<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> <rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/" xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/" ><channel><title>tibetfocus.com &#187; Politik</title> <atom:link href="http://tibetfocus.com/category/politik/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://tibetfocus.com</link> <description></description> <lastBuildDate>Mon, 06 Sep 2010 17:10:01 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=abc</generator> <item><title>Kritik an der Staatskunst: Chinas Premier Wen Jiabao gibt sich volksnah. Doch seine Biografie entlarvt sein Auftreten als blosse Inszenierung. Der Autor muss nun Verfolgung fürchten.</title><link>http://tibetfocus.com/2010/08/23/kritik-an-der-staatskunst-chinas-premier-wen-jiabao-gibt-sich-volksnah-doch-seine-biografie-entlarvt-sein-auftreten-als-blosse-inszenierung-der-autor-muss-nun-verfolgung-furchten/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/08/23/kritik-an-der-staatskunst-chinas-premier-wen-jiabao-gibt-sich-volksnah-doch-seine-biografie-entlarvt-sein-auftreten-als-blosse-inszenierung-der-autor-muss-nun-verfolgung-furchten/#comments</comments> <pubDate>Mon, 23 Aug 2010 16:46:02 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Politik]]></category> <category><![CDATA[China]]></category> <category><![CDATA[Chinesische Regierung]]></category> <category><![CDATA[Hu Jintao]]></category> <category><![CDATA[Verfolgung]]></category> <category><![CDATA[Wen Jiabao]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=6296</guid> <description><![CDATA[Financial Times Deutschland, 17.8.10: Kaum hatte sich die Katastrophe ereignet, war der Regierungschef zu Stelle. Als Anfang August Erdrutsche Teile der nordwestchinesischen Provinz Gansu verwüsteten, eilte Ministerpräsident Wen Jiabao sofort in die Krisenregion. Er machte den Opfern Mut und trauerte mit Hinterbliebenen. Wie schon beim verheerenden Erdbeben in Sichuan vor zwei Jahren zeigte der sonst [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Financial Times Deutschland, 17.8.10:<br /> Kaum hatte sich die Katastrophe ereignet, war der Regierungschef zu Stelle. Als Anfang August Erdrutsche Teile der nordwestchinesischen Provinz Gansu verwüsteten, eilte Ministerpräsident Wen Jiabao sofort in die Krisenregion. Er machte den Opfern Mut und trauerte mit Hinterbliebenen. Wie schon beim verheerenden Erdbeben in Sichuan vor zwei Jahren zeigte der sonst eher blass wirkende und wenig charismatische Politiker Einsatz. Viele seiner Landsleute rechnen ihm das hoch an.</p><p>Doch am Bild des volksnahen Ministerpräsidenten, der sich um die Belange der Menschen kümmert und seinen Gefühlen freien Lauf lässt, kratzt eine gestern erschienene Biografie. „Der Staatsschauspieler“ lautet der Titel des Buches, das gestern im regimekritischen Hongkonger Verlag New Century Press veröffentlicht worden ist. Der Schriftsteller und Journalist Yu Jie hat damit die erste Biografie der Art über Wen vorgelegt – und ein Tabubruch begangen.</p><p>Nicht etwa, weil der Autor Jungendsünden des Spitzenpolitikers, Peinlichkeiten seiner Amtszeit oder interne Personalfehden aufdecken würde, wie dies zum Standardrepertoire politischer Biografien gehört. Darum geht es ihm nicht. Doch allein die offene Kritik am Regierungschef erweist sich als ein Wagnis im kommunistischen China.</p><p>Konkret wirft Yu Jie dem Premier vor, in den acht Jahren seiner Amtszeit zwar viele Versprechen gemacht zu haben, doch ohne Konsequenzen. „Er redet in der Öffentlichkeit über Demokratie und Freiheit und gibt sich volksnah. Er trägt oft alte Sachen und abgetragene Schuhe, aber die Politik seiner Regierung stimmt mit seinen Worten und Taten nicht überein“, sagte der Autor in einem Interview.</p><p>Mit dem Titel seines Buches spielt der Regimekritiker auf die TV-Auftritte Wens an, die ihn so populär gemacht hätten. Übrigens auch im Ausland, wo viele ein positives Bild von Wen haben. Mit seiner Biografie wolle er nun die „Wahrheit über Wen ans Licht bringen“.</p><p>Zur Untermauerung seiner These führt Yu Jie das Erdbeben in Sichuan an, als reiheinweise Schulen zusammenbrachen und der Regierungschef in die Kameras versprach, Bauversäumnisse würden geahndet. „Nicht ein einziger Beamter wurde bestraft, kein einziger Bauunternehmer wurde zur Verantwortung gezogen. Im Gegenteil, NGOs und Aktivisten, die die Wahrheit ans Licht bringen wollten, wurden schikaniert und bestraft; Eltern wurden verhaftet und ins Arbeitslager gesteckt.“</p><p>Nach Yu Jies Einschätzung ist der Premier ein ebensolcher Hardliner wie der unnahbare Präsident Hu Jintao. Tatsächlich spielten beide nur jeweils eine andere Rolle in der Öffentlichkeit. Während Präsident Hu als strenger „Kaiser“ auftrete, stelle Wen den gütigen Regierungschef dar.</p><p>Yu Jie selbst jedenfalls hat bisher von dieser Güte nichts zu spüren bekommen. So versuchten die Behörden, den Mitbegründer des unabhängigen chinesischen PEN-Zentrums durch die Androhung von Arrest einzuschüchtern und ihn von der Publikation der Biografie abzubringen.</p><p>Ohne Erfolg: Yu Jie hat in Hongkong veröffentlicht, wo bislang immer noch eine liberalere Stimmung herrscht als im Festlandchina. Wie weit die Toleranz reicht, wird sich zeigen: Der Autor muss sein Verhaftung fürchten.</p><p>Behrang Samsami</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/08/23/kritik-an-der-staatskunst-chinas-premier-wen-jiabao-gibt-sich-volksnah-doch-seine-biografie-entlarvt-sein-auftreten-als-blosse-inszenierung-der-autor-muss-nun-verfolgung-furchten/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Uhren, die uigurisch ticken: Ein Jahr nach den blutigen Unruhen herrscht in Chinas Westprovinz Ruhe, kein Frieden</title><link>http://tibetfocus.com/2010/07/07/uhren-die-uigurisch-ticken-ein-jahr-nach-den-blutigen-unruhen-herrscht-in-chinas-westprovinz-ruhe-kein-frieden/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/07/07/uhren-die-uigurisch-ticken-ein-jahr-nach-den-blutigen-unruhen-herrscht-in-chinas-westprovinz-ruhe-kein-frieden/#comments</comments> <pubDate>Wed, 07 Jul 2010 19:39:58 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Politik]]></category> <category><![CDATA[Bodenschätze]]></category> <category><![CDATA[Chinesische Regierung]]></category> <category><![CDATA[Ostturkestan]]></category> <category><![CDATA[Uiguren]]></category> <category><![CDATA[Unruhen]]></category> <category><![CDATA[Verhaftungen]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=6111</guid> <description><![CDATA[Die Zeit, 2.7.10 - Schön und friedlich ist das Bild nur auf den ersten Blick: Die riesige Mao-Statue und drum herum die zu uigurischen Weisen tanzenden Mädchen in ihren neonglitzernden Trachten. Friede, Freundschaft, Völkerverständigung soll diese Inszenierung signalisieren. Ein Jahr nach den blutigen Zusammenstößen zwischen den einheimischen Uiguren und zugewanderten Han-Chinesen in der Autonomen Region [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><a rel="attachment wp-att-6121" href="http://tibetfocus.com/2010/07/07/uhren-die-uigurisch-ticken-ein-jahr-nach-den-blutigen-unruhen-herrscht-in-chinas-westprovinz-ruhe-kein-frieden/ostturkestanmap/"><img class="aligncenter size-full wp-image-6121" title="OstturkestanMap" src="http://tibetfocus.com/wp-content/uploads/2010/07/OstturkestanMap.jpg" alt="" width="425" height="287" /></a></p><p>Die Zeit, 2.7.10 -<br /> Schön und friedlich ist das Bild nur auf den ersten Blick: Die riesige Mao-Statue und drum herum die zu uigurischen Weisen tanzenden Mädchen in ihren neonglitzernden Trachten. Friede, Freundschaft, Völkerverständigung soll diese Inszenierung signalisieren. Ein Jahr nach den blutigen Zusammenstößen zwischen den einheimischen Uiguren und zugewanderten Han-Chinesen in der Autonomen Region Xinjiang legt die Zentralregierung Wert auf Harmonie. Nach uigurischen Angaben kamen allein hier in Kashgar etwa hundert Menschen ums Leben.</p><p>Die Spannungen sind immer noch spürbar, gerade jetzt, zum Jahrestag des Konflikts. Auf dem Platz des Volkes rund um die Mao-Statue kommt keine Feierstimmung auf. Als das Spektakel – es gehört zum Rahmenprogramm einer Industriemesse – vorbei ist, verlaufen sich die Zuschauer schnell. Die Uiguren gehen schlafen, der Staat, der von den Han als größte Volksgruppe dominiert wird, bleibt wachsam. Ab Mitternacht läuft eine achtköpfige mit Maschinenpistolen bewaffnete Truppe über den gespenstisch leeren Platz.</p><p>Kashgar liegt im äußersten Westen Chinas, fast direkt neben Kirgisistan mit seinen blutigen ethnischen Konflikten.Die Uiguren, die hier die Mehrheit stellen, zählen wie die kirgisischen Konfliktparteien zu den Turkvölkern. Die Stadtregierung aber wird von Han-Chinesen kontrolliert; sie geht in diesen Tagen auf Nummer sicher. Eine Hundertschaft von Soldaten mit Schilden und Schlagstöcken lagert nicht wie sonst in einer Seitenstraße, sondern demonstrativ mitten auf dem Platz. Die muslimischen Uigurinnen in ihren bunten Röcken und ihre dunkelhäutigen Männer mit dem türkischen Aussehen laufen mit stoischem Gleichmut um die Truppe herum. Ihr Glaube ist nicht illegal, öffentliche Gebete aber sind es. Ihre Pässe sollen sie zu Chinesen machen, doch sogar ihre Zeitrechnung betont die Eigenständigkeit. Trotzig leben sie im um zwei Stunden verzögerten Rhythmus der zentralasiatischen Zeitzone, obwohl die chinesische Führung auf Pekingzeit besteht.