<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> <rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/" xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/" ><channel><title>tibetfocus.com &#187; Welt</title> <atom:link href="http://tibetfocus.com/category/welt/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://tibetfocus.com</link> <description></description> <lastBuildDate>Sun, 20 May 2012 16:57:18 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=</generator> <item><title>Apple-Schädling: Neuer Mac-Trojaner mit Betreffzeilen rund um die Themen Tibet und Dalai Lamanutzt alte Schwachstelle</title><link>http://tibetfocus.com/2012/04/22/apple-schadling-neuer-mac-trojaner-mit-betreffzeilen-rund-um-die-themen-tibet-und-dalai-lamanutzt-alte-schwachstelle/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2012/04/22/apple-schadling-neuer-mac-trojaner-mit-betreffzeilen-rund-um-die-themen-tibet-und-dalai-lamanutzt-alte-schwachstelle/#comments</comments> <pubDate>Sun, 22 Apr 2012 13:44:27 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Welt]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=8818</guid> <description><![CDATA[Spiegel, 17.4.12, von Matthias Kremp Nach der Entwarnung folgt die Warnung: Kaum hat Apple Software gegen den Java-Trojaner Flashback veröffentlicht, finden Sicherheitsexperten den nächsten Trojaner, der sich auch Macs einnisten will. Der Beginn einer Epidemie? Kaum hat sich die Aufregung um den Mac-Trojaner Flashback gelegt, steht schon der nächste aggressive Eindringling vor der Tür. Jetzt [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Spiegel, 17.4.12, von Matthias Kremp</p><p>Nach der Entwarnung folgt die Warnung: Kaum hat Apple Software gegen den Java-Trojaner Flashback veröffentlicht, finden Sicherheitsexperten den nächsten Trojaner, der sich auch Macs einnisten will. Der Beginn einer Epidemie?</p><p>Kaum hat sich die Aufregung um den Mac-Trojaner Flashback gelegt, steht schon der nächste aggressive Eindringling vor der Tür. Jetzt ist es das Schadprogramm PubSab, das die bisher weitgehend von Viren, Würmern und Trojanern verschonten Apple-Nutzer bedroht. Wie viele Rechner bereits von der Malware verseucht worden sind, ist unklar. Als Einfallstor nutzt auch der Schädling eine Java-Schwachstelle.</p><p>Als Vehikel zum Eindringen nutzt PubSab allerdings Word-Dokumente, die per E-Mail an die potentiellen Opfer verschickt werden, erklärt der Antivirensoftware-Hersteller Kaspersky Lab. Die Mails würden den Adressaten mit Betreffzeilen rund um die Themen Tibet und Dalai Lama schmackhaft gemacht. Habe sich der Schädling eingenistet, nehme er Kontakt zu einem Kommando– und Steuerungsserver auf und reihe sich in ein Bot-Netz ein. Anders als bei Flashback, dem bereits die Steuerungsmöglichkeit genommen wurde, handelt es sich laut Kaspersky bei PubSab um eine noch “aktive Attacke”.</p><p>Angesichts solcher Meldungen könnten man meinen, die Hersteller von Antivirensoftware aufatmen zu hören: Endlich sind auch Apple-Anwender mal betroffen, endlich hören auch jene, die sich lange als unangreifbar sahen, auf die Warnungen der Branche, dass eben kein System unverwundbar sei.</p><p>Und die Softwareschutz-Profis versuchen sich mit kostenlosen Hilfeleistungen zu übertreffen. Sophos bietet schon lange seine kostenlose Sophos Anti-Virus for Mac Home Edition zum Download an. Bei Doctor Web bekommt man gratis den Dr. Web Scanner Light für Mac OS X. Kaspersky hat zumindest “Sicherheits-Boost für Ihren Mac – 10 einfache Tipps“ ins Netz gestellt.</p><p>Erfolg lockt Angreifer</p><p>Apple dagegen musste Kritik dafür einstecken, viel zu lange gebraucht zu haben, um ein Sicherheits-Update für die vom Flashback-Trojaner genutzte Lücke zu liefern. Anders als auf Windows-Rechnern werden Java-Updates für Macs nicht vom Java-Hersteller Oracle, sondern von Apple selbst entwickelt. Zwischenzeitlich aber ist sowohl das Update eingetroffen als auch ein Tool, mit dem Flashback entfernt werden kann. Beide werden über die automatische Update-Funktion in OS X geliefert, sofern man die aktiviert hat, wozu zu raten ist.</p><p>Gegen den PubSab-Trojaner gibt es bisher allerdings keine automatische Lösung. Stattdessen ist Handarbeit gefragt, wie es “Neowin” erklärt:</p><p>Öffnen Sie den Ordner Library, indem Sie bei gedrückter Optionstaste (“alt”) im Finder-Menü Gehe zu auf Library klicken.</p><p>Lokalisieren Sie dort im Ordner LaunchAgents die Datei com.apple.PubSabAgent.plist und löschen Sie diese (sollte sie nicht vorhanden sein, sind Sie nicht betroffen).</p><p>Gehen Sie zurück ins Hauptverzeichnis der Festplatte, öffnen Sie erneut den Ordner Library und dort die Preferences. Hier löschen Sie die Datei com.apple.PubSabAgent.pfile.</p><p>Starten Sie den Rechner neu.</p><p>Alternativ kann man auch folgende zwei Zeilen im Terminalprogramm von OS X eintippen:</p><p>rm ~/Library/LaunchAgents/com.apple.PubSabAgent.plist<br /> rm ~/Library/Preferences/com.apple.PubSabAgent.pfile</p><p>Doch auch wenn man PubSab auf diese Weise niedergerungen hat, ist die Gefahr nicht vorüber, sagt Firmengründer Eugene Kaspersky: “Cyberkriminalität ist ein Geschäft und das Geschäft folgt immer dem Geld. […] Ab einem Marktanteil von fünf bis sieben Prozent — wie es derzeit für Mac OS X der Fall ist — kann das Ganze wirtschaftlich interessant werden. Es sieht so aus, also ob dieser gestiegene Marktanteil eine gewisse Grenze erreicht hat und daher auch Mac-User vermehrt von Cyberkriminellen attackiert werden.”</p><p>Anders ausgedrückt: Es ist ausgerechnet Apples Erfolg, der Macs aus ihrer kleinen, engen Nische holt und sie zum potentiellen Angriffziel macht. Die Schonzeit ist vorbei.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2012/04/22/apple-schadling-neuer-mac-trojaner-mit-betreffzeilen-rund-um-die-themen-tibet-und-dalai-lamanutzt-alte-schwachstelle/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Der Berner Ethnologe Martin Brauen in New York</title><link>http://tibetfocus.com/2012/03/13/der-berner-ethnologe-martin-brauen-in-new-york/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2012/03/13/der-berner-ethnologe-martin-brauen-in-new-york/#comments</comments> <pubDate>Tue, 13 Mar 2012 15:19:03 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Welt]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=8693</guid> <description><![CDATA[Basler Zeitung, 12.3.12, von Brigitta Niederhauser - Martin Brauen war während vier Jahren Chefkurator des Rubin Museum of Art – und lernte, im rauen New Yorker Klima die Ellenbogen zu brauchen. Nach vier Jahren ist er zurück – und er hat Pläne für Bern. Seine beiden kleinsten Ausstellungen in New York waren die erfolgreichsten. Mickymaus, [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Basler Zeitung, 12.3.12, von Brigitta Niederhauser -</p><p>Martin Brauen war während vier Jahren Chefkurator des Rubin Museum of Art – und lernte, im rauen New Yorker Klima die Ellenbogen zu brauchen. Nach vier Jahren ist er zurück – und er hat Pläne für Bern.</p><p>Seine beiden kleinsten Ausstellungen in New York waren die erfolgreichsten. Mickymaus, Goofy, Tim und Struppi holte der Berner Ethnologe Martin Brauen ins Rubin Museum of Art. Die Schau «Hero, Villain, Yeti: Tibet in Comics» zeigt fünfzig Comics aus den letzten sechzig Jahren. Der älteste ist von 1945, die neuesten stammen von jungen tibetischen Künstlern aus Indien. Die Ausstellung bringt Erstaunliches zutage. Mickymaus ist genauso selbstverständlich im Himalaja unterwegs wie Lara Croft. Und die meisten Mönche in den Comics sind gar keine Tibeter, sondern Weisse. Tibet als Tummelplatz westlicher Helden – damit kennt sich Brauen aus.</p><p>Obwohl er mit nicht wenigen der Comics vertraut sei, habe ihm die Ausstellung ein neues Verständnis für die Geschichte der Mythen und der Wahrnehmung und Klischierung von Kultur vermittelt, schrieb der Kritiker der «New York Times» über Brauens letzte Ausstellung im Rubin Museum. Die kleine Schau löste ein grosses Echo aus, und sie ist typisch für den 63-Jährigen. Der Berner Ethnologe hat sich einen Namen gemacht mit seinen komplexen Ausstellungen, in denen er bekannte Phänomene in neue Kontexte stellt und überraschende Bezüge freilegt. So sind seine Ausstellungen «Traumwelt Tibet» und «Die 14 Dalai Lamas» am Zürcher Völkerkundemuseum international auf grosse Beachtung gestossen.</p><p>Von der Medizin zur Ethnologie</p><p>Brauen hat früh als Ausstellungsmacher begonnen. Bereits als junger Student organisierte er die erste Ausstellung in Europa über tibetische Kunst. Sie war so erfolgreich, dass er sein Medizinstudium an den Nagel hängte und Ethnologie studierte. Während 35 Jahren arbeitete der Experte für tibetische Kultur am Völkerkundemuseum Zürich als Kurator. So positiv das Echo auf seine Ausstellungen auch war, so gross war in den letzten Jahren sein Frust. «Ich hatte noch so viele Ideen, aber ich musste realisieren, dass ich längst pensioniert sein werde, wenn ich wieder an der Reihe für eine Ausstellung bin.» Die Berufung nach New York im Jahr 2008 war für ihn dann die Chance. «Das Museum ist eine grossartige Spielwiese, endlich konnte ich eine Reihe lang gehegter Projekte umsetzen.»