmungsrecht eines Volkes, für sein Existenzrecht und seine kulturelle Identität kein Einzelfall in Geschichte und Gegenwart. Doch viele Bilder, die wir von Freiheitskämpfen und Streben nach Unabhängigkeit von Völkern vor Augen haben, waren und sind oft mit blutigen, kämpferischen und militärischen Auseinandersetzungen oder mit Bomben und Attentaten verbunden. Heute sind die Tibeter das einzige Volk und der Dalai Lama der einzige religiöse Führer, die Gewaltlosigkeit zum Prinzip gemacht haben.</p><p>Dieser friedfertige Kampf für das Schicksal seines Volkes war es, der mich faszinierte und der Mitte der achtziger Jahre der Ausgangspunkt war, mich für die tibetische Sache zu engagieren. Das war in einer Zeit, als viele das Wirken des Dalai Lama zwar öffentlich würdigten, aber den persönlichen Kontakt doch letztlich scheuten. Auch in unserem Land. Im Jahre 1995 war der hessische Landtag dann das erste Parlament in Deutschland, vor dem der Dalai Lama sprach. Seit dieser Zeit hat sich nach und nach eine persönliche Nähe entwickelt, ein wechselseitiger vertrauensvoller Austausch über Herausforderungen und Probleme auf beiden Seiten, für den ich sehr dankbar bin. Meine Reise nach Tibet vor drei Jahren mit einer Delegation — auf Einladung Chinas übrigens — gehört zu den eindrucksvollsten Erfahrungen, die ich gemacht habe.</p><p>Der Dalai Lama selber zeichnet sich auch im praktischen Leben durch eine ungeheure Kraft aus. Nicht nur im indischen Exil, sondern weltweit absolviert er für sein Volk ein Programm, das alle Achtung verdient. Er und wir alle müssen helfen, dass die tibetische Geschichte nicht aus den Überschriften der Welt verdrängt wird.</p><p>Bei aller Bewunderung für die Persönlichkeit Seiner Heiligkeit stand für mich immer das Kernanliegen des tibetischen Volkes im Mittelpunkt meines Engagements. Es wäre ein schlechtes Signal, wenn ausgerechnet diejenigen die Verlierer wären, die ausschließlich auf Friedfertigkeit bei der Erreichung ihrer Ziele setzen. Deshalb ist es so wichtig, dass der Dalai Lama und das Schicksal der Tibeter in jeder Hinsicht die Öffentlichkeit zur Unterstützung bekommen. Das darf nicht nur dann der Fall sein, wenn dieses Schicksal durch Unterdrückungsmaßnahmen so stark in den Fokus gerät wie im Vorfeld der Olympischen Spiele 2008 in Peking. Das waren bittere Wochen. Der tibetische Konflikt muss weiterhin auf der Tagesordnung bleiben. Und so lange gibt es unter der Führung des Dalai Lama nur eine Antwort auf die Frage, wie der Dialog zu führen ist: allein durch den friedlichen Dialog.</p><p>Das Ziel muss eine Autonomie innerhalb des chinesischen Staatsgebietes sein. Das wäre die einfachste Lösung, die die chinesische Verfassung übrigens durchaus vorsieht. Der Dialog muss geführt werden. Nicht wegschauen, sondern sich bekennen. Nicht kritische Themen aussparen, sondern sie im Interesse der tibetischen Friedfertigkeit selbstbewusst zur Sprache bringen.</p><p>„Ich freue mich, ihn in wenigen Wochen wiederzusehen“</p><p>Mit großer Freude für einen guten Freund, im Respekt vor seiner Persönlichkeit und im Versprechen, seinen friedlichen Freiheitskampf für sein Volk auch weiterhin zu unterstützen, gratuliere ich dem Dalai Lama zu seinem 75. Geburtstag. Er ist ein herzensguter Mensch! Das ist meine feste Überzeugung und das mögen die Menschen auch so an ihm. „Und deshalb bin ich davon überzeugt, dass liebevolle Zuneigung, Mitmenschlichkeit etwas ist, was ein natürlicher Teil unseres Geistes ist und was in uns allen angelegt ist als ein Fundament für Wohlergehen, für Zufriedenheit“ — dieser Satz des Dalai Lama aus seiner Dankesansprache anlässlich der Verleihung des Hessischen Friedenspreises vor fünf Jahren in Wiesbaden macht dies deutlich.</p><p>Gesundheit, Kraft und Ausdauer — das wünschen wir ihm persönlich. Er weiß, dass ich künftig auch ohne staatliche Ämter nicht nur als persönlicher Freund immer für seine Sache eintreten werde. In meinem Heimatland Hessen hat er über alle Parteien hinweg breite Unterstützung — wie auch in weiten Teilen Deutschlands. Ich freue mich, ihn in wenigen Wochen hier in Deutschland wieder zu sehen. Und zwar hier in Bayern. Ich wünsche ihm alles Glück dieser Welt — und Erfolg!</p><p>Roland Koch</p><h3>Der Dalai Lama wird 75</h3><p>Thurgauer Zeitung (CH), 6.7.10</p><p>Seit Jahrzehnten kämpft das buddhistische Oberhaupt für eine echte Autonomie Tibets. Seine Politik stösst aber nicht bei allen Exiltibetern auf Zustimmung.</p><p>Die kleine Propellermaschine von Neu Delhi nach Dharamsala ist startbereit. Aber die Passagiere müssen sich gedulden. Man erwarte noch Gäste, entschuldigen sich die Stewardessen, als die Minuten verrinnen. Plötzlich Unruhe. Auf dem Rollfeld bremsen dunkle Limousinen. Türen werden aufgerissen. Ein orangefarbenes Gewand wird sichtbar. «Er ist es!», ruft jemand.</p><p>Und Augenblicke später steht «er» leibhaftig zwischen den Sitzreihen und grüsst freundlich in die Runde — der Dalai Lama, gerade von einer seiner vielen Auslandsreisen zurückgekehrt und nun auf dem Rückweg in sein nordindisches Exil.</p><p>Mehr als zwei Drittel seines Lebens hat der buddhistische Gelehrte und geistliche Führer der Tibeter, der am Dienstag 75 Jahre alt wird, bereits in der Kleinstadt am Fusse des Himalaja verbracht. Zehntausende Landsleute folgten ihm im Laufe der Jahrzehnte.</p><p>Die Flucht nach Indien</p><p>Durch sie wurde Dharamsala zu «Little Lhasa». Und zu einem Zentrum des friedlichen Widerstands gegen die chinesische Besatzung Tibets. Beim Einmarsch der Chinesen in das tibetische Hochland 1950 war Tenzin Gyatso, so sein Mönchsname, noch ein Teenager. Gleichwohl lasteten auf ihm — der 14. Reinkarnation des Dalai Lama — die Hoffnungen seines Volkes.</p><p>Als deren spirituelles und politisches Oberhaupt suchte er das Gespräch mit der Führung in Peking, die Tibets Anschluss an China längst beschlossen hatte. Neun Jahre später, auf dem Höhepunkt des Tibet-Aufstands, floh der Dalai Lama nach Indien und ist seitdem nicht in seine Heimat zurückgekehrt.</p><p>Gewaltfreier «Weg der Mitte»</p><p>Der Flüchtling machte Dharamsala zum Sitz der von keinem Land der Welt anerkannten tibetischen Exilregierung. Hier entwickelte er seine Politik, die er als «Weg der Mitte» beschreibt und deren Botschaften Gewaltfreiheit und Aussöhnung sind.</p><p>Das Ziel: Durch Dialog mit der chinesischen Regierung soll eine «echte Autonomie» mit kulturellen und religiösen Freiheiten für die Tibeter innerhalb der Volksrepublik herbeigeführt werden. Bereits 1989 erhielt der Dalai Lama dafür den Friedensnobelpreis, durch den der Kampf der Tibeter weltweit bekannt und zu einem Synonym für gewaltlosen Widerstand wurde.</p><p>Die Ungeduld der tibetischen Jugend</p><p>Bei vielen Exiltibetern ist diese Politik inzwischen jedoch umstritten. Vor allem junge Aktivisten glauben, dass die Forderung nach Autonomie nach dem Scheitern zahlreicher Verhandlungsrunden mit Peking keinen Sinn mehr habe. Sie wünschen sich die Unabhängigkeit Tibets und sind auch bereit, dafür zu kämpfen.</p><p>Der Dalai Lama weiss um die Ungeduld der tibetischen Jugend, hält aber am gewaltfreien «Weg der Mitte» fest. Nach Jahrzehnten im Exil sei es bereits eine «grosse Errungenschaft», dass das Tibet-Problem nach wie vor lebendig sei und auch die internationale Gemeinschaft grossen Anteil daran nehme, sagte er im vergangenen Jahr. «Von diesem Standpunkt gesehen, habe ich keinen Zweifel, dass die Gerechtigkeit eines Tages die Oberhand gewinnen wird.»</p><p>Anhänger rund um den Globus</p><p>Mit dieser Beharrlichkeit fasziniert der Dalai Lama rund um den Globus seine Anhänger. In Europa und Nordamerika strömen regelmässig Zehntausende zu Vorträgen und religiösen Unterweisungen. Eine halbe Million Menschen folgen ihm bei Twitter.</p><p>Auch sein Geburtstag soll weltweit gefeiert werden. Unter anderem ist in London ein Konzert geplant. Dass der Dalai Lama auch charmant und witzig ist, erleben meist Gäste kleinerer Veranstaltungen. So wurde er vor einiger Zeit in Neu Delhi gefragt, was er denn in seinem Leben am meisten bereue. Die Antwort vom Podium kam prompt: «Nicht geheiratet zu haben.»</p><h3>Interview zum 75. Geburtstag Dalai Lama: „Manchmal träume ich von einer  Frau“</h3><p>BILD, 6.7.10, von Willem A. Tell</p><p>Er ist das geistliche Oberhaupt der Tibeter und einer der klügsten Köpfe dieser Erde. BILD traf den Dalai Lama in seinem indischen Exil in Dharamsala zum Exklusiv-Interview anlässlich seines 75. Geburtstages.</p><p>BILD: Sie feiern Ihren 75. Geburtstag. Wie fühlen Sie sich?</p><p>Dalai Lama: Danke, sehr gut. Aber für mich als Buddhist ist mein Geburtstag einfach nur ein neuer Tag.</p><p>BILD: Was ist das Geheimnis Ihrer Jugendlichkeit?</p><p>Dalai Lama: Mein Tagesablauf. Ich schlafe neun Stunden. Meditiere. Und ich verzichte auf das Abendessen …</p><p>BILD: Sie haben noch nie zu Abend gegessen?</p><p>Dalai Lama: Nicht in den letzten 50 Jahren. Als ich in Tibet die höchsten buddhistischen Weihen erhielt, beschloss ich, nicht mehr nach Mittag zu essen. Die Zeremonie dauerte sehr lange – bis nach 14 Uhr. Und so brach ich meinen Entschluss bereits am ersten Tag (der Dalai Lama lacht). Das war 1954. Aber seit ich seit Anfang der 60er-Jahre in Indien lebe, esse ich nicht mehr zu Abend.</p><p>BILD: Haben Sie schon mal Geburtstagsgrüße aus Peking erhalten?</p><p>Dalai Lama: Nein, ich erwarte auch keine.</p><p>BILD: Träumen Sie nachts?</p><p>Dalai Lama: Ja, früher habe ich viel von Tibet geträumt.</p><p>BILD: Auch schon mal von einer Frau?</p><p>Dalai Lama: Ja, manchmal. Aber ich erinnere mich dann auch im Traum immer daran, dass ich ein Mönch bin (er lacht).</p><p>BILD: In Deutschland diskutiert man immer wieder über den Sinn des Zölibats. Wie stehen Sie dazu?</p><p>Dalai Lama: Als Mönch kann man sich so besser seinem Glauben widmen. Sex macht den Menschen gemein mit allen anderen Tieren. Ich bin ein Mensch, der für gewisse moralische Prinzipien steht. Das Zölibat ist etwas, was mich vom gewöhnlichen Tier unterscheidet.</p><p>BILD: Haben Sie es nie bereut, keine eigenen Kinder zu haben?</p><p>Dalai Lama: Niemals! Da hat man zu viele Sorgen …</p><p>BILD: Wieso?</p><p>Dalai Lama: Ein Paar, das ich kannte, zerbrach sich erst die Köpfe darüber, warum sie noch kein Kind hatten. Sie ließen sich sogar medizinisch behandeln. Schließlich bekamen sie drei Kinder – und wieder kamen die Sorgen: Haben wir zu viele Kinder? Welches ist die richtige Ausbildung? Werden die Kinder heiraten, einen guten Job finden? Sorgen ohne Ende! Für mich zu viel …</p><p>BILD: Apropos Sorgen – wie schätzen Sie die weltweite Wirtschaftskrise ein?