</p><p>In Urumqi, der Provinzhauptstadt, schleichen regelmäßig vergitterte Mannschaftswagen mit Soldaten in Tarnuniform und Stahlhelm durch den Verkehr der 2,7-Millionen-Stadt. Und immer wieder Geschwader von Polizeimotorrädern, deren schwarz gekleidete Fahrer ihre Maschinenpistolen auf den Rücken geschnallt haben. Mit ihren schnellen Fahrzeugen können sie Verdächtige auch in den engen Gassen der Altstadt verfolgen, in der fast nichts mehr an China erinnert.</p><p>Es gibt Öl und Gas. Für Peking ist die Provinz noch wichtiger als Tibet</p><p>Der Han-Staat ist nervös. Vor einer Woche erst verhaftete die Staatssicherheit eine angebliche Terrorzelle in Westxinjiang, die »viele« terroristische Attacken ausgeführt haben soll, darunter einen Anschlag in Kashgar zum Beginn der Olympischen Spiele im Sommer 2008. Die Verhafteten sollen Mitglieder der Islamischen Bewegung von Ostturkestan sein, einer Gruppe, die 2002 von den Vereinten Nationen auf die Liste der terroristischen Vereinigungen gesetzt wurde, unter anderem, weil sie Verbindungen zu al-Qaida unterhält. »Niemand kann nachprüfen, ob die Verhafteten wirklich die Täter sind oder nur kurz vor dem Jahrestag präsentiert werden, um die wahren Täter zu erschrecken«, sagt ein junger Uigure, der als Anwalt arbeitet und derzeit seinen Namen lieber nicht nennt.</p><p>In den Tagen nach dem Aufstand trieben Polizisten nach Augenzeugenberichten die Bewohner ganzer Gassen aus ihren Häusern. Sie trennten junge Männer von ihren Familien und deportierten sie in Lastwagen. »Ihre Familien und wir Nachbarn konnten nichts tun«, sagt eine Augenzeugin, »wir hatten alle Angst, auch weggebracht zu werden.« Bis in den August hinein hielten die Razzien an, oft kam die Polizei in den frühen Morgenstunden. Ein Vater erzählt: »Sie brachen die Tür auf. Sie sagten, dass mein Sohn Nuriddin mit Freunden an den Protesten beteiligt gewesen sei und die Freunde seinen Namen genannt hätten. Sie drehten seinen Arm auf den Rücken und brachten ihn weg.« Seitdem hat man von dem 20-jährigen Nuriddin nichts mehr gehört.</p><p>Warum Peking diese ferne Provinz mit solch harter Hand regiert, ist offensichtlich: Xinjiang ist die strategisch wichtigste Provinz Chinas, weit wichtiger noch als Tibet. Sie hat Grenzen mit Russland, der Mongolei, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Pakistan, Afghanistan und Indien. Und in Xinjiang liegen die größten Öl– und Gasvorkommen des Landes. »Weil das so ist, gibt es keine realistische Chance zur Entspannung, solange die Uiguren nicht das tun, was die Chinesen wollen«, sagt der Anwalt.</p><p>Dass sie das nicht wollen, ist offensichtlich. Deshalb haben beide Seiten, Uiguren wie Chinesen, Angst. Weniger vor einem neuen Aufstand, das ist recht unwahrscheinlich. Sondern vor neuen terroristischen Anschlägen von Extremisten, die die Lage aller nur verschlimmern würden. Im Alltag finden sich immer wieder zumindest Hinweise auf ein halbwegs einvernehmliches Nebeneinander. Ein Han-Chinese zeigt mir seine Handy-Telefonliste. Turknamen und chinesische Namen wechseln sich ab. Ein Uigure erzählt, wie er schon als Kind bei den Eltern eines Han-Freundes zu Gast war, die extra einen neuen Topf gekauft hatten, damit er nicht Essen aus einem Gefäß essen musste, in dem schon Schweinefleisch gekocht worden war.</p><p>Ärger gibt es vor allem dann, wenn Staatsvertreter die Uiguren als Menschen zweiter Klasse behandeln. »Es ist so«, erklärt ein junger, uigurischer Geschäftsmann in Urumqi, »als ob die Eltern zwei Söhne haben und ein Sohn immer die Prügel kriegt, weniger Taschengeld bekommt und immer die alten Sachen des Bruders tragen muss.« Für Uiguren ist es zum Beispiel viel schwieriger, einen Pass zu bekommen, als für Han-Chinesen. Es kann bis zu 40000 Yuan kosten und sehr lange dauern. Und nur wer perfekt chinesisch lesen und schreiben kann und seinen religiösen Bräuchen abschwört, macht in Xinjiang Karriere. Die zentralen Machtpositionen werden ohnehin von Han-Chinesen besetzt. Die Arbeitslosigkeit unter den Uiguren ist höher, ihre Lebenserwartung um ganze zehn Jahre niedriger. Und Peking versucht durch seine Zuwanderungspolitik systematisch, ihren Anteil an der Bevölkerung zu verringern. Noch vor 50 Jahren stellten Han-Chinesen sechs Prozent der Bevölkerung; inzwischen sind es 40 Prozent.</p><p>Ist Westchina nicht in Wahrheit Ostturkestan?</p><p>Nach den Unruhen hat die Führung in Peking allerdings einen Schrecken bekommen und pumpt nun Geld in die entlegene Region. In Kashgar werden die zum Teil mehr als 400 Jahre alten Moscheen und Grabmäler der Muslime aufwendig saniert. Die Pekinger Zentralregierung hat gar im April den Provinzsekretär ausgewechselt, nachdem sie die erste Arbeitskonferenz seit Gründung der Volksrepublik über Xinjiang abgehalten hatte. Dabei wurde auch beschlossen, dass Kashgar eine »Wirtschaftsentwicklungszone« werden soll, die den Handel mit den Nachbarländern fördern soll. Die Regierung hofft, dass neue wirtschaftliche Impulse dazu beitragen, »die soziale Lage stabiler werden zu lassen«, schreibt die englischsprachige Tageszeitung China Daily. Denn die meisten Aufständischen seien arbeitslose Jugendliche gewesen.</p><p>Die Opposition verfolgt diese Politik mit Unbehagen. »Die Investitionen streuen den Menschen nur Sand in die Augen«, sagt ein uigurischer Aktivist. »Die einzige Möglichkeit, der Unterdrückung zu entkommen, ist die Unabhängigkeit. Wenn wir ein Teil Chinas bleiben, wird sich nie etwas ändern. Deshalb kämpfen wir weiter.« Er sitzt in einem Kentucky Fried Chicken mit großen Fenstern. Ein Mann Ende 30, gekleidet in Jeans und T-Shirt, der sein Haar wie die meisten Uiguren kurz geschnitten trägt. Er spricht gut Englisch und trägt nicht weniger als drei Handys bei sich. Was aus Pekinger Sicht eine westliche Provinz ist, das nennt er »Ostturkestan«. Ausführlich erzählt er die Geschichte dieses Landes und erläutert, warum die Unabhängigkeit auch historisch gerechtfertigt sei. Wird er sich Verbündete in Nachbarländern suchen? »Wir kooperieren mit allen, die uns helfen, Ostturkestan zu befreien.«</p><p>Das klingt nach Landesverrat; die meisten Uiguren allerdings wollen keine Unabhängigkeit, sie wollen Stabilität und Gerechtigkeit. Beide Seiten, Uiguren und Chinesen, haben die Anschläge und Aufstände satt. »Es hat niemandem geholfen«, sagt der Han-chinesische Geschäftsmann bei einem Abendessen in einer gemischten Runde im Hinterzimmer eines Restaurants mit wunderschönen türkischen Wandfliesen. »Terroristen müssen bekämpft und hart bestraft werden«, sagt einer der Uiguren. Und ein anderer Han-Chinese, der in der Verwaltung arbeitet, ergänzt: »Es kann aber nicht sein, dass die Polizei einfach Leute verschwinden lässt. Das findet hier niemand gut. Es kann einen auch selbst treffen.«</p><p>So frei ist dies Land allerdings nicht, dass derlei Meinungen offen geäußert würden. Dies sind Themen für Gespräche bei geschlossener Tür oder in den Nebenzimmern von Restaurantes, und sie verstummen, wenn die Bedienung kommt. Lange hat die Zentralregierung hier das Internet gesperrt und damit beide Volksgruppen gegen sich aufgebracht. Manch einer musste einen Freund in Shanghai anrufen, um sich seine E-Mails vorlesen zu lassen. Wie tief die Wut noch sitzt, zeigt sich abends in einem Klub, als ein junger uigurischer Polizist plötzlich seine Nöte preisgibt. »Ich mag unsere Regierung nicht. Man kann nicht die Wahrheit sagen.« Warum ist er dann Polizist geworden? »Es ist schwierig hier, einen guten Job zu finden.