</p><p>Gegründet wurde das Museum 2004 vom Amerikaner Donald Rubin. Für einen dreistelligen Millionenbetrag liess der Selfmade-Milliardär ein fünfstöckiges ehemaliges Warenhaus in Chelsea umbauen. Der Unternehmer, der früh angefangen hatte, tibetische Kunst zu sammeln, wollte einen Ort für die Präsentation seiner rund 2000 Objekte aus dem Gebiet des Himalaja schaffen. Angetroffen hat Brauen zunächst ein ziemliches Chaos. «Man hat mich geholt, um dem Museum ein klares Profil zu geben.»</p><p>Das raue New Yorker Klima</p><p>Doch zuallererst musste er sich mit den neuen Arbeitsbedingungen vertraut machen, die sich ziemlich von jenen am Völkerkundemuseum unterschieden. «Die Zürcher Uni, zu der das Museum gehört, ist ein selbstverwalteter Betrieb, in dem aus Opportunismus mit Kritik ziemlich zurückhaltend umgegangen wird», sagt Brauen, der dort zuletzt als Direktor ad interim tätig war. Zu seiner Zeit habe man die Kollegen nicht brüskieren wollen, weil man nie gewusst habe, ob man sie nicht einmal als Verbündete brauche. «In einem solchen Umfeld konnten Konflikte kaum ausgetragen werden.»</p><p>Ganz anders war Brauens neue Situation. «Als private Institution muss sich das Rubin Museum im rauen Klima New Yorks behaupten», da werde vom Chefkurator erwartet, dass er autoritär auftrete. «Ich habe gelernt, meine Ellenbogen zu brauchen.» In Zürich hatte er fast alles selber organisieren müssen, vom Ausstellungskonzept über das Verhandeln mit Leihgebern bis zur Sponsorensuche. «Wir Kuratoren waren Mädchen für alles. Das war zwar abwechslungsreich, aber nicht sehr professionell und effizient.» Am Rubin Museum konnte er auf einen Mitarbeiterstab zurückgreifen, von dem er in Zürich nur geträumt hatte. «Ich durfte mich ganz auf das Konzipieren eines Ausstellungsprogramms, die Leitung des Kuratorenteams und die Pflege von Beziehungen konzentrieren.»</p><p>Ausser den Dauerausstellungen bietet das Rubin Museum acht Sonderausstellungen pro Jahr. Brauen konnte sowohl die Schau zur vergleichenden Kosmologie als auch jene zum Tod in den verschiedenen Religionen realisieren, zwei Projekte, die ihm schon lange am Herzen lagen. Mit der Präsentation von C. G. Jung (2010) ist ihm weiter ein Coup gelungen, der das Haus weit über Kunstkreise hinaus bekannt gemacht hat. Brauen überzeugte die zuständige Jung-Stiftung, dass das Rubin Museum der richtige Ort sei, um das geheimnisumwitterte «Rote Buch» von Jung erstmals der Öffentlichkeit vorzustellen. Samt umfangreichem Rahmenprogramm. Auch bei der Gestaltung dieser Reihen offenbart sich Brauens Gespür für Zusammenhänge. So wurde im Rahmen der Comicausstellung das Werk der deutsch-russischen Schriftstellerin Helena Blavatzky thematisiert, die mit ihren Schriften im Westen entscheidend zur Mystifizierung Tibets beitrug und in Amerika das Interesse am Okkultismus schürte.</p><p>Der überschwänglichen Verehrung von Tibets Kultur ist Martin Brauen, der mit der tibetischen Künstlerin Sonam Dolma verheiratet ist, immer kritisch begegnet. Viel wichtiger sei für die Tibeter und ihre bedrohte Kultur eine tiefer greifende Auseinandersetzung. So konfrontierte Brauen immer wieder die alte Kunst mit Werken von zeitgenössischen Kunstschaffenden, so zum Beispiel von Wolfgang Laib, Atta Kim und Theaster Gates in der Ausstellung «Grain of Emptiness: Buddhism-Inspired Contemporary Art».</p><p>Die Macht der Sammler</p><p>So gross die Freiheit war, die ihm Rubin gewährte: Brauen wusste immer auch um die Grenzen im Land der unbeschränkten Möglichkeiten. Eine Ausstellung mit politischen Inhalten zum Beispiel zur Unterdrückung der Tibeter wäre kaum realisierbar gewesen. «Ein Projekt wie jenes über die 14 Dalai Lamas in Zürich ist hier problematisch.» Und er verheimlicht auch nicht seine weniger angenehmen Erfahrungen mit Händlern und Sammlern. Da war der Kunsthändler, der Donald Rubin so lange bearbeitete, bis eine Ausstellung über tibetische Kunst in seinem Sinn gestaltet wurde – und nicht in jenem des Chefkurators. Solche Versuche der Einflussnahme seien sehr amerikanisch. Doch das sei der einzige Wermutstropfen gewesen.</p><p>Mit grosser Skepsis verfolgt Brauen auch die wachsende Macht der Sammler, die mit allen Mitteln versuchen, ihre Schätze in den Museen zu zeigen und so deren Wert zu steigern. «Die Filetstücke sind oft im Besitz der Sammler», sagt Brauen, «da braucht es viel Verhandlungsgeschick.» Und es stelle sich auch immer wieder die Frage, ob es ethisch und wirtschaftlich sinnvoll sei, private Sammlungen zu zeigen. «Manchmal gelingt es, mit einem Sammler ein für beide Seiten stimmiges Konzept auszuarbeiten.» Wenn zum Beispiel der Sammler das künstlerische Konzept des Kurators akzeptiere und nicht inhaltliche Änderungen zu erzwingen versuche. «Im Idealfall bekommt der Sammler eine professionell kuratierte Ausstellung. Als Gegenleistung übernimmt er einen Teil der Kosten und schenkt dem Museum noch ein Objekt.»</p><p>Bill Viola im Münster?</p><p>Zu schaffen machen Brauen die Tendenzen auf dem internationalen Kunstmarkt. «In China werden unglaubliche Sammlungen von tibetischer Kunst aufgebaut, Objekte im Wert von mehreren Millionen Dollar werden bei Christie’s und Sotheby’s versteigert und verschwinden dann in privaten Sammlungen. Eine problematische Entwicklung.» Während auf den Auktionen immer exorbitantere Preise bezahlt werden, werden die Ankaufsbudgets der Museen immer kleiner, und der Austausch von Leihgaben wird immer teurer und aufwendiger.</p><p>Noch kann das Rubin Museum mithalten. Das Stiftungsvermögen, mit dessen Zinsen der Betrieb finanziert wird, hat die Finanzkrise erstaunlich gut überstanden. «Wir mussten nur auf eine Ausstellung verzichten, und ich konnte mein Team nicht so schnell aufbauen wie zuerst abgemacht.» Nach der Neupositionierung, die Brauen gelang, verfügt das Museum über einen ausgezeichneten Ruf und ist damit attraktiv für Leihgeber und finanzkräftige Stiftungen geworden. 200’000 Besucher verzeichnet es jährlich, Tendenz steigend, und der Belgier Jan Van Alphen, Brauens Nachfolger, wird wohl den eingeschlagenen Kurs weiterverfolgen.Zurück in der Schweiz, will Brauen erst einmal seine Erfahrungen auswerten.</p><p>Aber er hat auch schon neue Pläne: Er möchte die Kosmologieausstellung gern auch in Europa zeigen. Und Bill Viola nach Bern holen. In der Ausstellung über den Tod zeigte der amerikanische Videokünstler, dessen Werk 2011 an der Biennale von Venedig zu sehen war, eine eindrückliche Arbeit über den Kreis des Lebens. Wo er diese zeigen möchte, weiss Brauen auch schon. Möglichst im Berner Münster, in unmittelbarer Nähe zu einer der prächtigsten Darstellungen des Jüngsten Gerichts. Weil alte und zeitgenössische Kunst zusammen ganz neue Auseinandersetzungen möglich machen.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2012/03/13/der-berner-ethnologe-martin-brauen-in-new-york/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Chinesische Repression gegen Uiguren: Vergessen von der Welt</title><link>http://tibetfocus.com/2011/06/08/chinesische-repression-gegen-uiguren-vergessen-von-der-welt/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2011/06/08/chinesische-repression-gegen-uiguren-vergessen-von-der-welt/#comments</comments> <pubDate>Wed, 08 Jun 2011 10:02:41 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Welt]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=7416</guid> <description><![CDATA[Süddeutsche Zeitung, 6.6.11, Alex Rühle - Im Westen herrscht eine Unaufmerksamkeitskultur in Bezug auf China. Die Auseinandersetzungen um Tibet, Taiwan, Falun-Gong und die Demokraten sind hierzulande bekannt, nur von dem ungleichen Kampf, den die Muslime im Norden führen, weiss kaum jemand. Zum Beispiel Ershidin Israel. Schon mal gehört? Natürlich nicht. Kein Europäer hat je von [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Süddeutsche Zeitung, 6.6.11, Alex Rühle -</p><p>Im Westen herrscht eine Unaufmerksamkeitskultur in Bezug auf China. Die Auseinandersetzungen um Tibet, Taiwan, Falun-Gong und die Demokraten sind hierzulande bekannt, nur von dem ungleichen Kampf, den die Muslime im Norden führen, weiss kaum jemand.</p><p>Zum Beispiel Ershidin Israel. Schon mal gehört? Natürlich nicht. Kein Europäer hat je von dem Mann gehört. Außer ein paar Exil-Uiguren, die kürzlich eine Petition verfasst haben, in der sie den kasachischen Staat bitten, den 38-jährigen Lehrer nicht an China auszuliefern, weil er dort wahrscheinlich spurlos im Lagersystem verschwinden werde.</p><p>Ershidin Israel hatte Radio Free Asia Informationen über den Foltertod eines Uiguren zugespielt und war dann nach Kasachstan geflohen. Der Weltkongress der Uiguren schreibt in seiner Petition, er bitte “die internationale Gemeinschaft, für Ershidin Israel aufzustehen und die kasachischen Autoritäten zu veranlassen, Israel nicht zurückzuschicken.” Die internationale Gemeinschaft ist nicht aufgestanden. Niemand hat darüber berichtet.