</p><p>Dalai Lama: Ich glaube, dass diese Wirtschaftskrise vielleicht ganz sinnvoll ist, um uns daran zu erinnern, dass andere Werte wichtiger sind als Geld.</p><p>BILD: Warum?</p><p>Dalai Lama: Es gibt Leute die sagen, dass die Finanzmärkte nicht von Menschen zu kontrollieren seien. Dies ist schwer zu verstehen, da die Märkte von den Menschen gemacht wurden. Und alles, was von Menschen geschaffen wurde, muss auch von Menschen zu kontrollieren sein. Doch die Märkte werden von Gier und Ignoranz gesteuert. Die Menschen, deren Gedanken nur ums Geld kreisen, leiden unter einer Störung ihres Geistes. Natürlich macht sich jeder Gedanken über Geld. Doch man sollte nie die wirklichen Werte des Lebens – wie Freunde, Familie, Umwelt – aus den Augen verlieren. Zurzeit erleben wir eine Krise des Geldes – aber die anderen Werte sind noch immer da. Und die Menschen, die nicht nur auf das Geld fixiert waren, müssen sich heute viel weniger Sorgen machen.</p><p>BILD: Im Golf von Mexiko fließen noch immer Millionen Liter Öl ins Meer. Verliert der Mensch die Kontrolle über die Technik?</p><p>Dalai Lama: Es ist ein Irrtum zu glauben, dass der Mensch über der Natur steht und sie kontrollieren könnte. Wir dürfen nicht vergessen: Unser Leben basiert auf einer intakten Natur! Die darf nicht durch eine übermäßige Ausbeutung der natürlichen Ressourcen gefährdet werden.</p><p>BILD: Sie werden als Heiliger verehrt, Ihre Worte gelten als Weisheiten. Haben Sie auch eine Schwäche?</p><p>Dalai Lama: Vielleicht Faulheit …</p><p>BILD: Sie, faul?</p><p>Dalai Lama: Natürlich bin ich in vielerlei Hinsicht nicht faul. Ich meditiere täglich fünf Stunden, rezitiere Gebete, studiere die Schriften des Buddhismus. In diesem Sinne bin ich also nicht faul. Aber was zum Beispiel mein Englisch angeht, neue Vokabeln zu lernen oder mit dem Computer umzugehen – in diesen Bereichen bin ich sehr faul …</p><p>BILD: Haben Sie denn einen Computer?</p><p>Dalai Lama: Nein, ich habe auch seit über einem Jahr meinen Fernseher nicht mehr angemacht. Ich habe zu wenig Zeit. Und wenn, lese ich lieber …</p><p>BILD: Auch mal einen Roman?</p><p>Dalai Lama: Nein, Romane sind nur Fiktion …</p><p>BILD: Sie gehören zu den populärsten Menschen dieser Welt. Wen bewundern Sie?</p><p>Dalai Lama: Johannes Paul II. war ein beeindruckender Mann. In der Politik bewunderte ich Willy Brandt. In der Zeit des Kalten Krieges, in der überall Misstrauen regierte, hielt er engen Kontakt zu Breschnew und baute so neues Vertrauen zwischen Ost und West auf.</p><p>BILD: Stimmt es, dass ein Orakel vorausgesagt hat, wie alt Sie werden?</p><p>Dalai Lama: Es gibt eine etwa 200 Jahre alte Prophezeiung. Die besagt, dass der Dalai Lama, der Tibet verlassen müsste, 113 Jahre alt wird. Und dann hatte ich in den 60er-Jahren auch noch einen Traum, der darauf hinwies, dass ich 113 Jahre alt werde.</p><p>BILD: Wenn Sie noch 38 Jahre leben werden, wird sich die Welt zum Besseren oder Schlechteren wandeln?</p><p>Dalai Lama: Zum Besseren. Das ist sicher. Den Fall der Berliner Mauer hatte niemand erwartet – aber er kam. Friedlich. Ohne Gewalt. In China haben wir heute ein totalitäres System. Dies wird auch nicht für immer bleiben …</p><h3>Tibets Ikone Dalai Lama: Chinas Alptraum wird 75 Jahre alt</h3><p>RP online, 6.7.10, Matthias Beermann</p><p>Im Westen füllt der buddhistische Mönch Stadien wie ein Popstar, für die Führung in Peking ist er der Staatsfeind Nummer eins. Seit einem halben Jahrhundert kämpft das Oberhaupt der Tibeter aus dem Exil für seine Landsleute. Doch allmählich mischt sich in die Bewunderung auch Kritik.</p><p>Er ist klein und hager, an den Füßen trägt er ausgelatschte Sandalen, auf der Nase eine Brille vom Typ Kassengestell. Ein ständiges Lächeln ist sein Markenzeichen. Im Westen wird er wie ein Popstar verehrt. Den Mächtigen in Peking gilt er dagegen als gefährlichster Staatsfeind.</p><p>Wenn der Dalai Lama heute seinen 75. Geburtstag begeht, dann werden das die Menschen in seiner Heimat Tibet nur im Verborgenen feiern können. Für jedes öffentliche Bekenntnis zu ihrem im indischen Exil lebenden religiösen Oberhaupt riskieren die Tibeter Gefängnis oder gar Schlimmeres.</p><p>Dass das Schicksal Tibets rund um den Globus Millionen interessiert, das ist zweifelsohne das Verdienst des kleinen Mönchs mit dem liebenswert kindlichen Auftreten und dem gurgelnden Lachen.</p><p>Der Dalai Lama hat sich als Anwalt eines gewaltlosen Kampfes für eine Autonomie Tibets in mehr als fünf Jahrzehnten eine Autorität erarbeitet, die inzwischen kaum noch jemand infrage zu stellen wagt. Spätestens seit er 1989 den Friedensnobelpreis erhalten hat, ist der Dalai Lama zur Ikone geworden, zur Symbolfigur für ein “freies Tibet”.</p><p>Als 15-jähriger Klosterschüler erlebte der Dalai Lama den Einmarsch der chinesischen Armee in Tibet und wurde eiligst auf den Thron gehoben. Aber 1959 schlug China einen Aufstand blutig nieder und brach sein Versprechen, den Tibetern Autonomie zu gewähren. Für den Dalai Lama wurde es gefährlich. Der 24-Jährige floh mit seinem Gefolge über den Himalaya ins indische Dharamshala, das bis heute die tibetische Exilregierung beherbergt.</p><p>Seither wirft China dem Dalai Lama vor, unter dem Deckmantel der Religion die Abspaltung Tibets zu betreiben. Für die Führung in Peking ist der von westlichen Politikern und Medien umschwärmte Dalai Lama eine stetige Provokation. Wer sich mit ihm zeigt, muss den Zorn des offiziellen China fürchten. Zuletzt hatte im Februar ein Treffen zwischen US-Präsident Barack Obama und dem Dalai Lama zu heftigem diplomatischen Knirschen zwischen Washington und Peking geführt.</p><p>Dabei ahnen doch alle: Der Dalai Lama kämpft einen aussichtslosen Kampf. Tibet gegen China, das ist wie David gegen Goliath, nur mit vermutlich anderem Ausgang. Denn Peking wird sich wohl kaum dazu bewegen lassen, den Tibetern eine weitgehende Autonomie zu gewähren. Und kein Staat der Erde wird sich deswegen ernsthaft mit China anlegen.</p><p>Im Machtkampf um Tibet arbeitet die Zeit für die Chinesen, das weiß auch der Dalai Lama. Irgendwann wird er sterben. Vielleicht erst im Alter von 113 Jahren, wie es geweissagt wurde. Vielleicht aber auch schon früher. Dann verschwindet das Gesicht des tibetischen Buddhismus, und Pekings Führung könnte in aller Ruhe einen ihr genehmen Marionetten-Lama installieren, wie sie es schon 1995 nach dem Tod des Panchen Lama gemacht hatte, des zweithöchsten religiösen Führers der Tibeter.</p><p>Davor haben viele Tibeter schon heute Angst. Und deshalb bröckelt ausgerechnet im eigenen Lager die Bewunderung für den asketisch lebenden Gutmenschen, der jeden Tag im Morgengrauen aufsteht, vier Stunden meditiert und sich dann im Mönchsgewand mit wichtigen Menschen trifft, um auf das traurige Schicksal seines unterdrückten Volkes aufmerksam zu machen.</p><p>Die Gewaltwelle in seiner Heimat vor zwei Jahren muss auch dem Dalai Lama vor Augen geführt haben, dass gerade viele jüngere Tibeter die Geduld mit der politisch offensichtlich erfolglosen Strategie des gewaltlosen Widerstands verlieren. Seine Appelle, sich auf friedliche Demonstrationen zu beschränken, verhallten vielfach ungehört.</p><p>Zwar wird Kritik am Regierungsstil des weltweit vergötterten Dalai Lama nur selten laut. Aber auch innerhalb der tibetischen Exil-Gemeinde wachsen die Zweifel an seinem Kurs. Der Dalai Lama, der im Westen auftritt wie ein spiritueller Entertainer, habe längst den Kontakt zur Wirklichkeit verloren, lautet der Vorwurf. Inzwischen tuscheln Exiltibeter hinter vorgehaltener Hand, dass sie ihr religiöses Oberhaupt zwar weiter verehren, sich aber eine andere politische Führung wünschen.</p><p>Die Macht des Dalai Lama, die sich nur auf Worte stützen kann, erodiert zusehends. Das ist keine gute Nachricht, nicht einmal für Peking. Für die Chinesen könnte es sich eines Tages rächen, dass sie die Chance verpasst haben, mit dem wohl letzten allgemein anerkannten Führer der Tibeter eine Konfliktlösung auszuhandeln.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/07/05/ein-wortgewandter-ohne-macht-der-dalai-lama-begeht-am-6-juli-seinen-75-geburtstag/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Twitter-Onlinechat: Dalai Lama zwitschert mit Chinesen</title><link>http://tibetfocus.com/2010/05/26/twitter-onlinechat-dalai-lama-zwitschert-mit-chinesen/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/05/26/twitter-onlinechat-dalai-lama-zwitschert-mit-chinesen/#comments</comments> <pubDate>Wed, 26 May 2010 13:33:26 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Dalai Lama]]></category> <category><![CDATA[China]]></category> <category><![CDATA[Chinesen]]></category> <category><![CDATA[Twitter]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=5835</guid> <description><![CDATA[Frankfurter Rundschau, 25.5.10, von Bernhard Bartsch - Das Internet macht’s möglich: 51 Jahre nach seiner Flucht aus der Volksrepublik hat der Dalai Lama sich erstmals direkt mit der chinesischen Öffentlichkeit unterhalten – in einem Onlinechat. Eine Stunde lang beantwortete der im Exil lebende tibetische Religionsführer Fragen von Internetbenutzern über Demokratie, Reinkarnation und die Kommunistische Partei. [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Frankfurter Rundschau, 25.5.10, von Bernhard Bartsch -</p><p>Das Internet macht’s möglich: 51 Jahre nach seiner Flucht aus der Volksrepublik hat der Dalai Lama sich erstmals direkt mit der chinesischen Öffentlichkeit unterhalten – in einem Onlinechat. Eine Stunde lang beantwortete der im Exil lebende tibetische Religionsführer Fragen von Internetbenutzern über Demokratie, Reinkarnation und die Kommunistische Partei. “Das Tibetproblem könnte bald gelöst werden”, kommentierte der Friedensnobelpreisträger, der offensichtlich um Optimismus und Versöhnlichkeit bemüht war, um das Bild eines fundamentalistischen Separatisten, das Chinas Staatspropaganda von ihm zeichnet, zu entkräften.