Unterdrückung der Kultur und der Religion

Kul­tur­re­vo­lu­tion

Bis 1979 wurde die Reli­gi­ons­aus­übung gewalt­sam unter­drückt. Mön­che und Non­nen wur­den öffent­lich gefol­tert und getö­tet. Wäh­rend der Kul­tur­re­vo­lu­tion wur­den ca. 6’000 Klös­ter zer­stört, die 13 ver­blei­ben­den wur­den “nur” geplün­dert. Rie­sige Men­gen von Kul­tur­gü­tern wur­den, wenn sie nicht zer­stört wur­den, nach Bei­jing gebracht und dort ein­ge­schmol­zen oder an west­li­che Samm­ler ver­kauft.
Die chi­ne­si­sche Regie­rung kri­ti­siert das dama­lige Ver­hal­ten und macht die “Vierer-Bande” dafür verantwortlich.

Situa­tion heute

Diese offene Kri­tik wird aber dazu benutzt, um von heu­ti­gen Pro­ble­men abzulenken.Denn ent­ge­gen der chi­ne­si­schen Behaup­tun­gen gibt es auch heute noch keine Reli­gi­ons­frei­heit. Die tibe­ti­sche Kul­tur wird wei­ter­hin unter­drückt, wenn auch mit sub­ti­le­ren Metho­den.
Die chi­ne­si­sche Besat­zungs­macht ver­folgt beson­ders bud­dhis­ti­sche Mön­che und Non­nen, weil sie eine andere Welt­an­schau­ung ver­tre­ten. In dem repres­si­ven Regime zie­len auf­ge­zwun­gene Umer­zie­hungs­mass­nah­men und Indok­tri­nie­rungs­sit­zun­gen spe­zi­ell für diese Gläu­bi­gen dar­auf ab, ihre tibetisch-nationale oder reli­giöse Über­zeu­gung in kom­mu­nis­ti­sches, china-freundliches Den­ken umzu­wan­deln. Wer sich nicht anpasst, wird aus sei­nem Klos­ter aus­ge­schlos­sen und darf auch nicht in andere Klös­ter eintreten.

Spra­che

Chi­ne­sisch hat Tibe­tisch als Amts­spra­che ersetzt (dies trotz anders­lau­ten­den offi­zi­el­ler Erklä­run­gen). In Amdo und Kham (den bevöl­ke­rungs­reichs­ten Gebie­ten Tibets) ist oft unmög­lich, in Schu­len Tibe­tisch zu ler­nen. In Grund­schu­len Zentral-Tibets wird Tibe­tisch inzwi­schen wie­der unter­rich­tet, wer jedoch Eng­lisch ler­nen möchte (und dies ist eine Bedin­gung, um an Uni­ver­si­tä­ten zuge­las­sen zu wer­den), muss das Stu­dium der tibe­ti­schen Spra­che been­den. Nach der Grund­schule wird in Chi­ne­sisch unter­rich­tet. All dies führt dazu, dass die tibe­ti­sche Spra­che stirbt und Tibe­ter, die kein Chi­ne­sisch spre­chen, fast keine Arbeit finden.

Reli­gion

Anfangs 1980 began­nen die Tibe­ter mit dem Wie­der­auf­bau und der Bevöl­ke­rung der zer­stör­ten Tem­pel und Klös­ter. Dies in einem Tempo, das von China als Bedro­hung auf­ge­fasst wurde. Aus die­sem Grund wurde Ende 1994 eine Kam­pa­gne gegen den tibe­ti­schen Bud­dhis­mus gestar­tet. Alle wei­te­ren Reno­va­tio­nen wur­den gestoppt und Höchst­zah­len für die Anzahl Mön­che und Non­nen ein­ge­führt. Dies stellt einen schwe­ren Angriff auf die tibe­ti­sche Kul­tur dar, weil die Wieder-Einführung des Bud­dhis­mus eine Gele­gen­heit für junge Tibe­ter gewe­sen war, Kul­tur und Geschichte ihres Lan­des ken­nen­zu­ler­nen. Wer ohne Erlaub­nis der Regie­rung Klös­ter auf­baut, wird auch heute noch streng bestraft. Die Zahl der Mön­che und Non­nen beträgt 1’200 (vor 1959 waren es ca. 25’000). Die Mön­che und Non­nen wer­den von Regie­rungs­stel­len bestimmt und streng kon­trol­liert; sie kön­nen nicht sel­ber bestim­men, in wel­chem Klos­ter sie ler­nen möch­ten und wer ihr Leh­rer sein soll. Tibe­ti­sche Mit­glie­der der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Chi­nas wer­den auf­ge­for­dert, reli­giöse Gegen­stände aus ihren Häu­sern zu ent­fer­nen und Kin­der, die Schu­len der exil-tibetischen Regie­rung besu­chen, zurückzubringen.

Pan­chen Lama

Die chi­ne­si­sche Regie­rung ver­sucht aus­ser­dem, die Stel­lung des Dalai Lama als reli­giö­ses Ober­haupt zu unter­gra­ben. 1989 ver­starb Tibets zweit­wich­tigste Per­son, der Pan­chen Lama. Tra­di­tio­nel­ler­weise wird die Reinkar­na­tion vom Dalai Lama bestimmt, was er im März 1995 auch tat. Einige Monate spä­ter dann bestimmte ein von der Regie­rung Chi­nas ernann­tes Komi­tee die Reinkar­na­tion des zehn­ten Pan­chen Lama. In Tibet kam zu gros­sen Pro­tes­ten, wel­che zu einer Ver­haf­tungs­welle führten.

Chadrel Rin­po­che, der Abt des Klos­ters Tashi­lunpo (der bis anhin als eher china-freundlich galt) wurde von den Chi­ne­sen ver­haf­tet und inhaf­tiert. Inzwi­schen gab China zu, den sie­ben­jäh­ri­gen Kna­ben in Gewahr­sam genom­men zu haben, um ihn ‘zu schüt­zen’. Der Knabe dürfte zur Zeit der jüngste poli­ti­sche Gefan­gene der Welt sein. Inzwi­schen ver­sucht China, ‘sei­nen’ Pan­chen Lama zu eta­blie­ren. (Cars­ten Nebel, 28.09.1998)

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