</p><p>Ohne einen Aushang an einer Münchner Hauswand würde sein Name auch nicht hier stehen. Where is Ai Weiwei? stand da, es war einer dieser kopierten Zettel, die kurz nach Ai Weiweis Verhaftung überall auftauchten und in denen man aufgefordert wurde, die chinesische Botschaft anzurufen, um sich für die Freilassung des Künstlers starkzumachen.</p><p>Gute Idee, richtige Idee, sofort anrufen. An den Rand eines der Zettel hatte jemand mit Kugelschreiber geschrieben: “Und was ist mit all den verschwundenen Uiguren?” Uiguren? Wer waren denn die noch mal gleich?</p><p>Vorab so klar, so deutlich wie nur irgend möglich: Ai Weiwei ist sicher einer der wichtigsten Künstler unserer Tage, der seit Jahren sein Leben und seine Freiheit für seine politischen Werke riskiert. Und auch die unzähligen Aktionen, die momentan für seine Freilassung stattfinden, sind wichtig. Protest gegen Unrechtsregime hat sich oft schon am Engagement für Einzelne festgemacht.</p><p>Bald Minderheit im eigenen Land</p><p>Wenn die Leute seinerzeit die Freilassung von Nelson Mandela forderten, heißt das nicht, dass ihnen all die anderen inhaftierten Schwarzen egal gewesen wären, im Gegenteil, Mandela stand immer auch für sie alle. Wer sich für Vaclav Havel starkmachte oder für die Befreiung von Aung San Suu Kyi, der unterstützte damit symbolisch die tschechoslowakische oder birmanische Opposition. Und doch — irgendwie setzte sich dieser Satz fest: “Und was ist mit all den verschwundenen Uiguren?”</p><p>Die Uiguren sind ein Turkvolk, das im Osten Chinas lebt, in einer Gegend, die viereinhalb mal so groß ist wie die Bundesrepublik, 1949 okkupiert wurde und seither offiziell Autonomes Gebiet Xinjiang heißt. Schon im Namen der Provinz macht China keinen Hehl aus seiner Annexionspolitik: Xinjiang heißt “Neues Gebiet” oder“Neue Grenze”. Die Uiguren selbst nennen ihr Land Ostturkestan.</p><p>Xinjiang ist die flächenmäßig größte chinesische Provinz, es gibt riesige Öl– und Gasvorkommen und die uigurische Bevölkerung hat mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen wie die Tibeter: Die aggressive Ansiedlungspolitik der Pekinger Zentralregierung führt dazu, dass die zehn Millionen Uiguren in ihrer Heimat bald Minderheit sein werden.</p><p>Die Uiguren werden den Han-Chinesen gegenüber auf allen Ebenen benachteiligt. von freier Meinungsäußerung, Religionsfreiheit und einem gerechten Bildungssystem können sie nur träumen.</p><p>An uigurischen Universitäten, Schulen und Kindergärten ist Han-Chinesisch offizielle Unterrichtssprache. Allein in der Hauptstadt Urumqi stehen mehr als 55.000 Überwachungskameras, schließlich zählen die Uiguren zu den “fünf Giften”, wie die Regierung ihre Hauptgegner umschreibt: Uiguren, Falun-Gong-Anhänger, Leute, die es wagen, von Taiwan als eigenem Staat zu sprechen, Anhänger der Demokratiebewegung und Befürworter eines freien Tibet.</p><p>Warum gibt es so viele Tibetinitiativen aber kaum etwas über die Uiguren? Weil die Uiguren keinen Dalai Lama haben? Weil sie Muslime sind und keine Buddhisten? Weil das Land sich als Marke nicht so effektiv in Szene setzen lässt wie Tibet?</p><p>Wenn man das so formuliert, klingt es, als seien die Tibeter clever-zynische Branding-Experten. Eher ist es so, dass die Himalayahochebene namens Tibet einfach das Glück hatte, sich unter dem Licht unserer gierigen Projektionsscheinwerfer in ein spirituelles Wellnessparadies zu verwandeln. Xinjiang dagegen ist bis heute ein weißer Fleck — ein Assoziationsraum, leer wie die Taklamakanwüste, die Teil der kargen Provinz ist.</p><p>Ein kleines Büro in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs. Hier hat der “Weltkongress der Uiguren” (WUC) seinen Sitz. Weltkongress, das klingt nach UNO, Brüssel oder Genf, aber bestimmt nicht nach den schäbigen Schränken, die in dem engen Flur stehen.</p><p>Der Weltkongress besteht im Grunde aus vier Mitarbeitern und ein paar alten Computern. Sie haben ihr Büro hier aufgeschlagen, weil in München die größte uigurische Exilgemeinde außerhalb Asiens lebt: Während des Kalten Krieges hatte Radio Free Europe ein uigurisches Programm aufgebaut, das bis Zentralasien sendete. So bekam München für viele Uiguren eine Aura, wie sie andernorts in jenen Jahren vielleicht New York besass. Europa, das hiess München, so dass heute über 500 Uiguren hier leben.</p><p>Dolkun Isa, der Generalsekretär des WUC, ist selbst Flüchtling und auf die Frage, ob er einen eventuell in Kontakt bringen könne mit Uiguren, die Ähnliches zu erleiden hatten wie das, was Ai Weiwei aller Wahrscheinlichkeit nach gerade widerfährt, stutzt er kurz und sagt dann: “Da können sie eigentlich jeden von uns fragen.”</p><p>Gut. Fragen wir zwei von ihnen, fragen wir B.K. und Gülnihal Ablet. Hinter den beiden stehen an einer Tafel ein paar halbverwischte Sätze aus einer Deutschklasse, die man als unfreiwilliges Gedicht eines Exilanten lesen könnte:</p><p>Wo ist der Koffer?</p><p>Das Buch ist nicht hier.</p><p>Wer bist Du?</p><p>Was tust Du?</p><p>Dein Geist</p><p>Unbekannt</p><p>Wer bist du? Was tust Du? B. K. möchte seinen Namen nicht in der Zeitung sehen, weil er Angst hat, dass die chinesischen Behörden Rache nehmen an seiner Frau und seinen Söhnen, die er zuletzt in der Nacht vom 16. September 1993 gesehen hat, der Nacht, in der 12 Polizisten kamen und ihn mitnahmen. Sein Verbrechen: Er hatte eine Beschwerde bei der autonomen Regierung eingereicht, die um eine Frage kreiste: Warum verbietet die chinesische Regierung alle religiöse Unterweisung, obwohl das chinesische Grundgesetz Religionsfreiheit garantiert? Die Regierung antwortete nicht. Stattdessen kamen die 12 Polizisten.</p><p>Die Haft, die Folter, es bricht aus B.K. heraus, als habe das Schweigen in ihm sich über die Jahre zusammengezogen wie eine rostige Feder, die plötzlich aufspringt, der Dolmetscher kommt kaum hinterher, die Nächte, in denen B. auf dem Betonboden knien musste, mit ausgestreckten Armen, die Handschellen, die nicht an den Handgelenken festgemacht wurden, sondern über den Fingerknöcheln, die Eimer eisigen Wassers.</p><p>Bitterkeit gegessen</p><p>B.‘s Mund wird klein beim Erzählen, wenn man ihm zuhört, muss man an das chinesische Sprichwort denken, jemand habe Bitterkeit gegessen. B’.s Kinder sind mittlerweile volljährig, der ältere Sohn wird regelmässig verhört wegen des angeblich gemeingefährlichen Vaters, der als Fabrikarbeiter in München sitzt und nach einer Viertelstunde den wildfremden Journalisten fragt, ob der ihm Angela Merkels Adresse geben könne, seine Kinder seien in Gefahr.</p><p>Gülnihal Ablet sitzt zunächst stumm neben B.K., fast wie ein scheues Tier, das im unsichtbaren Scheinwerferlicht eines längst vergangenen Schreckens erstarrt zu sein scheint. Aber sobald sie anfängt zu erzählen, kann auch sie nicht mehr aufhören.</p><p>Ablet war im Juli 2009 mit ihrem Bruder bei den Demonstrationen in Urumqi dabei, bei denen Han-Chinesen und Uiguren ums Leben kamen. Danach wurde Xinjiang für 10 Monate von der Außenwelt abgeschnitten, kein Internet, kein Handynetz, es gab Schauprozesse, Tausende wurden verhaftet, viele sind bis heute verschwunden, so wie auch Ablets Bruder, den sie zuletzt am Tag der Demonstration gesehen hat. Niemand weiß, wo er sich befindet und ob er noch lebt, die Familie erhielt nur ein Formschreiben, dass er im Gefängnis sei.</p><p>Offene Bespitzelung</p><p>Ablet zog nach den Zusammenstössen zusammen mit anderen Frauen, deren Männer oder Brüder verschwunden waren, vor das Gebäude der Provinzregierung. Die friedliche Demonstration wurde gewaltsam aufgelöst, die chinesische Staatssicherheit hängte tags darauf in der Stadt Fotos der Demonstrantinnen auf.</p><p>Ablet versteckte sich wochenlang in der Wohnung einer Cousine, schlug sich nach Peking durch, wo sie eineinhalb Jahre lang illegal lebte, bis sie das Geld für zwei Schlepper zusammen hatte, die sie nach Deutschland brachten. Im März dieses Jahres bat sie hier um Asyl.</p><p>Seit den Ausschreitungen vom Juli 2009 hat sich die Situation in Xinjiang eindeutig verschärft. Was man bis in diese Räume am Münchner Hauptbahnhof spüren kann: Nach den Demonstrationen hinterließen Anrufer beim WUC Botschaften auf chinesisch, in denen sie drohten, den Mitarbeitern werde es “so ergehen wie den Uiguren in der Heimat, wir wissen, wo euer Büro ist.”</p><p>Die chinesische Regierung weiss überhaupt verblüffend viel über die Arbeit des Weltkongresses. Der WUC wird nicht nur bespitzelt, die chinesische Botschaft bemüht sich nicht einmal darum, diese Spitzelarbeit zu vertuschen: Als im November 2006 zwölf Grünen-Abgeordnete eine Einladung zum Weltkongress der Uiguren erhielten, wurde der damalige Generalkonsul Huiqun Yang umgehend mit einer Liste aller Eingeladenen bei den Grünen vorstellig und drohte, dies stelle eine ernste Belastung der deutsch-chinesischen Beziehungen dar.