</p><p>Für die Konflikte seien keine grundsätzlichen Widersprüche zwischen Chinesen und Tibetern verantwortlich, sondern politische Fehlentwicklungen, so der Dalai Lama. Er empfahl, Peking solle sich an den 1987 geschassten Ex-Parteichef und Reformer Hu Yaobang erinnern – ein Vorschlag, der als Versöhnungsgeste in Richtung von Chinas Premier Wen Jiabao gedacht sein könnte, der Hu kürzlich in einem Aufsehen erregenden Zeitungsbeitrag zu rehabilitieren versucht hatte. “Wens Artikel bestätigte Hus praxisbezogenen Ansatz, der offiziellen Berichten nicht traute und die Wahrheit lieber vor Ort durch persönliche Anschauung suchte”, schrieb der Mönch, der eingestand, selbst kein vollständiges Bild der Lage in Tibet zu haben.</p><p>Initiiert hatte den Austausch der kritische chinesische Intellektuelle Wang Lixiong, unter dessen Namen der Chat im Mikroblogdienst Twitter übertragen wurde. Zwar versuchen Chinas Zensoren, die Internetgemeinde an der Benutzung von Twitter zu hindern. Doch Tausende Chinesen haben mit spezieller Software trotzdem Zugang zu dem System. Twitter ist eines der wichtigsten Foren der chinesischen Regimekritiker. 1249 Internetbenutzer nahmen direkt an dem Chat teil, Tausende weitere verfolgten ihn durch Weiterleitungen. Die überwiegende Mehrheit der chinesischen Internetbenutzer dürfte von der Aktion jedoch nichts erfahren.</p><p>Dalai Lama will seinen Nachfolger wählen lassen</p><p>288 Fragen an den Dalai Lama waren bereits vorab eingegangen. Das größte Interesse zeigten die Internetbenutzer an der Nachfolge des 74-Jährigen, der im Alter von zwei Jahren von tibetischen Geistlichen als “Lebender Budhha” erkannt worden war. Er habe entschieden, dass er seine Macht in Zukunft an einen “vom Volk gewählten tibetischen Führer” weitergeben wolle, schrieb das Religionsoberhaupt. “Das System der Wiedergeburt des Dalai Lama wird in Zukunft weniger wichtig sein.”</p><p>Auf die Frage nach Tibets Unabhängigkeitsbestrebungen antwortete er, dass er keinen souveränen Staat fordere, wohl aber kulturelle Selbstbestimmung. “Wir möchten Autonomie, aber ich habe immer sehr klar gemacht, dass Außenpolitik und Staatsverteidigung Sache der Zentralregierung sind”, lautete seine Twitterbotschaft. “Das ist keine persönliche Forderung, aber ich sorge mich um Tibets Kultur, Religion und Umwelt.” Eine Kooperation mit der Exilregierung könne Peking helfen, die sozialen Spannungen in Tibet zu überwinden.</p><p>Allerdings ist eine Zusammenarbeit derzeit nicht realistisch: Chinas Regierung hatte erst im Februar Verhandlungen mit Gesandten des Dalai Lama abgebrochen und den Exiltibetern “Verstöße gegen chinesisches Recht” vorgeworfen. Die Kommunistische Partei scheint darauf zu hoffen, dass sich ihre Tibetprobleme und das internationale Interesse …</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/05/26/twitter-onlinechat-dalai-lama-zwitschert-mit-chinesen/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>1</slash:comments> </item> <item><title>Dalai Lama bezeugt Erdbebenopfern von Kyigudo sein Beileid</title><link>http://tibetfocus.com/2010/04/15/dalai-lama-bezeugt-erdbebenopfern-in-china-sein-beileid/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/04/15/dalai-lama-bezeugt-erdbebenopfern-in-china-sein-beileid/#comments</comments> <pubDate>Thu, 15 Apr 2010 19:47:46 +0000</pubDate> <dc:creator>TR</dc:creator> <category><![CDATA[Dalai Lama]]></category> <category><![CDATA[Dalai Lama Erdbeben]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=5702</guid> <description><![CDATA[Peking stellt mehr als 21 Millionen Euro für Hilfe bereit Der Dalai Lama hat den Opfern des schweren Erdbebens in Kyigudo (chin. Yushu, Qinghai) sein Beileid bezeugt. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter erklärte am Mittwoch, “wir beten für diejenigen, die ihr Leben bei dieser Tragödie verloren haben sowie für ihre Familien und andere, die betroffen [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Peking stellt mehr als 21 Millionen Euro für Hilfe bereit</p><p>Der Dalai Lama hat den Opfern des schweren Erdbebens in Kyigudo (chin. Yushu, Qinghai) sein Beileid bezeugt.</p><p>Das geistliche Oberhaupt der Tibeter erklärte am Mittwoch, “wir beten für diejenigen, die ihr Leben bei dieser Tragödie verloren haben sowie für ihre Familien und andere, die betroffen wurden”. Im Haupttempel seines nordindischen Exilorts Dharamshala werde es einen besondere Gebetsveranstaltung geben, fügte der buddhistische Geistliche hinzu. Er selbst prüfe, auf welche Weise er helfen könne. China kündigte unterdessen an, dass es für die Hilfs– und Rettungsmaßnahmen umgerechnet mehr als 21 Millionen Euro zur Verfügung stellen werde.</p><p>Gebets­ze­re­mo­nie im Tibet-Institut Rikon<br /> Das Prä­si­dium der  TGSL hat ent­schie­den, ein Mön­lam (Gebete mit Mani Suhng-Ngak) für die  vie­len Opfer zu orga­ni­sie­ren. Die Tschötsok-Dhetsen wurde damit  beauf­tragt, dies in die Wege zu lei­ten. Die Gebete fin­den statt:</p><p>Sams­tag,  17. April 2010, Gebets­ze­re­mo­nie im Tibet-Institut Rikon, von 09.30  Uhr bis 13.00 Uhr.</p><p>Bitte lei­tet diese Infor­ma­tion an alle  Lands­leute wei­ter.<br /> Karma L. Pang­ring, Prä­si­dent TGSL</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/04/15/dalai-lama-bezeugt-erdbebenopfern-in-china-sein-beileid/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Fünftägiger Besuch des Dalai Lamas in der Schweiz mit dicht gedrängtem Programm</title><link>http://tibetfocus.com/2010/04/09/funftagiger-besuch-des-dalai-lamas-in-der-schweiz-mit-dicht-gedrangtem-programm/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/04/09/funftagiger-besuch-des-dalai-lamas-in-der-schweiz-mit-dicht-gedrangtem-programm/#comments</comments> <pubDate>Fri, 09 Apr 2010 17:45:31 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Dalai Lama]]></category> <category><![CDATA[GSTF]]></category> <category><![CDATA[nationale Kundgebung]]></category> <category><![CDATA[Schweiz]]></category> <category><![CDATA[Solidarität]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=5551</guid> <description><![CDATA[07. April — Der Dalai Lama weilt ab Mittwoch für fünf Tage in der Schweiz. Hauptzweck seines Besuches ist die Teilnahme an einer dreitägigen Konferenz in Zürich. Daneben wohnt das religiöse Oberhaupt der Tibeterinnen und Tibeter zahlreichen weiteren Veranstaltungen bei. Die Konferenz im Zürcher Kongresshaus dauert vom 9. bis 11. April. Im Zentrum steht die [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>07. April — Der Dalai Lama weilt ab Mittwoch für fünf Tage in der Schweiz. Hauptzweck seines Besuches ist die Teilnahme an einer dreitägigen Konferenz in Zürich. Daneben wohnt das religiöse Oberhaupt der Tibeterinnen und Tibeter zahlreichen weiteren Veranstaltungen bei.</p><p>Die Konferenz im Zürcher Kongresshaus dauert vom 9. bis 11. April. Im Zentrum steht die Frage, ob es in “produktiven Wirtschaftssystemen” Platz für Altruismus und Mitgefühl gibt. Diese Frage diskutiert der Dalai Lama mit verschiedenen Wissenschaftern aus Ökonomie, Psychologie, Anthropologie und Neurowissenschaften.</p><p>Derselben Frage geht der 74-jährige Friedensnobelpreisträger von 1989 auch in seinem öffentlichen Vortrag am 11. April im Zürcher Hallenstadion nach. Das rund zweistündige Referats trägt den Titel “Universelle Verantwortung und Wirtschaft”. 10’000 Tickets stehen zum Verkauf.</p><p>Bereits Tradition hat der Besuch des Dalai Lama im Tibet-Institut in Rikon ZH, wo er am Donnerstagmorgen (8.4.) erwartet wird. Seit der Gründung des buddhistischen Klosters 1968 hat er bereits 13 Mal die dort lebenden tibetischen Mönche mit seiner Anwesenheit beehrt.</p><p>Am Donnerstagnachmittag steht der von der Tibeter Gemeinschaft in der Schweiz und in Liechtenstein (TGSL) sowie der Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft (GSTF) organisierte Festakt “Merci Schwiiz” auf dem Programm. Zudem trifft der Dalai Lama mit der Parlamentarischen Gruppe Schweiz-Tibet zusammen.</p><p>Bevor er am Samstagmorgen an der Konferenz wieder mit Wissenschaftern ins Gespräch kommt, wendet sich der religiöse Würdenträger an die Teilnehmenden des ersten tibetischen Jugendparlamentes. Dieses tagt an jenem Wochenende in Zürich.</p><p>Am Samstagnachmittag schliesslich stattet der Dalai Lama der Tibet-Solidaritätskundgebung auf dem Zürcher Münsterhof einen Besuch ab. Zu einem Treffen mit einem Bundesrat wird es einmal mehr nicht kommen — aus terminlichen Gründen, wie Aussenministerin Micheline Calmy-Rey Mitte März im Nationalrat erklärte.<br /> (sda)</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/04/09/funftagiger-besuch-des-dalai-lamas-in-der-schweiz-mit-dicht-gedrangtem-programm/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Erster Hinweis auf Panchen Lama seit 15 Jahren</title><link>http://tibetfocus.com/2010/03/08/erster-hinweis-auf-panchen-lama-seit-15-jahren/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/03/08/erster-hinweis-auf-panchen-lama-seit-15-jahren/#comments</comments> <pubDate>Mon, 08 Mar 2010 18:06:19 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Dalai Lama]]></category> <category><![CDATA[Chinesische Regierung]]></category> <category><![CDATA[Panchen Lama]]></category> <category><![CDATA[Reinkarnation]]></category> <category><![CDATA[Tibet]]></category> <category><![CDATA[Tibeter]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=5284</guid> <description><![CDATA[Basler Zeitung, 7.3.10 - 15 Jahre nach seiner Ernennung zum zweithöchsten geistlichen Oberhaupt der Tibeter durch den Dalai Lama wurden Informationen über den jungen Panchen Lama bekannt. Der Junge, der 1995 vom Dalai Lama zur Reinkarnation des Panchen erklärt wurde, führe ein normales Leben in einem abgelegenen Teil Tibets, sagte der von China ernannte Gouverneur [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Basler Zeitung, 7.3.10 -<br /> 15 Jahre nach seiner Ernennung zum zweithöchsten geistlichen Oberhaupt der Tibeter durch den Dalai Lama wurden Informationen über den jungen Panchen Lama bekannt.</p><p>Der Junge, der 1995 vom Dalai Lama zur Reinkarnation des Panchen erklärt wurde, führe ein normales Leben in einem abgelegenen Teil Tibets, sagte der von China ernannte Gouverneur der Himalaya-Region, Padma Choling, am Sonntag in Peking.</p><p>Der inzwischen 20-jährige Gendun Choekyi Nyima und seine Familie wollten nicht gestört werden, sagte der Gouverneur am Rande der Sitzung des nationalen Volkskongresses. Die Geschwister des Panchen Lama würden studieren oder gewöhnlichen Berufen nachgehen.