Die Affen und der Mond

«In längst ver­gan­ge­nen Zei­ten, da lebte eine Schar von Affen im Walde. fabel_affenAls sie ein­mal umher­schweif­ten, sahen sie das Spie­gel­bild des Mon­des in einem Brun­nen, und der Füh­rer der Affen­bande sagte: “0 Freunde, der Mond ist in die­sen Brun­nen gefal­len. Die Welt ist jetzt ohne Mond. Soll­ten wir ihn nicht her­aus­ho­len?” Die Affen sagten:

“Gut, wir wol­len ihn her­aus­zie­hen”, und sie began­nen Rat zu hal­ten, wie sie ihn her­aus­be­kom­men könn­ten. Einige von ihnen schlu­gen vor: “Ja, wißt ihr denn nicht? Die Affen müs­sen eine Kette bil­den und auf diese Weise den Mond herausziehen.”

So form­ten sie eine Kette. Der erste Affe hing am Zweige des Bau­mes, der zweite Affe hing an dem ers­ten Affen und der dritte sei­ner­seits am Schwanze des zwei­ten Affen… Als sie auf diese Weise alle anein­an­der­hin­gen, begann sich der Zweig ein gutes Stück zu nei­gen. Die Was­ser­ober­flä­che begann sich zu bewe­gen, das Spie­gel­bild des Mon­des ver­schwand, schließ­lich brach der Zweig, alle Affen fie­len in den Brun­nen und wur­den höchst uner­freu­lich beschädigt.

Eine Gott­heit sprach dar­auf­hin fol­gen­den Vers: “Wenn die Nar­ren einen när­ri­schen Anfüh­rer haben, so gehen sie alle dem Unter­gang ent­ge­gen, genau sowie jene Affen, die den Mond aus einem Brun­nen holen wollten.”»

aus “Per­len alt­ti­be­ti­scher Lite­ra­tur”, B.C. Olschak, Birk­häu­ser Ver­lag Basel und Stuttgart

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