</p><p>Den Namenlosen ein Gesicht geben</p><p>Man kann auf die Schilderung solcher Geschichten mit Robert Gernhardts Frage kontern: “Ja, bin ich denn das Weltgewissen?” Natürlich nicht. Aber wenn man den Begriff der Aufmerksamkeitsökonomie weiterdenken möchte, könnte man sagen, Ai Weiwei hat ein geradezu bizarres Aufmerksamkeitsmonopol inne. Ganz München hängt voll mit Plakaten, Postern, Aufrufen, fast so, als sei er der Pandabär des internationalen Kunstbetriebs.</p><p>Könnte man nicht einen Teil dieses Engagements umleiten, etwa auf den Schriftsteller Nurmuhemmet Yasin, der wegen seiner Kurzgeschichte “Wildtaube” zu 10 Jahren Haft verurteilt wurde?</p><p>Weiweis Aufmerksamkeitsmonopol ist auch deshalb so merkwürdig, als es Weiwei in vielen seiner Aktionen der letzten Jahre darum zu tun war, selbst nurmehr wie ein Mediator oder Scheinwerfer zu funktionieren, mit seinem Ruhm die im Dunkeln anzustrahlen, namenlosen Opfern ein Gesicht zu geben: Nach dem Erdbeben von Sichuan schickte er Freiwillige aus, damit sie die Namen aller gestorbenen Schülerinnen und Schüler sammeln.</p><p>Petitionen nur nach hartem Lobbying</p><p>Ai selbst sagt übrigens, er verdanke seinen oppositionellen Geist der Erfahrung der Verbannung und Willkür: Als er zwei Jahre alt war, wurde sein Vater, der Dichter Ai Qing, zusammen mit der Familie für 18 Jahre in den äussersten Westen des Landes deportiert — nach Xinjiang, ins Land der Uiguren.</p><p>Zu Ai Weiwei hat das Europaparlament am 7. April, also schon wenige Tage nach seinem Verschwinden eine Petition verabschiedet. Um eine ähnliche Petition zur Lage der Uiguren zu formulieren, hat es viele Monate gedauert und, so die WUC-Mitarbeiterin Jana Brandt, “es war sehr harte Lobbyarbeit, das Parlament überhaupt so weit zu bringen.”</p><p>Ershidin Israel übrigens wurde vor sieben Tagen, am 31. Mai, von der kasachischen Regierung an China ausgeliefert. Und Gülnihal Ablets Asylgesuch wurde soeben abgelehnt.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2011/06/08/chinesische-repression-gegen-uiguren-vergessen-von-der-welt/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Wie man einen Diktator stürzt: Eine Anleitung auf 93 Seiten von Gene Sharp</title><link>http://tibetfocus.com/2011/02/22/wie-man-einen-diktator-sturzt-eine-anleitung-auf-93-seiten-von-gene-sharp/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2011/02/22/wie-man-einen-diktator-sturzt-eine-anleitung-auf-93-seiten-von-gene-sharp/#comments</comments> <pubDate>Tue, 22 Feb 2011 15:31:44 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Welt]]></category> <category><![CDATA[Gandhi]]></category> <category><![CDATA[Gene Sharp]]></category> <category><![CDATA[Gewaltlosigkeit]]></category> <category><![CDATA[Jasmin Revolution]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=6978</guid> <description><![CDATA[Tages-Anzeiger, 17.02.2011 - Die Herrscher der arabischen Welt fürchten sich vor einem 83-Jährigen, der einen Ratgeber für Revolutionäre verfasst hat. Seine Tipps sollen in Tunesien und Ägypten zum Umsturz beigetragen haben. Besonders gefährlich wirkt Gene Sharp nicht: Der 83-Jährige ist ein zurückhaltender amerikanischer Intellektueller, er wohnt in einem kleinen Backsteinhaus in einem Arbeiterquartier in Boston, [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Tages-Anzeiger, 17.02.2011 -<br /> Die Herrscher der arabischen Welt fürchten sich vor einem 83-Jährigen, der einen Ratgeber für Revolutionäre verfasst hat. Seine Tipps sollen in Tunesien und Ägypten zum Umsturz beigetragen haben.</p><p>Besonders gefährlich wirkt Gene Sharp nicht: Der 83-Jährige ist ein zurückhaltender amerikanischer Intellektueller, er wohnt in einem kleinen Backsteinhaus in einem Arbeiterquartier in Boston, weit weg von den Plätzen der revolutionären Umstürze in der arabischen Welt. Doch seine Ideen werden zurzeit den Despoten in den arabischen Ländern gefährlich: Sharp ist der Verfasser einer Anleitung, wie man eine unblutige Revolution durchführt.</p><p style="text-align: center;"><a rel="attachment wp-att-6976" href="http://tibetfocus.com/2011/02/22/wie-man-einen-diktator-sturzt-eine-anleitung-auf-93-seiten-von-gene-sharp-2/genesharpbykeystone/"><img class="aligncenter size-full wp-image-6976" title="GeneSharpByKeystone" src="http://tibetfocus.com/wp-content/uploads/2011/02/GeneSharpByKeystone.jpg" alt="Gene Sharp" width="557" height="385" /></a>Steht zuoberst auf der Bestsellerliste der Dissidenten: Gene Sharp in seinem Büro in Boston.<br /> Bild: KEYSTONE/AP</p><p>Dabei handelt es sich keineswegs um theoretische Literatur: Das 93-seitige Büchlein wurde laut «New York Times» in 24 Sprachen übersetzt, und zahlreiche Dissidenten sollen sich in den letzten Jahrzehnten Sharps praktischer Ratschläge bedient haben. Das Werk mit dem Titel «From Dictatorship to Democracy» soll Vorbild für die politischen Umwälzungen in Burma, Bosnien, Estland, Zimbabwe und jüngst in Tunesien und Ägypten gewesen sein.</p><p>Suche nach der Achillesferse</p><p>Ein amerikanischer Thinktank, das International Center on Nonviolent Conflict, verbreitete gemäss der amerikanischen Zeitung Sharps Ideen in Ägypten. Die Organisation, die demokratische Aktivisten ausbildet, hielt vor einigen Jahren in Kairo einen Workshop ab und stellte den Teilnehmern Gene Sharps «198 Methods of Nonviolent Action» vor. Darunter figurieren Hungerstreiks, das Enttarnen von Polizeispitzeln und Geheimagenten und vieles mehr.</p><p>Wichtig ist Sharp, dass die unterdrückte Bevölkerung in ihrem Herrscher nicht einen unverletzbaren Diktator sieht, sondern seine Schwächen auslotet. Jeder habe eine Achillesferse, und die gelte es zu erkennen: Autoritäre Regimes seien starr und würden meist unflexibel auf Veränderungen reagieren, zudem gebe es nur wenige Schlüsselfiguren, die den Staat zusammenhalten würden. Solche und andere Schwächen müssten sich die Demonstranten zunutze machen. Gestützt darauf entwickelt Sharp einen sorgfältigen Masterplan für eine erfolgreiche Revolution. Dabei warnt er auch vor falschen Hoffnungen oder taktischen Fehlern bei Verhandlungen.</p><p>Die ägyptische Bloggerin Dalia Ziada, eine der Teilnehmerinnen am Kairoer Workshop, griff Sharps Methoden auf und organisierte ähnliche Veranstaltungen zum Thema. Leute, die sie ausgebildet habe, seien später bei den Revolten in Tunesien und Ägypten aktiv gewesen, sagt die Bloggerin gegenüber der «New York Times». Offenbar haben selbst die Muslimbrüder Sharps Werk auf ihrer Website gepostet.</p><p>Ein Pazifist, aber kein Revolutionär</p><p>Gene Sharp hingegen hatte nie etwas mit Ägypten zu tun. Und er versteht sich auch nicht als Revolutionär, sondern ist laut der «New York Times» vielmehr ein stiller Denker. Etwas aufmüpfig war er in seiner Jugend allerdings schon: Während des Korea-Kriegs verweigerte er den Militärdienst und wanderte dafür neun Monate ins Gefängnis, und auch bei einer Sitzblockade soll er einst aktiv mitgemacht haben.</p><p>In erster Linie trat Gene Sharp aber als Gelehrter in Erscheinung. Er gründete die Albert Einstein Institution, lehrte Politikwissenschaft in Harvard und der University of Massachusetts – und führt ein ruhiges Leben. Die Revolution kennt er aus dem Fernsehen. Über CNN habe er verfolgt, was sich in Ägypten abspiele, sagt er.</p><p>Über die neuen Medien wie Twitter und Facebook, die bei den Umstürzen in der arabischen Welt eine entscheidende Rolle spielen, weiss der Amerikaner hingegen kaum Bescheid. «Ich sollte mehr darüber wissen», sagt Sharp gegenüber der «New York Times». Doch nur schon ein E-Mail zu verschicken, ist für ihn ein Buch mit sieben Siegeln. Sharp muss jeweils einen handgeschriebenen Zettel seines Mitarbeiters konsultieren. «Klicke auf das Icon ‹new› oben im Fenster, um ein leeres E-Mail zu öffnen», steht darauf.</p><p>Nicht mit den Waffen des Gegners kämpfen</p><p>Auch ohne Computerkenntnisse ist Sharp jedoch bei den Diktatoren gefürchtet. Immer wieder unternahmen sie Versuche, seinen Ruf zu verunglimpfen. Venezuelas Präsident Hugo Chávez brandmarkte ihn in einer öffentlichen Rede, das Regime in Burma beschuldigte den Amerikaner, mit den Demonstranten gemeinsame Sache zu machen, und der Iran bezichtigte den Wissenschaftler in einem Propagandavideo, er sei ein CIA-Agent, der für die USA andere Länder infiltriere.