«</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/07/07/uhren-die-uigurisch-ticken-ein-jahr-nach-den-blutigen-unruhen-herrscht-in-chinas-westprovinz-ruhe-kein-frieden/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Tibeter und Tibet-Unterstützer weltweit händigen eine Petition mit 40‘000 Unterschriften für Tenzin Delek Rinpoche aus</title><link>http://tibetfocus.com/2010/06/16/tibeter-und-tibet-unterstutzer-weltweit-handigen-eine-petition-mit-40%e2%80%98000-unterschriften-fur-tenzin-delek-rinpoche-aus/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/06/16/tibeter-und-tibet-unterstutzer-weltweit-handigen-eine-petition-mit-40%e2%80%98000-unterschriften-fur-tenzin-delek-rinpoche-aus/#comments</comments> <pubDate>Wed, 16 Jun 2010 21:13:03 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Politik]]></category> <category><![CDATA[Chinesische Regierung]]></category> <category><![CDATA[GSTF]]></category> <category><![CDATA[Petition]]></category> <category><![CDATA[Tenzin Delek Rinpoche]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=5949</guid> <description><![CDATA[MEDIENMITTEILUNG, 16. Juni 2010 - Zürich — Heute am 16. Juni 2010 händigen Tibeter und Tibet-Unterstützer auf der ganzen Welt eine Petition mit 40‘000 Unterschriften den chinesischen Botschaften in Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan, Schweiz, Taiwan und den Vereinigten Staaten aus. Diese Petition fordert ein neues Gerichtsfahren für den inhaftierten Tenzin Delek Rinpoche. Sie widerspiegelt [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>MEDIENMITTEILUNG, 16. Juni 2010 -</p><p>Zürich — Heute am 16. Juni 2010 händigen Tibeter und Tibet-Unterstützer auf der ganzen Welt eine Petition mit 40‘000 Unterschriften den chinesischen Botschaften in Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan, Schweiz, Taiwan und den Vereinigten Staaten aus. Diese Petition fordert ein neues Gerichtsfahren für den inhaftierten Tenzin Delek Rinpoche. Sie widerspiegelt eine Petition, die von Tibetern in Tenzin Delek’s Heimatregion Lithang in Kham (chin. Provinz Sichuan) organisiert und ebenfalls von 40‘000 Personen unterzeichnet wurde. Tenzin Delek’s Familie versuchte couragiert, diese Petition der chinesischen Regierung im Dezember 2009 zu überbringen.<br /> Tenzin Delek Rinpoche, ein hoch angesehener Gemeinschaftsführer und überzeugter Verfechter von Schutz und Bewahrung der tibetischen Kultur und Umwelt wurde im Dezember 2002 fälschlich des Bombenanschlags und des Verteilens von separatistischen Flugblättern angeklagt und zum Tode verurteilt. Sein Todesurteil wurde im Januar 2005 in lebenslange Haft umgewandelt, zuvor wurde ein entfernter Verwandter von ihm, Lobsang Dhondup, exekutiert. Tenzin Delek Rinpoche beteuert seit seiner Inhaftierung seine Unschuld und sagte während eines Gefängnisbesuches seiner Familie im 2009: „Ich bin nicht verantwortlich für diese Explosionen oder jegliche andere illegale Aktionen, sie hängen mir das an… Wenn es möglich ist Berufung einzulegen, dann besteht auch Hoffnung, dass die Anklagepunkte fallen gelassen werden.“<br /> „Tenzin Delek Rinpoche hat nie ein faires Gerichtsverfahren erhalten. Darum sollte sein Fall unverzüglich wiedereröffnet und ein neues Verfahren, das den internationalen juristischen Anforderungen entspricht, angesetzt werden“, sagte Dr. Tashe Thaktsang, Präsident der Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft. „Als Zeichen der Solidarität mit den Tibetern in Tibet, die bereit waren, ihre Freiheit und vielleicht sogar ihr Leben zu riskieren, haben wir 40‘000 Unterschriften für die Entlassung von Tenzin Delek Rinpoche gesammelt.“<br /> Am 11. Juni 2010 berichtete Radio Free Asia (RFA), dass zwei von Tenzin Deleks Schwestern ihn im April besuchen durften. Offenbar wurde diese Bewilligung aufgrund von Versprechungen erteilt, welche die chinesischen Behörden nach den Demonstrationen in Nyakchuka im Dezember 2009 eingegangen waren. Laut einem schriftlichen Statement, das die RFA erhalten hat, wurde vom Gefängnisarzt bestätigt, dass Tenzin Delek Rinpoche an Gelenk– und Herzbeschwerden sowie an Bluthochdruck leidet und dass er selbst Briefe an 26 Regierungsdepartemente geschrieben hat.<br /> Tibet – Unterstützer weltweit setzen sich dafür ein, den chinesischen Behörden aufzuzeigen, dass eine weitverbreitete Unterstützung für die Entlassung von Tenzin Delek Rinpoche vorhanden ist. Internationale Aktionen beinhalten das Überbringen von Petitionen an chinesische Botschaften und Konsulate auf vier Kontinenten, das Faxen von Petitionen zu Ministerien in Beijing und das Informieren von ausländischen Regierungen. Nachdem die 40‘000 Unterschriften per Hand oder Fax auf der ganzen Welt überbracht wurden, werden sie per Courier direkt an Zhou Yongkang, Mitglied des ständigen Ausschusses des Politbüros, gesendet. Er war Parteisekretär in der Sichuan Provinz zu der Zeit als Tenzin Delek verhaftet wurde und ist nun Sekretär der Zentralkomitee-Kommission für Politik und Recht.</p><p>Kontakt:<br /> Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft<br /> Binzstrasse 15, CH-8045 Zürich<br /> 044 451 38 38<br /> www.tibetfocus.com</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/06/16/tibeter-und-tibet-unterstutzer-weltweit-handigen-eine-petition-mit-40%e2%80%98000-unterschriften-fur-tenzin-delek-rinpoche-aus/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Urgent Action: Online-Brief für den Filmemacher Dhondup Wangchen, der von einer Haftanstalt ins Xichuan Arbeitscamp in der Provinz Qinghai transferiert wurde.</title><link>http://tibetfocus.com/2010/06/03/urgent-action-online-brief-fur-den-filmemacher-dhondup-wangchen-der-von-einer-haftanstalt-ins-xichuan-arbeitscamp-in-der-provinz-qinghai-transferiert-wurde/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/06/03/urgent-action-online-brief-fur-den-filmemacher-dhondup-wangchen-der-von-einer-haftanstalt-ins-xichuan-arbeitscamp-in-der-provinz-qinghai-transferiert-wurde/#comments</comments> <pubDate>Thu, 03 Jun 2010 21:07:58 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Politik]]></category> <category><![CDATA[Dhondup Wangchen]]></category> <category><![CDATA[Leaving Fear Behind]]></category> <category><![CDATA[Solidarität]]></category> <category><![CDATA[Tibet]]></category> <category><![CDATA[Urgent Action]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=5887</guid> <description><![CDATA[Kürzlich wurde bekannt, dass Dhondup Wangchen, der tibetische Filmemacher, von einer Haftanstalt ins Xichuan Arbeitscamp in der Provinz Qinghai transferiert wurde. Nehmen Sie teil an einer Urgent Action an Qiang Wei, dem Parteisekretär von Qinghai und unterschreiben Sie den Online — Brief. Hier die deutsche Übersetzung des Online-Briefes: Ich schreibe Ihnen, um meine grossen Sorgen [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Kürzlich wurde bekannt, dass Dhondup Wangchen, der tibetische Filmemacher, von einer Haftanstalt ins Xichuan Arbeitscamp in der Provinz Qinghai transferiert wurde. Nehmen Sie teil an einer Urgent Action an Qiang Wei, dem Parteisekretär von Qinghai und unterschreiben Sie den <a href="http://org2.democracyinaction.org/o/5380/p/dia/action/public/?action_KEY=3185" target="_blank">Online — Brief</a>.</p><p>Hier die deutsche Übersetzung des Online-Briefes:</p><p>Ich schreibe Ihnen, um meine grossen Sorgen bezüglich Dhondup Wangchen, dem tibetischen Filmemacher kund zu tun. Am<br /> 28. Dezember 2009 wurde er zu sechs Jahren Haft verurteilt und kürzlich in das Arbeitslager-Gefängnis in der Provinz<br /> Qinghai verlegt.</p><p>Er wurde im März 2008 verhaftet weil er die Ansichten von gewöhnlichen Tibetern im Vorfeld der<br /> Olympischen Spiele 2008 aufgenommen hatte. Er wurde gefoltert und befindet sich seither in einem präkären<br /> Gesundheitszustand.</p><p>Dhondup Wangchen ist unschuldig und ungerecht verfolgt worden weil er von der Meinungsfreiheit,<br /> einem anerkannten Grundrecht der Vereinten Nationen, Gebrauch gemacht hat.</p><p>Ich fordere sie auf, Dhondup Wangchen<br /> sofort und bedingungslos zu entlassen. Auch fordere ich in Anbetracht seines Gesundheitszustand, dass die chinesischen<br /> Behörden Dhondup Wangchen’s Frau Lhamo Tso erlauben, in Begleitungs eines Arztes ihren Mann zu besuchen.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/06/03/urgent-action-online-brief-fur-den-filmemacher-dhondup-wangchen-der-von-einer-haftanstalt-ins-xichuan-arbeitscamp-in-der-provinz-qinghai-transferiert-wurde/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Jamyang Norbu: War Tibet ein unabhängiger und souveräner Staat?</title><link>http://tibetfocus.com/2010/05/31/jamyang-norbu-war-tibet-ein-unabhangiger-und-souveraner-staat/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/05/31/jamyang-norbu-war-tibet-ein-unabhangiger-und-souveraner-staat/#comments</comments> <pubDate>Mon, 31 May 2010 08:40:57 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Politik]]></category> <category><![CDATA[Jamyang Norbu]]></category> <category><![CDATA[Rangzen]]></category> <category><![CDATA[Tibet]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=5860</guid> <description><![CDATA[Samstag, 5. Juni 2010, 16.00 – 18.00 Uhr, Zentrum Karl der Grosse, Kirchgasse 14, 8001 Zürich, Jamyang Norbu, Schriftsteller und Aktivist, USA/Indien, geht dieser Frage anhand historischer Nachweise und Fakten nach. Der Vortrag wird in tibetischer Sprache gehalten. Nach dem Vortrag können dem Referenten Fragen in Tibetisch, Englisch und Deutsch gestellt werden. Eintritt frei – [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Samstag, 5. Juni 2010, 16.00 – 18.00 Uhr,<br /> Zentrum Karl der Grosse,<br /> Kirchgasse 14, 8001 Zürich,</p><p>Jamyang Norbu, Schriftsteller und Aktivist, USA/Indien, geht dieser Frage anhand historischer Nachweise und Fakten nach. Der Vortrag wird in tibetischer Sprache gehalten.<br /> Nach dem Vortrag können dem Referenten Fragen in Tibetisch, Englisch und Deutsch gestellt werden.