Massenumsiedlung und Sinisierung

Umsied­lun­gen

Eine grosse Anzahl Chi­ne­sen zie­hen — durch die chi­ne­si­sche Regie­rung ermu­tigt — nach Tibet. Die Grösse der Umsied­lung spitzt sich alar­mie­rend zu. Die berech­tigte Angst besteht — alle Anzei­chen bestä­ti­gen dies -, dass die gegen­wär­tige chi­ne­si­sche Poli­tik “erfolg­reich” ist. Ziel ist es, die Tibe­ter zu einer unbe­deu­ten­den Min­der­heit im eige­nen Land zu machen.

Anreize für chi­ne­si­sche Umsiedler

Die gegen­wär­tige Ansied­lungs­po­li­tik wurde 1983 begon­nen, als die “end­gül­tige Lösung” von Chi­nas Tibet-Problematik beschlos­sen wurde. Deng Xia­o­ping und andere chi­ne­si­sche Staats­trä­ger beschlos­sen die Umset­zung der Regie­rungs­li­nie durch die Moti­vie­rung von Chi­ne­sen, sich in Tibet anzu­sie­deln. Anreize für die chi­ne­si­schen Ein­wan­de­rer sind: Höhen­zu­la­gen, Ent­fer­nungs­prä­mien, Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen, ver­kürzte Arbeits­zeit und mehr freie Tage. Die Arbeits­löhne und Beam­ten­ge­häl­ter in Tibet sind die höchs­ten in ganz China und beste­hen zu über 30% aus Prä­mien. So kann ein chi­ne­si­scher Leh­rer in der Auto­no­men Region Tibet fünf­mal so viel Geld — bei ver­gleichs­weise weni­ger Arbeit — wie in China ver­die­nen. Diese Bestre­bun­gen ver­let­zen Arti­kel 49 der 4. Gen­fer Kon­ven­tion (1949), die den Bevöl­ke­rungs­trans­fer von Tei­len der Bevöl­ke­rung der Besat­zungs­macht in das besetzte Ter­ri­to­rium unter­sagt. Die Bestim­mun­gen der Gen­fer Kon­ven­tion wer­den von der chi­ne­si­schen Regie­rung nicht respek­tiert, obwohl sie sie 1956 rati­fi­ziert hat.

Fol­gen

7.5 Mil­lio­nen Chi­ne­sen ste­hen heute 6 Mil­lio­nen Tibe­tern im ursprüng­li­chen Staat Tibet gegen­über. In allen grös­se­ren Städ­ten sind die Chi­ne­sen schon heute den Tibe­tern an Zahl über­le­gen. Selbst nach chi­ne­si­scher Schät­zung sind ca. 58% (ent­spre­chend ca. 150’000) der Ein­woh­ner von Lhasa chi­ne­sisch; rech­net man noch die star­ken Trup­pen­kon­zen­tra­tio­nen im Lhasa-Tal dazu, so ste­hen 300’000 Chi­ne­sen etwa 60’000 Tibe­tern gegen­über. Die Stadt Chamdo hat nach Augen­zeu­gen­be­rich­ten einen chi­ne­si­schen Bevöl­ke­rungs­an­teil von 95%. Man­che Städte in Kham ent­stan­den über­haupt erst nach der Ankunft der Chi­ne­sen in den 50er Jah­ren. Eine davon, Hong Yuan, wurde inmit­ten gros­ser Wei­de­ge­biete erbaut, in denen Noma­den leben.

Der Bevöl­ke­rungs­trans­fer ver­ur­sachte eine Infla­ti­ons­rate von 300% und eine Zwei­klas­sen­ge­sell­schaft mit schar­fen eth­ni­schen Gren­zen sowie einer bis­her nicht dage­we­se­nen Arbeits­lo­sig­keit unter den Tibetern.

Im Gebiet von Lhasa zum Bei­spiel sind 30’000 Tibe­ter arbeits­los, da sie ihren Arbeits­platz an chi­ne­si­sche Neu­an­kömm­linge abge­ben muss­ten. Neu­ge­schaf­fene Arbeits­plätze wer­den vor­ran­gig von Chi­ne­sen besetzt. Chi­ne­sisch ist Haupt­un­ter­richts­spra­che und damit Vor­aus­set­zung für die meis­ten Arbeits­stel­len. Dadurch haben die Neu­an­sied­ler einen sofor­ti­gen sprach­li­chen Vor­sprung. Die tibe­ti­sche Spra­che wird hin­ge­gen aus dem Arbeits­all­tag völ­lig ver­drängt. Von den ca. 12’000 Läden, Tee­häu­sern und Restau­rants aus­ser­halb des Barkhor-Altstadtkerns in Lhasa sind nur 300 im Besitze von Tibetern.

Grosse Bedro­hung

In Tibet bedeu­tet die Bevöl­ke­rungs­ver­le­gung die grösste Bedro­hung für das Ueber­le­ben des tibe­ti­schen Vol­kes und sei­ner Kultur.

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