</p><p>Nicht von allen anerkannt</p><p>Seit seiner Ernennung war nichts über den Jungen bekanntgeworden. Die chinesische Regierung wählte einen anderen Jungen als Panchen aus, der den Dalai Lama als Gesicht Tibets ersetzen soll. Gyaltsen Norbu wird allerdings nicht von allen Tibetern als geistlicher Führer anerkannt.</p><p>Chinesische Truppen besetzten das Gebiet im Himalaya im Jahr 1950, neun Jahre später floh der Dalai Lama ins Exil. Peking reklamiert für sich ein «historisches Recht», die geistlichen Führer der Tibeter zu ernennen. Gouverneur Padma Choling bekräftigte diesen Anspruch am Sonntag und sagte, der vom Dalai Lama ernannte Gendun Choekyi Nyima sei kein legitimer Panchen. «Ich denke, er selbst ist ein Opfer dieser Praxis», erklärte er vor Journalisten.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/03/08/erster-hinweis-auf-panchen-lama-seit-15-jahren/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Hollywood unterstützt den Dalai Lama</title><link>http://tibetfocus.com/2010/02/17/hollywood-unterstutzt-den-dalai-lama/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/02/17/hollywood-unterstutzt-den-dalai-lama/#comments</comments> <pubDate>Wed, 17 Feb 2010 22:14:54 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Dalai Lama]]></category> <category><![CDATA[Autonomie]]></category> <category><![CDATA[Chinesische Regierung]]></category> <category><![CDATA[Hollywood]]></category> <category><![CDATA[ITC]]></category> <category><![CDATA[Menschenrechte]]></category> <category><![CDATA[Protest]]></category> <category><![CDATA[Richard Gere]]></category> <category><![CDATA[Tibet]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=5151</guid> <description><![CDATA[Deutsche Welle, 16.2.10 - Sie stehen voll auf der Seite des Dalai Lama:  Stars aus Hollywood fordern offen die bedingungslose Freiheit und Beachtung der Menschenrechte für die Tibeter. Jetzt reist der Dalai Lama in die USA. Richard Gere ist in Hollywood der politisch aktivste Unterstützer des Dalai Lama. Vor dem US-Kongress forderte er von der [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Deutsche Welle, 16.2.10 -<br /> Sie stehen voll auf der Seite des Dalai Lama:  Stars aus Hollywood fordern offen die bedingungslose Freiheit und Beachtung der Menschenrechte für die Tibeter. Jetzt reist der Dalai Lama in die USA.</p><p>Richard Gere ist in Hollywood der politisch aktivste Unterstützer des Dalai Lama. Vor dem US-Kongress forderte er von der Regierung in Washington, sich stärker für die Freiheit des tibetischen Volkes einzusetzen. “Die Verletzungen der Menschenrechte von Minderheiten sind sehr gut dokumentiert”, sagte Gere in einem CNN-Interview. Die USA müssten als Supermacht zu China sagen: “Wenn Ihr einflussreich in der Welt sein wollt, müsst Ihr Euch an bestimmte Regeln halten.” Dazu gehöre es, Dialog und friedliche Proteste zuzulassen.</p><p>Der Schauspieler gründete eine Stiftung, die sich für den Erhalt der Kultur Tibets einsetzt und den Dalai Lama und sein Volk im Exil unterstützt. Auf deren Internetseite prangert Richard Gere die chinesische Regierung an, “Tibet auf brutale Weise zu besetzen, so dass jährlich tausende Tibeter ihr Leben riskieren und in andere Länder flüchten müssen.”</p><p>Video für den Dalai Lama</p><p>Mit anderen Stars zeichnete Gere für die Organisation “International Campaign for Tibet” ein Video auf. Prominente Schauspieler und Musiker, darunter Julia Roberts, Harrison Ford, Goldie Hawn, Sting und Alanis Morisette zitieren darin aus der UN-Menschenrechtscharta: “Die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen bildet die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt.” Die Schauspieler fordern zum Engagement für das tibetische Volk auf und fragen: “Warum sagen wir nichts, wenn Tibet unsere Stimmen braucht?”</p><p>“Songs for Tibet”</p><p>Einige prominente Musiker machten vor den Olympischen Spielen in Peking mit der CD “Songs for Tibet” auf die Vertreibung des tibetischen Volkes aufmerksam. Darunter erneut Sting und Alanis Morisette sowie Moby, Suzanne Vega, John Mayer und Dave Matthews.</p><p>Auch die Schauspieler Sharon Stone und Harrison Ford unterstützen den Dalai Lama. Ford appellierte vor dem US-Kongress an die Politiker, dessen gewaltfreien Weg zu unterstützen. Der Kampf der Tibeter sei einer für Grundwerte der USA, wie Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie.</p><p>“Hollywood-Tibet-Chic”</p><p>Harrison Ford übernahm in der Tibet-Dokumentation “Dalai Lama Renaissance” die Rolle des Erzählers, während Regisseur Martin Scorsese seine Faszination mit dem spirituellen Oberhaupt der Tibeter in dem Film “In Search of Kundun” umsetzte. Seine erste Begegnung mit dem Dalai Lama beschreibt er als “sehr bewegend”. In einem Interview zum Film sagte der Regisseur: “Als ich mich von ihm verabschiedete,  verblasste alles um uns herum. Es war ein Moment absoluten Bewusstseins des Jetzt. Man hörte sein Herz schlagen.”</p><p>Scorsese legt Wert darauf, nicht Teil eines — wie er sagt — “Hollywood-Tibet-Chic” zu sein, zu dem seiner Meinung nach Paris Hilton und Lindsay Lohan gehörten. Er wolle sich auch nicht politisch engagieren: Ihm gehe es darum, sich mit Menschen zu befassen, die sich an Güte, Toleranz und Mitgefühl orientieren. Die Organisation “International Campaign for Tibet” verlieh Scorsese für seinen Film 1998 die Auszeichnung  “Light of Truth”.</p><p>Den Preis hatte zwei Jahre zuvor auch Richard Gere erhalten. Der engagiert sich weiter unermüdlich für Tibet, künstlerisch und politisch: “Dies ist ein Volk, das eindeutig seine Freiheit verdient hat. Der Dalai Lama strebt nach bedeutungsvoller Autonomie, in der  seine Religion und Kultur überleben können.”</p><p>Autorin: Kerstin Zilm</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/02/17/hollywood-unterstutzt-den-dalai-lama/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Das neue Gesicht Tibets: der Karmapa</title><link>http://tibetfocus.com/2009/11/24/und-dann-starb-der-dalai-lama-wird-der-17-karmapa-einmal-ubergangslosung-fur-den-dalai-lama/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2009/11/24/und-dann-starb-der-dalai-lama-wird-der-17-karmapa-einmal-ubergangslosung-fur-den-dalai-lama/#comments</comments> <pubDate>Tue, 24 Nov 2009 14:41:19 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Dalai Lama]]></category> <category><![CDATA[Chinesische Regierung]]></category> <category><![CDATA[Exil]]></category> <category><![CDATA[Karmapa]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=4791</guid> <description><![CDATA[GEO, Heft 1/2010: Der 24-jährige Mönch Ogyen Trinley Dorje ist ein möglicher Nachfolger des Dalai Lama: ein Flüchtling, ein Politikum — und die große Hoffnung der Tibeter. - Der indische Polizist schaut mürrisch unsere Dokumente an. Auf dem mönchsroten Briefpapier Seiner Heiligkeit steht umständlich: “Request for taking pictures of His Holiness the Karmapa during a [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>GEO, Heft 1/2010:<br /> Der 24-jährige Mönch Ogyen Trinley Dorje ist ein möglicher Nachfolger des Dalai Lama: ein Flüchtling, ein Politikum — und die große Hoffnung der Tibeter. -</p><p>Der indische Polizist schaut mürrisch unsere Dokumente an. Auf dem mönchsroten Briefpapier Seiner Heiligkeit steht umständlich: “Request for taking pictures of His Holiness the Karmapa during a day course of his schedule”; Anfrage zu einer Fotoerlaubnis für Bilder von seiner Heiligkeit, dem Karmapa, während eines Tagesablaufs. Der Polizist schüttelt den Kopf. Dieser Karmapa, ein 24-jähriger Flüchtling, und seine rätselhafte Popularität scheinen ihm den Nerv zu rauben.</p><p>“Karmapa, Karmapa, Karmapa!”, ruft er und stolziert mit unseren Pässen durchs Amtsgebäude, als hätten wir ihm einen unsittlichen Antrag gemacht. Dann dreht und wendet er die Kameras des Fotografen in den Händen. “Was wollt ihr da überhaupt fotografieren?” Ganz einfach: Das neue Gesicht des tibetischen Buddhismus — das im Westen noch kaum jemand kennt.</p><p>Auf Ogyen Trinley Dorje, besser bekannt als Seine Heiligkeit der 17. Gyalwang Karmapa Lama, Oberhaupt eines der vier großen Orden des tibetischen Buddhismus, ruht die Hoffnung eines ganzen Volkes. Nur er kann Tibet im 21. Jahrhundert Kopf und Stimme geben. Nur auf ihn kann die Aufgabe übergehen, künftig über die Zukunft seiner Heimat zu verhandeln. Nur er kann ein neuer Dalai Lama sein. Der Karmapa weiß das. Seine Entourage weiß es auch. Eigentlich wissen es alle — auch wenn es offiziell nie ausgesprochen werden würde. Längst hängen Karmapa-Porträts in den Geschäften von Dharamsala, wo mit etwa 20 000 Flüchtlingen die größte tibetische Exilgemeinde lebt, gleich neben Bildern des Dalai Lama.</p><p>Noch mehr Verwirrung?</p><p>“Er ist noch unverbraucht, vielleicht kann er eine Lösung im Tibet-Konflikt finden”, sagt eine tibetische Journalistin. “Schlechter als in der jetzigen festgefahrenen Lage kann es ja nicht laufen”, sagt ein alter Buchhändler. “Ich hoffe nur, der Karmapa trägt nicht noch mehr zur Verwirrung bei.” Das hoffen alle Beteiligten — tibetische Diplomaten, indische Gastgeber, chinesische Besatzer. Denn an der Karmapa-Frage ist so ziemlich alles heikel.</p><p>Schon allein das religiöse Problem: Der Karmapa steht einer buddhistischen Linie vor, die mit der des Dalai Lama über Jahrhunderte verfeindet war. Erst im Exil haben sich die beiden Orden einander angenähert. Aber was sollen die Tibeter tun, wenn der Dalai Lama stirbt? Seine Wiedergeburt in einem Kleinkind suchen, wie die Tradition es vorsieht — und dann ihrem nächsten Anführer 15 Jahre beim Heranreifen zusehen? Während die Chinesen alles tun werden, um den Jungen für sich zu gewinnen — oder ihm gleich einen eigenen Wiedergeborenen entgegensetzen? Und das alles, obwohl doch ein bestens ausgebildeter Lama von vergleichbarem Rang bereitsteht, das Volk hinter sich zu versammeln?</p><p>Noch halten sich alle zurück</p><p>Die Inder versuchen, den Karmapa auf ihrem Boden abzuschotten — jedes falsche Wort könnte einen Konflikt auslösen. Auch die Tibeter wollen verhindern, dass er vorschnell auf die politische Bühne gezerrt wird. Die Chinesen ignorieren ihn vorerst. Und der Dalai Lama bleibt vage. Immerhin hat er dem Karmapa ein Kloster nahe seiner Residenz zur Verfügung gestellt. Er trifft sich regelmäßig mit ihm. Und er redet davon, dass der junge kraftvolle Karmapa die “angefangene Arbeit fortführen solle”.