</p><p>Gene Sharp lässt all dies scheinbar unbeeindruckt und schon gar nicht schlägt er zurück. Aggressivität ist nicht seine Sache, in seiner Anleitung für den Sturz von Diktaturen orientiert er sich an den Studien von Gandhi. Um Frieden herbeizuführen, brauche es eine sorgfältige Strategie. Nicht Gewalt, sondern der friedliche Kampf für Freiheitsrechte, wirtschaftliche Boykotte und ähnliche Massnahmen würden die Demonstranten ans Ziel bringen, sagt er. «Wenn Sie mit Gewalt kämpfen, dann haben Sie die beste Waffe Ihres Gegners gewählt», stellt Gene Sharp nüchtern fest. «Sie mögen dann zwar ein Held sein – aber eben ein toter Held.» (miw)</p><p>Quelle: <a href="http://http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/die-arabische-revolution/Wie-man-einen-Diktator-stuerzt-Eine-Anleitung-auf-93-Seiten/story/21758820?dossier_id=852" target="_blank">tages-anzeiger.ch</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2011/02/22/wie-man-einen-diktator-sturzt-eine-anleitung-auf-93-seiten-von-gene-sharp/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Der «Dalai-Lama-Effekt»</title><link>http://tibetfocus.com/2010/11/06/der-%c2%abdalai-lama-effekt%c2%bb/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/11/06/der-%c2%abdalai-lama-effekt%c2%bb/#comments</comments> <pubDate>Sat, 06 Nov 2010 12:22:44 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Welt]]></category> <category><![CDATA[Chinesische Regierung]]></category> <category><![CDATA[Dalai Lama]]></category> <category><![CDATA[Obama]]></category> <category><![CDATA[Propaganda]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=6606</guid> <description><![CDATA[20min.ch, 05.11.2010 - Ein Treffen mit dem Dalai Lama hat seinen Preis, behauptet eine Studie: Die Exporte der Gastländer nach China schrumpfen im Nachhinein durchschnittlich um 12,5 Prozent. Wenn auch die Politik der Volksrepublik China manchmal Rätsel aufgibt, in gewissen Fragen ist ihre Führung sehr berechenbar. Als im Oktober dem chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo der [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>20min.ch, 05.11.2010 -<br /> Ein Treffen mit dem Dalai Lama hat seinen Preis, behauptet eine Studie: Die Exporte der Gastländer nach China schrumpfen im Nachhinein durchschnittlich um 12,5 Prozent.</p><p>Wenn auch die Politik der Volksrepublik China manchmal Rätsel aufgibt, in gewissen Fragen ist ihre Führung sehr berechenbar. Als im Oktober dem chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo der Friedensnobelpreis verliehen wurde, verurteilten die Behörden dies wie erwartet als Einmischung in innere Angelegenheiten. Wenn der Dalai Lama aus seinem indischen Exil ins Ausland reist – <a href="http://www.dalailama.com/biography/travels" target="_blank">was er oft tut </a>– und dort von einem Staatsoberhaupt empfangen wird, empfindet dies die chinesische Regierung stets als Provokation und droht den betreffenden Ländern mit wirtschaftlichen Vergeltungsmassnahmen.</p><p>Der Bundesrat wollte ihn nicht treffen, die höchste Schweizerin schon.</p><p><a rel="attachment wp-att-6605" href="http://tibetfocus.com/?attachment_id=6605"><img class="aligncenter size-medium wp-image-6605" title="DLmitPascalBruderer042010MB" src="http://tibetfocus.com/wp-content/uploads/2010/11/DLmitPascalBruderer042010MB-300x220.jpg" alt="Dalai Lama mit Pascal Bruderer 04.2010 Bild Manuel Bauer" width="300" height="220" /></a>Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer mit dem Dalai Lama am 8. April  2010 in der Schweiz. (Bild: Keystone/Manuel Brauer)</p><p>Weil eine totale Verweigerung aufgrund seiner grossen Popularität innenpolitisch heikel ist, versuchen viele Staatschefs, wenigstens allzu offizielle Begegnungen mit dem Dalai Lama zu vermeiden. Als er 2008 die Schweiz besuchte, betonte der damalige Bundesrat Pascal Couchepin, den religiösen Führer in seiner Funktion als Kulturminister zu empfangen und nicht als Bundespräsident (was Couchepin damals auch war). Kein exportorientiertes Land will die Beziehungen zur zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt leichtfertig aufs Spiel setzen. Doch wie ernst ist es den Chinesen wirklich mit ihren Drohungen? Müssen Länder, die dem hohen tibetischen Gast den roten Teppich ausrollen, tatsächlich Handelssanktionen befürchten? Zwei Ökonomen sind diesen Fragen nachgegangen und zu einem klaren Ergebnis gekommen.</p><p>China stritt selbstbewusster auf</p><p>In ihrer <a href="http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1694602" target="_blank">Studie behaupten Andreas Fuchs and Nils-Hendrik Klann von der Universität Göttingen</a>, statistische Beweise für chinesische Vergeltungsmassnahmen gefunden zu haben. «Wir haben herausgefunden, dass nach Treffen mit dem Dalai Lama die Exporte nach China um 12,5 Prozent abnehmen», schreiben die beiden Wissenschaftler. Dieser Effekt soll rund zwei Jahre anhalten und vor allem Exportgüter der Maschinen– und Transportindustrie umfassen. Diese sind oft Gegenstand von Verhandlungen zwischen Handelsdelegationen. Und offenbar beschränken sich die statistischen Belege auf die Amtszeit von Hu Jintao, der seit 2002 Staatspräsident ist. Nicht zufällig begann das Land in dieser Periode, international selbstbewusster aufzutreten.</p><p>«Gemäss unseren Daten spielen bilaterale politische Beziehungen eine wichtige Rolle im Handel mit China», kommen die beiden Wissenschaftler zum Schluss. «Chinesische Handelsdelegationen sind nicht frei von politischer Einflussnahme und das Land nutzt Handelsbeziehungen offenbar als aussenpolitisches Werkzeug.» Auch für China haben solche Vergeltungsaktionen einen Preis, denn sie schaden ebenso der eigenen Wirtschaft. Die Regierung ist bereit ihn zu zahlen und zeigt damit, dass wirtschaftliche Interessen hintanstehen müssen, wenn sie die innere Stabilität bedroht sieht.</p><p>Obama blieb standhaft</p><p>Erklärungen von offiziellen chinesischen Stellen tun ein übriges. Im Februar warnte ein Funktionär der Kommunistischen Partei vor Konsequenzen, sollte US-Präsident Obama den Dalai Lama treffen: «Dann würden das Vertrauen und die Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern Schaden nehmen. Wie würde das den USA helfen, ihre aktuelle Wirtschaftskrise zu überwinden?» sagte Zhu Weiqun an einer Pressekonferenz. «Wir werden entsprechende Massnahmen ergreifen, damit sich diese Länder ihrer Fehler bewusst werden.»</p><p>Für die grösste Volkswirtschaft der Welt gilt der «Dalai-Lama-Effekt» jedoch offenbar nicht. <a href="http://www.20min.ch/news/ausland/story/25226279" target="_blank">Obama liess sich nicht beirren und traf den religiösen Führer im Februar</a>. Die US-Exporte nach China stiegen im August um 31,5 Prozent.</p><p>(kri)</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/11/06/der-%c2%abdalai-lama-effekt%c2%bb/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Kosovo als Hoffnung? Die Möchtegern-Nationen unseres Planeten</title><link>http://tibetfocus.com/2010/07/27/kosovo-als-hoffnung-die-mochtegern-nationen-unseres-planeten/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/07/27/kosovo-als-hoffnung-die-mochtegern-nationen-unseres-planeten/#comments</comments> <pubDate>Mon, 26 Jul 2010 22:06:39 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Welt]]></category> <category><![CDATA[Autonomie]]></category> <category><![CDATA[Kosovo]]></category> <category><![CDATA[Pö Rangzen]]></category> <category><![CDATA[Unabhängigkeit]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=6194</guid> <description><![CDATA[Financial Times Deutschland, 23.7.10, von Stefan Schaaf - Das Kosovo-Urteil des Internationalen Gerichtshofs nährt die Furcht vieler Staaten vor Separatismus innerhalb ihrer Grenzen. Das schürt Konflikte, die eigentlich lösbar wären. In San Sebastian und in Barcelona achtete man am Donnerstag sehr genau auf das Verdikt der 15 Richter des Internationalen Gerichtshofs (IGH). “Wenn der Gerichtshof [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Financial Times Deutschland, 23.7.10, von Stefan Schaaf -<br /> Das Kosovo-Urteil des Internationalen Gerichtshofs nährt die Furcht vieler Staaten vor Separatismus innerhalb ihrer Grenzen. Das schürt Konflikte, die eigentlich lösbar wären.</p><p><a rel="attachment wp-att-6197" href="http://tibetfocus.com/2010/07/27/kosovo-als-hoffnung-die-mochtegern-nationen-unseres-planeten/pinchtibetkosovo/"><img class="aligncenter size-full wp-image-6197" title="PinCHTibetKosovo" src="http://tibetfocus.com/wp-content/uploads/2010/07/PinCHTibetKosovo.jpg" alt="PinSchweiz-Kosovo-Tibet" width="360" height="266" /></a></p><p>In San Sebastian und in Barcelona achtete man am Donnerstag sehr genau auf das Verdikt der 15 Richter des Internationalen Gerichtshofs (IGH). “Wenn der Gerichtshof die Unabhängigkeit des Kosovo absegnet, ist keine Grenze in der Region oder der Welt mehr sicher”, warnte Serbiens Außenminister Vuk Jeremic in Den Haag. Auch Spanien sieht das so und befürchtet, das Beispiel Kosovo könnte die Unabhängigkeitsbestrebungen der Katalanen oder Basken beflügeln. Aus diesem Grund hat Madrid — anders als 69 Staaten der Erde — die Unabhängigkeit des Kosovo bis heute nicht anerkannt.</p><p>Die Katalanen wären froh, selbst über ihre Geschicke und vor allem über ihr Steueraufkommen bestimmen zu können. Die spanische Regierung ist ihnen bereits sehr weit entgegengekommen, zuletzt im erweiterten Autonomiestatut von 2006.</p><p>Manche Experten sprechen schon von einer Fragmentierung der Welt. 192 Nationalstaaten sind heute in der Uno vertreten und ihre Zahl ist in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich gewachsen, vor allem durch den Zerfall Jugoslawiens und der Sowjetunion. An sein Ende gelangt ist dieser Prozess noch nicht: Abchasien, Südossetien, Transnistrien oder Bergkarabach haben sich einseitig abgenabelt. In diesen Territorien leben ethnische Minderheiten, die wie auch die Tibeter in China oder die Tamilen in Sri Lanka den Verlust ihrer kulturellen Eigenheit befürchten, wenn sie sich als Minderheit in ein fremdes Staatsgebilde einfügen sollen. Für sie muss die Lösung nicht Unabhängigkeit heißen, eine weitgehende Autonomie würde sie zufriedenstellen.