Der Schakal rettet den Löwen

«In lang­ver­gan­ge­nen Zei­ten, als sich der Bodhi­sattva noch in einem Zustand unvoll­en­de­ter Ansamm­lung ver­dienst­vol­ler Werke befand, lebte er in einer bestimm­ten Hügel­ge­gend als Löwe, als König der Tiere. In der Nach­bar­schaft des Hügels haus­ten fünf­hun­dert Scha­kale, die sei­ner Spur folg­ten und das ver­schlan­gen, was er übri­gließ. Wenn der Löwe irgend­ein Tier getö­tet hatte und von des­sen gutem Fleisch geges­sen und von des­sen gutem Blut getrun­ken hatte, pflegte er den Rest auf dem Boden lie­gen zu las­sen und weg­zu­ge­hen. Die­ser Zustand der Dinge dau­erte eine lange Zeit.

Ein­mal als der Löwe, der König der Tiere, des näch­tens nach Beute jagte, fiel er in einen tie­fen Brun­nen, und alle fünf­hun­dert Scha­kale ver­streu­ten sich, mit einer ein­zi­gen Aus­nahme, in ver­schie­dene Rich­tun­gen. Nur einer der Scha­kale wid­mete seine Auf­merk­sam­keit dem Löwen, saß an der Ecke des Brun­nens und dachte dar­über nach, wie er den Löwen her­aus­zie­hen könne. Wäh­rend er in der Nach­bar­schaft des Brun­nens auf und ab rannte, sah er einen nicht weit ent­fern­ten, klei­nen Teich. Nach­dem er ihn ent­deckt hatte, begann er einen Kanal zu gra­ben und füllte dann den Brun­nen mit dem Was­ser des Tei­ches, so daß der Löwe imstande war, herauszukommen.

Eine Gott­heit äußerte dar­über fol­gen­den Vers: “Die Mäch­ti­gen sowohl als der Rest (der Lebe­we­sen) müs­sen sich mit­ein­an­der befreun­den. Sehet, wie die­ser Scha­kal den Löwen aus einem alten Brun­nen erret­tet hat.” »

aus “Per­len alt­ti­be­ti­scher Lite­ra­tur”, B.C. Olschak, Birk­häu­ser Ver­lag Basel und Stuttgart
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