</p><p>Niemand kann zu diesem Zeitpunkt sagen, was das genau bedeutet. Klar ist nur: Der Dalai Lama ist 74 Jahre alt. Und der Karmapa ist der einzige Plan B, den die Tibeter haben. Ein Gott in Einarbeitung. Wir wollen die ersten Reporter sein, die ihn eine Woche lang begleiten. Aber was heißt schon “begleiten” — bei einem lebenden Buddha, bei einem heiligen Politikum?</p><p>Als wir am Nachmittag, endlich ausgerüstet mit Stempeln und Unterschriften, das Kloster Gyuto erreichen, ist schnell eines klar: Der Erleuchtete lebt in einem goldenen Käfig. Hoch oben über dem Haupttempel, im dritten Stock, bewohnt er ein luftiges Apartment mit Rundumverglasung. Hinter sanften Hügelketten und Reisterrassen glitzern schneebedeckte Berge. Dahinter liegt Tibet: das Land, dessentwegen alle hier sind. Das Land, das sie alle hier nervös macht.</p><p>Bewachung, Bevormundung und Tradition<br /> Wie Zwiebelschalen umgeben den Karmapa die Ringe aus Bewachung, Bevormundung und Tradition. Unten, im Schatten der Klostermauer, sitzen indische Soldaten. Wir legen unseren Zettel auf einen abgewetzten Holztisch. Das Papier geht von Hand zu Hand, verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Kameras zeigen. Pässe abgeben. Rucksack auskippen. Eintrag ins zerschlissene Audienzbuch. Leibesvisitation mit acht Händen. Keine Frotzelei, kein Lächeln. Die Sache mit dem unberechenbaren Flüchtling ist den Indern ernst. “You can go.”</p><p>Der-uns-zum-Lachen-bringt</p><p>Der Karmapa wurde in Osttibet in einem Nomadenzelt aus Yakhaar geboren, 1985, im Holz-Ochsen-Jahr des tibetischen Kalenders. Nachbarn erinnern sich an einen Regenbogen am Vorabend der Geburt, an einen besonderen Vogel, der auf dem Zelt saß, an Töne wie von Muschelhörnern, die das Tal erfüllten. Der noch unerkannte Buddha wuchs unter acht Geschwistern auf. “Apo Gaga”, Der-uns-zum-Lachen-bringt, wurde er von seiner Schwester genannt. Und wild sei er als Kind gewesen, erinnert sie sich heute. Wenn er aus Steinen einen Turm gebaut hatte, verkündete er seinen erstaunten Spielkameraden: “Dies ist ein Tempel, und wir alle sind Lamas.” Ein anderes Mal soll er seine Mutter mit einer Vorahnung überrascht haben: “Wenn du dem Karmapa etwas opfern willst, kannst du es gleich mir geben. Denn das bin ja ich.”</p><p>Wie der 16. Karmapa gefunden wurde</p><p>Im Sommer 1992 soll er seine Eltern überredet haben, das Weidelager früher abzubrechen und ins Tal zu ziehen. Da war der Junge sieben Jahre alt, und die Mönche einer Findungskommission zogen durch die Region, um nach der Wiedergeburt des 16. Karmapa zu suchen. Laut der schriftlichen Prophezeiung sollte die “im guten Nomadenland, im Tal der Kuh” zu finden sein. Und 1985 geboren. Als der Junge dann aus einer Auswahl von alten und neuen Dingen zielsicher Ritualgegenstände des verstorbenen Vorgängers an sich nahm, waren sich die Lamas sicher: “Apo Gaga” ist der nächste Karmapa.</p><p>So verließ er die stolze Familie zu Pferd und mit weißen Ehrenschals überhäuft und wurde ins Kloster Tsurphu bei Lhasa gebracht, dem Stammsitz seiner Vorgänger. Es war eine Sensation, als bald darauf sowohl die Chinesen als auch der Dalai Lama den neuen Karmapa anerkannten. Lange hatte Tibet keinen lebenden Buddha mehr gehabt, der im Land blieb. Für die Bevölkerung ein Zeichen des Aufbruchs, und für die chinesischen Besatzer die Chance, sich einen einflussreichen Verbündeten heranzuziehen.</p><p>Flucht über den Himalaya</p><p>Umso größer war die Blamage für die chinesische Regierung, als der Wiedergeborene am Abend des 28. Dezember 1999 aus seinem Klosterfenster kletterte und ins indische Exil flüchtete. Mönche begleiteten den 14-Jährigen über die Pässe des Himalaya. Wer die Jeeps organisiert, die Grenzübertritte organisiert, den Helikopter in Nepal bezahlt hat — darüber schweigen alle Beteiligten bis heute.</p><p>Die Flucht sei seine eigene Entscheidung gewesen, ließ der Karmapa auf seiner ersten Pressekonferenz im Exil wissen. Denn in Indien leben die höchsten Lehrer seines Ordens — und nur mit ihrer Hilfe kann er seiner spirituellen Verantwortung gerecht werden: die fast 1000 Jahre alte Tradition des Karma-Kagyü-Buddhismus fortzusetzen. Wohlbehütet vor der Welt der Politik, in der ein Karmapa nicht nur Segen, sondern auch viel Unruhe stiften kann.</p><p>Als wir durch den Vorhang treten, ist es auf einmal ruhig. Der Wiedergeborene steht wie ein Fels auf dem grünen Teppich. Barfuß und breitschultrig, etwa 1,85 Meter groß, glatt rasierter Schädel. Seine überlangen Arme hält er leicht abgespreizt, wie ein Cowboy vor dem Duell. In seinem Blick liegt Neugier. Alles an ihm signalisiert: Empfangsbereitschaft.</p><p>Buddha blinzelt uns zu, hebt die Augenbrauen. “So, so, Journalisten.” Seine Stimme ist leise. Er fühlt sich noch nicht sicher im Englischen. Der Buddha bedeutet uns, ihm ins Bibliothekszimmer zu folgen, lässt sich dort in einen Sessel aus schwarzem Leder fallen, die Beine locker von sich gestreckt. Dies ist der einzige Ort, an dem ihn seine dienstbaren Mönche allein lassen. Ein Refugium der Normalität. Der Karmapa fingert ein paar saftige Birnenstücke von einem Teller. Neben ihm stapeln sich Bücher. Buddhistische Schriften, eine Bibel, ein Koran. “Die Probleme, mit denen ich konfrontiert werde”, sagt er, “muss man mit großem Überblick betrachten.” Dann klopft es. Sorry, er muss wieder ran. Immerhin dürfen wir bei seinem Seelsorger-Tagewerk dabei sein.</p><p>Pilger aus aller Welt fragen um Rat</p><p>Denn hinter dem Vorhang seines Audienzzimmers warten Pilger aus aller Welt: Pärchen mit Rastafrisur und in beigefarbene Roben gehüllte Nonnen aus Taiwan. Asiaten meist in Gruppen und mit Tüten voller Süßigkeiten, Plastikbuddhas, Kleidung; mit geldgefüllten Briefumschlägen, deren Übergabe an den Erleuchteten ihr Karma stärken soll. Europäer meist einzeln und eher problem– als geschenkbeladen. “Ich brauche den Austausch wie die Luft zum Atmen, gerade auch mit Menschen aus dem Westen”, sagt der Karmapa später. Dänen, Slowenen, Chinesen und eine Französin warten an diesem Tag auf ihren Termin mit dem Erleuchteten. Sie legen Ehrenschals zurecht, ziehen Lippenstift nach. Diskutieren: Wer spricht zuerst, wer übergibt welche Tüte?</p><p>Ein Erinnerungsfoto für das Familienalbum</p><p>Punkt halb elf Uhr: Vorhang auf. Asiaten in Trippelschritten. Geschenke, Glücksschals. Niederwerfungen. Karmapas Segen für alles, was die Besucher ihm hinhalten. Dann das Gruppenfoto: Chinesentraube mit Karmapa, der jetzt streng wie ein Polizist schaut, die Hände vor dem Bauch gefaltet. Vorhang zu. Der Dolmetscher zupft weiße Flusen vom grünen Teppich.</p><p>Vorhang auf: Europäer im Schneidersitz. Der Karmapa schaltet routiniert um auf das westliche Erwartungsprofil, blinzelt den Besuchern schelmisch zu. Macht Witze. Gibt Autogramme, mehr Strich als Wort. Wie er seine Rolle sehe? Ein Praktiker sei er. Er sucht nach Worten. Ein “Action-Man” eben. Dabei ballt er die Fäuste. Vorsichtiges Lachen.</p><p>“Was bedeuten die Tuschzeichnungen Ihrer Heiligkeit?” “Ach, die mache ich nur so, ich träume sie.” Vorhang zu. Vorhang auf: Geschäftsleute. Das Leben sei eine einzige Hetze, klagen sie. Karmapa rät: “Wir Menschen müssen wieder nach dem suchen, was wir wirklich sind. Sonst trägt uns der Stress immer wieder fort.” Vorhang zu.</p><p>Der Karmapa massiert sich sanft den massigen Schädel. Jetzt ist die Französin an der Reihe. Sie rutscht ganz nah an den Tisch aus Fiberglas, flüstert in Englisch: “Ich bin Buddhistin, praktiziere täglich, bin oft im Kloster.” “Very good.” Sie fährt fort: “Meine Familie akzeptiert das nicht — was soll ich tun? Mich für den Buddhismus entscheiden?”</p><p>Der Dolmetscher blickt zu Boden. Der Karmapa wippt hin und her, nimmt die Brille ab. Über ihm drehen sich langsam drei Ventilatoren. Er beugt sich vor, murmelt. Sie nickt. Rückwärts, ohne den Blick von ihrem Guru abzuwenden, verlässt die Französin den Raum. Der junge Buddha seufzt. “Seht ihr”, sagt er, “ich habe eine große Verantwortung, der ich nicht entfliehen kann. Aber was soll ich auf solche Fragen antworten? Es überfordert mich oft, was gerade die Leute aus dem Westen von mir erwarten.”</p><p>Philosophische Gespräche mit Richard Gere</p><p>Doch ein Karmapa ist ein Bodhisattva, ein Erleuchteter, ein Wunscherfüller: Seine Bestimmung ist es, allen Menschen zu helfen, einfachen Pilgern, die einen Namen für ein neues Kloster in Nordrhein-Westfalen erbitten, wie auch dem Schauspieler Richard Gere, wenn der auf dem grünen Teppich über Geist und Metaphysik diskutieren will. Und warum soll er nicht auch uns angereisten Journalisten helfen? “Wollt ihr mich nächste Woche auf eine Reise begleiten? Ich soll in den Bergen, im Dorf Manali, einen Tempel einweihen.”</p><p>Der Dolmetscher macht ein unglückliches Gesicht. Er fürchtet, was wir nun hoffen: Dass wir außerhalb des geschützten Raumes Dinge vom Karmapa erfahren, deren Verbreitung “not necessary” ist. Er fürchtet Ärger. Irgendwie.</p><p>Der einzige Mensch, dem der Karmapa zurzeit nicht allzu viel helfen darf, ist sein Mentor, der Dalai Lama. Zu tief ist der verstrickt in den Tibet-Konflikt — auch wenn er den Anspruch auf vollständige Unabhängigkeit seiner Heimat längst aufgegeben hat. Sich politisch eindeutig auf seine Seite zu schlagen hieße, die Chinesen vor den Kopf zu stoßen. Und die Chance auf eine friedliche Zukunft Tibets zu gefährden.</p><p>Denn anders als der Dalai Lama, den die chinesische Regierung als “Dämon mit menschlichem Antlitz und dem Herzen einer Bestie” beschimpft, ist der Karmapa nie angefeindet worden. Umgekehrt hält auch er sich mit Kritik zurück. Und seine Bewacher und Berater sorgen dafür, dass es kaum Möglichkeiten für diplomatische Fehltritte gibt.</p><p>Wer genau die Pläne für die Zukunft des Karmapa entwirft, wer entscheidet, auf welche Rolle sich der junge Mönch mit welchem Zeitplan vorzubereiten hat — das liegt im Nebel von Tibets komplizierter Diplomatie-Maschinerie. Ein Exil-Parlament wählt die Exil-Regierung, die in Dharamsala tagt und von keinem Staat der Welt anerkannt wird. Dennoch empfängt der Dalai Lama in seiner Residenz Politiker aus aller Welt. Seine Emissäre, meist tibetische Adlige, starten von Dharamsala aus zu geheimen Gesprächen mit Chinas Machthabern — während tibetische Jugendorganisationen immer lauter verlangen, der Dalai Lama möge doch wieder kompromissloser für sein Volk eintreten.</p><p>Angst vor einem “zweiten Dalai Lama”</p><p>Und der Karmapa ist für alle der Joker, den sie noch nicht ausspielen wollen. Was ihn für seine indischen Gastgeber schwer berechenbar macht: Einen “zweiten Dalai Lama”, der von indischem Boden aus China provoziert, will man sich nicht leisten.