</p><p>Allerdings sind ihre Mutterstaaten auch dazu nicht bereit. Vor allem in Afrika und im Nahen Osten hinterließen die Kolonialmächte oft willkürliche Grenzen, die unterschiedliche Volksgruppen unter das Dach eines Nationalstaats zwangen — ein sicherer Weg, um langwierige Konflikte zu schüren. Oder sie verteilten ein Volk wie die Kurden auf vier Staaten. Auch das ging nicht gut.</p><p>Tibeter und Tamilen, Basken und Belutschen können zwar auf ihr Recht auf Selbstbestimmung pochen. Aber es gibt bis heute keine internationale Instanz, die es für sie verbindlich durchsetzen könnte. Auch im Fall des Kosovo verzichtete der IGH auf allgemeingültige Aussagen. “Der Kosovo ist ein einzigartiger Fall”, befanden die Richter.</p><p>Mitarbeit: Teresa Goebbels, Claus Hecking, Behrang Samsami</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/07/27/kosovo-als-hoffnung-die-mochtegern-nationen-unseres-planeten/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>1</slash:comments> </item> <item><title>Tibetische Medizin: Gefahr für den Fortbestand der Parallelwelt</title><link>http://tibetfocus.com/2010/06/03/tibetische-medizin-gefahr-fur-den-fortbestand-der-parallelwelt/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/06/03/tibetische-medizin-gefahr-fur-den-fortbestand-der-parallelwelt/#comments</comments> <pubDate>Thu, 03 Jun 2010 21:30:01 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Welt]]></category> <category><![CDATA[PADMA AG]]></category> <category><![CDATA[Tibetische Medizin]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=5890</guid> <description><![CDATA[Der Standard, 2.6.10, von Doris Griesser - Die Medizin ist nicht nur Symbol für die tibetische Kultur, sie ist auch der wichtigste Wirtschaftsfaktor und ein politisches Instrument der Exiltibeter. Forscher warnen vor wachsender Kommerzialisierung. Im medizinischen Supermarkt ist die tibetische Medizin ein boomender Sektor. Immer mehr Ärzte, Wellnesseinrichtungen und buddhistische Zentren haben auch tibetische Gesundheitsberatung [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Der Standard, 2.6.10, von Doris Griesser -<br /> Die Medizin ist nicht nur Symbol für die tibetische Kultur, sie ist auch der wichtigste Wirtschaftsfaktor und ein politisches Instrument der Exiltibeter.</p><p>Forscher warnen vor wachsender Kommerzialisierung.</p><p>Im medizinischen Supermarkt ist die tibetische Medizin ein boomender Sektor. Immer mehr Ärzte, Wellnesseinrichtungen und buddhistische Zentren haben auch tibetische Gesundheitsberatung im Angebot, und die Nachfrage steigt.</p><p>“Dieses Phänomen lediglich als Rückbesinnung auf traditionelle Formen der Medizin zu deuten greift viel zu kurz”, ist der Medizinanthropologe Stephan Kloos von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften überzeugt. Sein Fazit nach jahrelanger Feldforschung in Indien, den USA und Österreich: “Die tibetische Medizin ist nicht nur der wichtigste Wirtschaftsfaktor im tibetischen Exil, sondern spielt auch eine zentrale Rolle im Kampf der Exiltibeter um Identität.”</p><p>Ungefähr 120.000 Tibeter leben zurzeit im Exil, die meisten von ihnen in Indien. Gleich nach der großen Flüchtlingswelle 1959, als die Tibeter gegen die chinesischen Besatzer rebellierten, setzte der Dalai Lama Strategien zur Rettung der tibetischen Kultur im Exil um: Man versammelte die Flüchtlinge möglichst konzentriert in größeren Siedlungen und versuchte, das tibetische Schulsystem und die wichtigsten Klöster wieder aufzubauen. “Damit wurde eine Art Parallelwelt zum besetzten Tibet konstruiert”, berichtet Stephan Kloos.</p><p>Ausgangspunkt seiner vom Wissenschaftsfonds FWF finanzierten Studie war die unter Exil-Tibetern häufige Aussage, dass es die wichtigste Aufgabe der tibetischen Medizin sei, die tibetische Kultur zu bewahren. Da die Tibeter über keinen eigenen Staat mehr verfügen, ist die Kultur — spinnt man diesen Gedanken weiter — und damit auch die Medizin die Basis für ihren Fortbestand als Nation auch im Exil. Wie aber kann eine traditionelle medizinische Schule so etwas leisten? Kommt es hier nicht zwangsläufig zu Widersprüchen zwischen kulturellen, religiösen, politischen und medizinischen Anforderungen? Fragen, die immerhin zur bislang umfassendsten ethnografischen Studie tibetischer Medizin außerhalb Tibets führten.</p><p>Generell wird die tibetische Medizin vor allem von Exiltibetern mit tibetischer Kultur und diese wiederum mit buddhistischer Ethik gleichgesetzt. Die Medizin steht daher auch für zentrale buddhistische Werte wie Altruismus und Mitgefühl und muss damit den Spagat zwischen ihrer fortschreitenden Kommerzialisierung und dem von ihr geforderten Bewahren dieser Werte schaffen.</p><p>Mehr Profitorientierung</p><p>Eine gefährliche Gratwanderung, die von den Tibetern selbst heftig diskutiert wird. “Die Profitorientierung ihrer Medizin wird zurzeit als größere Gefahr gesehen als die chinesische Regierung”, weiß Stephan Kloos aus seinen umfangreichen Recherchen, die ihn eineinhalb Jahre lang auch an die wichtigste Institution der tibetischen Medizin führte — das Men-Tsee-Khang im indischen Dharamsala. Mit seinen über 50 Kliniken in ganz Südasien macht dieses medizinische Zentrum einen jährlichen Gewinn von bis zu 350.000 Euro. “Das klingt wenig, ist für exiltibetische Verhältnisse aber sehr viel”, weiß der Anthropologe.</p><p>Einer zu starken Profitorientierung versucht das Men-Tsee-Khang entgegenzuwirken, indem es die Gewinne für Forschung, Ausbildung, neue Kliniken und Abgaben an die tibetische Exilregierung verwendet. Problematischer wird von vielen die Ökonomisierung der tibetischen Medizin vor allem im Westen oder durch private Ärzte in Indien gesehen.</p><p>Als schlimmstes Negativbeispiel wird aber meist die Situation in Tibet selbst herangezogen, wo die tibetische Medizin von chinesischen Geschäftsleuten mittlerweile völlig verkommerzialisiert sei. Von den pharmazeutischen Betrieben, welche die Heilkräuter produzieren, sei nicht einmal mehr die Hälfte in tibetischer Hand. Im Exil dagegen konnte das Men-Tsee-Khang die Integrität der tibetischen Medizin relativ lange wahren. Bis in die 1990er-Jahre hatte diese mit dem Dalai Lama in enger Verbindung stehende Institution quasi ein Monopol auf die tibetische Medizin. “Von dort”, so Stephan Kloos, “ist auch ihre weltweite Verbreitung ausgegangen, dort wurden die Ärzte ausgebildet, die Medikamente hergestellt und Modernisierungen vorgenommen.”</p><p>Organisierte Mediziner</p><p>Da tibetische Medizin sowohl im Westen als auch in Asien immer beliebter wird und beträchtliche Verdienstmöglichkeiten eröffnet, gibt es immer mehr Ärzte, die tibetische Medizin auch außerhalb der Men-Tsee-Khang-Kliniken praktizieren. Seit 2004 sind diese Mediziner im “Central Council of Tibetan Medicine” auch politisch organisiert. Damit werden die akuten Fragen der tibetischen Medizin — Wie wollen wir sie regulieren und standardisieren? Welche Forschungen sollen durchgeführt werden? Wo ziehen wir die Linie zum kommerziellen Ausverkauf? — erstmals auch von Playern außerhalb des Men-Tsee-Khang mitentschieden.</p><p>Was bedeutet das für die tibetische Medizin? “Die Tendenz geht in Richtung Pluralismus. Der Einfluss des Men-Tsee-Khang geht zurück, auch wenn es immer noch der wichtigste Akteur der tibetischen Medizin im Exil ist”, sagt Kloos. “Dadurch wird es aber auch zu einer stärkeren Verwässerung kommen. Strömungen innerhalb der tibetischen Medizin, die sich noch intensiver dem New-Age-Sektor, dem Wellness-Bereich oder anderen westlichen Gesundheitsmoden anzupassen versuchen, werden vermutlich zunehmen.”</p><p>Die wachsende Kommerzialisierung wiederum wird mehr jene Ärzte anlocken, die vor allem auf materiellen Gewinn aus sind. “Damit ist aber die Gefahr verbunden, dass die tibetische Medizin ihre Funktion als Träger der tibetischen Kultur und damit ihre politische Wirksamkeit verliert”, befürchtet der Anthropologe.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/06/03/tibetische-medizin-gefahr-fur-den-fortbestand-der-parallelwelt/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Kontinentalplatte bohrt sich in Asien</title><link>http://tibetfocus.com/2010/04/15/kontinentalplatte-bohrt-sich-in-asien/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/04/15/kontinentalplatte-bohrt-sich-in-asien/#comments</comments> <pubDate>Thu, 15 Apr 2010 20:15:50 +0000</pubDate> <dc:creator>TR</dc:creator> <category><![CDATA[Welt]]></category> <category><![CDATA[Erdbeben Kontinentalplatten]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=5712</guid> <description><![CDATA[5–6 cm pro Jahr Kontinentalplatte bohrt sich in Asien Das jüngste Erdbeben in China entstand durch eine Plattenverschiebung. Das schwere Erdbeben in Nordwestchina ist durch die Verschiebung der indischen Kontinentalplatte nach Norden verursacht worden. Das sagte der Potsdamer Seismologe Rainer Kind am Mittwoch. “Der indische Subkontinent bohrt sich seit 50 Millionen Jahren mit einer Geschwindigkeit [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>5–6 cm pro Jahr<br /> Kontinentalplatte bohrt sich in Asien<br /> Das jüngste Erdbeben in China entstand durch eine Plattenverschiebung.