</p><p>Eintritt frei – freiwillige Kollekte</p><p>Organisation: Rangzen Alliance</p><p>Hinweis:<br /> Bitte pünktlich erscheinen, da der Raum nach der vorgesehen Vortragsdauer nicht mehr zur Verfügung steht.</p><p>Zentrum Karl der Grosse,<br /> Kirchgasse 14, 8001 Zürich,<br /> Nächste Tramhaltestelle Helmhaus (Tramlinien 4 und 15)</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/05/31/jamyang-norbu-war-tibet-ein-unabhangiger-und-souveraner-staat/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>1</slash:comments> </item> <item><title>??Chindia?? — Indien stoppt die Einfuhr chinesischer Technik</title><link>http://tibetfocus.com/2010/05/05/chindia-indien-stoppt-die-einfuhr-chinesischer-technik/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/05/05/chindia-indien-stoppt-die-einfuhr-chinesischer-technik/#comments</comments> <pubDate>Wed, 05 May 2010 07:07:37 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Politik]]></category> <category><![CDATA[China]]></category> <category><![CDATA[Indien]]></category> <category><![CDATA[Internet]]></category> <category><![CDATA[Spionage]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=5817</guid> <description><![CDATA[Golem, 3.5.10 - Mobilfunkunternehmen dürfen bis auf weiteres keine chinesische Technik kaufen - Aus Sicherheitserwägungen hat die indische Regierung Mobilfunkunternehmen angewiesen, keine chinesische Technik mehr einzusetzen. Die Behörden fürchten, ausspioniert zu werden. Die chinesische Regierung verlangt hingegen, dass die Lieferanten bestimmter technischer Systeme ihre Verschlüsselungssysteme offenlegen. Die indische Regierung hat die Mobilfunkanbieter des Landes angewiesen, [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Golem, 3.5.10 -<br /> Mobilfunkunternehmen dürfen bis auf weiteres keine chinesische Technik kaufen -</p><p>Aus Sicherheitserwägungen hat die indische Regierung Mobilfunkunternehmen angewiesen, keine chinesische Technik mehr einzusetzen. Die Behörden fürchten, ausspioniert zu werden. Die chinesische Regierung verlangt hingegen, dass die Lieferanten bestimmter technischer Systeme ihre Verschlüsselungssysteme offenlegen.</p><p>Die indische Regierung hat die Mobilfunkanbieter des Landes angewiesen, bis auf weiteres keine Geräte und Ausrüstung mehr von chinesischen Herstellern zu kaufen. Grund seien Sicherheitsbedenken gegenüber China, berichtet die New York Times.</p><p>Aufträge stornieren</p><p>Die Unternehmen dürfen nicht nur keine neuen Aufträge mehr nach China vergeben. Sie sollen auch bereits abgeschlossene Aufträge stoppen. Das indische Innenministerium befürchtet, dass in den aus China importierten Systemen Spionagesoftware installiert sein könnte, mit denen die Internet– und Telekommunikation der Regierung abgehört werden kann.</p><p>Im Dezember 2009 hatte die Regierung die Unternehmen deshalb angewiesen, alle Aufträge an ausländische Lieferanten zu stornieren und die Lieferanten sorgfältig zu überprüfen. So wollte die Regierung offensichtlich verschleiern, dass es in erster Linie um China ging. Ein einseitiger Importstopp von Gütern aus China wäre eine Verletzung der Richtlinie der Welthandelsorganisation (World Trade Organization, WTO) gewesen.</p><p>Cyberspione aus China</p><p>Anfang April hatten kanadische Experten von einem Spionagering berichtet, der von China aus operiert hat. Die Cyberspione sollen in die Computersysteme der indischen Regierung eingedrungen sowie die elektronische Kommunikation des Dalai Lama abgehört haben. Das religiöse und politische Oberhaupt der Tibeter lebt seit den 1950er Jahren im indischen Exil. Die Kanadier hatten die Aktivitäten der Eindringlinge acht Monate lange beobachtet. Eine Beteiligung der chinesischen Regierung an der Cyberspionage konnte sie jedoch nicht nachweisen. Die Behörden in Peking dementierten eine Mitwirkung.</p><p>Die Nachbarn Indien und China haben ein ambivalentes Verhältnis zueinander: In den 1960er Jahren kam es mehrfach zu Kämpfen zwischen chinesischen und indischen Soldaten. 1962 wurde daraufhin eine uralte Handelsstraße über den Nathu-La-Pass im Himalaya geschlossen. Erst in diesem Jahrzehnt haben sich die Nachbarn angenähert und eine Reihe von Handelsabkommen geschlossen. Im Rahmen der verbesserten Beziehungen wurde im Sommer 2006 der Nathu-La-Pass wieder eröffnet. Im vergangenen Jahr haben die beiden Staaten ein Landkabel über den mehr als 4.300 m hohen Pass in Betrieb genommen. Es ist die erste direkte Landverbindung zwischen den beiden Staaten.</p><p>Zwang zur Offenheit</p><p>Der auf unbestimmte Zeit verhängte Importstopp steht nicht im Zusammenhang mit einer Regelung, die am Samstag in Kraft getreten ist. Danach müssen ausländische Unternehmen die Verschlüsselungsalgorithmen bestimmter technischer Produkte offenlegen, wenn sie an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen und ihre Produkte an offizielle Stellen verkaufen wollen. Dieser Erlass gilt für sechs Produktkategorien, darunter Chipkarten, Firewalls und Router, berichtet das Wall Street Journal.</p><p>Jörg Wuttke, Chef der Europäischen Handelskammer in China, hält diese Vorgabe für das derzeit größte Problem für europäische Unternehmen in China. Diese Daten könnten und wollten die Unternehmen nicht offenlegen, sagte er. Experten sehen deshalb darin eine Maßnahme der Regierung, einheimischen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der ausländischen Konkurrenz zu verschaffen.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/05/05/chindia-indien-stoppt-die-einfuhr-chinesischer-technik/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Chimerika? Chindia! Die Welt sortiert sich neu – Verlierer ist der Westen.</title><link>http://tibetfocus.com/2010/05/01/chimerika-chindia-die-welt-sortiert-sich-neu-%e2%80%93-verlierer-ist-der-westen/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/05/01/chimerika-chindia-die-welt-sortiert-sich-neu-%e2%80%93-verlierer-ist-der-westen/#comments</comments> <pubDate>Sat, 01 May 2010 11:56:04 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Politik]]></category> <category><![CDATA[China]]></category> <category><![CDATA[Indien]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=5796</guid> <description><![CDATA[Der Spiegel, Nr. 16/2010 — Essay von Erich Follath - Zwei Politiker von Weltformat, deren Namen man sich merken sollte: Den einen habe ich interviewt; er hat eine Website, die ihm viel Ärger macht, aber auch viele Wähler bringt. Den anderen werde ich hoffentlich bald interviewen, aber die Chancen, ihn privat kennenzulernen, sind gleich null; [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Der Spiegel, Nr. 16/2010 — Essay von Erich Follath -</p><p>Zwei Politiker von Weltformat, deren Namen man sich merken sollte: Den einen habe ich interviewt; er hat eine Website, die ihm viel Ärger macht, aber auch viele Wähler bringt. Den anderen werde ich hoffentlich bald interviewen, aber die Chancen, ihn privat kennenzulernen, sind gleich null; mit ihm übers Internet zu kommunizieren – undenkbar, er bekämpft das freie Netz mit allen Mitteln. Allerdings ist er auch nicht auf Wähler angewiesen. Die beiden sind die neuen Stars der internationalen Politik, und sie kommen nicht aus den USA oder Russland, den klassischen alten Machtzentren: Shashi Tharoor, 54, ist Staatsminister im Auswärtigen Amt in Neu-Delhi, Yang Jiechi, 59, ist Außenminister in Peking.</p><p>Tharoor und Yang vertreten das demokratische Indien und das von der Kommunistischen Partei regierte China, die einzigen Staaten der Erde mit mehr als einer Milliarde Einwohnern, gemeinsam stellen ihre Völker fast 40 Prozent der Weltbevölkerung. Aber es geht nicht nur um Masse, sondern auch um Klasse, um Erfolg: Tharoor und Yang repräsentieren die einzigen großen Länder, die im vergangenen Krisenjahr beeindruckende wirtschaftliche Wachstumsraten geschafft haben. Und während Indien und China für einen ganz und gar unterschiedlichen Ansatz stehen, wie man die Zukunft bewältigen kann, eint sie doch derzeit ein Selbstvertrauen, das an Arroganz grenzt. Und ein gemeinsames Credo: Die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Konzepte der USA und Europas gehören in den Papierkorb der Geschicht, wir gehen unseren eigenen Weg – mit dem Westen, wenn es für uns Vorteile bringt, aber gern auch gegen den Westen.</p><p>Sie sind die Zukunft, sie fühlen sich als die kommenden Herren der Welt. Überschätzen sich die asiatischen Emporkömmlinge, unterschätzen sie die Schwierigkeiten bezüglich der immer noch nötigen Aufholjagd gegenüber dem Westen?