</p><p>So ist der Radius, in dem sich der Erleuchtete im Exil frei bewegen darf, auf 15 Kilometer um sein Gyuto-Kloster begrenzt. Jeder Wunsch, auch nur den Dalai Lama in dessen 20 Kilometer entferntem Kloster zu besuchen, muss von indischen Sicherheitsbehörden abgesegnet werden. In jüngster Zeit mehren sich Berichte, dass das monatliche Treffen der beiden Buddhas oft untersagt oder auf eine halbe Stunde begrenzt wurde. Auch der Bau eines Heiligtums, das der Karmapa nahe Dharamsala hatte errichten lassen wollen, wurde gestoppt — angeblich auf Betreiben des indischen Außenministeriums.</p><p>Visiten des lebenden Buddha in entfernten Klöstern sind rar. Die Inder wollen nicht noch einmal ein solches Fiasko erleben wie 2008: Da war der Autokonvoi des Karmapa in Ladakh, nahe der Grenze zu China, auf einem 4800 Meter hohen Pass eingeschneit. Der Buddha musste zwei Nächte im Zelt verbringen, der Proviant ging zur Neige. Indiens Armee blieb keine Wahl: Sie rettete den heiligen Flüchtling per Hubschrauber.</p><p>Eine einzige Auslandsreise hat man dem staatenlosen Flüchtling bislang genehmigt: In die USA, wo sein Karma-Kagyü-Orden weit verbreitet ist. Unter der Voraussetzung, dass er zum Tibet-Thema nicht Stellung nehme, durfte er im Mai 2008 in New York, Boulder und Seattle vor Tausenden Anhängern lehren — und auch Disneyland besuchen (“das war ganz amüsant”).</p><p>Karmapa will den Dalai Lama “unterstützen”</p><p>Immerhin hat er damals gegenüber einem Reporter des Magazins “Time” die wohl politischste Aussage seines bisherigen Lebens gemacht: “Ich werde den Dalai Lama unterstützen, so gut ich kann.” Ob das ein Moment der Unachtsamkeit in seiner Entourage war, eine planvolle Annäherung an künftige Aufgaben oder ein überinterpretierter Allgemeinplatz — das bleibt im Unklaren.</p><p>“Die Reise ist abgesagt.” Der Sekretär des Karmapa zuckt mit den Schultern. Es ist sechs Uhr morgens, wir stehen wie verabredet am Tempel, bereit, den Karmapa nach Manali zu begleiten. Und können es nicht fassen. Seine Heiligkeit fühle sich nicht wohl, heißt es. Im Übrigen durchlebe der Karmapa im Alter von 24 Jahren ein “Obstacle Year”, in dem nach tibetischem Glauben besondere Gefahren lauern. Da müsse man auf sich achtgeben. Wenig reisen. Sorry.</p><p>So dürfen wir wenigstens an diesem Tag ein paar Stunden im “Innersten” der Residenz bleiben. Außer den Mitarbeitern darf das sonst nur Ngödrup, die Schwester des Karmapa, die hier gewissermaßen als “First Lady” fungiert. Sie betreut gern asiatische Besuchergruppen — vermutlich die lukrativste Tätigkeit im Kloster. Von den Geschenken fällt für alle etwas ab. Ngödrups rote Fleece-Jacke wirkt nagelneu, und am Vortag hatte sie sich über ein Golfkäppi gefreut.</p><p>Für uns ist an diesem Nachmittag wieder mal der Dolmetscher zuständig. Ja, Seiner Heiligkeit gehe es besser. Der Karmapa sei gerade bei seinem höchsten Lehrer, mit dessen Anleitung er versuche, im Wachzustand bewusst auf der Ebene der Träume zu meditieren. “Das ist nichts für euch.” “Und was macht er am Nachmittag?” “Habt ihr nicht schon genug Fotos?”</p><p>Das westliche Interesse an der Person des Karmapa ist für dessen Entourage schwer zu begreifen. Während der Dalai Lama längst akzeptiert hat, dass er neben seiner Rolle als Mönch und Diplomat auch als schlagfertiges Maskottchen des Buddhismus herhalten muss, konzentriert sich der Karmapa bisher auf seine spirituellen Aufgaben. Für die Pilger, die ihn besuchen, ist er vor allem eines: 1000 Jahre angehäuften Wissens. Und die will er nun auch mit uns teilen. Ein klein wenig, zumindest. Um Viertel nach drei. Ob ihn sein Amt einsam macht?</p><p>“Das Wichtigste ist ein stabiler Geist”</p><p>“Na ja, allein sein, allein Dinge tun, das hält den Geist ruhig. Und ein stabiler Geist — das ist das Wichtigste.” Zugleich bereitet sich der Karmapa längst auf ein Leben vor, das immer mehr in der Öffentlichkeit stattfinden wird. Sprachen zu lernen etwa bereitet ihm keine Mühe. “Mein Englisch muss aber noch besser werden”, sagt der Karmapa. Natürlich spricht er Hindi, die Sprache seines Gastlandes. In Tibet hat er Chinesisch gelernt. “Und gleich kommt mein Koreanischlehrer.” Denn von dort treffen immer mehr Pilger ein.</p><p>Eine Tür öffnet sich und ein rundlicher Junge im Mönchsgewand stürmt fröhlich herein, in der Hand einen Gameboy. Aufpassermönche hetzen hinterher. Protokollarisch ist das Verhalten des Jungen grenzwertig. Aber was sollen sie machen: Der Zehnjährige ist die Wiedergeburt des Drupon Dechen Rinpoche, eines 1998 verstorbenen Hauptlehrers des Karmapa.</p><p>Der Buddha als Mensch</p><p>Karmapa strahlt. Endlich jemand, der sich nicht sofort vor ihm niederwirft! Im Gegenteil. Der ältere Buddha nimmt lachend Kung-Fu-Haltung ein, der Kleine schaut gebannt. Dann rangeln die beiden Götter miteinander wie Teenager. Früher waren solche Spiele für den Karmapa ein täglicher Spaß. Heute verbietet die Würde des Amtes zu viel Tuchfühlung. Seine Mönche ziehen als Geste des Respekts stets ein Stück ihrer Robe vor den Mund, wenn sie das Wort an ihn richten. Für Streicheleinheiten steht nur Tashi, der weiße Schoßhund von Karmapas Schwester, zur Verfügung.</p><p>“Indem ich mit dem Jungen spiele”, sagt der Karmapa “erweise ich auch meinem früheren Lehrer Respekt.” Der Buddha hat jetzt Gefallen daran gefunden, sich als Mensch zu präsentieren und fährt routiniert seinen Laptop hoch. Erzählt, mit gedämpfter Stimme, vom Internet (wo er Popsongs herunterlade, deren Sänger er sich nicht merken kann). Von DVDs, die er sich bringen lässt (“Indiana Jones ist fabelhaft. Da kämpft Gut gegen Böse — wie im Buddhismus”). Und er erzählt auch, dass er noch nie im Leben Geld berührt hat. Schreibt er E-Mails? Der Karmapa nippt an seiner Tasse mit heißem Wasser. Er lacht. “Mit wem sollte ich mailen?” Allein die Vorstellung erscheint ihm abwegig.</p><p>Was ist der Karmapa wirklich?</p><p>Ob wir ihn mal einen kompletten Tag begleiten dürfen? Der Karmapa grinst. Fast scheint es, als wolle er ausprobieren, wie weit seine Befugnisse tatsächlich reichen. “Warum nur einen Tag?” fragt er auf Englisch. “Zwei Tage sollten es schon sein.” Draußen, vor den Sicherheitsabsperrungen, bitten wir die Tempelverwaltung um die nötigen Einladungsformulare. Der Dolmetscher wird ernst. Zwei Tage? Das habe er so nicht verstanden. “Aber Sie standen doch daneben. Er hat das gesagt!” “Ich glaube, eher nicht.” Der Karmapa, sagt einer der Sekretäre tröstend, sei ja ein Bodhisattva — wenn er es tatsächlich so gemeint habe, werde er Wege finden, uns zu helfen.</p><p>Was ist der Karmapa wirklich? Ein Erleuchteter, der als Bodhisattva nur aus Mitgefühl für alle anderen Wesen auf der Erde bleibt, obwohl er längst ins Nirwana eingehen könnte? Oder in erster Linie ein Ersatzmann im Machtspiel zwischen der tibetischen Exilregierung und den Chinesen? Und wie passt beides zusammen? Was ist das für ein Mann, der mit seinen Lehrern täglich die “buddhistische Leerheit” erörtert, oder den “Unterschied von konzepthaftem Geist und Weisheitsgeist”? Und der eine Broschüre mit “108 Dingen, die ihr tun könnt, um der Umwelt zu helfen” veröffentlicht: Nummer 1: Sprecht Wunschgebete. Nummer 48: Sammelt Regenwasser. Nummer 71: Schaltet euren Computer über Nacht aus.</p><p>Moderner “Action-Man” oder Führer eines mittelalterlichen Ordens? Allwissender Gott oder Tibet-Lobbyist im Wartestand? Es ist verständlich, dass der Karmapa einstweilen die Umweltpolitik zu seinem Wirkungsgebiet auserkoren hat — weil er dabei Gutes tun kann, ohne damit allzu sehr anzuecken.</p><p>So wäre er gern im Dezember 2009 zur Klimakonferenz nach Kopenhagen gefahren — durfte aber nicht. So spricht er vor Schülern über Tierschutz als Menschenschutz. Und so ist er dabei, als ein Film über die ihres Fells wegen gefährdete Chiru-Antilope vorgestellt wird — eines der wenigen Probleme in Tibet, das nicht direkt den chinesischen Besatzern angelastet werden kann. Der Film heißt: “Ein Schal — zum Sterben schön.”</p><p>Bei solchen Themen darf auch der Karmapa deutlich werden.</p><h3>…und dann starb der Dalai Lama: Wird der 17. Karmapa einmal Übergangslösung für den Dalai Lama?</h3><p>jetzt.de, 21.11.09 -<br /> Wenn der Dalai Lama stirbt, geht es für die Tibeter dabei um weit mehr als nur ihr religiöses Oberhaupt. Es geht auch um die politische Zukunft der tibetischen Bewegung. Doch diese sieht düster aus. Trotz aller Plan-Spiele und Nachfolge-Überlegungen der tibetischen Führung. Oder aber gerade wegen diesen.</p><p>Wie es Urgyen Trinley Dorje nach Indien geschafft — das weiß niemand so genau. Mit einem Wagen soll der Junge aus Lhasa geflohen sein. Woher dieser Wagen stammt, ist unklar. Woher das Geld für seine Flucht kam, weiß niemand so recht zu sagen. Wie er ohne Ausweise und Papiere zunächst nach Nepal, wie es heißt, und von dort nach Indien gelangen konnte, auch dies ist bis heute nicht geklärt. Durchaus klar ist aber, dass der damals 14-Jährige der Welt noch nahezu unbekannt war, bis er beim Sitz der tibetischen Exil-Regierung in Dharmsala — im Norden Indiens — eintraf. Fast über Nacht wurde der heute 24-Jährige dann zum Superstar und Hoffnungsträger der tibetischen Sache gemacht. Aber nur vorsichtig. Nur ganz langsam. Zuviel will die tibetische Exil-Regierung nicht von ihrem Hoffnungsträger preisgeben. Noch nicht. Weitestgehend reduzieren sich die Äußerungen von Urgyen Trinley Dorje dann auch auf Presse-Erklärungen, die von der tibetischen Exil-Regierung verfasst werden. Nicht zuletzt, da die indische Regierung dem jungen Mann ein Redeverbot auferlegt hat — um Peking nicht zu verägern.</p><p>Urgyen Trinley Dorje ist der 17. Karmapa. Und in der chinesischen Hauptstadt kennt man den heute 24-Jährigen sehr gut. Schließlich wurde dieser Karmapa einst auch offiziell von Peking anerkannt. Ganz im Gegensatz etwa zum Panchem Lama, der Nummer 2 im tibetischen Lamaismus, für den Peking einen Gegen-Panchem installierte. Ohnehin führte Urgyen Trinley Dorje ein recht beschauliches Leben in Lhasa — vor seiner Flucht. An materiellen Annehmlichkeiten mangelte es ihm jedenfalls nicht. Die tibetische Exil-Regierung spricht hier vom “Goldenen Käfig”, dem Urgyen Trinley Dorje bei seiner Flucht habe entkommen wollen.