<br /> Das schwere Erdbeben in Nordwestchina ist durch die Verschiebung der indischen Kontinentalplatte nach Norden verursacht worden. Das sagte der Potsdamer Seismologe Rainer Kind am Mittwoch. “Der indische Subkontinent bohrt sich seit 50 Millionen Jahren mit einer Geschwindigkeit von fünf bis sechs Zentimetern pro Jahr — das sind immerhin fünf bis sechs Meter pro Jahrhundert — in den asiatischen Kontinent hinein”, erläuterte der Leiter der Sektion Seismologie des Deutschen GEO-Forschungszentrums.<br /> “Wie in Zahnpastatube nach Osten gedrückt“<br /> Durch diese Kontinentaldrift würden der Himalaya und das Hochland von Tibet “wie mit einem Bulldozer” aufgestaucht. “Die Alpen sind gar nichts dagegen”, bemerkte der Professor. “Durch den Dauerdruck wird wie bei den jüngsten Erdstößen in der Präfektur Yushu relativ weiches Erdmaterial wie in einer Zahnpastatube nach Osten gedrückt.” Dort stoße es auf härtere Schichten wie im Szechuan-Becken. In dieser Region, die vom aktuellen Unglücksort etwa 500 Kilometer entfernt ist, waren im Mai 2008 bei einem verheerenden Erdbeben mehr als 87.000 Menschen gestorben.</p><p><a rel="attachment wp-att-5713" href="http://tibetfocus.com/2010/04/15/kontinentalplatte-bohrt-sich-in-asien/kontinentalplatten/"><img class="aligncenter size-medium wp-image-5713" title="Kontinentalplatten" src="http://tibetfocus.com/wp-content/uploads/2010/04/kontinentalplatten-300x158.jpg" alt="" width="300" height="158" /></a></p><p>“Die oberen Erdschichten bauen so lange Spannungen auf, bis das Gestein bricht”, sagte der Forscher. “Vorhersehbar ist das nicht, wir können nur den Spannungsabbau — also das Erdbeben — registrieren.” Der Abbau der Erdspannungen in Tibet sei so diffus, “dass wir dort nichts vorhersagen können”, sagte Kind. Das GEO-Forschungszentrum habe das Zentrum des jüngsten Bebens in etwa zehn Kilometer Tiefe registriert und eine Stärke von 6,9 gemessen, die chinesischen Behörden gaben den Wert mit 7,1 an. Die Menschen in der Region müssten mit Nachbeben rechnen, warnte Kind. “Bereits zwei Stunden nach dem Hauptstoß haben wir ein weiteres Beben der Stärke 6,0 aufgezeichnet.”</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/04/15/kontinentalplatte-bohrt-sich-in-asien/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Cyber-Spionage: Forscher entdecken chinesisches Schattennetzwerk</title><link>http://tibetfocus.com/2010/04/07/cyber-spionage-forscher-entdecken-chinesisches-schattennetzwerk/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/04/07/cyber-spionage-forscher-entdecken-chinesisches-schattennetzwerk/#comments</comments> <pubDate>Wed, 07 Apr 2010 08:24:17 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Welt]]></category> <category><![CDATA[Chinesische Regierung]]></category> <category><![CDATA[Dalai Lama]]></category> <category><![CDATA[Exilregierung]]></category> <category><![CDATA[Internet]]></category> <category><![CDATA[Zensur]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=5542</guid> <description><![CDATA[Spiegel, 6.4.10 - Zu den Zielen gehörten die indische Regierung und der Dalai Lama: Chinesische Hacker sollen systematisch fremde Netze ausgekundschaftet und geheime Dokumente gestohlen haben, berichten amerikanische Wissenschaftler. Auch die Uno soll ein Ziel der Angriffe gewesen sein. Toronto/Peking — Die Cyber-Attacken sollen ihren Ursprung in Chengdu in Südwestchina haben. Das schreiben amerikanische und [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Spiegel, 6.4.10 -<br /> Zu den Zielen gehörten die indische Regierung und der Dalai Lama: Chinesische Hacker sollen systematisch fremde Netze ausgekundschaftet und geheime Dokumente gestohlen haben, berichten amerikanische Wissenschaftler. Auch die Uno soll ein Ziel der Angriffe gewesen sein.</p><p>Toronto/Peking — Die Cyber-Attacken sollen ihren Ursprung in Chengdu in Südwestchina haben. Das schreiben amerikanische und kanadische Mitglieder der Forschungsgruppe Information Warfare Monitor an der Universität von Toronto und internationale Sicherheitsexperten der Stiftung Shadowserver in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht ” Shadows in the Cloud” (Schatten in der Wolke).</p><p>Über ein großangelegtes Spionagenetz sollen demnach vor allem Indiens Regierung und Sicherheitsorgane sowie das Büro des Dalai Lama ausspioniert worden sein. Betroffen seien aber auch andere Länder und die Vereinten Nationen, berichten die Forscher.</p><p>In ihrer achtmonatigen Untersuchung seien die Fachleute auf ein “komplexes System von Cyber-Spionage” gestoßen, das als “Schattennetzwerk” bezeichnet wurde. Aus dem Büro des Dalai Lama, dem religiösen Oberhaupt der Tibeter, seien 1500 E-Mails aus der Zeit zwischen Januar und November 2009 ausgekundschaftet worden.</p><p>Die chinesische Regierung wies den Vorwurf einer möglichen Verwicklung umgehend zurück. Die Sprecherin des Außenministeriums, Jiang Yu, sagte vor der Presse in Peking, China lehne Cyber– Verbrechen entschieden ab und gehe gegen Hacker vor. Solche Attacken seien ein internationales Problem.</p><p>Indische Geheimdokumente ausgespäht</p><p>Außerdem entdeckten die Forscher bei ihrer Suche nach den Spionen Dokumente der indischen Regierung, die als “geheim” oder “vertraulich” eingestuft waren. Darin sei es um geheime Einschätzungen der Sicherheitslage in indischen Bundesstaaten und die Beziehungen Indiens zu anderen Ländern gegangen. Zudem seien auch Visaanträge gefunden worden, die von Ausländern an die indische diplomatische Vertretung in Afghanistan gerichtet waren.</p><p>Als Ausgangspunkt der Spionageaktionen sehen die Forscher chinesische Hacker. Zwei solcher Hacker, die in einer Hacker-Community im chinesischen Chengdu aktiv sind, will man eindeutig identifiziert haben.</p><p>Die Forscher bauten auf ihren Untersuchungen auf, die im März 2009 zur Enthüllung eines “Ghostnet” (Geisternetz) genannten Spionagerings geführt hatten. Von den damaligen Angriffen, die vor allem auf die exiltibetische Gemeinde abzielte, waren Computer von Behörden und Organisationen in 103 Ländern betroffen.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/04/07/cyber-spionage-forscher-entdecken-chinesisches-schattennetzwerk/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Der Asien– und Chinaexperte Oskar Weggel über die chinesischen Reaktionen auf den Besuch des Dalai Lama in den USA: “Es ist viel Lärm um nichts”.</title><link>http://tibetfocus.com/2010/02/22/der-asien-und-chinaexperte-oskar-weggel-uber-die-chinesischen-reaktionen-auf-den-besuch-des-dalai-lama-in-den-usa-es-ist-viel-larm-um-nichts/</link> <comments>http://tibetfocus.com/2010/02/22/der-asien-und-chinaexperte-oskar-weggel-uber-die-chinesischen-reaktionen-auf-den-besuch-des-dalai-lama-in-den-usa-es-ist-viel-larm-um-nichts/#comments</comments> <pubDate>Mon, 22 Feb 2010 20:27:01 +0000</pubDate> <dc:creator>TB</dc:creator> <category><![CDATA[Welt]]></category> <category><![CDATA[Barack Obama]]></category> <category><![CDATA[China]]></category> <category><![CDATA[Chinesische Regierung]]></category> <category><![CDATA[Dalai Lama]]></category> <category><![CDATA[Menschenrechte]]></category> <category><![CDATA[Peking]]></category> <category><![CDATA[Sino-Tibetischer Dialog]]></category> <category><![CDATA[Tibet]]></category><guid isPermaLink="false">http://tibetfocus.com/?p=5172</guid> <description><![CDATA[Deutschlandfunk, 19.2.10: Oskar Weggel im Gespräch mit Stefan Heinlein “Tibet ist eine der letzten Kolonien dieser Welt und wir, die wir die Menschenrechte verteidigen, dürfen das nicht Eunkritisch hinnehmen”, betont der China-Experte Oskar Weggel. Es gebe keinen Grund, warum die USA den Dalai Lama, der für Gewaltfreiheit und Autonomie steht, nicht empfangen sollte. Stefan Heinlein: [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Deutschlandfunk, 19.2.10: Oskar Weggel im Gespräch mit Stefan Heinlein<br /> “Tibet ist eine der letzten Kolonien dieser Welt und wir, die wir die Menschenrechte verteidigen, dürfen das nicht Eunkritisch hinnehmen”, betont der China-Experte Oskar Weggel. Es gebe keinen Grund, warum die USA den Dalai Lama, der für Gewaltfreiheit und Autonomie steht, nicht empfangen sollte.