</p><p>Die gemeinsame Skepsis des Duos Tharoor &amp; Yang gegenüber Washington und London ist jedenfalls auf den ersten Blick verblüffend. Beide Politiker sind, anders als der Großteil der Elite in ihren Heimatländern, im Westen ausgebildet. Tharoor besuchte die renommierte Fletcher School of Law an der Tufts University in Massachusetts und promovierte dort mit 22 Jahren zum Juristen. Yang machte seinen Abschluss 25-jährig an der nicht minder angesehenen Londoner School of Economics. Und sie blieben lange in Schlüsselpositionen im Ausland. Der Inder wurde Uno-Untergeneralsekretär und einer der Stellvertreter von Kofi Annan in New York; der Chinese stieg zum Botschafter der Volksrepublik in Washington auf. Wenn die beiden sich jetzt auf eigene Konzepte besinnen, dann wohl nich aus Voreingenommenheit gegenüber dem Westen und sicher nicht aus Unkenntnis. Sondern gerade, weil sie ihn so gut kennen. Weil sie die USA und die EU im Niedergang glauben – und als Vorbild, als Bezugspunkt, abgeschrieben haben.</p><p>Es macht Spaß, sich mit Shashi Tharoor zu streiten. Er ist ein Schöngeist und Polit-Profi, ein Mann für litararische Salons wie politische Hinterzimmer, unverkennbar Repräsentant der priviligierten indischen Oberschicht; sein Vater war ein einflussreicher Verlagsmanager. Shashi Tharoor hat preisgekrönte historische Bücher geschrieben, kennt sich aber auch bestens in der Filmbranche aus, wie sein Roman „Bollywood“ beweist. Man sagt dem Frauentyp einen Flirt mit der Schauspielerin Nicole Kidman nach, was er triumphierend lächelnd dementiert. Und im Gespräch wieder mühelos zu seinen politischen Themen wechselt: von China-Wirtschaftszahlen über Clausewitz-Kriegstheorien bis zu Cricket-Erfolgsrezepten. Er wäre sehr gern Uno-Generalsekretär geworden und galt als aussichtsreicher Kandidat für die Annan-Nachfolge – bis sich die Weltgemeinschaft mit der Wahl des Südkoreaners Ban Ki Moon wieder einmal auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigte. Tharoor kehrte nach Indien zurück. Er ließ sich von der Kongress-Partei als Kandidat aufstellen und eroberte 2009 den Kerala-Wahlkreis Thiruvananthapuram mit einem Erdrutschsieg. Seinen Twitter-Kommentaren folgen mehr als 500 000 Inder, ein Rekord für das Land. Premier Manmohan Singh holte den Aufsteiger in die Regierung.</p><p>Das Lieblingssujet des Unviersaltalents Tharoor ist seine Heimat. „Indien ist das wichtigste Land für die Zukunft der Welt“, zitiert er den britischen Historiker E. P. Thompson. Für den Dichter-Politiker steht Neu-Delhi im Schnittpunkt der entscheinden Debatten unserer Zeit. Ob ein demokratisches System es schafft, die Bevölkerung aus der Armut zu führen oder ob es dafür eines autoritären zentralistischen Systems bedarf; ob der Meinungspluralismus den religiösen Fundamentalismus zurückdrängen kann; ob die Globalisierung Chancen zu einer eigenständigen Entwicklung bietet oder zwangsläufig zu einer „Coca-Colonisierung“ führt: Tharoor ist fest davon überzeugt, die Stärke seines Landes liege in seiner Fähigkeit, fremde Einflüsse zu absorbieren und sie „mittels einer eigentümlichen indischen Alchemie“ zu etwas Spezifischem, Neuem, Originärem zu machen. Da er diese schöpferischen Fähigkeiten nun entfesselt sieht, kann Indien seiner Meinung nach „das 21. Jahrhundert zu seinem eigenen machen“ – manchmal gemeinsam, manchmal in atemraubender Konkurrenz mit der Volksrepublik China.</p><p>Dieses überbordende Selbstvertrauen hat gerade erst wieder Bundespräsident Horst Köhler bei seinem Besuch in Indien erlebt. Fast mitleidig wurde dem Staatsgast bedeutet, viel habe Berlin ja nicht mehr zu bieten, nun, da die Direktinvestitionen indischer Unternehmer in Deutschland die in umgekehrter Richtung überholt hätten. Und es stimmt ja: Wer heute durch die Hightech-Zentren von Banglore und Hyderabad fährt, wer die Fachbereiche Informationstechnologie, Gentechnik und Lasermedizin an den Spitzenuniversitäten besucht, wer das kreative Chaos auch in aufstrebenden Großstädten wie Pune erlebt, kann nicht anders als beeindruckt sein. Im Katastrophenjahr 2009 schaffte Indien fast sieben Prozent Wachstum, in der EU dagegen fiel die Wirtschaftsleistung durchschnittlich um mehr als vier, in Russland um fast acht Prozent – und auch die USA; mit ihrem maroden Häusermarkt und den Bankenspekulationen Ausgangspunkt der weltweiten Krise, lagen mit knapp drei Prozent im Minus. Indien holt sich Nukleartechnolgoie aus den USA; moderne Waffen aus Russland, Erdöl aus Iran, ohne irgendwelche Rücksichtnahmen auf Washington oder die EU. Indien misst sich fast nur noch mit diesem anderen Erfolgsspieler auf dem Weltmarkt: mit der Volksrepublik China.</p><p>Gern wird dieser Tage in Neu-Delhi der Pekinger Elder Stateman und Ex-Premier Zhu Rongji zitiert: „Ihr seid führend in Software, wir sind führend in Hardware“, sagte der. „Gemeinsam sind wir die Nummer eins auf der Welt!“ Das klingt nun gar nicht mehr nach „Chimerika“, der in letzter Zeit so häufig beschworenen Allianz zwischen Drachen und Adler, zwischen der Volksrepublik und den USA, nach einer Symbiose zwischen den Paziifik-Anrainern, die angeblich gemeinsam eine symbolische Kraft entfalten und den Rhythmus der internationalen Politik vorgeben. Indische Dienstleistungsgesellschaft ergänzt chinesische Weltfabrik, während beide parallel dazu um Forschungsprojekte und Patente, um die besten Köpfe der Welt ringen: Das klingt nach einem anderen Zukunftskonzept. Nach einer Drachen-Elefanten-Hochzeit. Chimerika war gestern, kommt jetzt Chindia?</p><p>Die Frage führt direkt zum chinesischen Außenminister, zu Shashi Tharoors ungleichem Kompagnon, mit Residenz in der geheimnisvollen, abgeschirmten Zhongnanhai-Machtzentrale von Peking.</p><p>Es könnte durchaus Spaß machen, sich mit Yang Jiechi zu streiten. Mit ihm auch mal über seine Jugend zu diskutieren und herauszubekommen, wie er es damals während der Kulturrevolution schaffte, ein Visum und einen Studienplatz im Westen zu ergattern. Ist er selbst mit den Roten Garden mitgezogen, als die von Mao Aufgehetzten ihre „reaktionären“ Lehrer verprügelten, als sie den heute so verehrten Wirtschaftsreformer Deng Xiaoping („Egal, ob eine Katze schwarz oder weiß ist, Hauptsache, sie fängt Mäuse“) demütigten? Damals, als das Angepasstsein, das er heute so perfekt beherrscht, etwas ganz anderes, „Revolutionäres“ bedeutete? Aber persönliche Dinge sind von einem chinesischen Spitzenpolitiker kaum zu erfahren. Sie werden verschwiegen, als gäbe man mit jeder privaten Information etwas vom großen kollektiven Erfolgsgeheimnis preis; für Kalligrafie interessiere sich Yang, enthüllt eine offizielle chinesische Regierungswebsite, in Fernost ist das etwa so weit verbreitet und aufschlussreich wie die eingestandene Leidenschaft fürs Radfahren.</p><p>Und so haben wir keine Ahnung davon, ob Yang einmal in seinem Leben aufbegehrt hat, wie es Tharoor mit seinen wütenden Artikeln tat, als Indira Gandhi den Ausnahmezustand erklären ließ, Oppositionelle verhaftete und die Grundrechte einschränkte. Ob er heute seine Stimme erhebt, wenn in der Führung kontrovers über Chinas weiteren Weg diskutiert wird (und das soll durchaus vorkommen). Immerhin wissen wir, dass der diplomatische Chinese in seinen US-Jahren leicht Freundschaften schloss. Die Bushs hatten ihn ins Herz geschlossen, der spätere Präsident George der Ältere gab Yang den Spitznamen „Tiger“ – ironisch gemeint, den Krallen zeigte der stets Geschmeidige, Sanfte in der Öffentlichkeit nie.</p><p>Auftritt als Gast bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar: Chinas Außenminister spricht so, als gäbe es die scharfen Auseinandersetzungen mit Washington gar nicht, die sich um die Waffenlieferungen an Taiwan wie um den Händedruck des US-Präsidenten mit dem Dalai Lama im Weißen Haus entzündeten und zu wütenden Reaktionen, sogar zu Sanktionsandrohungen gegen amerikanische Firmen führten; so als griffe Peking nicht gerade mit besonderer Härte gegen Bürgerrechtler durch – elf Jahre Haft gegen den Schriftsteller Liu Xiaobo, der doch nur von seinem in der Verfassung garantierten Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht hat.</p><p>Lange Jahre ist man im Westen davon ausgegangen, dass die wirtschaftlichen Freiheiten in China zwangsläufig eine politische Liberalisierung nach sich ziehen. Es ist nun Zeit, sich von dieser Hoffnung zu verabschieden. Pekings Erfolgsrezept lautet: Verbesserung des Lebensstandards und der Aufstiegsmöglichkeiten parallel zur politischen Repression; und als sozialer Kitt Rückbesinnung auf den Konfuzianismus, gepaart mit nationalistischen Tönen. China ist eine Erziehungs-Diktatur. Schlechte Zeiten für Demokraten und auf Autonomie bedachte Minderheiten wie Tibeter und Uiguren.</p><p>Pekings Chefdiplomat gab in München den Tiger, der Kreide gefressen hat. Und nur in manchen Formulierungen schimmerte die Arroganz eines Regimes durch, das mit seinen Wirtschaftserfolgen im vergangenen Jahr glaubt, die Welt aus der Krise gerettet zu haben und keine Konfrontation mehr scheuen zu müssen. Etwa mit Google, dem amerikanischen Mediengiganten. Oder mit den anderen Mitgliedern des Uno-Sicherheitsrats. Wirklich einschneidende Sanktionen gegen Teheran werde China nicht mittragen, ließ Yang inmitten all der freundlichen Wortgirlanden in München erkennen. „China ist noch ein Entwicklungsland“, sagte der Pekinger Außenminister mit seinem Musterschüler-Lächeln, als hätte dieses Entwicklungsland nicht im vergagnenen Jahr Deutschland als Exportweltmeister abgelöst, als besäße Peking nicht die mit Abstand größten Devisenreserven aller Staaten. Fast gleichzeitig reichten im Nebenzimmer MItglieder von Yangs Delegation die aktuelle Ausgabe des US-Magazins „Foreign Policy“ herum, mit einer Analyse des Wirtschaftsnobelpreisträgers Robert Fogel. Der ist davon überzeugt, dass die chinesischen Wachstumszahlen weit untertrieben sind und dass die Volksrepublik künftig noch dramatischer zulegt.