</p><p>Urgyen Trinley Dorje ist längst zu einer Schlüsselfigur in der Frage geworden, was nach dem Tod des Dalai Lama mit Tibet, der Exil-Regierung und dem Lamaismus passieren soll. Der Dalai, Oberhaupt der größten tibetischen Sekte und göttlicher Führer des tibetischen Volkes, selbst kündigte an, er werde nicht in Tibet wiedergeboren werden, wenn dieses Land bis dahin nicht frei sei. Er werde nur in einem freien Land wiedergeboren. Doch ganz gleich, wo der nächste Dalai geboren wird, bereits das Finden der Reinkarnation dürfte Monate und Jahre dauern. Monate, in denen Gruppen tibetischer Mönche durch die Welt reisen und versuchen anhand von Prophezeiungen, Zeichen und sonstigen Vorhersagen jenes Kind zu finden, in das der Geist des tibetischen Oberhauptes eingekehrt ist. Nur: Damit ist die Sache noch nicht ausgestanden. Denn dieses Kind muss noch erzogen, ausgebildet, belehrt und in den religiösen Fragen des Lamaismus unterwiesen werden. Selbst wenn man dem künftigen Dalai nur 14 oder 15 Jahre dafür einräumt. Die Zeit ist zu lang, um den Kampf um Tibets Autonomie aufrecht zu erhalten.</p><p>China hat seit langem auf diesen Tag spekuliert: Den Tag, an dem der Dalai stirbt. Mit ihm, so die Annahme chinesischer Strategen, stirbt auch die “tibetische Bewegung”. Der 17. Karmapa soll nun offenbar genau dies verhindern. So mehren sich die Stimmen, die dem dritthöchsten Würdenträger der Tibeter eine Übergangsfunktion zugedenken. Anders als der Dalai gehört er aber nicht der Gelug-Sekte, sondern der Kagyu-Richtung an. Und diese hat einen Tiefen Spalt in den tibetischen Lamaismus gezogen, der ebenfalls an die Person Urgyen Trinley Dorje geknüpft ist.</p><p>Denn neben ihm erheben noch zwei weitere Kandidaten Anspruch auf den Titel des offiziellen und einzigen Karmapa — so wie Thaye Dorje. Seinen Ursprung haben diese Ansprüche bei den vier Würdenträgern, die einst beauftragt wurden, den Nachfolger des 16. Karmapa zu finden. Zwischen ihnen kam es zum Bruch. Später wurde auch der Dalai Lama in den Streit mit hineingezogen. In einen Streit, bei dem es nur zum Teil um religiöse Deutungen und Vorhersagen geht. Vor allem geht es um Macht, Land und Geld. Sehr viel Geld sogar. Um es genauer zu sagen, um ein Vermögen von weit über einer Milliarde US-Dollar, das der Karmapa Trust Funds besitzt, eine Stiftung, die vom 16. Karmapa gegründet wurde. Es geht auch um Landstriche, um die sich Indien und China streiten und deren Bevölkerung zum überwiegenden Teil der Kagyu-Richtung anhängt.</p><p>Bereits hier lässt die Personalie Urgyen Trinley Dorje erahnen, welche Gräben im Machtgefüge der tibetischen Führung existieren. Wird der 17. Karmapa als Übergangslösung für den Dalai Lama installiert, werden die Gräben innerhalb der Kagyu-Richtung offen zu Tage treten. Längst bestätigten Gerichte in Indien, dass das Kloster Rumtek– Zentrum der Kagyu-Glaubensrichtung — dem Karmapa Trust Funds untersteht. Wer im Kloster regiert, herrscht über die Kagyu, denn dort sollen sich die Heiligtümer der Kagyu befinden. Das Problem: Der Funds sieht Urgyen Trinley Dorje nicht als legitimen 17. Karmapa. Kontrolliert wird das Kloster aber derzeit von Anhängern des Dalai Lama — und dieser hält an seinem Favoriten, Urgyen Trinley, fest.</p><p>Text: Meander</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2009/11/24/und-dann-starb-der-dalai-lama-wird-der-17-karmapa-einmal-ubergangslosung-fur-den-dalai-lama/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>3</slash:comments> </item> <item><title>Tibetische Exilregierung zu Gesprächen mit China bereit</title><link>http://tibetfocus.com/2009/11/17/tibetische-exilregierung-zu-gesprachen-mit-china-bereit/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2009/11/17/tibetische-exilregierung-zu-gesprachen-mit-china-bereit/#comments</comments> <pubDate>Tue, 17 Nov 2009 21:32:47 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Dalai Lama]]></category> <category><![CDATA[Dharamsala]]></category> <category><![CDATA[Exilregierung]]></category> <category><![CDATA[Sino-Tibetischer Dialog]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=4761</guid> <description><![CDATA[Deutsche Welle, 17.11.09 — Die tibetische Exilregierung hat ihre Bereitschaft zu Gesprächen mit der chinesischen Führung bekräftigt. Die Initiative dazu müsse aber von China ausgehen, erklärte ein Sprecher der Exilregierung im indischen Dharamsala, dem Wohnort des Dalai Lama. Er reagierte damit auf den Appell von US-Präsident Barack Obama, China und der Dalai Lama sollten wieder [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Deutsche Welle, 17.11.09 — Die tibetische Exilregierung hat ihre Bereitschaft zu Gesprächen mit der chinesischen Führung bekräftigt. Die Initiative dazu müsse aber von China ausgehen, erklärte ein Sprecher der Exilregierung im indischen Dharamsala, dem Wohnort des Dalai Lama. Er reagierte damit auf den Appell von US-Präsident Barack Obama, China und der Dalai Lama sollten wieder Gespräche aufnehmen. Bei seinem Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao in Peking hatte Obama auch erklärt, die USA betrachteten Tibet als Teil der Volksrepublik.</p><p><a href="http://videoportal.sf.tv/video?id=c928e839-636b-4e20-8721-6684d4d787ef" target="_blank">Video der Pressekonferenz Obamas mit Hu Jintao</a></p><p><object data="http://www.sf.tv/videoplayer/embed/c928e839-636b-4e20-8721-6684d4d787ef" type="application/x-shockwave-flash" style="width:640px;height:386px"><param name="movie" value="http://www.sf.tv/videoplayer/embed/c928e839-636b-4e20-8721-6684d4d787ef"/><param name="quality" value="high" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><a href="http://videoportal.sf.tv/video?id=c928e839-636b-4e20-8721-6684d4d787ef" alt="zum Videoportal des Schweizer Fernsehens">Tagesschau  vom 17.11.2009</a></object></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2009/11/17/tibetische-exilregierung-zu-gesprachen-mit-china-bereit/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Dalai Lama ist in Bozen, Südtirol</title><link>http://tibetfocus.com/2009/11/17/dalai-lama-ist-in-bozen-sudtirol/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2009/11/17/dalai-lama-ist-in-bozen-sudtirol/#comments</comments> <pubDate>Mon, 16 Nov 2009 22:30:47 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Dalai Lama]]></category> <category><![CDATA[Autonomie]]></category> <category><![CDATA[Solidarität]]></category> <category><![CDATA[Südtirol]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=4743</guid> <description><![CDATA[Südtirol, 16.11.09 — Weit früher als erwartet, nämlich bereits um 9.15 Uhr ist heute Tenzin Gyatso, der 14. 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Dalai Lama, am Flughafen in Bozen eingetroffen.<br /> Empfangen wurde das geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter von Landeshauptmann Luis Durnwalder.</p><p><a href="&lt;embed src=&quot;http://www.provinz.bz.it/GenericV5/flash/player.swf&quot; width=&quot;480&quot; height=&quot;389&quot; bgcolor=&quot;#fff&quot; allowfullscreen=&quot;true&quot; flashvars=&quot;type=http&amp;width=480&amp;height=389&amp;playlist=none&amp;playlistsize=0&amp;stretching=fill&amp;autostart=false&amp;file=video.flv&amp;streamer=http://redas.siag.it/video/ResourceHandler.ashx?GUID=ea464c26-9e04-46fe-ac7b-a3337b011b41%26TYPE=CONTENT&amp;image=http://redas.siag.it/video/ResourceHandler.ashx?GUID=ea464c26-9e04-46fe-ac7b-a3337b011b41%26TYPE=THUMB&amp;plugins=embed-1&amp;embed.code=%3Cembed+src%3D%22http%3A%2F%2Fwww%2Eprovinz%2Ebz%2Eit%2FGenericV5%2Fflash%2Fplayer%2Eswf%22+width%3D%22480%22+height%3D%22389%22+bgcolor%3D%22%23fff%22+allowfullscreen%3D%22true%22+flashvars%3D%22type%3Dhttp%26width%3D480%26height%3D389%26playlist%3Dnone%26playlistsize%3D0%26stretching%3Dfill%26autostart%3Dfalse%26file%3Dvideo%2Eflv%26streamer%3Dhttp%253A%252F%252Fredas%252Esiag%252Eit%252Fvideo%252FResourceHandler%252Eashx%253FGUID%253Dea464c26%252D9e04%252D46fe%252Dac7b%252Da3337b011b41%252526TYPE%253DCONTENT%26image%3Dhttp%253A%252F%252Fredas%252Esiag%252Eit%252Fvideo%252FResourceHandler%252Eashx%253FGUID%253Dea464c26%252D9e04%252D46fe%252Dac7b%252Da3337b011b41%252526TYPE%253DTHUMB%22+%2F%3E&amp;embed.title=Embed code&amp;embed.instruction=Hier können Sie den Code kopieren&amp;embed.close_text=Fenster schließenembed.copy_text=Text kopieren&quot; /&gt;" target="_blank">Hier das Video der Ankunft S.H. des Dalai Lama in Bozen</a></p><p>“Wir fühlen uns geehrt, den Dalai Lama, weltweit eine Symbolfigur für Hoffnung und Gerechtigkeit, bereits zum dritten Mal in unserem Land begrüßen zu können”, so Durnwalder, der für den Empfang die Sitzung der Landesregierung verlassen und den Dalai Lama bis in dessen Hotel begleitet hatte.</p><p>Offizielle Termine des Dalai Lama stehen erst morgen, Dienstag, auf dem Programm.</p><p>Bereits um 8.30 Uhr wird er am Amtssitz von Landeshauptmann Durnwalder im Palais Widmann in Bozen erwartet, um mit diesem ein Vier-Augen-Gespräch zu führen.</p><p>Um 9 Uhr steht dagegen das Treffen mit der gesamten Landesregierung auf dem Programm, während gegen 9.30 Uhr eine kurze Pressekonferenz mit Durnwalder und dem Dalai Lama vorgesehen ist.</p><p>Eine halbe Stunde später wird das weltliche und geistliche Oberhaupt der Tibeter — begleitet vom Landeshauptmann — an einer öffentlichen Veranstaltung an der Eurac teilnehmen, um im Anschluss nach Trient weiterzureisen.</p><h4>Zusammenarbeit mit der EURAC</h4><p>Seit den 90er Jahren unterstützen und beraten die Juristen und Minderheiten-Experten der EURAC die tibetische Exilregierung, besonders in Sachen Autonomie.</p><p>Eine Autonomie nach Südtiroler Vorbild könnte ein möglicher Kompromiss in den Verhandlungen mit China über die Lösung des Tibet-Konflikts darstellen.</p><p>Im Rahmen seines Aufenthalts wird der Friedensnobelpreisträger ab 10 Uhr in der EURAC über sein Leben für die Freiheit, den Frieden und die menschliche Würde erzählen. Der öffentliche Termin ist ausgebucht.</p><p>Am frühen Nachmittag wird der Dalai Lama schließlich in Trient erwartet.</p><p>Im Jahre 1959 floh der Dalai Lama nach einem Volksaufstand gegen die chinesischen Besatzer ins indische Exil nach Dharamsala, wo er sich seitdem aufhält und auf vielen Wegen versucht, das Los der Menschen in seiner Heimat zu verbessern.</p><p>Für seine Bemühungen um die gewaltfreie Lösung des Tibet-Konflikts erhielt der Dalai Lama, von den Tibetern auch „Ozean der Weisheit” genannt, im Jahre 1989 den Friedensnobelpreis.