</p><p>Stefan Heinlein: Barack Obama und die Außenpolitik, auch nach über einem Jahr im Amt wird er US-Präsident daheim in den USA immer noch von vielen mit Misstrauen beäugt. Die Republikaner pflegen das Bild vom außenpolitischen Novizen, nur begrenzt in der Lage, die Großmacht durch schwieriges Fahrwasser zu steuern. Der Empfang des Dalai Lama im Weißen Haus war deshalb auch ein innenpolitisches Signal. Der US-Präsident wollte Stärke zeigen, auch gegenüber der Weltmacht China. Dennoch eine Gratwanderung. Trotz der deutlichen Versuche also des Präsidenten, eine Provokation Pekings zu vermeiden, kam es wie zu erwarten und wie nach jedem Auslandsbesuch des Dalai Lama. Die chinesische Staats– und Parteiführung reagiert empört, der US-Botschafter wird zum Rapport einbestellt und China droht mit einer weiteren Verschlechterung der Beziehungen.</p><p>Heinlein: Die Empörung in Peking, ist das mehr als ein Ritual?</p><p>Weggel: Nein. Es ist viel Lärm um nichts. China weiss ganz genau, dass Obama den Dalai Lama empfangen musste. Innenpolitisch ist der Dalai Lama in den USA genauso populär wie ein Popstar. Er spricht gutes Englisch, er verlangt Gewaltfreiheit, er hat den Nobelpreis 1989 bekommen, er hat ein persönliches Charisma. Also da gibt es keinen Grund, besonders erstaunt zu sein, und das ist auch schon mehrere Male durch andere Staaten geschehen. Ich denke an 2007 beispielsweise, dort wurde der Dalai Lama empfangen von Angela Merkel, er wurde empfangen in der Schweiz, in Österreich, in Spanien, in Großbritannien, in Belgien und so weiter.</p><p>Man hat natürlich jedes Mal die üblichen Worte dazu gewählt und protestiert, aber dann ist das Ganze wie nichts im Sande verlaufen.</p><p>Heinlein: Was sind dennoch die Gründe, warum Peking geradezu jedes Mal dann hysterisch reagiert auf den Empfang des Dalai Lama, egal wo?</p><p>Weggel: Sie haben halt ein schlechtes Gewissen und die Pekinger wissen auch ganz genau, dass in ihrer Verfassung von 1982 drin steht, dass jede Minderheit eine Autonomie — und die ist ganz genau definiert — bekommt. Sie wissen auch, dass der Dalai Lama gewaltfrei das Ganze verlangt. Gewaltfreiheit und Autonomie, das ist ein dickes Paket, das müsste man sich zu Herzen nehmen. Das tun sie allerdings nicht. Sie verstoßen dagegen. Da ist viel Animosität mit im Spiel, nicht zuletzt, weil Hu Jintao, der Vorsitzende der Kommunistischen Partei, der Vorsitzende des Militärausschusses in China und der Staatspräsident — er hat diese drei großen Funktionen -, längere Zeit der Gouverneur in Tibet war. Das sind also ganz merkwürdige Anliegen. Man beißt sich da durch, man weiß, man ist im Unrecht, man weiß, dass die übrige Welt sowohl die chinesischen Argumente mit ins Spiel führen kann als auch menschenrechtliche, und man muss sich dagegen wehren und man fühlt sich natürlich sehr, sehr unwohl in seiner Haut, will aber trotzdem auf den Rechten bestehen, die sich vielleicht nicht dauernd aufrecht erhalten lassen, denn eines Tages, wenn die chinesische Gesellschaft sich nämlich mal demokratisiert und man mit einer Zivilgesellschaft sich unterhalten kann, dann werden möglicherweise in China zur Tibet-Frage ganz andere Positionen eingenommen, als dies heute von dieser immer noch sehr autoritären Regierung getan wird.</p><p>Heinlein: Wie stichhaltig, Herr Weggel, sind denn die Vorwürfe der chinesischen Staats– und Parteiführung, der Dalai Lama sei ein Separatist?</p><p>Weggel: Das ist ein Vorwurf, der mich persönlich nun ganz besonders ärgert. Seit Tagen wird berichtet, dass Obama und der Dalai Lama sich treffen werden, aber in der deutschen Öffentlichkeit wird das chinesische Argument des Separatismus, der Separatismusbestrebungen, der Spalterbestrebungen des Dalai Lama immer unkritischer hingenommen, entgegengenommen, und das ist für jeden ärgerlich, der sich mit beiden Ländern beschäftigt. Ich gebe zu bedenken, dass China und Tibet sich zueinander verhalten wie Feuer und Holz. Wenn wir da vom Ausland her nicht löschen, dann wird das geschehen, was immer dann geschieht, wenn Feuer und Holz zusammenkommen.</p><p>Zweitens — ich wiederhole mich noch mal — verlangt der Dalai Lama nichts anderes als Autonomie, und das Ganze in gewaltloser Form. Da gibt es also ganz andere Organisationen wie die tibetische Jugendorganisation, die beispielsweise Gewalt predigt. Noch billiger, nochmals, als vom Dalai Lama kann man die Tibet-Frage überhaupt nicht gelöst bekommen.</p><p>Drittens halte ich die chinesischen Besitzansprüche auf Tibet, die mit drei Argumenten begründet werden, für unberechtigt. Weder ist ein historischer Besitzanspruch da, noch ist Tibet von China befreit worden, denn die Tibeter wollten gar nicht von China befreit werden, und auch das Leistungsargument, das heute so beliebt ist in China, dass man nämlich Universitäten und Schulen, Eisenbahnen und so weiter gebaut hat, das ist genauso berechtigt, wie wenn Großbritannien beispielsweise auf Indien einen Daueranspruch erhoben hätte, weil es eben dort Eisenbahnen gebaut hat.</p><p>Tibet ist — das sollte man sich ganz klar vor Augen halten und das sollte man in dieser Härte auch ausdrücken — eine der letzten Kolonien dieser Welt und wir, die wir die Menschenrechte verteidigen, dürfen das nicht unkritisch hinnehmen.</p><p>Heinlein: Mehr Rechte für Tibet, so kurz gefasst das Ziel des Dalai Lama. Wie erfolgversprechend ist denn seine Strategie, dieses Thema in der Weltöffentlichkeit zu halten, indem er bei möglichst vielen Empfängen oder von möglichst vielen Staats– und Regierungschefs empfangen wird?</p><p>Weggel: Zunächst einmal erhält er einfach den Anspruch aufrecht und er weiß natürlich auch, wenn er eines Tages stirbt — und er ist jetzt 75 Jahre alt -, dann werden die Chinesen alles verhindern, dass seine Nachfolge ernannt wird. Er muss also diesen Anspruch jetzt ganz groß aufbauen. Allerdings wenn sein Tod eher eintreten sollte als eine Demokratisierung Chinas, dann wird es peinlich, dann gehen viele dieser Ansprüche von ihm, diese Autonomieansprüche verloren. Deswegen kann man nur hoffen, dass die chinesische Gesellschaft, das heißt der chinesische Mittelstand, möglichst schnell Partizipationsrechte einfordern kann, sodass es zu einer Demokratisierung in China kommt und eine völlig neue Gesprächssituation entsteht.</p><p>Heinlein: Welches Interesse haben denn die USA, welches Interesse hat der US-Präsident an diesem Thema Tibet?</p><p>Weggel: Wie gesagt, der US-Präsident muss zunächst einmal den innenpolitischen Erwartungen nachkommen. Ich wiederhole das noch mal: Der Dalai Lama ist eben populär wie ein Popstar. Es hat übrigens damals geheißen, als der Dalai Lama nach Deutschland kam, im Jahre 2007 hat der “Spiegel” eine Umfrage veranstaltet, da hat es dann geheißen, dass der Dalai Lama populärer ist als Papst Benedikt XVI. So muss man sich das auch ungefähr vorstellen.</p><p>Der zweite Grund ist eben der menschenrechtliche Grund. China hat sich in Tibet benommen wie die Axt im Walde und vor allem während der Kulturrevolution in den Jahren 1966 bis 1976 sind Tausende von tibetischen Tempeln zerstört worden und die tibetische Kultur wäre beinahe extertiert worden. Es ist deswegen auch zu Aufständen immer wieder gekommen. Die größten waren davon 1959, 1988, 2008 am Vorabend der Olympischen Spiele, und wenn ein Land wie die USA, die sich stark für die Menschenrechte engagieren, hier nichts tun, dann wäre das eine Schande.</p><p>Vielleicht noch einen dritten Grund, warum die USA sich für Tibet so interessieren sollten. Wir dürfen uns China — das ist jetzt eine allgemein strategische Frage — niemals anbiedern, sonst verlieren wir Gesicht und werden von den Chinesen gar nicht mehr ernst genommen, sondern wir müssen mit China immer ernsthaft in Diskussion bleiben. Die kennen unseren Standpunkt und dieser menschenrechtliche Standpunkt muss aufrecht erhalten werden, koste es was es wolle.</p><p>Der amerikanische Präsident kann sich das auch deswegen leisten, weil die schlimmen Folgen für die US-amerikanische Wirtschaft natürlich lächerlich sind, wie sie von den Chinesen behauptet werden. Auf keine andere Volkswirtschaft sind die Chinesen stärker angewiesen als auf die Amerikaner. Das heißt, die sind Hauptabnehmer chinesischer Güter, sie sind Hauptinvestoren dort. Sonst wären beispielsweise die Chinesen niemals Exportweltmeister in diesem Jahr geworden. Dann haben sie ungefähr 800 Milliarden US-Dollar in amerikanische State Treasuries angelegt. Wenn der Dollar beispielsweise abdriftete, wären die Chinesen mit die Hauptverlierer, und und und.</p><p>Heinlein: Der Tibet-Konflikt in der internationalen Politik. Dazu heute Mittag hier im Deutschlandfunk der Asien– und China-Experte Oskar Weggel. Ich danke Ihnen für das Gespräch und auf Wiederhören.</p><p>Weggel: Gerne! — Auf Wiederhören!</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://tibetfocus.com/2010/02/22/der-asien-und-chinaexperte-oskar-weggel-uber-die-chinesischen-reaktionen-auf-den-besuch-des-dalai-lama-in-den-usa-es-ist-viel-larm-um-nichts/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> </channel> </rss>
<!-- Performance optimized by W3 Total Cache. Learn more: http://www.w3-edge.com/wordpress-plugins/

Minified using disk: basic
Page Caching using disk: enhanced (User agent is rejected)
Database Caching 6/17 queries in 0.011 seconds using disk: basic
Object Caching 1344/1376 objects using disk: basic

Served from: tibetfocus.com @ 2012-05-21 08:42:05 -->