</p><p>Nach Fogels Prognose wird Pekings Bruttoinlandsprodukt das der USA und der EU bald überflügeln; im Jahr 2040 wäre China dann für 40 Prozent der Wirtschaftsleistung auf der Welt verantwortlich, gegenüber nur noch 14 Prozent der USA und geradezu zwergenhaften 5 Prozent der EU (ein Viertel von heute): „Ökonomische Hegemonie“ der Chinesen nennt Fogel das. Neben dem Aufstieg der Volksrepublik und dem Niedergang des Westens hebt er ein Phänomen besonders heraus: den rasanten Fortschritt Indiens, dessen Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung innerhalb einer Generation massiv ansteigen werde, auf 12 Prozent. Also – alles klar für Chinidia, für ein neues Weltbündnis? Und das, obwohl jeder weiß, dass die USA trotz aller Schwierigkeiten zumindest militärisch auf unabsehrbare Zeit die Nummer eins bleiben werden, China und Indien noch Hunderte Millionen Menschen aus der absoluten Armut herausführen müssen?</p><p>Herr Tharoor spricht nett über China, die Beziehungen zwischen Neu-Delhi und Peking seien äußerst wichtig und stünden auf „festem Boden“. Herr Yang spricht mit fast deckungsgleichen Worten über Indien. Der bilaterale Handel boomt, die Spitzenpolitiker besuchen sich gegenseitig. In wichtigen Fragen haben die asiatischen Riesen taktische Allianzen geschlossen. Zuletzt beim Klimagipfel in Kopenhagen, als sie im Schulterschluss dem Druck der „reichen“ Länder widerstanden, die ihnen verbindliche Schadstoffreduktionen aufzwingen wollten. Vor vier Jahren haben China und Indien, die beide einen großen Teil ihrer Rohstoffe im Ausland kaufen müssen, sogar einen erstaunlichen Deal geschlossen – sie wollen sich bei Erdöl-Investitionen in Drittländern gegenseitig informieren. Erstaunlicherweise spielt der Dalai Lama, der ja schon ein halbes Jahrhundert auf indischem Boden lebt und in Dharamsala eine tibetische Exilregierung gegründet hat, zwischen Peking und Neu-Delhi längst nicht eine so große Rolle wie zwischen Peking und Washington. Die Proteste der Chinesen gebenüber den Indern, mit denen sie doch eine mehrere tausend Kilometer lange – bis heute in Teilabschnitten umstrittene – Grenze verbindet, sind nicht mehr als Ritual. Und noch eine Ironie der Weltgeschichte: Maoisten stellen in Manchester-kapitalistischen China keine Bedrohung mehr dar, wohl aber in Indien. Die Naxaliten sind in vielen Bundesstaaten von Bihar bis Andhra Pradesh im Untergrund aktiv.</p><p>Weder die chinesischen noch die indischen Politiker haben bis jetzt überzeugende Rezepte dafür entwickelt, wie sie soziale Probleme bewältigen wollen, die mit ihrem Aufstieg verbunden sind: die in beiden Staaten endemische Korruption, das Gefälle zwischen Arm und Reich, Stadt und Land. Aber während der Westen in Verzagtheit versinkt, verbindet Neu-Delhi und Peking die Überzeugung, alle Probleme lösen zu können – in ihren Ländern der (fast) unbegrenzten Möglichkeiten. Die beiden Gesellschaften haben allerdings diametral unterschiedliche Vorstellungen über die Bedeutung von Staat und Individuum.</p><p>Wie ein braver, zu seinen Mitschülern aber auch strenger Klassenprimus stand Yang Jiechi vor der Münchner Sicherheitskonferenz, sorgfältig gescheitelt, Anzug: gutsitzende Massenware, Brille: chinesische Ausgabe von Fielmann. Der Repräsentant des chinesischen Gigantenstaats zitierte „den großen deutschen Literaturen“ Johann Wolfgang von Goethe: „Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei, und besonders nicht, dass er alleine arbeite; vielmehr bedarf er der Teilnahme und Anregung, wenn etwas gelingen soll.“ Sollte heißen: Das Individuum muss sich in China dem Ganzen unterordnen, die Freiheit dem Kollektiv. Einzelne in der Volksrepublik stört das, und sie rebellieren; eine Mehrheit aber scheint einen faustischen Pakt mit denen da oben geschlossen zu haben. Sie funktionieren primär als Teil eines Ganzen, weil sie dem Staat, anders als etwa die meisten Amerikaner, traditionell eine hohe Legitimität zubilligen. Vielleicht auch, weil sie in ihm „keine fremdartige Präsenz sehen, die es beständig zurückzudrängen gilt, sondern Verkörperung und Schutzherren der Gemeinschaft“, so der China-Experte Martin Jacques.</p><p>Die Einheit eines Staates zu bewharen mag in vielen Regionen der Welt von Bedeutung sein. Die Eiheit einer Zivilisation zu bewahren, die im eigenen Verständnis überlegen ist: Diese Priorität kennt keine Parallele. Nichtchinesische Minderheiten werden in der Volksrepublik gefürchtet, unterdrückt, ausgegrenzt; wenn sie sich nicht auflehnen, vielleicht toleriert. Wirklich dazugehören können sie in China trotz aller anderslautender KP-Beteuerungen nicht. Indien dagegen ist ein Schmelztigel. Hindi wird von nicht viel mehr als 40 Prozent der Bevölkerung gesprochen, weshalb es laut Verfassung noch 21 weitere anerkannte Sprachen gibt und die alte Kolonialsprache Englisch die Lingua franca der gebildeten Schichten bleibt. Die Regierung in Neu-Delhi kann folglich nur darauf bauen, dass der Staat für seine Bürger mehr bedeutet als die Summe der regionalen, ethnischen, konfessionellen und zivilisatorischen Gegensätze. Sie muss alles dafür tun, dass sich diese Vielfalt zu einer größeren Einheit fügt.</p><p>So steht kreatives Chaos gegen perfektionierte Planwirtschaft, Stolz auf Individualität gegen Gemeinschaftsgefühl, Recht des Einzelnen auf einen Platz im Slum gegen das Recht der Gesellschaft, den Slum abzureißen. Der manchmal irrlichternde Twitter-Fan Tharoor aus der indischen Regierung gegen den stets disziplinierten Twitter-Verhinderer Yang aus dem chinesischen Kabinett. Beide scheinen über ein Erfolgsrezept zu verfügen, beide gehören Staaten an, die weltrekordmäßig abgehoben haben – „Chindia“ ist freilich ein Konzept, kein Gleichklang. Und doch sind sich indische wie chinesische Politiker darin einig, universelle Kriterien strikt abzulehnen. Wenn der Westen von allgemeingültigen Menschenrechten spricht, antwortet Yang gern mit Konfuzius – oder mit einem Zitat von Carl Schmitt: „Wer Menschheit sagt, will betrügen.“ Der nicht minder belesene Tharoor greift gern auf Mahatma Gandhi zurück, der Indien immer als eine eigene Welt definiert hat.</p><p>Werden Shashi Tharoor und Yang innerhalb ihrer Systeme weiter aufsteigen? Beide sind, verglichen mit der real existierenden Staatsspitze in Indien und China fast noch Youngster. Sie wissen, wie die Machtstrukturen funktionieren. Doch das ist noch lange keine Garantie. Vergangenes Jahr sprach Tharoor in seinem Blog herablassend von der Economy-Klasse in indischen Flugzeugen als „cattle class“ und musste sich entschuldigen. Richtig verärgert war dann die Spitze des Kongresses über seine Bemerkung im Netz, man könne nicht Sicherheit vor Terrorattacken über alles stellen und solle deshalb die Einreisebestimmungen nach Indien so locker belassen. Zu offene, zu herausragende Politiker sind gerade in demokratischen Parteien häufig unerwünscht, weil den Durchschnitt störend. Möglicherweise ist innerhalb des chinesischen Systems sogar mehr Meritokratie möglich; dann wäre Yangs Aufstieg unaufhaltsam – das angebrochene chinesische „Jahr des Tigers“ sollte jedenfalls sein Jahr sein.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/05/01/chimerika-chindia-die-welt-sortiert-sich-neu-%e2%80%93-verlierer-ist-der-westen/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Tibetisches Jugendparlament: Ist der Dalai Lama der letzte Mönch, der die Tibeter führt?</title><link>http://tibetfocus.com/2010/04/07/ist-der-dalai-lama-der-letzte-monch-der-die-tibeter-fuhrt/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/04/07/ist-der-dalai-lama-der-letzte-monch-der-die-tibeter-fuhrt/#comments</comments> <pubDate>Wed, 07 Apr 2010 08:56:52 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Politik]]></category> <category><![CDATA[Dalai Lama]]></category> <category><![CDATA[Exil]]></category> <category><![CDATA[Exilregierung]]></category> <category><![CDATA[Jugenparlament]]></category> <category><![CDATA[Schweiz]]></category> <category><![CDATA[VTJE]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=5557</guid> <description><![CDATA[Basler Zeitung, 2.4.10 - Wenn diese Woche der Dalai Lama in die Schweiz kommt, tagt gleichzeitig das erste tibetische Jugendparlament. Die jungen denken anders – radikaler. Sie sind mehrheitlich in Europa geboren, fühlen sich jedoch wie ihre Eltern dem Kampf für die Freiheit Tibets verpflichtet. Die tibetische Jugend nimmt im Exil eine zentrale Rolle ein [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Basler Zeitung, 2.4.10 -<br /> Wenn diese Woche der Dalai Lama in die Schweiz kommt, tagt gleichzeitig das erste tibetische Jugendparlament. Die jungen denken anders – radikaler.