Pferde

Das Przewalski-Pferd

Das Przewalski-Pferd, mon­go­lisch Tachi genannt, ist die ein­zige noch exis­tie­rende przewalski03Wild­form des Pfer­des. Sie wurde 1878 vom russisch-polnischen For­schungs­rei­sen­den Nico­lai Prze­wal­ski in den Step­pen Zen­tral­asi­ens ent­deckt. Im Laufe die­ses Jahr­hun­derts ist das Przewalski-Pferd in freier Wild­bahn stark ver­folgt wor­den. Vor allem der Abschuss zur Fleisch­ver­sor­gung in den 30er und 40er Jah­ren die­ses Jahr­hun­derts führte dazu, dass nach 1969 sowohl in der Mon­go­lei als auch in China keine mehr fest­ge­stellt wer­den konn­ten. Das Pferd gilt seit­her im Frei­land als aus­ge­stor­ben. Ein Pro­jekt der Wie­der­an­sied­lung in der Mon­go­lei hat erfolg­reich begonnen.

Glück­li­cher­weise hatte die Ent­de­ckung von Prze­wal­ski das Inter­esse von Tier­händ­lern und Pfer­de­freun­den geweckt. Des­halb wur­den zur Jahr­hun­dert­wende auf­wen­dige Expe­di­tio­nen ins Ver­brei­tungs­ge­biet orga­ni­siert und eine grös­sere Zahl von Wild­pfer­de­foh­len gefan­gen. Davon gelang­ten ins­ge­samt 52 Tiere lebend nach Europa, Russ­land und die USA. Die Zucht berei­tete anfäng­lich grosse Schwie­rig­kei­ten. Nur wenige Tiere pflanz­ten sich erfolg­reich fort. In den dreis­si­ger Jah­ren gab es, u.a. durch Tier­tausch einige Fort­schritte. Wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges schrumpfte der Bestand wie­der auf 31 Tiere, und nur die Zuch­ten in Prag und Mün­chen über­leb­ten. Erst in den sieb­zi­ger Jah­ren führ­ten die inter­na­tio­nale Zusam­men­ar­beit und der sys­te­ma­ti­sche Aus­tausch zum durch­bre­chen­den Zucht­er­folg. Ende des Jahr­tau­sends wer­den es über 2000 Wild­pferde in Men­schen­ob­hut sein, die alle von zwölf Tie­ren abstammen.

Har­tes Pfer­de­le­ben in der Mongolei

Mit dem Erfolg der Zucht war eine Vor­aus­set­zung erfüllt, die Wie­der­an­sied­lung przewalski01des Wild­pfer­des in sei­ner Urhei­mat der Mon­go­lei ins Auge zu fas­sen. Zwi­schen 1987 und 1991 führ­ten mon­go­li­sche und rus­si­sche Wis­sen­schaf­ter umfang­rei­che Abklä­run­gen durch, um die pas­sende Region für eine Wie­der­an­sied­lung zu fin­den. Als geeig­ne­tes­tes Gebiet wurde schliess­s­lich das Reser­vat «Gobi B» im Süd­wes­ten der Mon­go­lei ausgesucht.

Am Rande die­ses Gebiets in Tach­intal rich­tete die Christian-Oswald-Stiftung zusam­men mit mon­go­li­schen Fach­leu­ten 1992 Gehege ein und trans­por­tierte die erste Gruppe Wild­pferde dort­hin. Bis 1997 wur­den 40 Tachis aus Europa und Aus­tra­lien nach Tach­intal gebracht. Die Tiere wer­den in gros­sen Gat­tern an das rauhe Klima und das kärg­li­che Fut­ter gewöhnt. Die Umstel­lung ist gewal­tig, und einige Tiere sind in den letz­ten Jah­ren gestor­ben. Mit Ver­lus­ten ist aller­dings bei einem sol­chen Pro­jekt immer zu rechnen.

Eine Herde mit 500 Pfer­den als Ziel

Der Nach­wuchs, der sich mitt­ler­weile ein­ge­stellt hat, zeigt gute Vita­li­tät. Dies erfüllt ebenso mit Hoff­nung wie das Ver­hal­ten der Gruppe, die 1997 als erste aus den Gehe­gen frei­ge­las­sen wor­den ist. Sie fin­det sich in der Land­schaft gut zurecht. In den nächs­ten Jah­ren sol­len wei­tere Tachi-Stuten und –Hengste in die Natur ent­las­sen wer­den. Wei­tere Tiere kom­men aus Europa und den USA, um auf das Leben in freier Wild­bahn vor­be­rei­tet zu wer­den. Ziel ist es, einen Bestand von min­des­tens 500 Tie­ren in freier Wild­bahn wie­der auf­zu­bauen. Diese Zahl ist Vor­aus­set­zung, dass der Bestand lang­fris­tig ohne die Gefahr wei­te­rer Inzucht über­le­ben kann. Das Reser­vat «Gobi B» mit sei­nen 12’500 Qua­drat­ki­lo­me­ter und sei­ner viel­fäl­ti­gen Land­schaft bie­tet ohne wei­te­res so vie­len Wild­pfer­den Lebensraum.

przewalski02In der Mon­go­lei beste­hen heute gute Vor­aus­set­zun­gen für das Pro­jekt. Die Ein­hei­mi­schen ste­hen den Wild­pfer­den sehr posi­tiv gegen­über. Sie pfle­gen eine inten­sive Bezie­hung zu Haus­pfer­den und sind stolz über die Rück­kehr der wil­den Vor­fah­ren der Haus­pferde. Die wich­tigste Ursa­che für das Aus­ster­ben, die direkte Ver­fol­gung, kann heute aus­ge­schlos­sen wer­den. Nut­zungs­kon­flikte zwi­schen Noma­den mit ihren Her­den und den Wild­tie­ren könn­ten aller­dings ent­ste­hen; die­ser Gefahr kann mit der Schaf­fung von Brun­nen und Wei­de­flä­chen aus­ser­halb des Reser­vats begeg­net wer­den. Durch eine Ver­bes­se­rung der loka­len Infra­struk­tur und direkte Hilfe wie zum Bei­spiel im äusserst stren­gen Win­ter 1996/97, aber auch durch gezielte Unter­stüt­zung ein­zel­ner hat die Christian-Oswald-Stiftung, die für das Pro­jekt feder­füh­rend ist, viel zur posi­ti­ven Ein­stel­lung der loka­len Bevöl­ke­rung beigetragen.

Chris­tian Stauf­fer, Zoo­loge, Wald­amt der Stadt Zürich, 28.09.1998

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