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2009/11/17/dalai-lama-ist-in-bozen-sudtirol/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Interview mit dem Dalai Lama: »Ich bin Marxist«</title><link>http://tibetfocus.com/2009/10/23/interview-mit-dem-dalai-lama-%c2%bbich-bin-marxist%c2%ab/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2009/10/23/interview-mit-dem-dalai-lama-%c2%bbich-bin-marxist%c2%ab/#comments</comments> <pubDate>Fri, 23 Oct 2009 11:31:26 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Dalai Lama]]></category> <category><![CDATA[Autonomie]]></category> <category><![CDATA[Chinesische Regierung]]></category> <category><![CDATA[Dharamsala]]></category> <category><![CDATA[Exil]]></category> <category><![CDATA[Exilregierung]]></category> <category><![CDATA[Gewaltlosigkeit]]></category> <category><![CDATA[Kloster]]></category> <category><![CDATA[Kommunismus]]></category> <category><![CDATA[Kultur]]></category> <category><![CDATA[Marxismus]]></category> <category><![CDATA[Menschenrechte]]></category> <category><![CDATA[Mönch]]></category> <category><![CDATA[Tibet]]></category> <category><![CDATA[Unabhängigkeit]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=4497</guid> <description><![CDATA[Die Zeit, 22.10.09 - Der Dalai Lama über die wachsende Ungeduld seiner Landsleute, Chinas Macht und seine eigene Zukunft. Die ZEIT: Viele, vor allem junge Tibeter wollen nicht mehr geduldig sein. Sie halten Ihre Politik des Mittelweges, die auf Unabhängigkeit verzichtet, für falsch. Ist Ihre Strategie des Einlenkens gescheitert? Dalai Lama: Ich habe ja meine [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Die Zeit, 22.10.09 -<br /> Der Dalai Lama über die wachsende Ungeduld seiner Landsleute, Chinas Macht und seine eigene Zukunft.</p><p>Die ZEIT: Viele, vor allem junge Tibeter wollen nicht mehr geduldig sein. Sie halten Ihre Politik des Mittelweges, die auf Unabhängigkeit verzichtet, für falsch. Ist Ihre Strategie des Einlenkens gescheitert?</p><p>Dalai Lama: Ich habe ja meine Strategie im vergangenen Jahr zur Disposition gestellt. Bei einer Versammlung aller exiltibetischen Gruppen habe ich die Frage gestellt, wie es weitergehen soll. Die Mehrheit hat sich einstweilen für den Mittelweg entschieden. Aber das kann die Mehrheit jederzeit ändern. Ich beuge mich dieser Entscheidung.</p><p>ZEIT: Sie sind gleichzeitig ein religiöser und ein politischer Führer. Eine Errungenschaft der europäischen Aufklärung ist die strikte Trennung von Politik und Religion. Ist das nicht sinnvoll?</p><p>Dalai Lama: Oh ja! Politische und religiöse Institutionen sollten getrennt sein. Das ist eine große moralische Herausforderung für mich.</p><p>ZEIT: Bei Ihnen ist das tatsächlich schwierig auseinanderzuhalten …</p><p>Dalai Lama: …weil ich der Sprecher der Friedensbewegung für die tibetischen Menschen bin. Die Tibeter respektieren mich und vertrauen mir. Daraus resultiert eine moralische Verantwortung, der ich mich stellen muss. Aber alle grundlegenden politischen Entscheidungen werden von gewählten Personen getroffen. Da sind das Parlament und der Premierminister der Boss. Auf der geistlichen Seite bin ich der Boss.</p><p>ZEIT: Derzeit finden keine politischen Verhandlungen zwischen den Tibetern und der chinesischen Regierung in Peking statt. Warum nicht?</p><p>Dalai Lama: Alle unsere Vorschläge wurden zurückgewiesen. Uns wird vorgeworfen, dass wir für die Unabhängigkeit Tibets kämpfen. Dabei haben die Chinesen im Februar 2006 selbst eingeräumt, dass das nicht der Fall ist. Danach haben sich die Unabhängigkeitsvorwürfe wieder verschärft.</p><p>ZEIT: Je mächtiger China wird, desto weniger hat die Führung es nötig, mit Ihnen zu sprechen. China ist ja in der Weltwirtschaftskrise politisch noch stärker geworden. Und die westlichen Politiker sind entsprechend stiller geworden, wenn es um Tibet geht. Haben Sie dafür Verständnis?</p><p>Dalai Lama: Manchmal kommt es ihnen politisch ungelegen, klare Worte zu sprechen. Aber sie sollten weiter darauf drängen, dass in China das Recht auf freie Meinungsäußerung etabliert wird und dass die Menschenrechte respektiert werden. Nur so kann China ein respektiertes Land in der Weltgemeinschaft werden. Das darf keine Frage kurzfristiger politischer Abwägungen sein.</p><p>ZEIT: Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die meisten westlichen Politiker wollen Sie zwar treffen, aber ihre Politik gegenüber China wollen sie nicht ändern.</p><p>Dalai Lama: Sie müssen ihre Politik gegenüber China gar nicht ändern. Wir wollen keine Unabhängigkeit, sondern nur kulturelle Autonomie, wie sie uns laut der chinesischen Verfassung zusteht.</p><p>ZEIT: Dennoch sieht es nicht so aus, als ob es in dieser Frage demnächst Fortschritte geben wird. Die Menschen im Westen sind mit der Wirtschaftskrise beschäftigt. Hat die Krise auch die tibetische Bewegung aus dem Blickwinkel der Weltöffentlichkeit gedrängt?</p><p>Dalai Lama: Im Gegenteil, die Krise macht uns bewusst, dass moralische Werte wichtiger denn je sind. Die Menschen, die die Krise verursacht haben, waren von Geldgier getrieben. Nun, da sie das Geld verloren haben, besinnen sie sich wieder auf die eigentlichen Werte wie Familie, inneren Frieden und harmonisches Zusammenleben. Sie merken, Geld und materielle Ziele schaffen kein Glück.</p><p>ZEIT: Wie wollen Sie denn die neue Nachdenklichkeit für Ihre Bewegung nutzen, um wieder mehr internationale Medienaufmerksamkeit zu bekommen?</p><p>Dalai Lama: Die Frage des Überlebens der tibetischen Kultur ist wichtig. Aber noch wichtiger sind ökologische Fragen. Vom tibetischen Hochplateau wird ein Großteil Asiens mit Wasser versorgt. In dem Maße, in dem das Wasser knapper wird, muss die internationale Gemeinschaft sicherstellen, dass alle in Asien gleichermaßen von dem Wasser profitieren. Ein autonomes Tibet könnte ein Garant dafür sein. Und es ist durchaus möglich, dass die internationale Gemeinschaft aus diesem Grund den Druck auf China erhöhen wird.</p><p>ZEIT: Kann es nicht auch sein, dass China genau aus diesen Gründen immer weniger selbst an einem autonomen Tibet interessiert ist?</p><p>Dalai Lama: Daran habe ich keinen Zweifel. Schon in den fünfziger Jahren waren die Bodenschätze und strategische Überlegungen der entscheidende Faktor, warum Peking sich entschloss, Tibet zu »befreien«. Am Ende steht jedoch die Frage, wer in diesen Punkten stärker ist: die internationale Gemeinschaft oder China.</p><p>ZEIT: Warum arrangieren sich Taiwan und China, während es mit Tibet keinen Schritt vorangeht?</p><p>Dalai Lama: Unsere Lage ist komplizierter. Die Menschen in Taiwan und in China sprechen die gleiche Sprache, sie haben den gleichen kulturellen Hintergrund. Die Tibeter haben eine andere Kultur, eine andere Mentalität und sprechen eine andere Sprache als die Chinesen. Das macht es nicht einfacher.</p><p>ZEIT: Geht es den Menschen in China besser als vor zehn Jahren?</p><p>Dalai Lama: Wirtschaftlich und politisch geht es ihnen besser. Die Mittelklasse wächst. Aber es fehlt ihnen an moralischem Gespür. Menschen, die Macht haben, missbrauchen sie hemmungslos.</p><p>ZEIT: Sind Sie Kommunist oder Kapitalist?</p><p>Dalai Lama: Ich bin ein Marxist. Der Kommunismus basiert auf einer gewalttätigen totalitären Gesellschaft. Der Kapitalismus auf dem Wunsch, reicher und reicher zu werden. Der Marxismus versucht, das, was vorhanden ist, gleichmäßig zu verteilen.</p><p>ZEIT: Was die Fleißigen demotiviert.</p><p>Dalai Lama: Den Reichtum völlig gleichmäßig zu verteilen ist natürlich unrealistisch. Ich denke eher an eine verantwortungsvolle Marktwirtschaft mit starker staatlicher Kontrolle.</p><p>ZEIT: Fürchtet die Regierung die Kraft der Religion?</p><p>Dalai Lama: Auf jeden Fall. Die Religion ist wie jede andere Ideologie stark an Emotionen gebunden. Die lassen sich nur schwierig steuern. Sogar einige Familien in der Topführung sind praktizierende Buddhisten. Und ein chinesischer General trägt immer ein Bild Maos und ein Bild von mir mit sich herum.</p><p>ZEIT: Sie leben nicht ewig. Wäre es nicht sinnvoll, noch zu Lebzeiten einen Nachfolger zu benennen?</p><p>Dalai Lama: Wäre ich ein totalitärer Diktator, müsste ich dringend darüber nachdenken, wer mein Nachfolger werden soll. Aber ich bin ja kein Kommunist. Ob die Institution des Dalai Lama weiter bestehen soll, hängt von den Wünschen der Tibeter ab. Wenn sie zu dem Ergebnis kommen, dass die Institution nicht länger relevant ist, wird sie verschwinden.</p><p>ZEIT: Würde das nicht bedeuten, dass die tibetische Kultur dramatisch Aufmerksamkeit und damit auch Bedeutung verlieren wird?</p><p>Dalai Lama: Ich bin nur so bekannt, weil die chinesischen Kommunisten mich so bekannt gemacht haben, indem sie mich aus Tibet vertrieben. Das ist eine Rolle, die ich mir nicht aussuchen konnte.</p><p>ZEIT: Es ist nicht leicht in diesen Zeiten, der Dalai Lama zu sein. Würden Sie die Aufgabe wieder übernehmen, wenn Sie die Wahl hätten?</p><p>Dalai Lama: Leicht oder nicht leicht, das hängt von der mentalen Einstellung ab. Ich empfinde es als Glück, Menschen in aussichtslosen Situationen ein wenig helfen zu können.</p><p>ZEIT: Aber läuft Ihnen nicht die Zeit davon?</p><p>Dalai Lama: Nein. Die tibetische Bewegung hat mehr Kraft als die kommunistische Bewegung. Der Kommunismus hat noch nicht einmal 200 Jahre durchgehalten. Den Buddhismus gibt es seit mehr als 2000 Jahren.</p><p>ZEIT: Dennoch werden jeden Tag mehr Han-Chinesen nach Tibet verschickt.</p><p>Dalai Lama: Das ist ein großes Problem. In der Inneren Mongolei stehen bereits vier Millionen Mongolen 20 Millionen Han-Chinesen gegenüber. Das kann auch in Tibet so kommen. Darüber muss die Welt sich Sorgen machen.</p><p>ZEIT: Haben Sie überhaupt noch Hoffnung, dass es Fortschritte im tibetischen Kampf geben wird?</p><p>Dalai Lama: Wenn man den tibetischen Kampf aus einer lokalen, kurzfristigen Perspektive betrachtet, ist es sehr hoffnungslos. Global betrachtet, sieht das schon anders aus. Die Menschen haben die Kraft, Dinge zu ändern, die sie stören. Die Mauer in Deutschland ist nicht durch Gewalt gefallen, sondern durch eine friedliche Bewegung.</p><p>Das Interview führte Frank Sieren</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2009/10/23/interview-mit-dem-dalai-lama-%c2%bbich-bin-marxist%c2%ab/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> </channel> </rss>
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