</p><p>Sie sind mehrheitlich in Europa geboren, fühlen sich jedoch wie ihre Eltern dem Kampf für die Freiheit Tibets verpflichtet. Die tibetische Jugend nimmt im Exil eine zentrale Rolle ein — nur sie vermag den Widerstand gegen China langfristig aufrecht zu erhalten.</p><p>Die Proteste gegen die Olympischen Spiele in Peking hätten gezeigt, dass die Jugend die «Führung im Kampf für die Freiheit Tibets übernommen hat», sagte Kelsang Gyaltsen, Gesandter des Dalai Lama in einer Botschaft zum ersten tibetischen Jugendparlament, das nächste Woche in Zürich tagt. Die Versammlung will unter anderem neue Ansätze in der Tibetbewegung erarbeiten.</p><p>Um erfolgreich zu sein, müsse man das politische System eines Landes verstehen, erklärte der Vertreter des geistlichen Führers der Tibeter weiter. Die Tibetische Jugend sei in Europa aufgewachsen und spreche die örtliche Sprache: «Ihre Kampagnen und ihr Aktivismus haben mehr Wirkung als der Kampf der älteren Generation», sagte Gyaltsen.</p><p>Zentrum der Diaspora</p><p>Rigzin Gyaltag, Vizepräsident des Vereins Tibeter Jugend in Europa (VTJE), bestätigt diese Aussage: «Wir sprechen die Sprache des Landes, haben unsere Ausbildung hier gemacht. Wir haben mehr Knowhow im Umgang mit den Medien», erklärt Gyaltag: «Unsere Aufgabe ist es auch, das Thema am Leben zu halten.»</p><p>In der Schweiz leben rund 4000 Tibeter — die grösste Gemeinschaft in Europa. Der VTJE mit Sitz in Zürich ist mit 400 Mitgliedern der grösste tibetische Jugendverband auf dem Kontinent.</p><p>Gegründet wurde er 1970 durch Mitglieder der Diaspora, die nach dem Tibetaufstand von 1959 geflüchtet waren. Mittlerweile ist die zweite Generation von Exil-Tibetern beim VTJE am Ruder und spielt gekonnt auf der Klaviatur der medialen Inszenierung.</p><p>Symbiotische Beziehung zu den Medien</p><p>Der «Kampf für ein freies Tibet» und die Medien stehen in einer symbiotischen Beziehung. Das Thema findet nur deshalb so oft Eingang in die Berichterstattung, weil es den Exil-Tibetern immer wieder mit Protestaktionen gelingt, auf sich aufmerksam zu machen.</p><p>Begünstigt wird die Berichterstattung durch die breite Sympathie, welche die Bewegung insbesondere wegen ihrer Gewaltlosigkeit geniesst; und dem Eindruck, es handle sich hier um einen Kampf von «David gegen Goliath».</p><p>Gyaltag betont, dass auch die zweite Generation den Widerstand gegen die chinesische Besatzung strikt gewaltfrei führen will. «Die spektakulären Bilder von Protestaktionen mögen vielleicht nach Gewalt aussehen, es handelt sich aber immer um friedliche Demonstrationen», sagte der junge Schweizer mit tibetischen Wurzeln.</p><p>Ein weltlicher Führer ist gefragt</p><p>Anders als die ältere Generation denken die Jungen bei der Frage zum Status Tibets. «Es gibt insbesondere unter jungen Tibeterinnen und Tibetern eine wachsende Zahl, die für die völlige Unabhängigkeit von China eintritt. Nicht nur in Indien werden viele Junge ungeduldig», sagt SP-Nationalrat Mario Fehr, Präsident der Parlamentarischen Gruppe für Tibet.</p><p>Der Dalai Lama, dem auch junge Landsleute mit grosser Ehrfurcht begegnen, garantiert vorläufig den «mittleren Weg», der eine «echte Autonomie», nicht aber die Trennung von China fordert. Nach seinem Tod wird sich die Position der Exilgemeinschaft in dieser Frage vermutlich radikalisieren.</p><p>Neben der Frage der Unabhängigkeit fordern Tibeter, die im Westen aufgewachsen sind, auch eine stärkere Säkularisierung der Exil– Regierung. Diese wird derzeit vom 5. Samdhong Rinpoche, einem hohen Geistlichen angeführt. Viele möchten bei den nächsten Wahlen 2011 keinen Mönch mehr, sondern eine weltliche Figur als Premierminister.</p><p>Das erste tibetische Jugendparlament in Europa findet vom 9. bis 11. April an der Universität Zürich statt — zeitgleich zum Besuch des Dalai Lama. Ziel der Veranstaltung ist laut den Organisatoren unter anderem auch «das politische Bewusstsein zu fördern und die Beziehungen untereinander zu stärken».</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/04/07/ist-der-dalai-lama-der-letzte-monch-der-die-tibeter-fuhrt/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Nepal inhaftiert tibetische Demonstranten ohne Gerichtsprozeß für drei Monate</title><link>http://tibetfocus.com/2010/03/13/nepal-inhaftiert-tibetische-demonstranten-ohne-gerichtsprozes-fur-drei-monate/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/03/13/nepal-inhaftiert-tibetische-demonstranten-ohne-gerichtsprozes-fur-drei-monate/#comments</comments> <pubDate>Sat, 13 Mar 2010 21:55:12 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Politik]]></category> <category><![CDATA[Demonstrationen]]></category> <category><![CDATA[Menschenrechte]]></category> <category><![CDATA[Nepal]]></category> <category><![CDATA[Proteste]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=5333</guid> <description><![CDATA[phayul.com, 12. März 2010 - Mindestens 16 Exiltibeter wurden festgenommen, als sie am 10. März versuchten, die chinesische Botschaft in Kathmandu zu stürmen. Sie werden nun ohne Prozeß für 90 Tage im Gefängnis festgehalten, sagten nepalesische Regierungsbeamte. Wie AP berichtet, wurde nach Aussage des Polizeichefs von Kathmandu diese Maßnahme vom Distriktvorsteher gemäß der Verordnung für [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>phayul.com, 12. März 2010 -<br /> Mindestens 16 Exiltibeter wurden festgenommen, als sie am 10. März versuchten, die chinesische Botschaft in Kathmandu zu stürmen. Sie werden nun ohne Prozeß für 90 Tage im Gefängnis festgehalten, sagten nepalesische Regierungsbeamte.</p><p>Wie AP berichtet, wurde nach Aussage des Polizeichefs von Kathmandu diese Maßnahme vom Distriktvorsteher gemäß der Verordnung für Öffentliche Sicherheit verfügt. Die Demonstranten wurden am Tor zu der Visumsabteilung der chinesischen Botschaft aufgehalten, als sie versuchten das Tor zu durchbrechen.</p><p>Ungeachtet der Versuche der nepalesischen Regierung, sie von Demonstrationen abzuhalten, haben die Exiltibeter in Nepal am 51. Jahrestag des Volksaufstandes von 1959 gegen die Kolonialherrschaft Chinas über Tibet mit Protestaktionen daran erinnert. Eine kleine Gruppe trotzte dem Verbot, sich vor der chinesischen Botschaft in der nepalesischen Hauptstadt zu versammeln. Die Polizei schritt ein und nahm 34 Demonstranten fest, die übrigen 18 setzte sie wieder auf freien Fuß.</p><p>Im Stadtteil Boudha von Kathmandu versammelten sich etwa eintausend Tibeter unter strenger Überwachung, darunter waren viele Mönche, Nonnen und Schüler. Sie riefen Free-Tibet-Parolen und forderten ein entschiedenes Engagement der internationalen Gemeinschaft gegen die chinesische Besatzungsmacht ihres Heimatlandes. Die Polizei riegelte das Areal ab, damit die Tibeter nicht in anderen Stadtteilen ihre Proteste fortsetzen konnten.</p><p>Die Tibeter in Nepal protestierten seit 2008 regelmäßig gegen China, als die chinesisch-kommunistischen Machthaber mit militärischer Gewalt den Volksaufstand der Tibeter niederschlugen. Nach einer beträchtlichen Einflußnahme Chinas hat die nepalesische Regierung in letzter Zeit ihre Maßnahmen verschärft, um tibetischen Aktivisten die Teilnahme an friedlichen Demonstrationen unmöglich zu machen.</p><p>Wer sich der Anweisung der Regierung widersetzte, wurde von der Polizei, oftmals mit unangemessener Gewalt, gepackt und abgeführt. Die Demonstranten sahen sich regelmäßig mit ihrer Festnahme, Einschüchterung und in manchen Fällen individuellen Drohungen und willkürlicher Inhaftierung konfrontiert. Anfang der Woche verstärkte Nepal seine Kontrolle entlang seiner Nordgrenze und verbot alle Protestaktionen in der Nähe der chinesischen Botschaft.</p><p>Nepals brutaler Umgang mit den tibetischen Protestlern rief heftige internationale Kritik hervor. Die Regierung wird bezichtigt, nur auf den Druck Chinas hin mit derartiger Härte gegen die Flüchtlinge vorzugehen.</p><p>Eine detaillierte Analyse der wachsenden Einflußnahme Chinas in Nepal und der komplexen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern gibt es bei <a href="http://www.tibetinfonet.net/content/update/158" target="_blank">TibetInfoNet: “China’s Tibet’s backyard”</a>,<br /> Gekürzte Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Mensching</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/03/13/nepal-inhaftiert-tibetische-demonstranten-ohne-gerichtsprozes-fur-drei-monate/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Chimericas Konkurrenz: Indien, der unterschätzte Gigant!</title><link>http://tibetfocus.com/2010/02/25/chimericas-konkurrenz-indien-der-unterschatzte-gigant/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/02/25/chimericas-konkurrenz-indien-der-unterschatzte-gigant/#comments</comments> <pubDate>Thu, 25 Feb 2010 21:27:25 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Politik]]></category> <category><![CDATA[China]]></category> <category><![CDATA[Indien]]></category> <category><![CDATA[USA]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=5192</guid> <description><![CDATA[Spiegel, 24.2.10, von Jörg Himmelreich Alle reden von der Superallianz zwischen China und Amerika. Doch es kriselt zwischen den Weltmächten. Langfristig bietet sich Washington ein neuer Partner an, dessen Bedeutung in der globalen Ordnung so rapide wächst wie seine Wirtschaft — Indien. Die Schlagworte für neue Konzepte der US-Außenpolitik wechseln auf dem Jahrmarkt der außenpolitischen [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Spiegel, 24.2.10, von Jörg Himmelreich</p><p>Alle reden von der Superallianz zwischen China und Amerika. Doch es kriselt zwischen den Weltmächten. Langfristig bietet sich Washington ein neuer Partner an, dessen Bedeutung in der globalen Ordnung so rapide wächst wie seine Wirtschaft — Indien.</p><p>Die Schlagworte für neue Konzepte der US-Außenpolitik wechseln auf dem Jahrmarkt der außenpolitischen Expertengemeinde immer schneller. Gestern “Chindia” als Ausdruck der weltpolitischen Gewichtsverschiebung nach Asien ohne einseitige amerikanische Präferenz für China oder Indien, heute “Chimerica” oder “G2”, um die besondere Bedeutung Chinas für die USA zu unterstreichen — und morgen? Inderica! Eine engere Kooperation zwischen Indien und Amerika, zwischen der größten und der reichsten Demokratie.</p><p>Langfristig hat Indien das politische und wirtschaftliche Potential, die sich ständig neu austarierenden Machtverhältnisse der Weltordnung zu stabilisieren. Ein Faktor, der in Washington — wie auch in Berlin und anderen westlichen Hauptstädten — bislang sträflichst unterschätzt wurde.</p><p>Auf einem Feld ist Indien längst Weltmacht: Indische Romanautoren stürmen die Weltbestsellerlisten, Bollywood erobert den Westen, “Slumdog Millionär” räumt in Hollywood acht Oscars ab; der Schauspieler Sharukh Khan ist ein weltweit gefeierter Star — und Muslim wie viele von Bollywoods Filmgrößen. In westlicher Kultur und postmodernem, urbanem Lebensgefühl gilt: “India is in”.</p><p>Politisch und wirtschaftlich hingegen steht Indien im Schatten des weltweiten China-Hypes. Noch. Denn in Washington sind erste Anzeichen der Ernüchterung zu beobachten: “G2 is over”, so scheint es. Der fünftägige Besuch in China von US-Präsident Barack Obama im vergangenen November, der kein messbares Ergebnis brachte, wird in Washington als demütigend empfunden. Der Kopenhagener Klimagipfel scheiterte an der Kompromisslosigkeit Chinas, das der Welt sein neues weltpolitisches Gewicht selbstbewusst demonstrierte. Obamas Bereitschaft, mit China zu kooperieren, änderte weder Pekings Haltung gegenüber Iran noch gegenüber Nordkorea. Alles Gründe, sich Indien mehr zuzuwenden.</p><p>Indische Mittelständler gehen weltweit auf Einkaufstour</p><p>Indien zählt wie China zu den Gewinnern der Weltwirtschaftskrise. Zwischen Juli und September legte Indiens Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 7,9 Prozent zu. Der Wert des indischen Börsenleitindexes hat sich binnen eines Jahres verdoppelt. Und Indien ist erst in der Frühphase des Wirtschaftsaufschwungs — so wie China vor zehn Jahren.</p><p>Ministerpräsident Manmohan Singh ist der Architekt dieses Aufschwungs. Als Indien 1992 kurz vor dem Staatsbankrott stand, hat er als Finanzminister das Land zur Welt geöffnet — und so die Wende geschafft. Dass er im Mai vergangenen Jahres nach seiner ersten Amtszeit seit 2004 als Regierungschef wiedergewählt wurde, hat es in der indischen Geschichte seit Jawaharlal Nehru nicht mehr gegeben.</p><p>Jetzt gehen indische Mittelständler weltweit auf Einkaufstour, indische Pharmakonzerne kaufen Labore in den USA, und Indiens Industriegigant, Reliance Industries, ist dabei, die weltweite Nummer eins unter den Kunststoffherstellern, Lyondell-Basel Industries AF, für mehr als 12 Milliarden Euro zu übernehmen. Die Inder bejubeln die Erfolge ihrer Industriekönige wie die Deutschen die Siege ihrer Fußballnationalmannschaft. Eine Nation im Aufbruch.</p><p>Das aber täuscht die indische Regierung nicht über die noch zu bewältigenden Probleme hinweg:</p><p>die mangelhafte Infrastruktur,</p><p>eine überbordende staatliche Bürokratie mit entsprechender Korruption,</p><p>bei einer Gesamtbevölkerung von 1,2 Milliarden Einwohnern, 300 Millionen Analphabeten und 480 Millionen Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag ihr Dasein fristen.</p><p>Ministerpräsident Singh kämpft dagegen an: In den nächsten drei Jahren werden 70 Milliarden US-Dollar in Straßen investiert mit Millionen neuer Arbeitsplätze. Die bisherigen Strukturreformen haben 300 Millionen Menschen — die Zahl entspricht ungefähr der der US-Gesamtbevölkerung — aus der Armut befreit.</p><p>Voraussetzung für weiteres Wachstum: Frieden mit den Nachbarn</p><p>Um dieses Wirtschaftswachstum fortzusetzen, ist es für Indien überlebenswichtig, Frieden in seiner Nachbarschaft zu gewährleisten. Davon können die USA selbst nur profitieren, steht doch Indiens Nachbarschaft — Afghanistan, Pakistan — im Zentrum US-amerikanischer Außenpolitik.</p><p>Indiens Verhältnis zu China ist trotz aller erheblichen Verbesserungen der beiderseitigen Beziehungen auch in der zweiten Amtszeit Singhs nicht frei von Spannungen und Misstrauen. Pekings Bündnis mit Pakistan ist Delhi ein Dorn im Auge. Noch nicht gelöste Grenzfragen führen immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen China und Indien an der beiderseitigen Grenze.</p><p>Pakistan ist Indiens historischer Rivale. Seit dem — in Pakistan vorbereiteten — Bombenattentat im November vergangenen Jahres in der indischen Finanzmetropole Mumbai, das 163 Menschen das Leben kostete, sind die indisch-pakistanischen Beziehungen auf einem Tiefpunkt angelangt. Singh hat zwar besonnen reagiert und Islamabad eine engere Zusammenarbeit in der Terrorismusbekämpfung unter bestimmten Bedingungen in Aussicht gestellt. Aber er hegt berechtigte Zweifel an der innenpolitischen Überlebensfähigkeit des pakistanischen Präsidenten Zardari.</p><p>Die Instabilität Afghanistans wirkt sich über Pakistan unmittelbar auf Indien aus. Deswegen ist Indien mit mehr als 1,3 Milliarden US-Dollar der größte regionale Finanzier von Wiederaufbauhilfe in Afghanistan — militärisch kann Indien den internationalen Militäreinsatz dort nicht unterstützen, da sich Pakistan sofort militärisch umzingelt sähe. Bei der Umsetzung der neuen westlichen Afghanistan-Strategie kommt einem breiteren regionalen Ansatz und damit nicht nur Pakistan, sondern auch Indien eine entscheidende Rolle zu.</p><p>Inderica könnte die Zukunft gehören</p><p>Eine zweifelsohne intensivierte politische und wirtschaftliche Kooperation Indiens und Chinas verhindert einen gleichzeitigen Wettbewerb um Einflusszonen in Asien allerdings nicht. Angesichts dieser Konkurrenz haben die amerikanisch-chinesischen Beziehungen und ihre diversen Kurswechsel eine unmittelbare Auswirkung auf die Sicherheits– und Wirtschaftsbelange Indiens.</p><p>Indien hat ein Interesse an einem friedlichen wirtschaftlichen und politischen Wiederaufstieg Chinas. Aber an einer amerikanisch-chinesischen Sonderbeziehung im 21. Jahrhundert als einer Art neuen “G2” neben G8 und G20 zu Lasten Indiens kann ihm nicht gelegen sei. Auch die USA selbst müssen ein unmittelbares Interesse daran haben, einerseits die Entwicklung der Weltmacht China zu fördern, aber gleichzeitig seine Hegemonialinteressen durch eine Stärkung Indiens auszutarieren. Eine Korrektur der amerikanischen Asien-Politik, die sich bisher zu sehr auf China konzentrierte, bedarf daher einer sehr viel umfassenderen Einbeziehung Indiens.</p><p>China hat die entscheidende Systemfrage noch nicht gelöst: Wie will die chinesische KP dauerhaft begründen, dass sie der Bevölkerung — wie auch der wachsenden Zahl von chinesischen Multimillionären — die Beteiligung an der politischen Willensbildung verweigern will? Bisher bringen rigide Unterdrückung von abweichender Meinung und die boomende Wirtschaft in China die chinesische Bevölkerung zum Schweigen. Aber irgendwann wird auch das Wirtschaftswachstum Chinas seine Grenzen erreichen. Und dann?</p><p>Indien als größte Demokratie der Welt hat indessen die Systemfrage beantwortet, nicht überall perfekt, aber im Grundsatz. Indien ist deswegen weniger effizient, die Strukturreformen dauern länger, aber seine politische Regierung ist demokratisch legitimiert und damit stabiler. Und: Das Land ist jung. 54 Prozent der Inder sind jünger als 25 Jahre, während China alt wird, bevor es reich wird.</p><p>Inderica gehört die Zukunft — wenn die USA und Indien es wollen.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/02/25/chimericas-konkurrenz-indien-der-unterschatzte-gigant/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> </channel> </rss>
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